Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1936)
- Date
- 1936-03-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 11 De I s;r a e 1 i t 12. März 1936 Können Sie mir einen Rat geben? Morgen, Schabbos, essen wir kalt. Wir haben lei der keine Grude und keine Thermosflasche. So gibt es auch keinen Kaffee. Es war ein Glück, daß wir uns im Handgepäck einige Teller, Bestecke und Töpf mitgenommen hatten, sonst hätten wir gar nichts essen können. Auch 'haben wir noch etwas Konserven Von der Tagung der Aguda in Frankfurt waren wir nicht unterrichtet und wären sehr dankbar, wenn wir den „Israelit" bekommen könnten. Die hiesigen Juden sind meist Kinder von einge wanderten russischen Juden. Sie erzählen, daß ihre Eltern und Großeltern, fromm gewesen seien, aber sie selbst haben, da gar keine religiösen (viel weniger orthodoxe) Einrichtungen hier bestehen, kaum mehr eine Vorstellung, was religiös sein heißt. Wenn auch wie es heißt, religiöse Institutionen gebaut werden sollen, wie sollen sie richtig gebaut werden? Wir hoffen, daß man in Deutschland alles daran setzen wird, daß ein frommer Taurohlehrer und Schochet hierherkommt. (Man sieht aus diesem Briefe, wie dringend nötig eine Betreuung der speziell frommen Auswanderer, unter Berücksichtigung ihrer religiösen Interessen, besonders in Argentinien wäre. Red.) „Nachbrocho", Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach schreibt uns: Zu meinem Artikel „Nachbrocho" in Ihrem geseh Blatte schreibt mir Herr Rabbiner Dr. Joachim Prinz „Der erste Satz „Am Schabbath Chanukka soll man nicht lernen", bezieht sich nicht auf das „Lernen" in Anführungsstrichen, also nicht auf das Thoralernen, sondern auf den Lehrstoff, der an den Sabbaten vorher gewöhnlich aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte gegeben wurde. Es war aber meine Meinung, daß man am Schabbath Chanukka an die Stelle des Geschichtelernens heiteren Lese stoff setzen sollte." Ich gebe gern von dieser Richtigstellung Kenntnis, muß aber bemerken, daß die Formulierung eigentlich meine Auffassung als die «inzig mögliche erscheinen läßt. Hinzukommt, daß am Schluß des Artikels die Bemerkung sich findet: „will man dennoch „lernen ', so lese man einen Abschnitt aus Goldschmidts Talmudübersietzung über Ghanukka." U. E. hätte der erste Satz lauten müssen: der Oneg Schabbath am Chanuka soll einen recht heiteren und freudigen Charakter tragen und nicht wie sonst lehrhaft wirken. Neue Schockenbücher. Daß der Schock en-Verlag auch ältere Schätze gelegentlich ausgräbt und im schönen Behälter seiner Ausgaben aufzubewahren trachtet, müssen wir ihm danken, obwohl man über die Auswahl de« Materials zuweilen auch anderer Meinung sein kann. Erschienen sind dieser Tage „Jüdische Memoirenaus drei Jahrhunderten". 210 Seiten stark. Bekanntes und Unbekanntes finden wir da, Ausschnitte aus den Erinnerungen der G1 ü c k e 1 von Hameln, von Berthold Auerbach, Moritz Lazarus, die man schon einmal irgendwo gelesen hat, aber auch Auszüge aus den weniger bekannten Memoirbüchern. Ausgewählt und herausgegeben ist das schöne Buch der Erinnerungen von Hans Bach. « Den „Brautbriefen von Moses Mendelssohn" widmet der Schocken-Verlag ein eigenes Buch von etwa 170 Seiten. Auch dies« Briefe hat man schon anderswo gelesen, aber man wird sie in dieser Zusammenstellung und dieser Aufmachung besonders willkommen heißen. Ein Vorwort zum Geleite ist von Ismar E 1 b o g e n dem Buche beigegeben. Von den Psalmen in der Buber'schen Uebersetzung, die vor kurzem komplett erschienen sind, hat der Schocken-Verlag dreiundzwanzig ausgewählt und sie zusammen mit der hebräischen Urschrift unter dem Titel: „Aus Tiefen rufe ich Dich" herausgegeben. Die Bibelübersetzung von Martin Buber hat bei uns ihre Würdigung gefunden und man wird der Schockenbücherei für diese schöne Auslese, die zum ersten Male zusammen mit dem Urtext erscheint, Dank wissen. Zu den Klassikern der jiddischen, und im weiteren Sinne auch jüdischen, Literatur, die uns nicht verloren gehen dürfen, gehört zweifelsohne Scholem Alechem, der es, wie-bis fetzt keiner vor und keiner nach ihm, verstanden hat, unter Lachen jüdische Golusnot zu erzählen. Unter dem Titel „Arm und reich" bringt nun der Schocken-Verlag zwei weniger bekannte Erzählungen von Scholem Alechem heraus, die zu den trefflichsten seiner ewigen Schöpfungen gehören. Sie sind aus dem Jiddischen gut übersetzt von Feiga Frisch. Kinderecke. Eine Mutter erzählt \ ihren Kindern die Bibel. Von AHce Oppenheimer. IX. ■ Das goldene Kalb. Wo bleibt nur Moses, dachten die Juden am Berge Sinai. Jetzt ist er schon bald 40 Tage fort und noch -nicht wiedergekommen! Sollte er uns nur aus Aegyp ten geführt haben, um uns hier sterben zu lassen? „Wenn er uns nicht führen will, werden wir schon einen finden," sagten sie. Aharon, der Bruder Moses, der diese Reden hörte, war tieftraurig und er sprach, um das Volk wieder froher' zu machen, zu ihnen „Ihr habt doch so vielen schönen goldenen Schmuck aus Aegypten mitgenommen. Herrliche Ohrringe, feine Kettdhen, bringt sie mir her, wir wollen uns die Zeit vertreiben und sie ins Feuer werfen und sehen, was daraus wird." So ganz in seinem Inneren hatte Aharon ja gehofft, daß Moses jeden Augenblick käme, auch glaubte er, daß sich das Volk, nicht von seinem schönen Schmuck trennen würde. Die jüdischen Männer gingen zü ihren Frauen und sagten: „Gebt Euren Schmuck her, wir wollen uns einen G'tt machen!" „Das darf man doch nicht. Mutter, das hast Du uns doch eben gelehrt!" „Ganz recht, Schwesterchen, aber bitte, nicht immer unterbrechen." Die jüdischen Frauen ^weigerten sich, sie glaubten an G'tt und an die Rückkehr Moses.. So nahmen denn die Männer ihren eigenen Schmuck. Aharon hatte das nicht erwartet. Er zauderte, aber die Män^ ner umringten ihn, bedrohten ihn, so ließ er sich ihr Gold geben, zündete ein Feuer an und warf das Gold hinein. „Was wird es geben?" „Nichts.'" rief einer. Der Zweite meinte: „Vielleicht kommt unser Moses heraus!" Ueber diesen Witz lachten sie alle. In der Hitze des Feuers verflüssigte sich das Gold und lief zusammen auf einen Klumpen und aus dem Klumpen wurde ein Kalb. Israel sah das Kalb und jubelte: ,/Das soll unser Führer sein!" So ein dummes Volk waren sie, zu glauben, daß ein Kalb Menschen durch die Wüste bringen könnte. Glücklich waren sie ob ihres schrecklichen Einfalls. Sie hüpften, sprangen drum herum, schlugen in die" Hände, tanzten, waren wie von Sinnen. An .diesem Tage kam Mose® herab von der Bergeshöhe. In seinem Arm trug er die zwei Tafeln, die G'tt ihm geschenkt. Er hörte das Johlen des Volkes. Ihr Geschrei drang bis zu ihm hinauf. Und wie er ihnen nahekam, sah er ihr schreckliches Tun. Moses packte der Zorn. Er nahm die zwei Tafeln, schwang sie in die -Höhe und ließ sie sausend in die Tiefe gleiten. Dort zerbrachen sie. Was sollte Moses mit dem Vokle beginnen, das so böse gegen G'tt gehandelt hatte? Er rief: „Wer für G'tt ist, der trete hei* zu mir!" Es kamen alle die Leviten, aber das übrige Volk glaubte weiter an das Kalb. Moses nahm das Kalb, zermalmte es und das war nicht leicht, das schwere Gold zu zermahlen. Er ließ es aufs Wasser werfen wie Staub. Dieses schreckliche Wasser mußten die Leute trinken. Viele starben an diesem Trank. Moses aber blieb böse auf -das Volk. Er mochte nicht mehr in ihrer Mitte wohnen. So nahm er sein Zelt und trug'es weit ab. Aber doch stand es so, daß er jederzeit zum Volke gehen konnte.' Die Wolkensäule hatte sich entfernt und sich" vor das Zelt Moses gelagert. War Moses im Zelt, sprach G'tt mit ihm und er mit G'tt. Langsam wich Moses* Zorn und er flehte in inbrünstigem Gebet viele Tage lang-G'tt.um Verzeihung für das Volk Israel an. Und G'tt vergab. Moses durfte ein zweites Mal hinaufsteigen. Blieb wieder 40 Tage und Nächte ohne Essen und Trinken auf Bergeshöhe in G'ttes Nähe. Er erhielt wieder die Tafeln und trat den Rückweg zum Volke an. Das Volk Israel hatte keinen Mut, sich wieder einen Götzen zu machen. Dauernd sahen sie die Bergesspitze wie in Feuer brennen. G'tt, der nun ein zweites Mal auf Moses' Flehen hin ihm die Gesetzestafeln gab, schenkte Moses etwas ganz besonderes noch. Er umgab sein Antlitz mit leuchtenden Strahlen. Wir freuen uns, wenn am Morgen die Sonne am Himmel lacht und wir sind traurig, wenn Regentropen fallen. Alles was froh ist, wasi vom Glänze der Sonne beschienen ist, lieben die Menschenkinder. Das wußte G'tt, Da nahm G'tt vom Sonnenbündel Strahlen, leuchtende und wärmende Strahlen, ,und gab sie auf das Gesicht Moses und als Moses hinabgekehrt war zum Volke, da lagen die Sonnenstrahlen so stark auf seinem Antlitz, daß die Juden wie geblendet waren. Die Strahlen aber brachten Liebe und Wärme dem Volke. Sie waren wie die Sonne, die am Himmel ist bei G'tt. Dieses Leuchten wich nicht mehr vom Gesichte Moses. (Fortsetzung folgt.) Silbenrätsel- Aus folgendenSilbensollen Wörter, gebildet -werden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und deren Endbüchstäben von unten Anach oben gelesen, ein den Sprüchen Sajomosi entnommenes Sprüchwort nennen, das sich gut auf dae Purinigeschichte anwenden läßt: . - aa — aü — ba — be.ir — ber •— bo —bob\,—" de .e — e — e — el — ein — eis — er :— fant — fürt — gab — ge —- gra — hab -r— hei — i — ko — laus — lauf — le — Li — me — men — mi — ha — na — ne — ni — ■ nit — ra — rah — ram i— re — ri — ro — ron — se — se — ses — tal -rten — ten — ul wes — 1. Himmelsrichtung; 2. Prophet; 3. Blume 4. biblische Gestali (Hohepriester)"; 5. bibl. Frauengestalt (Buch Ruth); 6. bibl. Prophetin u. Richterin (aus der Bibeli)i; 7. Dickhäuter; 8, ein ägyptischer König; 9. Bezeichnung für einen außergewöhnl. Reichen; 10. Schweizerische Landschaft; 11. Mädchenname; 12. Männername; 13. Stadt in Thüringen; 14. Erzengel; 15. jüd. Stammutter; 16. deutscher Baum; 17. bibl. Stadt; 18. Wintersport; 19. vulkanisches Gestein; 20. bibl. Frauengestalt (z. Zt. Josua); 21. Sehorgan. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim, Samstag morgens nach Schluß der Synagoge: a'i'T, Herr R.-A. Dr. E. Posen- — nachmittags 4 Uhr im Vereinslokal, Mikro, Herr Rabb. Meyer — abend 9 Uhr im Vereinslokal, auch für Damen, „Dinim zu Pessach" R.-A. Dr. E. Posen. Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, pais e|or». — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, nn-nx pa, Herr R. A. Dr. Schlesinger. — nach-ö1^ Uhr im Vereinslokal, (auch für Damen), „Haftauro". Herr Rabb. Meyer. (Alle anderen Sßhmrim wie üblich.) Jahrzeitsstifttmgen. Montag, 16. März: Moses Loeb Rosenbaum-Stiftung. Montag, 16. März: Marcus Hirsch-Stiftung. Dienstag, 17. März: Frau Mirjam Hirsch-Stiftung. Dienstag, 17. März: Frau Fanni Joseph geb. Carlebach- Stiftung. Mittwoch, 18. März: Clementine Goldschmidt^Stiftüng, Mittwoch, 18. März: Olga Lion-Stiftung. Freitag; 20. März: Therese Roos geb. Hirsch-Stiftung. Freitag, 20. März: Leo Homburger.-Stiftung. Freitag, 20. März: Rabb. Isak Strauß-Stiftung. Liwjath Chen. Samstag 4% Uhr nach Mincho im Hörsaal, Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. Sehachnowitz. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. < Thora und Mussar. Herr Gemeinderabbiner Josef Horoyitz. ,'MV]'3T imio (für Baalebatim), Sonntag 9 Uhr, Dienstag und Donnerstag 19-20 Uhr, Fichtestr. 5. — Sabbat vorm. 11-12 Uhr (für Jugendliche) D'»n n*w, Fichtestr. 5: — Die Mussarlehre des Rambam (für Jugendliche), rnw 4.30 Uhr, ebenda. — Messilas Jeschorim. 5.30 Uhr. Herr Rabbiner Mannes, D'iro JiToy, Sonntag nach. Mincho bezw. nach dem agadischen Vortrag des Rabbiners, Hans Handwerkstr. 38- Herr Dozent J. Ehrentreu. t?ain mit n'sna», Sonntag 18 Uhr, Uhlandstr. 39. Herr M- Feuerwerker, V"9 'oa mas (für Jugendliche) Sonntag und Dienstag 20.30 Uhr, Fichtestr. 5 cnan für Jugendliche, Schabbos!/24 Uhr 133 rrVö« ,rüV tmbT\, ypi WT'K mnj (für (Baalebatim), Montag und Mittwoch 18 30-19.30 Uhr ebenda. Herr R.-Ä. Dr. E. Posen nva mxn, Sonntag ll3/4 Uhr, Wittelsbacher Allee 11. Herr B. Rachelsohn, mvia nivts Dienstag 20.30 Uhr, Sandweg 6 c. R.-A. Dr. M. Schlesinger, na» -aa für Baalebatim, Mittwoch. 20.30 Uhr, Schwanenstr. 12. Herr J . Sofer, w tjl, täglich 12-13 Uhr am Sonntag 11-12 Uhr, jetzt Hans Handwerkstr. 18. Herr Zuntz, D"H rniK, Sonntag nach rp-in», Rabbinatszimmer Friedberger Anlage 4. Der Schiur vor wmv unter Leitung des Herrn Feuerwerker (niyatt '»5) findet um 6-15 Uhr, Montag bis Donnerstag im Hörsaal der L R. G. statt. Agudas Jisroel-Mädchengruppe. Schabbos vormitt. IOV2 Uhr im Heime, Schwanenstraße 12, Tnach-Schiur des Herrn Julius Lewin. Das Buch „Nechemja". Gäste willkommen. Gebetzeiten. äwn "o niff Freitag abend 5.55 Samstag n»5»n 6.50 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 u- 4.30 , u Samstag abend 7.15 Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Nachmittags 6.00 Tefillinlegen am Morgen 5.45