Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-11-19 · Heft 46 (19.11.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 46 (19.11.1936)
Date
1936-11-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450954--82550-2539941
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

^^*f^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^?c^^^^^^^ 1" 2aillöV.l035 'V 'M:'"' "' ' Frankfurt a- M. 19. November 1936 5. Kislew 5697 Nummer 46 ission bei der Arbeit Die Untersuchungskommission ist am 11. November abends in Palästina eingetroffen. Besondere Empfangsfeierlichkeiten unterblieben. Nur der Adjutant des High Commissioners und die "unvermeidlichen Journalisten und Photographen waren bei der Ankunft" der Kommission in .Lydda anwesend. Noch am gleichen Abend fuhren die Herren unter Polizeischutz nach Jerusalem, wo sie sich im King David-Hotel einlogierten. Zu Zwischenfällen ist es bei dem Einzüge nirgends gekommen. Die Eröffnung; Am Donnerstag, den 12. November, 3 Uhr, mittag wurden .die Beratungen der Kommission; mit einer feierlichen Kundgebung eröffnet, an der die Mitglieder der Palästinaregierung unter Führung des High Commissioners teilnahmen. Es-;,-w-aren'.dabei auch Vertreter der Jewish 1 Agency, der Ag udas J is r o e 1 und anderer jüdischen Organisationen anwesend. Der Saal war reich geschmückt. Nach den Klängen der Nätio- . nalhymne hielt der High Commissioner die erste -Begrüßungsrede, in der er'den Anbeginn der Un- . tersuchungen als einen Mar k stein in der; Entwicklung P a lä s t i n a s hinstellte. Er i vvisse, wie schwer die Aufgabe der Kommission sei, hege aber volle Zuversicht, daß sie, den Weg zu einer gerechten und für alle Beteiligten billige Lösung finden werden. Der Vorsitzende der Kommission, Earl P e e 1, dankte und sagte u. a., die Kommission trete völlig voraussetzungslos an ihre Arbeiten heran. Alle früheren Vorarbeiten auf diesem Gebiete seien vergessen. Er bitte die Bevölkerung, zu den großen Schwierigkeiten, die die Kommission zu überwinden hat, keine neuen hinzuzufügen. Zu der Boykottierung vonseiten der arabischen Führer sagte Peel, er werde sehr bedauern, wenn die Kommission sich genötigt sehen .sollte, zu Schlußfolgerungen zu gelangen, o hn e den Rät d i e s e s T e i 1 e s der Bevölkerung z u hören. ,,Es wäre beklagenswert," schloß Peel, ,,wenn Furcht, Kampf und Zwietracht das Schicksal des Heiligen Landes sein sollte, das sonst der ganzen Welt die Botschaft des Friedens und der Verständigung gebracht hat.** ' . Die Begrüßungsansprache des High Commissioner wurde ebenso wie das Dekret über die Einsetzung der Kommission, das vom Chef Sekretär John Hathorn Hall verlesen wurde, in die beiden anderenoffiziellen Landessprachen, Hebräisch und Arabisch, übertragen. Die Verlesung des Dekrets wurde von der Versammlung steherid angehört. " .. . Besichtigungen und Vernehmungen* Am Freitag begann die Kommission mit der Besichtigung jüdischer und arabischer Siedlungen; So weilte sie in Bethlehem, Hebron, Beer Schewa und Gaza, wo sie Mittagsrast hielt. Am Nachmittag besichtigte sie die landwirtschaftliche Versuchsstation in Rechowot und kehrte dann über Ramleh nach Jerusalem zurück. Die Kommission hielt sich kurze Zeit auch in Tel A w i w und Petach Tikwa auf. In Tel Mond wurde den-Mitgliedern der Kommission, die sich, in Begleitung hoher Regierungsbeamter befanden, ein Lunch serviert. Am Montag,, den 10. November, hat die Kgl. Kommission ihre . erste nichtöffentliche Sitzung abgehalten, High Commissioner Sir Arthur Waucho.pe erschien vor der Kommission, um Aussagen über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu machen und Fragen über die Ursachen der Gegensätze in Palästina zu beantworten. Die Vernehmung des High Commissioner nahm zwei Stunden, in Anspruch. Der Kgl. Kommission wurden von den verschiedenen Departments der Palästina-Regierung (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die Verteilung der neuen Palästina-Zertifikate . Seite 2 Eine Palästina-Konferenz in Berlin . Seite 2 Immer noch Streit um den Bürgermeister von Tel Awiw . . Seite 2 Einwanderungssperre in Südamerika Seite 3 Sabbath und Kaschruth . . . . Seite 3 Die Not jüdischer Nerven- und Gemütskranken. Von H. Seckbach Seite 4 Die jüdische Schule wie sie nicht ist und wie sie ist. Von Dir- Elias . . Seite 4 Zwei aktuelle Palästina-Bücher . . . Seite 6 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld ..... Seite 7 Die jüdische Auswanderung. aus Deutschland ...... Seite 8 Neue Ausschreitungen in Polen . . . Seite 9 Nachrichten aus Palästina . . Seite 11 u. 12 Die Feststellung einer Selbstverständl ichkeit Als vor Jahresfrist die Zeitungen die Kunde von dem Mord ein Davos brachten und dabei einen Mörder mit jüdischem Namen nannten, gab es keinen wahrhaft jüdisch denkenden Juden auf dem Erdenrund, den nicht diese Wahnsinnstat mit Grauen erfüllte. Nicht allein deshalb, weil man daraus neues Anklagematerial gegen das Judentum befürchtete, sondern in erster Reihe aus rein jüdischem Empfinden heraus; im Gedenken an das nS*in tfb „Du sollst nicht morden" unserer Thora, das wir an die Kulturwelt im Rahmen der sieben noachidischen Gesetze weitergegeben haben. Je nach Geschmack und Temperament gaben die jüdischen Zeitungen damals diesen Empfindungen Ausdruck, aber alle verurteilten scharf die Tat. Ihrer welche glaubten es nicht nötig zu haben, der Welt mit vielen Worten erst zu sagen, wie sehr wir, — die wir schon auf dem ersten Blatt unserer Bibel das Wort haben "]Qttr» 1ÖT tnK3 D*TS!l DT "]SW ..Wer Menschenblut vergießt; dessen Blut wird vergos sen", die wir jede Art von Rache und Vergeltung G'tt allein anheimgestellt. (M. V. 32, 35) — wie sehr wir Blutvergießen, egal ob aus Mordsucht oder aus angeblichem , nationalem Motiv, verabscheuen. Wir gehörten zunächst zu den letzteren, die glaubten, über Selbstverständlichkeiten schweigen zu dürfen. Dann aber schrieb! ein prominenter Mitarbeiter unseres Blattes zu diesem Falle: ' „Denn in all unsren religiösen Lehren wird es Israel als; Aufgabe und Bestimmung, als Merkmal und Wesenszug aufgegeben, von aller Gewalt sich freizuhalten. Es sind uns fremde, von außen hineingetragene Verirrungen, daß in den letzten Jahren auch die Waffe bei uns Geschichte gemacht hat und Geschichte machen sollte. Mit Abscheu haben wir den Mord an de Haan, an Arlosoroff in Palästina verzeichnet, wo in unseliger Verblendung unreife Fanatiker das Rad der Entwicklung des Palästinaaufbaues durch die Pistole aus dem Hinterhalte vorwärtstreiben wollten. Es gibt keinen G'tt fürchtenden, in der Lehre der Thora verwurzelten Juden, der sich nicht in innerstem Widerwillen von solcher Barbarei abwendet. Mord ist wie Götzendienst der schwerste Abfall vom Judentum. Auch wir sind zu unsrem Entsetzen und voll tiefsten Abscheus Zeugen einer solchen gemeinen Tat geworden. Die Schüsse von D ä v o s sind u n s ins Herz gezielt, sind Entweihung des Judentums und eine Verleugnung G'ttes, der Israel durch die Zeiten führt und uns gesagt hat: „der Rest Israels soll keinerlei Unrecht tun". Der Wahnsinn eines Verblendeten hat dem Judentum und der Judehheit damit eine schwere Wunde geschlagen. Der Fluch eines Mörders, der die Ehre der jüdischen Religion und die seiner Brüder leichthin preisgegeben hat, haftet an dem Attentäter." (Dr. Josef Carlebach, „Israelit" Nr. 11 v. 12. 3. 36.) (Fortsetzung siehe Seite 3.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.