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Der Israelit · 1936-11-19 · Heft 46 (19.11.1936) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 46 (19.11.1936)
Date
1936-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 46 D e r I 1 i t 19. November 1936 bereits umfangreiche Materialien zur Prüfung vorgelegt. Man erwartet, daß die Vernehmung der jüdischen Vertreter in einer öffentlichen Sitzung erfolgen wird. Die Haltung tier Araber. Ungeachtet des arabischen Beschlusses, die Kgl. Kommission zu boykottieren, wird von der Unterkommission, die das Oberste Arabische Komitee eingesetzt hat, die Sammlung von Material zur Begründung des arabischen Standpunktes fortgesetzt. An dieser Arbeit beteiligen sich sehr eifrig die Streikkomitees von Haifa, Jerusalem und Jaffa, sowie die arabischen Arbeiterorganisationen. Diese haben an alle Ortsgruppen ein Rundschreiben mit der Aufforderung I geschickt, trotz des offiziellen Boykotts der Kommission Material zu sammeln. Die Haltung der Araber hat auch schon zu kleinen Zwischenfällen geführt. Als sich am Donnerstag abend die Herren m einem Empfang beim High Commissioner begaben, war die Straße zur Residenz mit Nägeln so bestreut, daß die Autos Reifenbeschädigungen und damit Verzögerungen erlitten. Ein weiterer Zwischenfall, der mit der eigentlichen Sache nicht zusammenhängt, wird von der Presse verzeichnet. Der italienische Konsul, der der Eröffnung beiwohnen sollte, verließ demonstrativ den Platz, als er in seiner Nähe den abessinischen Vertreter erblickte. Die Verteilung der neuen Palästina-Zertifikate. Jerusalem, 13. November. Von den 1800 Zertifikaten der neuen Einwanderungsschedule sind bekanntlich 300 für Einwanderer der Kapitalistenkategorie aus Deutschland bestimmt, die das erforderliche Mindestkapital bisher noch nicht transferieren konnten. Von den restlichen 1500 Zertifikaten sollen, wie die ITA. erfährt, 200 als Reserve von der Regierung einbehalten werden. Die übrigen werden nach folgendem Schlüssel verteilt: 250 Zertifikate für. landwirtschaftliche und 50 für industrielle Fachleute, 750 für Chaluzim und Handwerker und 250 für Angehörige von Palästina- Einwohnern, Die Hälfte der 1300 freien Zertifikate soll sofort, die übrigen 650 sollen im Januar ausgegeben werden, 70 Proz. dieser Zertifikate sind für unverheiratete Männer, 10 Prozent für unverheiratete Frauen und 20 Proz. für Familien bestimmt. Der Streit um das Bürgermeisteramt in Tel Awiw. Tel A w i w , 16. November. In einer Sitzung des Stadtrates von Tel Awiw erklärte der von der Regierung ernannte Bürgermeister R o k a c h , er sei zur Zusammenarbeit mit allen Parteien bereit. Er bestritt, daß er bei der Regierung um seine Ernennung nachgesucht habe. Wenn jedoch eine Zusammenarbeit mit den Parteien unmöglich sei, würden neue Wahlen ausgeschrieben werden. Die Linken brachten einen Antrag ein, wonach Bürgermeister Rokach von allein von seinen Aemtern in der Stadtverwaltung zurücktreten sollte. Es erhob sich eine stürmische Aussprache, in deren Verlauf die Linke gegen den Eingriff der Regierung in die Selbstverwaltung anläßlich der Bürgermeisterwahl protestierte. Sie wandte sich auch gegen Bürgermeister Rokach wegen seiner Vorstellungen bei der Regierung für seine Ernennung- Es wurde schließlich mit 8 Stimmen der Linken gegen 7 Stimmen des Zentrumsblocks dem Bürgermeister Rokach das Mißtrauen ausgesprochen. Eine Palästina-Konferenz in Berlin. Das Bekenntnis der „ReichsVertretung" zum Palästinaaufbau. Die Palästina- Konferenz der Juden in Deutschland, die am Sonntag, den 15, November 1936, in Berlin unter Beteiligung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, der jüdischen Landesverbände und Gemeinden, der großen Organisationen sowie zahlreicher Delegierter aus vielen Städten des Reiches stattfand, begrüßte die Resolution, die Präsidial- Ausschuß und Rat der Reichsvertretung der Juden in Deutschland auf ihrer Sitzung in Frankfurt a. M. am 2. November 1936 gefaßt haben. Die Frankfurter Resolution legte ein Bekenntnis zum PalästinaaufTsau ab und besagte u. a.: „Das jüdische Aufbauwerk in Erez Israel hat der schweren Belastung, die Streik und Terror sechs Monate lang ihm auferlegt haben, ungeachtet aller schweren Opfer mit bewundernswerter Disziplin and Zurückhaltung standgehalten. .Jetzt, da unsere Brüder und Schwestern zum friedlichen Werke des Pflanzen« und Bauens zurückkehren, tritt 'die Auseinandersetzung um unser Recht auf die Nationale Heimstätte in Erez Israel in einen neuen Abschnitt ein. Vor der „Royal Commission" wird die Leitung der Jewish Agency for Palestine den Anspruch vertreten, den Balfour=Deklaration und Völkerbundsmandat feierlich anerkannt haben. Für 35 000 Juden aus Deutschland ist Palästina zur neuen Heimat geworden, weitere Tausende rüsten zum Aufbruch. Gestützt auf ihre Verbundenheit mit der werdenden Nationalen Heimstätte in Palästina, auf ihre hierfür bereits vollbrachten Leistungen und auf die Zukunftshoffnungen, die sie an den Fortschritt der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina knüpft, spricht die jüdische Gemeinschaft in Deutschland durch die Reichs Vertretung die Erwartung aus, daß das Ergebnis der Untersuchung der Royal Commission der Mandatsregierung die uneingeschränkte Fortsetzung von Einwanderung und Aufbau und die volle Verwirklichung der Balföür-Deklaration und des Palästina-Mandats ermöglichen wird." Die Besprechungen des polnischen mit dem englischen Außenminister über die Auswanderung nach Palästina. London, 12. November. Wie die ITA. von zuverlässiger Seite erfährt, hat der polnische Außenminister Oberst Beck in seinen Besprechungen mit dem englischen Außenminister Anthony Eden die Frage der jüdischen Auswanderung aus Polen nach Palästina eingehend erörtert. Hierbei wurde auch auf die Interessen Polens an Palästina nachdrücklichst hingewiesen. Oberst Beck soll bei diesen Verhandlungen unterstrichen haben, daß die polnische Regierung, was Palästina betrifft, keine Ansprüche erhebe, daß aber Polen wesentlich an der ununterbrochenen Fortdauer der jüdischen Auswanderung aus Polen nach Palästina interessiert sei. Man nimmt an, daß dieser Schritt von polnischer Seite unternommen wurde, um es zu ermöglichen, daß die englische Regierung bei der künftigen Prüfung des Berichtes der Kgl; Kommission auch das Interesse der polnischen Regierung an der jüdischen Auswanderung entsprechend berücksichtigen könne. '; Iii der soeben erschienenen Nummer der! Zeitschrift „Great Britain and the East" wird bestätigt, daß die Frage der jüdischen Einwände-: ruri^ nach'Palästina von dem polnischen Außen-' minister mit der englischen Regierung besprochen wurde. Polen habe ein Lebensinteresse daran, für seine dreieinhalb Millionen Juden, dier hauptsächlich wegen der wirtschaftlichen Veränderungen nach dem Kriege, offiziell als „überschüssig" betrachtet werden, einen Ausweg offenzuhalten. Es ist jedoch unwahrscheinlich, erklärt das Blat, daß Oberst Beck die englische Regierung seinen Ansichten in dieser Angelegenheit gegenüber sehr willfährig gefunden haben sollte. Es ist richtig, daß Polen bisher eine große Zahl der jüdischen Einwanderung nach Palästina gestellt hat; es ist auch richtig, daß sie mehr einem inneren Drange folgend in das Heilige Land gegangen sind, als im Zusammenhang mit ihrem Schicksal in Europa. Aber das gibt ihnen nicht das Recht, die Probleme des britischen Reiches bei seiner Behandlung der Judenfrage zu verschärfen, Probleme, die gerade jetzt von der Kgl. Kommission in Palästina geprüft werden. Wir können Sympathie empfinden mit Polen bei seiner Sorge wegen der Juden und mit den polnischen Juden in ihren Sorgen; aber Palästina ist letzten Endes ein Problem des Reiches, das unter Gesichtspunkten des Reiches: behandelt werden muß. Zweite Lesung der Public Order Bill im Unterhaus. London, 16. November. Das Unterhaus nahm am 16. November die zweite Lesung der Public Order Bill, des neuen Gesetzes zum Schutze der öffentlichen Ordnung vor. Innenminister Sir John Simon, der die Vorlage unterbreitete, erklärte, er fordere das Haus nicht auf, Gesetze gegen irgend jemandes Ueberzeugung zu schaffen, wohl aber für die Erhaltung der politischen Toleranz zu sorgen. Der Erzbisch of von York, der B i - schof von Croydon, der Dekan von Canterbury und der Dekan der St. Pauls Kathedrale, sowie Sir Norman A n g e 1 \ unterzeichneten eine von der Gesellschaft für Freundschaft zwischen Christen und Juden erlassene Kundgebung, in der die judenfeindliche Propaganda gegen die Juden mit scharfen Worten mißbilligt wird. In der letzten Sitzung des Board of D e - puties ofBritish Jews kündigte der Präsident Neville L a s k i eine Reorganisierung der Koordinations -Kommission zur Abwehr judenfeindlicher Angriffe an. Den Vorsitz in der Koordinations-Kommission übernimmt Präsident Laski selbst. Ihm werden der frühere Abgeordnete Barnett Jänner und P. Horov i t z als Vizepräsidenten zur Seite stehen. In die Kommission werden Vertreter der jüdischen gesellschaftlichen Vereinigungen und der ehemaligen Kriegsteilnehmer sowie eine Reihe von Fachleuten aufgenommen. Ein Mitglied der Kommission wird die Organisierung von Kundgebungen in Sälen und unter freiem Himmel übernehmen. Die Aguda für die Schechita in Polen London, 12. November. Der polnische Außenminister Oberst Beck empfing den politischen Sekretär der Weltorganisation Agudas Jisroel, H. A. Goodman, der die Bedenken der religiösen Judenheit über die Einführung des teilweisen Schächtverbots in Polen vortrug und die Möglichkeit einer Zurückstellung des am 1. Januar in Kraft tretenden neuen Gesetzes nahelegte. Nach der Unterredung teilte H; A. Goödmäh mit; derAußenministejr habe geantwortet, es sei unmöglich, das Inkrafttreten" des Gesetzes hinauszuschieben; docn werde die Regierung alles tun, mril die; Befriedigung der " religiöse» - BedürMsse'-l;«ter jüdischen Gemeinden Polens zu sichern, -; smm&smettsiffim® g^a^A'44Mi^^Md^MM

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