Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450922--82005-2539914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 13 Der Israelit 26. März 1936 Das Aniischächtgesetz auch vom polnischen Senat angenommen. Im Verwaltungsausschuß des polinischen Senats wunde das vom Sejm gemäß der Regierungsvorlage angenommene Schächtgesetz behandelt. Der Ausschuß stimmte dem vom Sejm beschlossenen Gesetz zu. Nur die ^Ukrainer und Juden gaben ihre Stimme gegen das Gesetz ab. Damit ist das Gesetz mit einer spärlichen Ausnahmebestimmung für die Juden definitiv angenommen. Interessante Einzelheiten werden noch aus der dritten und letzten Lesung im Sejm mitgeteilt. Im ganzen trug die Verhandlung einen' judenfeindliohen Charakter. Sogar Mitglieder der Regierung enttäuschten durch eine Wandlung zugunsten des Gesetzes. Es befremdete, daß der Handelsminister Briefe vorlas, aus denen hervorgehen sollte, daß Berliner Gemeinden die Betäubung vor dem Schächten' als rituell zulässig erklärt hatten. (Diese Behauptung wird vom Vorstande der Berliner Jüdischen Gemeinde in einer Zuschrift an> die ITA. vom 24. ds. dementiert.) Die Stellung der drei jüdischen Abgeordneten: Rubinstein, Sommerstein und Minzberg war keine leichte. Als Rubinstein gegen die Verleumdung der jüdischen Religion durch die Bezeichnung der Schächtmethode als Barbarei protestierte, entstand ein großer Tumult und der Vorsitzende rief ihn zur Ordnung. Rubinstein verbesserte sich, indem er die Beleidigung der jüdischen Religion mit ebenso scharfen Worten zurückwies. Sommerstein warnte vor einer gefühlsmäßigen Beurteilung der Frage und führte statistische Zahlen an, die sehr zu Gunsten des Schächtverfahrens sprachen. Der Abgeordnete M i n z b e r g (Aguda) rollte bei der Gelegenheit auch die Tragödie von P r z y t i k auf und fragte, wie sich die humanistischen Gefühlsaufwallungen der Schächtgegner mit (den Pogromvorgängen in jener unglücklichen Stadt vereinbaren ließen. Von den ungemein zahlreichen «antisemitischen Aeußerungen in der Debatte stach die Rede eines galizischen Gutsbesitzers 'erfreulich ab, der den Urhebern des Gesetzentwurfes Unaufrichtigkeiten vorhielt. Darauf folgte die Abstimmung, die, wie im Korrespondenzenteil berichtet wird, die Annahme des Gesetzes ergab. Mit der oben mitgeteilten Genehmigung des Senates ist die Schechitaangelegenheit in Po len liquidiert. Trotzdem bleibt das Komitee zur Verteidigung der Schechita bestehen und wi seine Arbeiten fortsetzen. Der Präses der Warschauer Jüdischen Gemeinde, E. M a s u r , ist von seinem Posten zurückgetreten. Ob dieser aufsehenerregende Rücktritt direkt oder indirekt mit den Kämpfen um die Schechita zusammenhängt, ist noch nicht bekannt. Die internationale Auswandererschutz-Konferenz am 2. Juli. Genf, 20. März. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat an die Regierungen aller Mitgliedsstaaten des Völkerbundes sowie an die Regieruneng der Vereinigten Staaten von Nordamerika und der Vereinigten Staaten von ßras i.l i en . ein Rundschreiben gerichtet, in dem er an die Beschlüsse des Völkerbundrates vom 24. Januar 1936 über den Schutz der Auswanderer aus Deutschland erinnert und den Regierungen mitteilt, daß die in diesen Beschlüssen vorgesehene zwischenstaatliche Konferenz zwecks Festsetzung eines legalen Status der aus Deutschland Ausgewanderten für den 2. Juli 1936 einberufen wird. Gleichzeitig überreicht der Generalsekretär den eingeladenen Regierungen eine vom Oberkommissar Sir Neill Malcolm ausgearbeitete provisorische Tagesordnung der Konferenz. In dieser schlägt der Oberkommissar mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der ' zu behandelnden Fragen vor, daß zunächst provisorische zwischenstaatliche Vereinbarungen getroffen werden, die unverzüglich in Kraft treten könnten. In zweiter Linie möge dann die Konferenz die Frage einer internationa len Konvention über den rechtlichen Status der Ausgewanderten behandeln und in dritter Reihe die Frage der Ausstellung von I d e n - titätspapieren. In einem Begleitschreiben des Generalsekretärs A v e n o 1 werden die Regierungen ersucht, bis zum 15, Mai 1936 bekanntzugeben, ob sie beabsichtigen, sich auf dieser Konferenz vertreten zu lassen, und womöglich den Namen ihres Vertreters mitzuteilen. Ferner werden die Regierungen ersucht, etwaige Vorschläge für die endgültige Zusammenstellung der Tagesordnung zu machen, Der Oberkommissar behalte sich das Recht vor, das Programm auf Grund des gegenwärtigen Meinungsaustausches und der von den Regierungen eintreffenden Antworten abzuändern und eventuelle Textentwürfe zu unterbreiten. Zum Schluß betont der Generalsekretär, daß mit Rücksicht auf die Dringlichkeit des Gegenstandes und im Sinne des vom Völkerbundsrat geäußerten Wunsches die Einberufung der Konferenz binnen verhältnismäßig kurzer Frist notwendig war. Uebertreibungen über die in Palästina« Die „Frankfurter Zeitung" vom 22. März veröffentlicht einen Bericht aus Jerusalem über die „Arbeitslosigkeit in P a 1 ä s t in a ". In diesem Bericht wird idarauf hingewiesen, daß im Oktober zum ersten Male 'die Nachfrage nach Stellen das Angebot überstieg, was in erster Linie auf die Stockung im Baugewerbe zurückzuführen sei, die wiederum im Zusammenhang mit Vorgängen auf dem Kreditmarkt stehe. Eine weitere Ursache sei die Uebers et zungin der Industrie, die zu hohe Produktionskosten habe. Schließlich habe auch die Zitrusermte enttäuscht, und die Hoffnungen auf einen erhöhten Absatz in Kanada seien zunichte gemacht worden. Darum sei der Purim-Karnev a 1 in Tel Awiw abgesagt worden. Dies sei auf wirtschaftliche Krisis die neue Spannung zwischen Juden, und Arabern zurückzuführen. Aus ähnlichen Gründen dürfte die Levante -Messe ausfallen. Der Verfasser kommt zu dem Schluß, daß zu einer wirklichen Eirudämmung der Arbeitslosigkeit das Lohnniveau der Arbeiterschaft zu senken sei. Dazu sei zu bemerken, daß die Levante- Messe in noch größerem Maße und bei stärkerer Beteiligung als erst geplant, stattfinden wird. Der Purimfestzugin Tel Awiw fiel mit Rücksicht auf die Not der Juden in der Welt aus und nicht wegen einer Krisis in Palästina, die zwar auch nicht ganz abzustreiten ist, aber 'die ihr vom Korrespondenten der „Frankf. Zeitung" angedichteten Formen GsD. nicht angenommen hat, noch annehmen wird. Neue Perspektiven für Palästina. Jerusalem, 24. März. Mosche Smilansky, der Vorsitzende des Jüdischen Pflanzerverbandes, nimmt in einem Aufsatz zu den vorhandenen Möglichkeiten einer intensiven Kolonisation in Palästina Stellung. Er stellt fest, daß der jüdische Bödenbesitz in Erez Israel gering ist. Seit dem Jahre 1.921, wo 8 Dunam Boden auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung Palästinas entfielen, ist der Bodenanteil pro Kopf der jüdischen Einwohner auf drei Dunam zurückgegangen. In dem gleichen Zeitraum sind pro Kopf der jüdischen Einwanderung nur Vis Dunam erworben worden. Für die Möglichkeiten einer intensiven Kolonisation verweist Mosche Smilansky auf die vorhandenen Bodenreserven, von derer rationeller Bewirtschaftung und Bearbeitung der Bestand der jüdischen Landwirtschaft überhaupt abhänge, Mosche Smilansky unterstreicht in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß von den VA Millionen Dunam Boden, der in jüdischem Eigentum außerhalb der Städte ist, nur 150.0€0 intensiv bearbeitet werden. Im Galil, im Huleh-Gebiet usw. bestünden noch große Möglichkeiten für Bodenkultivierung. Mosche Smilansky schlägt vor, von den 850.000 Dunam, die noch nicht intensiv bearbeitet werden, etwa SOO.OiOO in Siedlungen von je 20.000 Dunam aufzuteilen. Auf diesen' Siedlungen müsse eine rationelle Bewirtschaftung erfolgen. Das Land müsse Nationaleigentum bleiben. Die Wohn- und landwirtschaftlichen Gebäude auf diesen Siedlungen müßten durch eine besonders für diesen Zweck zu errichtende Gesellschaft gebaut werden und den Kolonisten zu annehmbaren Bedingungen überlassen werden. Der Kolonist werde auf diese Weise davon befreit, Investierungen in totes Inventar zu machen. In wenigen Jahren kann er außerdem durch Zahlung einer entsprechenden Amortisation Eigentümer der Siedlung werden. Schließlich schlägt Smilansky noch vor, daß die Bewässerungsarbeiten durch eine besondere Gesellschaft vorgenommen werden müßten, da kein Farmer für sich allein imstande sei, großzügige Bewässerungen durchzuführen. Smilansky ist der Auffassung, daß nur auf jdieser kooperativen Grundlage Aussichten für eine neue und große Kolonisation bestehen. Die Arbeit des Council for German Jewry, London, 19. März. Den englischen Mitgliedern des Council for German Jewry sind von einer Delegation der Jewish Agency for Palestine Pläne für die Auswanderung von 12 bis 15.000 Juden jährlich aus Deutschland und ihre Ansiedlung in Palästina unterbreitet worden. In den Plänen ist sowohl die Ansiedlung von Personen mit eigenem Kapital vorgesehen, als auch diejenige von 7 bis 00 Menschen, denen eigenes Kapital nicht oder nur in ungenügendem Ausmaße zur Verfügung steht, und deren Ansiedlung somit ganz oder zum Teil mit Hilfe öffentlicher Mittel durchgeführt werden muß. Diese Pläne sind soeben in einer von den Mitgliedern des Council und den Vertretern der Jewish Agency abgehaltenen gemeinsamen Konferenz erörtert worden, ohne daß es jedoch zu endgültigen Entscheidungen kam. Wie der ITA. von autoritativer Seite mitgeteilt wird, soll aus öffentlichen Mitteln nach dem Plan der Jewish Agency vorwiegend die Einwanderung von Personen unter 35 Jahren gefördert werden. Ihre Ansiedlung soll auf dem flachen Lande erfolgen, Konzentration der Einwanderer in den Städten soll vermieden werden. Eine gewisse Zahl der neuen Einwanderer soll in bereits bestehenden landwirtschaftlichen Siedlungen Aufnähme finden. Es hat sich in den letzten zwei Jahren gezeigt, daß 'diese Siedlungen in gewissem Umfange für Neueinwanderer aufnahmefähig waren, und diese Aufnahmefähigkeit kann, wenn entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden, weiter erhöht werden. .