Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1936)
- Date
- 1936-03-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 11 Der Israelit 12. März 1936 Legislative Council in Palästina darlegte. In der Äbordnung waren die Jewish Agencjj/for Palestine, der Palestine Foundation Fund, der Board of Deputies of British Jews, die Zionist Federation of Great Britain and Ireland, die Poale Zion* die Misrachi Zionist Party of Great Britain and Ireland und die Jewish State Party of Great Britain and Ireland vertreten. Wie die ITH. erfährt, schließt sich die Antwort des Kolonienministers eng an die Ausführungen an, die Unterstaatssekretär Lord Plgraouth am Schlüsse der bekannten Oberhausdebatte vom 26. Februar gemacht hat. Minister Thomas betont, daß nach Ansicht der englischen Regierung der Legislative Council eine Notwendigkeit sei. Er fügt hinzu, daH die Stellung der Jewish flgency for Palestine in ihren Beziehungen zur englischen Regierung gewahrt bleiben werde. In gleichem Sinne sprach sich auch Kolonienminister Thomas am 5. März im Unterhause aus. Palästina. Ausbau der heißen Quellen von Tiberias. Jerusalem, 4. März. Die Aktiengesellschaft „Chainej Tiberia", der die Termalbäder von Tiberias gehören, hat in ihrer unter dem Vorsitz von M. Rosenblatt abgehaltenen- Generalversammlung beschlossen, das Aktienkapital von 55 000 auf 75 000 Pfund zu erhöhen. Mit Hilfe dieser Kapitalserhöhung sollen die vorhandenen Badeanlagen, die sich im Hinblick auf die wachsende Zahl der Besucher als unzureichend erwiesen haben, großzügig ausgebaut werden. Bei der Durchführung der Erweiterungspläne wird eine große Zahl von Arbeitern für ein volles Jahr Beschäftigung finden. Die Südafrikanische Inveslierungs- GeseJlschaft Ifico hat ein größeres Aktienpaket übernommen. Jerusalemer Brief. Werbemethoden des N. F. — Von der P. A. J. — Depression und trotzdem neue Gründungen. — Chug de Haan. Jerusalem, 9. März. Wie der National-Fond und die anderen zionistischen Fonds ihre Propaganda betreiben, ist hinlänglich bekannt. Ein Beispiel bietet folgender Brief, den Herr H. in Rechawiah dieser Tage erhielt. Der Brief ist von der Zentrale des National- Fonds unterzeichnet und hat folgenden Wortlaut: „Herrn H. H., hier. Wir entnehmen aus ihrer Antwort, daß Sie den Bodenfonds des Keren Ka~ jemeth nicht unterstützen, weil Sie in dieser Hinsicht sich als reiner Agudist fühlen. Wir wollen nicht in eine Diskussion darüber eingehen, wie kleinlich dieser Standpunkt ist. Wilsen möchten wir Sie aber lassen, daß wir in der Lage sind, Ihnen diese Passivität zu vergelten und dafür zu sorgen, daß nur A g u d i t e n Ihr Brot kaufen. Es ist in unserer Hand, die öffentliche Meinung dahin zu beeinflussen. Der Bodenkauf in Erez Jisroel muß jedem Juden, ohne Rücksicht auf seine Anschauung, heilige Pflicht sein, und so verlangen wir von Ihnen eine Regelung der Angelegenheit ohne Verschuu, damit wir uns nicht gezwungen sehen, Ihnen mit gleichem Maße heimzuzahlen. Wir erwarten Ihre Rückäußerung. Mit Hochachtung Keren Kajemeth Zentrale, Jerusalem." Dieser Brief bedarf kaum eines Kommentars. Er zeigt, daß man in gewissen Stellen bemüht ist, die Öffentlichkeit unter Druck zu setzen und auch vor einer Boykottdrohung nicht zufückscheut. Dieser kleine Brief sollte aber auch die Gemüter in unserem eigenen Lager aufrütteln, daß sie alle ihre Pflicht erfüllen gegenüber unseren Fonds. Nach Sabbat-Ausgang sprach in' einer großen Versammlung der Poale Agudas Jisroel in Tel Awiw Rabbi Mosche Blau über das Thema „Die Agudapolitik in Erez Jisroel". Zu den vielen hunderten Poalim kamen auch zahlreiche Gäste aus agudanahen Kreisen. Herr Jacob Landau eröffnete die Sitzung und erteilte dem Redner das Wort. Die Aguda, so sagte er, habe für ihre Politik Die Woche. Stetti«. In S t a r g a r d sind zwei Angeklagte zu je RM. 50.— Geldstrafe oder je fünf Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil sie von einem Beamten fälschlich behauptet hatten, er sei jüdischer Abstammung. Czernowitz. In Czernowitz wurde der erste L a n d e s k o n g r e ß der jüdischen Gemeinden in der Bukowina eröffnet, an dem Delegierte von 28 jüdischen Gemeinden der Bukowina teilnahmen. Es soll ein Bukowinischer Gemeindeverb and im Anschluß an den Zentralverband in Rumänien gegründet werden. WarSckaH, Eine Anzahl von Teilnehmern an pogromartigen Ausschreitungen in dem Städtchen P s z i - s h a , Kreis Radom, wurde zu Freiheitsstrafen von verschiedener Datier verurteilt. Die offenbar eingeschüchterten jüdischen Zeugen hatten zwar ihre in der Voruntersuchung gemachten Aussagen zum größten Teil zurückgezogen, die als Zeugen erschienenen Polizeibeamten, die bei den Exzessen angegriffen worden waren, bestätigten jedoch die Vorgänge. Es wurde festgestellt, daß die- Rädelsführer Berufsverbrecher waren. Seit sie in Untersuchungshaft waren, hat die Zahl der Diebstähle in dem Städtchen erheblich abgenommen. — Die in Warschau abgehaltene Landeskonferenz des revisionistischen Frontkämpferbundes Brith Hechajal hat beschlossen, in Palästina ein Denkmal für den Unbekannten jüdischen Soldaten" zu errichten. Prag. An der philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität wurde zum ersten Male eine Staatsprüfung in neuhebräischer Sprache abgehalten. Bukarest. Auf Grund eines gerichtsärztlichen Gutachtens hat der Untersuchungsrichter entschieden, daß Eural Jonescu, der ein Revolverattentat auf den Bukarester Oberrabbiner Dr. I. Niemirower verübte, als g e i s - tes krank 'und für seine Tat nicht verantwortlich anzusehen ist. Jonescu soll an eine Heilanstalt für Geisteskranke überwiesen werden. Rom. Der Gouverneur der italienischen Kolonie Erythräa hat in Asmara, der Hauptstadt der jetzt als Operationsbasis gegen Abessinien dienenden Kolonie, den Bau einer Synagoge für jüdische Soldaten und Zivilpersonen angeordnet und für diesen Zweck 150.000 Lire zur Verfügung gestellt. Der Bau der Synagoge wurde von den beiden jüdischen Feldrabbinern Aldo Sonnino und Amedeo Terracina angeregt. Die jüdische Bevölkerung von Asmara wird auf etwa 1000 Seelen geschätzt. Saloniki. Ein griechischer Großindustrieller spendete 100.000 Drachmen für die Errichtung eines griechischen Pavillons auf der Levantemesse. Toronto. Eine hier gegründete Initiativgruppe hat eine Aktion eingeleitet, einer großen Zahl von deutschen Juden die Niederlassung üi K'a - n a d«a zu ermöglichen. Dreißig prominente Geistliche von Toronto haben den Appell an die Regierung mit unterzeichnet. Jerusalem. Nach dem „Doar Hajom" werden demnächst wiederum sieben illegale jüdische Einwanderer, die sich vor kurzem an der Kundgebung . vor dem Verwaltungsgebäude der Jewish Agency beteiligt haben, ausgewiesen werden. — „Dawar" klagt in einem Leitartikel über ein stillschweigendes Numerus clausus-Systeim bei der Vergebung von Regierungsarbeiten in Palästina. — Am Estherfasten wurden auf Anordnung der Oberrabbinate in allen Synagogen, auch an der Klagemauer, Extragebete für die Abwendung der Schächtverbotsgefahr in Polen gesprochen. — Der Wächter der Kolonie Balfouria, M. Nadel, wurde von unbekannter Hand nächtlicherveise erschossen- Einzelheiten fehlen. — Der Kommandant der Palästina-Polizei hat mit Rücksicht auf die Unsicherheit in Nordpalästina in mehreren jüdischen Siedlungen Polizei sta- Honen eingerichtet, für die der National- Fond die Parzellen zur Verfügung' gestellt hat. — Im 82. Lebensjahr ist in Jerusalem der hebräische Schriftsteller David Jeschai S i 1 b e r b u s c h gestorben. 1882 gab er in Botosani, dann in Lemberg eine hebräische Monatsschrift heraus. Sein bedeutendstes Werk ist der Roman „Dimat aschukim" (Tränen der Bedrängten), in dem erdas Leben der Juden in Rumänien schildert. nur einen einzigen Maßstab, die T h o r a ■, die das Maß ..aller Dinge ist. Unter diesem Gesichtspunkt legte er nun alle Probleme der Agudas Jisroel mit «einer Klarheit dar, die größten Eindruck machte. Herr Jacob Landau schloß die stark besuchte Versammlung mit Worten des Dankes. Die Depression unter der jüdischen Bevölkerung infolge der letzten Verordnungen hält an. ' Man möchte nicht aus Erez Jisroel immer Krisenerscheinungen berichten, aber der Zustand ist ja schließlich allbekannt. Es ist doch so, daß der befürchtete Rückgang eingetreten ist und es mit der vielgepriesenen Prospirltät, vorübergehend, wie wir hoffen, vorbei ist. Trotzdem liest man auch hier und da von neuen Gründungen und Unternehmungen amerikanischer Gesellschaften, die uns von neuem in hohem Maße ermutigen. Wenn Amerikaner, so sagt man sich, die nicht von übermäßigen Idealen getrieben sind, sondern von Aussicht auf Verdienst, den Boden und die Zeit für günstig halten* so kann es um die Industrie in Erez Jisroel" nicht so schlimm stehen, wie manche Schwarzseher schildern. Der ,,Chug de Haan" im Anschluß an die Poale Agudas Jisroel entwickelt sich recht gut. Das Gedenkbuch zu Ehren de Haans aus Anlaß seines zwölften Todesjahres wird demnächst mit Beiträgen von den führenden Männern in Erez Jisroel und in der Golah erscheinen. Einige eingelaufenen Aufsätze gewähren einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit und das Wirken de Haans. Personalien. Berlin, 10. März. Am Schuschan-Purim war das Trauerjahr vollendet um einen hervorragenden Talmudgelehrten, eine in seiner harmonischen Vereinigung von Ta>uro im derech Erez besonders seltenen Erscheinung, um Rabbi Josef Leib Hirsctwicz aus Kowno, der m Berlin vor Jahresfrist auf dem Friedhofe der Adaß Jisroel seine Ruhestätte gefunden hat. Wenn er auch kein offizielles Rabbineramt bekleidet hat, so hat er doch an den Beratungen des Kownoer Bes Din aufgrund seines großen Lamdories, seiner außerordentlichen Belesenheit, seines, umfangreichen jüdischen Wissens teilgenommen. Hat sein Leben auch, leider allzufrüh ein Ende gefunden, so war es ihm doch vergönnt, in den wenigen Jahren seines Wirkens in reichstem Mäße nKTi mm falö zu sein. Seine tiefernste und aufrichtige Frömmigkeit, verbunden mit einer großen Menschenliebe und umfangreichen Kenntnissen auf profanem Wissensgebiet befähigten ihn, gerade in unserem Zeitalter des Suchens der jungen Generation Gutes und Wertvolles zu geben. Auch von diesem Jaussef gilt das Wort, daß er in den verschiedensten Lebenslagen, in ernsten und heiteren Tagen ipiss iöij? als Jüngling und als gereifter Mann in seinen gefestigten jüdischen Grundsätzen unerschütterlich blieb. Aus dieser Einstellung heraus hat er seinerzeit in Litauen den Schomre Schabbos - Verband ins Leben gerufen und auch in verschiedenen Vereinigungen zur Förderung jüdischen Wissens mitgeholfen. Er war es, der nach der Art populärer Schriften den jüdischen Volkskaiender herausgegeben hat, um in volkstümlicher Weise in Form von Gesprächen und Reisebeschreibungen die Sabbat-Idee aufs neue zu festigen. In leichtem Hebräisch gehalten ist seine Schrift, Q'aiaiV "pt min, in welcher er in Anlehnung an das große Werk von Rambam die sittlichen Forderungen des Judentums darzulegen sucht. Für die großen Talmudkenntnisse legt Zeugnis ab das bisher nur in seinem ersten Teil veröffentlichte Werk Swxn *iso o'WVPn zu R»p «33» das sich der talmudisch-halachischen Literatur und den mw wm unserer größten Thoragelehrten würdig anreiht. Wenn auch die Wirksamkeit dieses bedeutenden Mannes vor der Zeit ein Ende gefunden hat, so lebt doch sein Andenken nicht nur im Kreise seiner Freunde und der Menschen, die sich als seine Schüler betrachten dürfen, weiter, sondern wird auch durch die Wirksamkeit der Kinder, von denen der eine als Lehrer des Jawnegymnasiums die Jugend beeinflußt, ein ande>rer als Architekt tätig ist, im Sinne einer harmonischen Vereinigung von Tauro im derech erez fortgesetzt, so daß sich auch hiererfüllt: ,o»n ofsipi n/i/i>sa i^bk d^ix Wahrhaft fromme Menschen wirken über das Grab hinaus und tragen durch ihre Werke weiterhin Früchte. H. A. C.