Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1936)
- Date
- 1936-03-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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P^^TO Frankfurt a. 26. März 1936 3. Nissan 5696 Nummer 13 erikanische Hilfsaktion für die Juden in Polen. New York, 23. März. Im Hinblick auf 'die Lage der Juden in Polen ist eine außerordentliche jüdische Konferenz in New York zusammengetreten, an der 500 Delegierte als Vertreter von 400 jüdischen Vereinigungen in den Vereinigten Staaten teilnahmen. Die Konferenz richtete an die polnische Regierung den Appell, sofort wirksame Maßnahmen zum Schutze jüdischen Lebens und Eigentums in Polen zu treffen und die Rechtsgleichheit der Juden wiederherzustellen. Die Regierung der Vereinigten Staaten wurde von der Konferenz aufgefordert, Vorstellungen in diesem Sinn bei der polnischen Regierung zu erheben. An den Völkerbund wurde der Appell gerichtet, eine Untersuchung über das den Juden in Polen zugefügte Unrecht einzuleiten und Schritte zu unternehmen, die zur Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung sowie der bürgerlichen Gleichberechtigung in Polen führen sollen. Die Konferenz faßte eine Entschließung, in der festgestellt wird, daß die Schuld für die gegenwärtige jüdische Lage in Polen zum großen Teil der diskriminierenden Politik der polnischen Regierung und der von ihr durch Zulassung eines Numerus clausus in den Schulen begangenen Verletzung der Minderheitenverträge zuzuschreiben ist. Der polnische Außenminister Oberst Beck empfängt eine jüdische Abordnung in London. London, 22. März. Der polnische Außenminister Oberst Beck hat eine Abordnung des Weltverb an des der polnischen Juden im Ausland empfangen und mit ihr über die judeiifeindlichen Unruhen in Polen und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Gesetzes gegen die Schechita gesprochen. Außenminister Beck gab seinem Bedauern über die judenfeindliche Propaganda und Ausschreitungen Ausdruck und erklärte, die Regierung treffe energische Maßnahmen zu ihrer Unterdrückung. Außerdem gab der Minister bekannt, daß von der Regierung Pläne zur Unterstützung jener jüdischen Gemeinden erwogen werden, die infolge des teilweisen Verbots der Schechita eine Kürzung ihres Einkommens durch Ausfall der Schächtgebühren erleiden. Der Abordnung des Verbandes der polnischen Juden im Ausland gehörten die Herren A. Tarlo, S. Frankel, M. Myer und Dr. Fink an. Die nächste Nummer des „Israelit", eine Doppelnummer zu Pessach, kommt erst am Freitag, den 3, April 1936, zur Ausgabe. Kundgebung der litauischen Regierung gegen Ritualmordgerüchte. K o w n o , 24. März. Die litauische Regierung veröffentlicht eine in scharfem Tone gehaltene Kundgebung gegen die Verbreitung antisemitischer R i t u a 1 m o r d 1 e g e n d e n , die im Hinblick auf die bevorstehenden jüdischen Pessach-Tage bedenkliche Formen angenommen und in ver~. schiedenen Provinzzentren zu antijüdischen Unruhen geführt haben. Aus dem Inhalf: Nach dem Kampf um die Schechita in Polen Seite 1, 3 u. 6 Die internationale AuSwandererschutz-Konferenz Seite 2 Neue Perspektiven für Palästina . . . Seite 2 En Charod ............Seite 4 Zur Besetzung des Oberrabbinates in Jerusalem Seite 4 Die geteilte Haggada........Seite 4 Aus Baden .............Seite 5 Regelung der Auswanderung.....Seite 6 Hilfsaktion für aus Deutschland ausgewanderte Gelehrte ............Seite 7 Wirtschaftsnachrichtem und Berichte aus Erez Jisroel ......Seite 7 u. 8 Die Mutter der „Fünf Frankfurter" . . Seite 9 Existenz und Erwachen. mvr 'jk . „Ich schlafe und mein Herz ist wach." (Hoheslied 5, 2.) Zwischen Purim und Peßach beginnt das erste Ahnen des Frühlings. Die schlummernde Schöpfung erwacht aus ihrem Winterschlafe. I. Das Jahr der Thora ermahnt gleichfalls um diese Zeit zum Erwachen. Die Weisen haben aus dem Anfamgsworte der Anklagerede gegen uns iltt^ herausgelesen: ,, e s gibt ein Volk" „Sie sind schläfrig geworden in ihren Pflichten." Diese Deutung ist zugleich dem Leben abgelauscht: Die Nachlässigkeit im Pflichtenleben wird nur zu oft mit der Sorge um die Existenz beschönigt. Man ihatte gar zu oft in friedlichen Zeiten das Thorastudium der Knaben eingeschränkt, um sie beruflich schneller zu eigener Existenz zu fördern. Man hatte die ehrliche Andacht im täglichen Gebete sich nicht mehr abringen wollen, weil man von Gedanken an den täglichen Kampf um die Existenz gar zu sehr erfüllt war. Den Sab'bat und die Treue zum Kaschruth hatten Allzuviele dem Kampfe um die Existenz hinopfern zu müssen gemeint. Auf allen diesen Gebieten war iJttf?' die Sorge um die Existenz die Ursache, daß wir fatö^ im Pflichtenleben lässig und schläfrig wurden. Wir erreichten auch das Erstrebte: Wir erlangten Existenz, — und wir schliefen ein. Und als der Feind die Anklagerede hielt und von unserer Existenz sprach, da sprach er es ungewollt aus, daß wir schliefen. II. Wohl ist noch heute in den Kreisen unserer Gegner gewohnheitsgemäß sehr viel die Rede davon, daß wir allzu intellektualistisch seien, das heißt gar zu wachen Verstandes. Doch schon die Tatsache, daß man davon redet, zeugt davon, daß es nicht mehr die alte, schöpferische, nie den Neid weckende Wadhheit ist, die man uns nachsagt. Langes Leben, d. h. ein an g'ttlichem inneren Segen überreiches Leben selbst des Aermsten und Kurzlebigsten, ist der „rechte", d. h. von G'tt und Menschen beabsichtigte Lohn der Thoratreue; doch Reichtum und Ehre im irdischen Sinne sind ihr „linker", d. h. ihr unbeabsichtigter, aber unausbleiblicher Lohn. Zu wacher Geisteshaltung erzieht uns das Leben und Forschen in der Thora. Ihre strenge Zucht und ihre Forderung steten Wachens über die eigenen Gedanken und Begierden lassen keine solchen Leidenschaften mächtig werden, wie sie anderwärts selbst die Grundlagen der äußeren Existenz untergraben. Sobald aber das eigentliche Thoraleben nachläßt und nur noch die von den g'ttesfürchtigen Vorfahren ererbte allgemeine Wachheit in uns nachwirkt, so macht sie unseren Geist überscharf im Irdischen, und es kann dann nicht ausbleiben, daß wir durch unsere Geistesschärfe den konkurrierenden Völkern unangenehm auffallen, die nicht in eine solche Zucht durch ein Thoragesetz genommen waren. Dies können die Fremden aber immer erst dann lästig empfinden, wenn unsere Wachheit (Fortsetzung siehe Seite 3.)