Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 13 Der Israelit 26. März 1936 Tätigsein der Jüngeren zur Bewältigung der Aufgaben, die sich in dreierlei Richtungen kennzeichnen lassen: das Bestreben, in den zerbröckelnden Gemeinden die Jüdischkeit zu erhalten; der Jugend (und auch den Heiteren) möglichst viele und echte jüdische Werte an den neuen und künftigen Lebensort mitzugeben; und endlich den „Hinaufziehenden" es einzuhämmern, daß ohne die Fahne der Thora die Pioniere und Hufbauer fies Landes nie und nimmer zum Ziele gelangen werden. Der „Verein zur Wahrung" kann dieses (alte und zum Teil neue) Programm' nur mit begrenzten und bescheidenen Mitteln durchführen. Um so mehr wird er es begrüßen, wenn ihm — bei aller Wahrung seinei Selbständigkeit und seines Arbeitsbereiches — die Möglichkeiten thoratreuer Gemeinschaftsarbeit in Deutschland gegeben erscheinen, in die er seine Arbeit einbeziehen kann. In den Kreisen, die dem V. z. W. nahestehen hofft man dabei, daß es Wege gibt und geben muß, die alle thoratreuen Gruppen und Kreise in Deutschland zu gemeinsamer Arbeit zusammenführen werden. In Mannheim ist der Umbau des jüdischen Altersheimes zur Schaffung eines Doppelgebäudes (Altersheim und Krankenhaus) in Angriff genommen worden. Die bauliche Umgestaltung des Blockes, in dem bisher das alte jüdische Krankenhaus stand, bedingte dessen Abtretung an die Stadt Mannheim. Es ist zu hoffen, daß der bis zum Sommer wohl betriebsfertige Neubezw. Umbau auch für die Krankenunterbringung aus den Kleingemeinden der Umgegend eine lebenswichtige Einrichtung darstellen wird. In einer Gemeindevertretungs-Sitzung in Mannheim wurde der Voranschlag 1935-36 genehmigt mit einem Steuerfuß von 12 Pf. zur Aufbringung der örtlichen Kirchensteuer. niemand zu Schaden kam. In Lodz wurden Juden in den Hauptstraßen, von jugendlichen Nationaldemokraten überfallen, auch Nichtjuden, die jüdische Läden betraten,, wurden angegriffen. Vierzehn Nationaldemokraten wurden verhaftet. In dem vo.ii 150 jüdischen Familien bewohnten Ort Karcze\if Schweiz. Die Regelung der Auswandererfrage" durch den Völkerbund. — Einberufung der zwischenstaatlichen Regierimgskonferenz für den-2. Juni. GTenf, 19. März. Wie der Genfer ITA-Vertreter erfährt, wird die zwischenstaatliche Regierungskonferenz, die Entscheidungen über den Rechtsstatus der Auswanderer aus Deutschland treffen soll, am 2. Juli 1936 in Genf zusammentreten. Die Experten-Kommission für Auswandererfragen hatte in ihrem Bericht an den Völkerbundsrat auf die Notwendigkeit hingewiesen, das bisher noch ungeklärte Problem des Rechtsstatus aus Deutsch^ land Ausgewanderter unverzüglich einer Lösung zuzuführen. Die Kommission betonte in diesem Zusammenhang v^daB -es weder, möglich noch wünschenswert sei, ein System internationalem Rechtsschutzes für diese Auswa-nderer einzuführen, das sich von demjenigen unterscheidet, welches in einigen Ländern bereits Ausgewanderten aus anderen Ländern gewährt-wurde. Es solle die Aufgabe der öffentlichen Verwaltung in den einzelnen Ländern nicht durch übermäßige Unterschiede erschwert und der bereits bei der Vereinheitlichung erzielte-Fortschritt zum Besten der aus Deutschland kommenden Auswanderer ausgenutzt werden. Es sei zu hoffen, daß letzten Endes ein auf alle Ausgewanderten zutreffender Rechtsstatus geschaffen wird..; . Die Kommission schlug zwecks Festsetzung eines solchen Rechtsstatus die Einberufung einer zwischenstaatlichen Regierungskonferenz vor. Diese Konferenz 'soll' nach den Vorschlägen der Kommission die rechtliche.,' Seite des Auswandererproblems in weitestem Umfang prüfen und eine entsprechende Lösung finden. Polen. Unerfreuliches aus Polen, Warschau, 17. März. Aus der Provinz treffen weitere Nachrichten über judenfeindliche Ausschreitungen ein, die sich in den letzten Tagen ereignet haben. In S'osnöwice wurde ,:die Synagoge durch einen "Bombenwurf erheblich beschädigt. Die Explosion..erfolgte kurz nach Beendigung des G'ttesdienstes', sodaß Die Woche. Dresden. Die Israelitische Religionsgemeinde Dresden beabsichtigt, zur kaufmännischen Berufsfortbildung besondere Kurse einzurichten, da die jüdischen Kaufmannslehrlinge und Jungkaufleute von den von der Deutschen Arbeitsfront veranstalteten Kursen nicht erfaßt werden. Nürnberg. Das Städtische Gesundheitsamt in Nürnberg wird, wie die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, im Laufe des April ein« ständige Ausstellung „Vererbung, Rasse, Volk" eröffnen, auf der u. a. die wichtigsten Tatsachen der Rassenkunde dargestellt werden und hierbei vor allem die Juden frage beleuchtet werden soll. Den-Haag. Dieser Tage begab sich Königin Wilhelmi na mit der Kronprinzessin Juliana und anderen hohen Herrschaften in das von Herrn Dr. Isidor Kahn geleitete Kino-Theater,; „Capitol", um sich einen neuen Film, der hier große Beachtung fand, anzusehen. Die Königin dankte nach Schluß der Vorstellung Herrn Dr. Kahn. Herr Dr. Kahn ist Deutscher und wohnte bis vor einigen Jahren in Berlin. Warschau. Ein gewisser Stefan K o 1 c z a k hat der in Warschau lebenden Witwe Meinfeld und ihren vier Kindern durch einen Warschauer Anwalt aus Amerika 10.000 Dollar überwiesen. Kolczak hatte 1919 an einem Pogrom teilgenommen, bei dem der Gatte von Frau Meinfeld den Tod fand. Sofort nach der Ermordung Meinfelds flüchtete Kolczak nach Amerika. Grodno. Auf das Haus der Gesellschaft „Toz" in Grodno (polnische Abteilung des Verbandes . für Gesundheitsschutz der Juden Ose) wurde ein Bombenanschlag verübt. Durch die Explosion wurde ein Teil der Außen- ^s^Jront zerstört, sämtliche Fensterscheiben. . wtirien-^ertrümmert. Nur dem Umstand, daß die Explosion -vor--dem Beginn der ambulatorischen Behandlung im' TozrHaus erfolgte, ist es zu verdanken, daß keine Manschen: opfer -zu beklagen sind. Saloniki. Das. grie- - chische Kriegsininisteritun und das Marineministerium haben angeordnet, daß den jüdischen Angehörigen des Heeres und der Kriegsmarine ein einwöchiger Urlaub anläßlich der Pessach-Feiertage -gewährt * werde. Jerusalem. Der Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, hat das Ehren- [' präsidium der englischen Ausstellung auf ~~der Levante-Messe in'" Tel Awiw übernom- - men. Jaffa/ Auf" den belgischen und den ~-; italienischen Konsul wurde, als sie im ' - südlichen Teil-J von Jaffa iam Strande in der ^».Nähe der ••jüdischen Siedlung Bajit Wegan einen Spaziergang unternahmen, von einem .••mit einem Dolch bewaffneten Araber ein U e b-e r f a 11 verübt. Den beiden Konsuln geläng es, den Angreifer in Schach zu hallen und sich auf das Gebiet der jüdischen Siedlung in Sicherheit zu bringen. — Auf Verlangen arabischer Posten sind 18 jüdische jif(Arbeiter,■'■ die hei öffentlichen -Arbeiten in .1/.,Jaffa beschäftigt waren,- sofort entlassen ' worden. Tel Awiw. Im Stadtrat von Tel. Awiw gab der Leiter der technischen Ma- '•' ' gistratsabteilung, D. Zbarsku, bekannt, ::\::;daß die Stadtverwaltung in den letzten Wo- VKchen Lizenzen für die Verbauung von 6000 ^Quadratmetern erteilt hat. — Anläßlich des. " :ji75. Geburtstäiges des Bürgermeisters Me-fr : Dizengoff fanden am Dienstag, den 10. März, großzügige feierliche Veranstaltungen statt, ' an denen sich alle Kreise des palästinensischen Jischuws beteiligten. Shanghai. Dem aus Deutschland eingewanderten Dr. K a r - v f Unkel, der sich vor vier Monaten in'"- "Nanking niedergelassen hat, ist die c h i- '' nesische S t a a t sang eh ö r-i g k e i t verliehen worden. Dr. Karfunkel, der früher --in Berlin ansässig war, übt in« Nanking die zahnärztliche Praxis aus. Zu seinen Patienten gehören viele hohe' Regierungsheamte; SS. bel^ptwoek kam es •atn,.0Wo<*enendq;.''z^,l*:'^ehrfeinen judenfeindlichen - Ausschreitungen: Die ,jödi-*fj s|cn&i Kinder würden nach Warschau in Sicherheit^ gebpeht. In iö o c h n i a "kam es "zu Ängrifferi 'ätiffg eirie* Reihe jüdischer Wohnungen. Die Fenster der» Synagoge wurden zertrümmert. Die'. Rädelsführer der Ausschreitungen wurden verhaftet, aber nach wenigen Stunden wieder freigelassen. In einem Zuge zwischen "Warschau und Otwock wurden jüdische Reisende von Handelsschülern angegriffen. Die Exzedenteri entzogen sich der Verhaftung durch die Flucht, nachdem sie die Notleine gezogen und den Zug zum Stehen gebracht hatten. Vor dem Kreisgericht in R a d o ni hatte sich der Bauer Jan Koziol aus einem Dorfe im Kreis Sandomierz wegen der Verbreitung der Blutbeschuldigung gegen Juden zu verantworten. Koziol war der Urheber eines Gerüchtes, das behauptete, die Juden in Tarnobrzeg härten ein 20jähriges christliches Mädchen „zu rituellen Zwecken" getötet. Unter der Bauernschaft hatte Koziol zu Rache an den Juden für das „vergossene Blut" gehetzt. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis," allerdings mit ^jährigem Strafaufschub, verurteilt. Warschau, 19. März. Der katholische Primas von Polen, Kardinal H 1 o n d , hat an die katholische Bevölkerung den Appell gerichtet, an judenfeindlichen Ausschreitungen nicht teilzunehmen. Dagegen spricht sich der Kardinal für einen wirtschaftlichen Boykott der Juden aus. Am Mittwoch nachmittag kam es zu schweren judenfeindiiehen Ausschreitungen in der Wilnaer Vorstadt Nowa-Wilejka. In zahlreichen jüdischen Häusern wurden die Fensterscheiben zertrümmert, in den Straßen wurden Juden überfallen. In DubJani bei Lemberg kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und antisemitischen Bauern. Jüdische Studenten, die aus Lemberg;; nach Dublani zu den Vorlesungen in der dortigen Landwirtschafts— akademie kamen, wurden auf dem Wege von Bauern unter nationaldemokratischer Führung angegriffen. Sie .leisteten energischen Widerstand bis . zum Eintreffen der Polizei. Wegen des Zusammenstoßeszwischen der Polizei und dßn. Bauern wurde die Akademie auf unbestimmte ( Zeit geschlossen. Kontingentierung der rituellen Schichtung von der Verwaltungskonimission des Sejm angenommen. _ .; . Warschau, 19. März. » Die ,V-e r w a 11 un g sk om mis sio n des. Sejm hat , in Anwesenheit, mehrerer Minister dje Ä r> - änderunsvorschläge der~Regierung zu dem. Schächtverbotsantrag behandelt und angenommen. Der jüdische Abgeordnete Rabbiner Rubinstein appellierte an die Kömmission, sie möge die amerikanischen Bestimmungen über den Handel mit Koscherfleisch übernehmen. Der Vorsitzende der Verwaltungskommission erklärte dagegen schroff, „Polen brauche keine amerikanischen Gesetze". Landwirtschaftsminister Poniat o w s k.i sprach sich im Namen der Regierung für das geplante Schächtyerbot aus,, und da.fur, daß das Schächtyerbot, das sich in dem ursprünglichen Antrag nur auf Schlachtvieh ..bezog., auch auf G e f l.ü gel ausgedehnt werde. . ... \ . . Die Verwaltungskommission nahm den Gesetz-, entwurf,.,in der' von der Regierung ..beantragten Form,. d-: h.: mit Ausdehnung des Schächtverbots, auf Geflügel an. Nur f ü r d e n ..B,.e da r f., der jüdischen, mohammedanischen und karäischen Gemeinden des Landes wird eine begrenzte Men g e von Koscherfleisch zugelassen.: Äbänderungsanträge der Kommission, das Koscherfleisch mit einer besonderen- Steuer ^u be-' legen, damit es gegenüber nichtrituellem Fleisch verteuert und an Nichtjuden n i c h t verkaufte werde, und das rituelle Schächten? uin Ortschaften, in denen die jüdische Bevölkerung weniger f . als? i 1:5 Prozent der GesamtbeVölkerung!ausmaeht,jjv9lj-:-.' ständig; z u.'.v erb iete n ,-. wurden won der Regierfung: ebenso;!wie.-'.\AbänderungsantEäge der«'<jüdi-.: sphen-- »Abgeordneten, .die'• eine .Milderung* ■ .des.i]Ge- >.i sjetzes anstrebten {/ja tr>g eihe hrn;L;j-i u-jh hv.u- ■.>