Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1936)
- Date
- 1936-03-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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—^^j^^^p^-^T^Sf^^^iFJ^^ w^>iy*.«fr«;- < j. t~.,~i~j*~n- Feuilleton- Beilage Der Nummer 12 1936 Ein Heim, das diesen Namen verdient. Das Frankfurter „Beth Nearim". Man is,t, in letzterer Zeit dazu übergegangen, Pensionen, Anstalten, Kimderinstitute usw. auf „Heim" umzustellen. Das Wort „Heim" gibt dem Hause ein trauliches Gepräge- -Freilich macht es nicht der Name, sondern der Geist, von dem ein solches Haus geleitet ist. „Heimeligkeit" gehört zu den Imponderabilien, die ins Reich -der Seele «weisen. Ein echtes Fämilienheim kennt keine Methoden und keine Verordnungen, ist nur von einer Sonne durchleuchtet, die sich auf jede Ecke überträgt. Wir haben dieser Tage Kinder besucht, die aus vielen Gauen Deutschlands sich hier trafen, um das Geborgensein, leibliche und geistige Pflege in einem echten Familienheime zu genießen, eine Betreuung, wie sie nur Vater und Mutter ihren Kindern zuteil werden lassen. In der vor-, nehm stillen H ö 1 d e r 1 i n s t r a ß e befindet sich seit einem halben Jahre etwa das „Beth „Nearim", das Knabenheim. Wer hinein geht, sich die. Einrichtung, die lieben zufriedenen Gesichter der Kinder und den ganzen von religiösein Geist durchwehten Betrieh ansieht, sieht gleich: es ist kein Kinderheim wie.,.ändere Heime:* Hier haben zunächst ein paar Dutzendjüdi&cike Knaben vom Lande, die in der Heimat heimatlos geworden sind, eine Bleibe gefunden, die sie dem.tätigen Lieben und dem Jud.en-tum---retten wird. Das fühlen die Kinder und haben nach der Heimat, wo Vater- und- Mutterhähde schützend überr sie ausgebreitet wären, sie aber doch vor den Widerständen außer dem Hause nicht schützen konnten, gar keine Sehnsucht. Wir haben über die Genesis dieses Heimes schon wiederholt berichtet. Mitten in der Tragödie der Zeit rief uns die Stimme des jüdischen Kindes, gleich der des Ismaelknaben, an: wir verdursten, geistig und seelisch. Es erübrigt sich, darüber viele Worte, zu verlieren. In der Stadt, wenigstens - in der mit starkem jüdischen Gemeinschaftsleben, hat das Kind sein Milieu, seine Schule, seinen Kreis, seine Spielkameraden, ja sogar seine Arbeitsgemeinschaften, lauter Dinge, die die Not der Zeit an die kindliche Seele gar nicht herankommen lassen. Auf dem platten Lande, wo das jüdische Schulproblem noch nicht gelöst ist, in einer Atmosphäre, die sich gegen es abschließt, verkümmert das jüdische Kind. Es leidet und weiß nicht «warum. Es wächst ohne Licht und ohne Liebe, . ojhne Sonne auf; eine junge Pflanze, der das Wasser entzogen wird. Ein. jüdisches Gemeinschaftsleben gibt es in den Kleingemeinden kaum noch. Im Hause waltet zumeist Frau Sorge, die alle Gesichter verdüstert. Die junge Seele, findet keine Zuflucht im Eigenen. Es fehlt auch jede Voraussetzung, das Kind für die Zukunft vorzubereiten, die doch voraussichtlich, ebenso wie die des Stadtkindes,, außerhalb Deutschlands liegen wird. Durfte man die Tragödie des jüdischen Ländkindes übersehen, seiner Not über der eigenen vergessen? Und es ehrt Frankfurt, und es ehrt insbesondere den religiösen Kreis innerhalb der Israelitischen Religiönsgesellschaft, daß sie als erste auf den Anruf des Kindes mit einem reagierten. Und so ist das „Beth Nearim", das Knäbenheim, entstanden, von dem hier die Rede ist. Es sind bis jetzt noch Meine" Anfänge. Vierzehn Knaben nur beherbergt vorerst das Heim,' die zumeist aus den kleinen Plätzen der Nachbarschaft, aus Hessen und Hessen-Nassau kommen (einer ist in Rostock in Mecklenburg, ein anderer in Aachen beheimatet). Für das kommende Schuljahr haben sich bis jetzt dreiundzwanzig Knaben angemeldet. Es ist aber eine doppelte Zahl von Meldungen zu erwarten. Die Kinder stehen im Alter von zehn bis vierzehn Jahren und «besuchen hier je nach Lust und Begabung die Samson Raphael Hirsch - oder die Volksschul e. Mit ihren Leistungen haben unsere Schulen gute, zuni Teil sogar £ a n z vorzügliche Erfahrungen gemacht. Wir besuchen die einzelnen Räume, die den Kindern zum Aufenthalt, dienen. Wir sehen die sauberen, guten Betten, die die Knaben sich selber zurecht machen, die einfachen Schränke, in denen eine Ordnung herrscht, die man mancher Hausgehilfin als Muster hinstellen könnte. Wir sehen vor. allem den menschlichen Inhalt des Hauses, diese glücklichen Jungengesichter. Die Jungen sind alle noch von einem Erlebnis im Banne gehalten. Ein Erlebnis'die Gemeinde und ihre Synagoge; ein Erlebnis.die Schule, das Heim seihst und die ganze jüdische Luft, die sie umgibt. Es sind keineswegs ^Ibstverständlichkeiten für sie, wie für unsere Kinder, denen diese Dinge zum Ablauf des4 Tages gehören. Sie stehen mit dem Erlebnis' ^auf, wenn sie ällmorgendlich in die Synagpge eilen, wo ihnen- Plätze vom Vorstände, angewiesen sind, die man's'öhoi*., .beinahe Ehrenplätze" nennen kann. Ein Erlebnis Jt^r > Schulgang und, jeder Ausflug. Ein eigener RaunT ' dient ihnen für die Schularbeiten,, die sie, soweit nötig, unter Anleitung einer pädagogischen Hilfskraft machen, denn die fehlenden Vorkenntnisse für unseren-höheren Schulbetrieb können nicht immer allein durch Willen, Fleiß und natürliche Fähigkeiten ersetzt werden. Die Vervollkommnung im. oft sehr mangelhaften jüdischen Wissen finden sie in den Anfangsgruppen der Thoralehranstalt J e s c h i w a , die ihnen -ebenfalls freudig ihre Tore geöffnet hat. Im Banne* dieses Erlebnisses stehen sie alle, von dem frühen Morgen bis zur Abendstunde. Und vor allem haben sie das Glück, unter dem. Schutze von Hauseltern zu stehen, die. nicht nach pädagogischen Gesetzen und Verwaltungsregeln arbeiten, sondern mit der instinktiven Liebe, wie sie Eltern für ihre Kinder haben und darum stets das Richtige trifft, und im Bewußtsein, an einer großen edlen Aufgabe an erster Stelle mitzuarbeiten, an die Sache heranzugehen. Wir sahen den Menuz;ettel* und wünschten, daß alle Kinder der jüdischen Bevölkerung in Stadt und Land es nicht schlechter hätten . Diese kleinen Knirpse kennen zum Teil Frankfurt und Umgebung, die Naturschönheiten der Berge, wie die Kunststätten der Stadt, besser, als mancher Alteingesessene. Denn der Vater ja nicht im Sinne eines Hausvaters zu verstehen — benutzt alle Freizeit der Kinder, um mit ihnen in den Taunus hinauszuwandern oder ihnen die historischen Denkwürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Wir sähen die Kinder um einen schönen schlichten Familientisch versammelt. Aber, so möchte man fragen, wozu von Familienhäusern sprechen, in denen die Liebe selbstverständliche Voraussetzung der Kindererziehung ist? Wenn wir davon dennoch sprechen, so erstens, um der Welt zu zeigen, wie das orthodoxe Frankfurt als erste jüdische Gemeinde in schwerer Zeit eine Verpflichtung auf sich genommen hat, der sich die jüdische-Bruderliebe schlechthin nicht entziehen kann und darf. Wir wollen zweitens diesen Bericht ins. Land hinaus verkünden, damit die Eltern, die noch wanken und schwanken, d:.e noch Bedenken tragen und damit kostbare Tage dem Heile und der Zukunft ihrer Kinder entziehen, sich beeilen und ihre Meldungen jetzt schon für das kommende Schuljahr einreichen. (Anmeldung bei Herrn Fritz Stern, Frankfurt a. M., Thüringerstraße 1.) Die Kosten machen nicht mehr wie RM. 50.— im Monate per Kind aus. Wo auch dieser Betrag nicht aufgebracht werden kann, ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Ermäßigung möglich. Auch die hiesigen Schulen zeigen das größte Entgegenkommen. Also dürfen die Väter und Mütter nicht versäumen, von dieser unvergleichlichen Gelegenheit, ihre Kinder für Gemeinde und Gemeinschaft, für Thora und Menschentum zu gewinnen, Gebrauch zu machen. Und drittens künden wir es in die Großstädte mit großen jüdischen Zentren hinaus. Was in Frankfurt gelungen "ist, .muß auch anderswo gfücken. Es_gibt und gilt, junge jüdische Seelen in gleichem Maße zu retten auch m Mitteldeutschland um Berlin herum, in Köln fürs Rheinland, in Hamburg für den Norden und in vielen, vielen anderen Städten. Gründet Heime, die wirkliche Heime sind, für Kinder, die in ihrer"Heimat kein Heim mehr haben! Buchbesprechung. Anleitung zum Talmud-Studium, Von Naphtali Cohn. Erstes Heft Traktat Sabbat, Abschnitt 1. : --Frankfurt a. M. Hermon-Verlag. 52 -S. Die Schrift will versuchen, wie es in der Einleiheißt, ein der heutigen Zeit angepaßtes Hilfsmittel zur Belebung des Talmuds tudiums zu bieten. Dieser *.,rsucn |st durchaus geglückt. Es werten zunächst die im bearbeiteten Perek auftretenden Wdbegriffe, Trageverbot, vier Gebiete *miö /riBB u. v. , m erklärt, dann systematisch der Inhalt jeder Mise; daran jeweils anschließend in den Grundzugen % Inhalt der Gemara Blatt für Blatt dargestellt; dal* werden die vorUommenden Begnffe Realien Voka^ln erläutert Einige fache klare Zeichnungen.,M in ,den Tex« . streut. . & Der Verfasser hat es verste.j ■ „ . . D , .. , . , i j . ... .rlen, in weiser Beschränkung gerade das in pragnan ' Vi. ■ j j' u 11 j T-r Kurze zu bringen, was dem in die Hallen des 1-ar , , . , Eingedrungenen für das Verständnis du,Tno.CÄ f1??} Nicht nur der Einzelne beim Selbststud\:?f tes,le"It; sonders Leiter von engeren Studienkreisen,) e" nicht vergönnt war, durch einen Kündigen^nenjes Talmudstudium eingeführt zu werden, sondern j,.3^ der Kundige selbst wird aus der systematischen ÖL Stellung und den unter, ganz unaujdringlicher Zuhilfen nähme neuerer historischer (J, Halevy), real- und sprachkundlicher Forschungen gegebenen Erläuterungen mannigfachen Nutzen ziehen können. Bezüglich der Zählung der „18 Bestimmungen" — s. Anm. S. 43 und die msn von Rabb. W. S. Jacobson am Schluß des Heftes — scheint dem Schreiber dieses aus 'VRB und K~3B»"i z. St. hervorzugehen, daß die DWm» welche mit dem tr"i: p'fliaai ps» ir.a als vier Bestimmungen gezählt haben, die ganze Stelle über dttd nun bezw. nrpmn auf Fol. 16b nicht gelesen haben, so daß, wenn man dieser Zählung folgt, keine Veranlassung vorliegt, diese Lesart zu verteidigen. Der vom Verf. gegebene, an sich sehr scharfsinnige 31»" bietet besonders im Hinblick darauf, daß dTitt nun — inony?:» dagegen orrrma nach der rezipierten Halacha rV vb i*y f y - tj-w 'i ro erst als unrein gelten, mancherlei Schwierigkeiten. . Zusammenfassend kann gesagt werden, daß diesem Buch weiteste Verbreitung zu wünschen ist und daß diesem Heft recht bald weitere folgen mögen, vielleicht zunächst. auch über Abschnitte aus anderen viel gelernten. Massechtaus (z. B. aus Nesikin), auf daß das dem Verfasser vorschwebende Ziel in großem Maße gefördert werde: Em—es. aaa