Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
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Seite 8 Nr. 13 Der Israelit 26. März 1936 britische Staatsangehörige in Staatsdienst im Irak zu nehmen. Nur wenn geeignete britische Staatsangehörige nicht vorhanden sind, ist die Irak- Regierung frei in der Bestellung nichtbritischer Staatsangehöriger. Es besteht daher keine Aussicht, daß jüdische Äerzte aus Deutschland an der Universität von Bagdad oder an den Staatskrankenhäusern von Irak angestellt werden können. Persien. Die Lage der Juden in Persien. Istambul, 18. März. Der persische Geschäftsträger in der Türkei dementierte in einem Gespräch mit dem ITÄ-Vertreter in Istambul entschieden alle Meldungen über Beschränkungen, denen Juden in Persien unterworfen sein sollen. Die persische Regierung, erklärte der Geschäftsträger, hat es nicht nötig, Gesetze zu erlassen, durch die Beschränkungen, denen Juden als solche in Persien angeb.'kh unterworfen sind, aufgehoben werden sollen. Die Juden in Persien erfreuen sich derselben Rechte, wie die übrige Bevölkerung und die Behörden machen keinerlei Unterschiede aus Gründen der Religion oder Rasse. Schah Pehlevi ist ein außerordentlich gerechter Herrscher, der in seinen jüdischen Untertanen ein sehr wertvolles Bevölkerungselement sieht. So hat die persische Armee viele jüdische Offiziere. Juden gehören dem persischen Parlament an, Juden werden in persischen Schulen und Universitäten als Lehrer oeschäftigt: Die Religonszugehörigkeit wird in persischen Pässen nicht vermerkt, da alle Bürger als gleichberechtigt angesehen . werden. Unter diesen "u^tänden können alle im Ausland verbreiteten Besorgnisse Uber die Lage der Juden in Persien als unbegründet L>ezoichnet werden. Spanien. Spanien naturalisiert staatenlose Sephardim. — Eine Erklärung des Ministerpräsidenten Azana. Madrid, 13. März. Der spanische Ministerpräsident Prof. Manuel Azana hat in einem Interview, das er dem Vertreter •der ITA. gewährte, erklärt, die neue spanische Regierung habe dem juristischen Beirat den Artikel 23 der spanischen Verfassung vom 9. Dezember 1931 mit dem Auftrag zugewiesen, entsprechende Maßnahmen für die Durchführung dieser Verfassungsanweisung zu treffen. Der Artikel betrifft die Naturalisierung im Ausland lebender Personen spanischer Herkunft und hat folgenden Wortlaut: „Es ist ein Gesetz zur Erleichterung der Erwerbung der spanischen Staatsangehörigkeit durch im Ausland lebende Personen spanischer Herkunft zu erlassen." Der Erlaß eines solchen Gesetzes wäre von besonderer Bedeutung für die große Zahl staatenloser Juden spanischer Herkunft (Sephandim), die in Frankreich, der Türkei, Griechenland und in anderen Ländern leben. Im Laufe des Gespräches mit dem Vertreter der ITA. erklärte Ministerpräsident Azana weiter, er verurteile antisemitische Strömungen in Spanien, da sie dem spanischen Empfinden und dem spanischen Gefühl für Ritterlichkeit widersprächen. Palästina. Antwort des High Commissioner auf das arabische Memorandum. Jerusalem, 16. März. Wie die Jüdische Telegraphen-Ägentur erfährt, ist die Antwort, die der High Commissioner vor einigen Tagen den arabischen Führern auf das Memorandum erteilt hat, das sie zu den Vorschlägen der Regierung über die Schaffung eines Legislative Council eingereicht haben, in sehr entgegenkommendem Ton gehalten. Der High Commissioner appelliert an die Araber, die Vorschläge über den Legislative Council anzunehmen, wobei er ihnen verspricht, daß die Befugnisse . des Council erweitert werden würden, sobald es sich zeigen werde, daß der Council gute Ärbeit leistet und Verantwortungsgefühl beweist. Die Tageszeitung „El Liwaa", das Organ des Großmufti, tritt für die Schaffung eines ständigen arabischen politischen Büros in London ein, das die Verbindung mit englisch-politischen Kreisen und insbesondere mit den englischen Faschisten pflegen soll, von deren judengegnerischen Einstellung Vorteile für die arabische Politik zu erwarten seien. Ausbau des palästinensischen Eisenbahnnetzes, Jerusalem, 15. März. In einem der Presse übergebenen Bericht der Palästinaregierung über das palästinensische Eisenbahnwesen werden Pläne für den Ausbau des Eisenbahnnetzes angekündigt. In erster Reihe ist der Bau einer neuen Linie von Jaffa—Tel Awiw nach dem in der Nähe der großen jüdischen Kolonie Petach Tikwah gelegenen Magdiel vorgesehen. In Tel Awiw und Jaffa werJen neue Bahnhöfe gebaut. Die beiden Stationen nehmen den Güterverkehr auf und der Jaffaer Bahnhof wird durch eine Zweigiime mit dem Hafen verbunden. Wie die arabische Tageszeitung „El Liwaa" berichtet, haben sich Einwohner arabischer Dörfer im Kreis Haifa an den High Commissioner mit einer Denkschrift gewandt, in der die Errichtung von Eisenbahnstationen bei den betreffenden Dörfern gefordert wird. Neuwahl des Rabbinischen Rates Palästinas. Jerusalem, 15. März. Die Wahlkommission für den Rat des palästinensischen Oberrabbinats hat unter dem Vorsitz von Rabbi M. Ostrowski beschlossen, die Neuwahl •d<es Rates im kommenden Monat vorzunehmen. Sämtliche judilioWu Gemeinden und Ortsräte, mit Ausnahme Rischon Ie Zions, kahen die Namen ihrer Vertreter für die Konferenz, die 'die Wahl vornehmen soll, bekannt gegeben. Zwecks Zusammenstellung der Kandidatenliste für die Wahlsitzung wurden der Kommission durch den Rat des Oberrabbinats Verzeichnisse der Rabbiner von Jerusalem, Tel Awiw, Jaffa, Tiberia®, Safed und Umgebung . und Petach Tikwah und Umgebung zugestellt. Offizielle Ehrungen für Bürgermeister Meir Dizengoff. Tel Awiw, 10. März. Zu Ehren des Bürgermeisters von Tel Awiw, Meir Dizengoff, veranstaltete die Stadtverwaltung von Tel Awiw einen Empfang anläßlich des Beginns der Pflanzung des neuen Stadtgartens „Gan Meir". Die Pflanzung wurde zur Feier des 75. Geburtstages Dizengoffs beschlossen. Die Palästina-Regierung hat einen Beitrag von 5000 Pfund für die Pflanzung des Gartens* bewilligt. Der Distriktskommissar für den palästinensischen Süddistrikt, R. E. H. Crosby, hielt bei dem Festempfang der Stadfgemeinde eine hebräische Ansprache. Die Stadtverwaltung hat ferner beschlossen, einen Dizengoff-Kunstpreis zu stiften. Amerika. Das amerikanische Außenministerium zur Schechita-Frage in Polen. Washington, 11. März. Der amerikanische Staatssekretär (Außenminister) Cordeil H u 11 hat die Frage eine® Schächtverbots in Polen auf Grund eines ihm von einer Abordnung des Verbandes der polnischen Juden in Amerika überreichten Memorandums einem Studium unterzogen. Die Mitglieder der Delegation, die dieses> Memorandum dem Außenminister Hüll überreichten, besprachen mit dem Außenminister 'Einzelheiten des polnischen Gesetzentwurfes. Staatssekretär Hull brachte sein Interesse für die dargelegten Probleme und seine Sympathie für die Wünsche der jüdischen Bevölkerung zum Ausdruck. Er warf, 'die Frage auf, warum die polnische Regierung, wenn sie gegen den Antisemitismus sei, die Behandlung des Antrages nicht verhindert habe. Zum Schluß erklärte er, er werde sich mit dem Inhalt 'des Memorandums noch weiter beschäftigen. « New York, 18. März. Der Vorsitzende der außenpoliti&chien Kommission des amerikanischen Senats, Key Pittman, hat in einer telegraphischen Erklärung an den Ämerican Jewish Congress die judenfeindlichen Vorgänge in Polen aufs schärfste verurteilt. Senator Pittman bezeichnet diese Vorfälle als „unfaßbare Verfolgungen". Schwerste Vorwürfe erhebt-er dabei gegen die leitenden Staatsmänner. Vermischtes. Versammlung des Vereins polnischer Juden. Hannover, 10. März. Der Vorsitzenide, Herr Fischel, eröffnet die in der Zionloge stattgehabte, von etwa 150 Personen besuchte Versammlung mit der Erstattung des Tätigkeitsberichtes der letzten Jahre. Wie Herr Fischel ausführte, war die Tätigkeit in den letzten Jahren nur minimal wegen Mamgelsi an Betätigungsmöglichkeiten. Unter Hinweis auf den Reichsverband polnischer Juden und den von dieser Organisation veröffentlichten Aufruf machte der Vorsitzende die Versammlung auf die Wichtigkeit unseres Vereins gerade jetzt aufmerksam, was auch von der Versammlung rückhaltlos anerkannt wird. Der von dem Kassierer, Herr M e i s n e r, abgegebene Kassenbericht wurde von den Revisoren als in Ordnung bestätigt. Es wurde nunmehr eine Statutenänderung vom Vorstand vorgeschlagen, und wurden danach .die §§ 1, 2, 5 und 8 gemäß diesem Vorschlag in der neuen Fassung einstimmig von der Versammlung angenommen. Durch Aenderung des § 1 trägt der Verein künftig den Namen „Verein polnisioher Juden". In der darauffolgenden Neuwahl des Vorstandes wurde zunächst in einem besonderen Wahlganig zum ersten Versitzenden Herr F i s c b e 1 einstimmig gewählt. Die weiteren Vorstandsmitglieder wurden ebenfalls durch Zuruf gewählt. Herr Fischel erstattete dann Bericht über den Verlauf der Delegiertentagung des Reichsverbandes polnischer Juden in Berlin. Die Versammlung bestätigte einstimmig den bereits vollzogenen Ansichluß an den Reichsverband polnischer Juden in Deutschland. Es entspann sich eine sehr erregte Debatte über die Behandlung der Ostjudem durch die hiesige Synagogen-Gemeinde und es wurde auch eine Resolution angenommen, in der „Protest gegen die entwürdigende Behandlung der Ositjiüden in Hannover seitens der Synagogen-Gemeinde Hannover" erhoben wird. (In dem uns zugegangenen Berichte ist nicht gesagt, worin sich im einzelnen die entwürdigende Behandlung und Entrechtung der Ostjuden vonseiten der Gemeinde Hannover äußert. Red,). Berlin, 16. März. Wie die Reichsvertretung erfährt, haben sich die jüdischen Privatkliniken bereit erklärt, den jüdischen Aerzten für die klinische Behandlung von Mitgliedern und Familienangehörigen der R. V O.-Kassen als Honorar 40 Proz. der Mindestsätze der Preußischen Gebührenordnung zu erstatten. Der Amtsleiter der Kassenärztlichen) Vereinigung Deutschlands, Verwaltungsstelle Berlin, hat gegen diese Regelung keine Bedenken erhoben. Das Verzeichnis der in Berlin bestehenden jüdischen Kliniken ist durch die Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde, Abteilung Aerzte zu erhalten. Berlin, 10. März. Am 2. März 1936 fand in Berlin die Kuratoriumsisitzung des Heimes Wyk a. Föhr des Jüdischen Frauenbundes Berlin unter lebhafter Beteiligung statt. Au» den verschiedenen Berichten über 'die Arbeit des Heims ging eine erfreuliche Steigerung im Geschäftsjahr 1935 hervor. Es konnten gute Kurerfolge festgestellt werden, jedoch wurde mit Bedauern auf den schlechten Gesundheitszustand der besonders von den verschiedenen Gemeinden entsandten Kinder hingewiesen. Personalmangel machte eich erat am Ende <le<s 'abgelaufenen Geschäftsjahres bemerkbar, jedoch wurden die zum Teil übertriebenen Gehaltsforderungen der jungen Kräfte in keinem Fall berücksichtigt. Anschaffunigen und Renovierungen im Heim sind in größerem Umfange gemacht worden; erwähnt wurde die Anschaffung des Röntgenapparates. Die Erörterungen führten zu wichtigen Beschlüssen. Die Aufnahme von Jungen über 14 Jahre soll nur als Ausnahme in einzelnen gesundheitlich besonders dringenden Fällen erfolgen. Es tritt eine .Erhöhung des Pflegegeldes in den drei Sommermonaten — von Mitte Juni bis Mitte September — um Mk. 0.50 pro Tag und Kind ein.