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Der Israelit · 1936-03-12 · Heft 11 (12.3.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 11 (12.3.1936)
Date
1936-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 11 Der Israelit 12. März 1936 Wochenrundschau. Ein Zwischenspiel in Polen. Noch sind die Würftl in Warschau über das Schicksal der Schechita nicht gefallen, aber die Zwischenfälle mehren sich mit jedem Tage und komplizieren die Angelegenheit nicht unwesentlich. Für die Juden sind diese Zwischenspiele keine vielversprechenden Symptome, und die Abwehraktion wird nach innen (Gebet- und Fast/- tage) wie nach außen (Aufklärung durch Gutachtenmaterial) immer neuen Auftrieb erhalten müssen. Zu den gefährlichsten Zwischenfällen gehören, wie andieser Stelle schon betont, die örtlichen Schächtverbote in Städten mit großen jüdischen Gemeinden, wie Wilna, Bialystok, Posen u. v. m. Ein Intermezzo von genereller und daher noch weit bedenklicherer Art bildet die Bestellung eines katholischen Geistlichen als Experten für die Schechitaange- Iegenheit in der Verfassungskommiss i o n des Sejm, die am Donnerstag bereits ihre erste Beratung über die Schechitaangelegenheit abgehalten hat. Es handelt sich um den Priester und Universitätsprofessor Pater Trzeciak, der schon wiederholt äußerte, die Schechita sei nur „ein Brauch", aber kein elementai-es jüdisches Gesetz. Man hat in jüdischen Kreisen gegen diesen grotesken Vorgang, einen katholischen Gelehrten, der nicht allein in diesem Gutachten seine völlige Unkenntnis jüdischer Dinge bewiesen hat, zum Experten in einer jüdisch-religiösen Angelegenheit zu bestellen, mit aller Entschiedenheit protestiert. Da aber der Protest ungehört blieb, entschloß sich das Komitee zur Verteidigung der Schechita im Einverständnis mit allen anderen Instanzen, den j üd i s c h e n Experten, Herrn Rabbiner Rubinstein, zu veranlassen, auf die Erstattung seiner Expertise ganz zu verzichten. Daß der Geistliche eines anderen Bekenntnisses zur Begutachtung einer grundlegenden jüdischen religiösen Einrichtung hinzugezogen wird, dürfte wohl einzig in der Geschichte dastehen. Aber der Vorsitzende des Sejm, bei dem die Herren Rabbiner Rubinstein und Dr. Schorr Protest einlegten, hatte es leicht, sich hinter den Vorsitzenden der Kommission zu verstecken, der allein für die Bestimmung und Berufung der Sachverständigen zuständig sei. - Kein Wunder, daß unter diesen Umständen die Verfassungskommissiön des Sejm, sich schon in der ersten Sitzung für den Schächtverfootsantrag der Frau Prystor ausgesprochen hat. Damit ist die definitive Entscheidung noch nicht gefallen. Der Beschluß der Kommission muß noch einmal den S e j m in zweiter und dritter Lesung beschäftigen, und dann hat auch noch die Regierung ein gewichtiges Wort mitzureden, deren Mitglieder zum Teile den Antrag für verfassungs widrig halten. Trotzdem bleibt die Situation nach wie vor bitter ernst, und der Abwehraktion steht noch schwere und anstrengende Arbeit bevor. Möge der Erfolg der gerechten Sache nicht ausbleiben. Der Kantonisierungsplan für Palästina. Wir brachten in der jüngsten Nummer die Ausführungen des früheren Sekretärs der Palästina-Regierung, L. G. Gust, über eine Teilung Palästinas in einen jüdischen und arabischen Kanton. Unsere Meinung, daß der Plan keine restlose Begeisterung in den führenden jüdischen Kreisen finden wird, erfuhr rasche Bestätigung an einem Vortragsabend, der in der Londoner Royal Asian Society unter dem Vorsitz des früheren High Commissioners für Aegypten, Lord Lloyd, stattfand. Nach den Darlegungen Gusts äußerte sich Prof.. G i b b s dahin, es bestehe wenig Aussicht, daß der Plan von Juden oder Arabern angenommen werden würde. Zwar würde der jüdische Charakter gewisser Siedlungsgebiete durch die Verwirklichung dieses Planes, gestärkt werden, andererseits würde die Kantonisierung afeer eine drastische Einschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina zur Folge baben und darum sei die Annahme des Planes durch die Juden im Hinblick auf die Lage in Deutschland und Polen so gut wie unmöglich. Auch Prof. Norman Bentwich wandte sich gegen den Kantonisierungsplan. Die Politik müsse davon ausgehen, daß Juden und Araber trotz aller politischen Differenzen gemeinsame wirtschaftliche Interessen, haben. Seit der Schaffung des Mandats habe es sich gezeigt, daß die Araber nur dann einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren werden, wenn Juden nach Palästina kommen. Nur Colonel N e w c o m e erklärte sich für den Plan; er verlangte, daß die Vorschläge von einer königlichen Kommission gründlich geprüft werden. Von jüdischer Seite erklärte noch" das Mitglied der Exekutive der Neuen Zionistischen Organisation, S. Landman, die Juden könnten eine Teilung Palästinas nicht zulassen. Nach tausenden Jahren stehe Palästina jüdischer Einwanderung wieder offen. Es könne für England keine edlere Aufgabe geben, als sich mit dem Prozeß jüdischer Erneuerung zu verbinden —. Auch wir müssen noch einmal betonen, daß manche Punkte des Gust'sehen Planes, so di.e Abtrennung Jerusalems vom jüdischen Gebiete, weitab von der Linie der jüdischen Erez Jisroel-Hoffnungen liegen. Die Lehre des Purimfestes. Von Oberrabbiner Dr. Carlebach.*) Als Königin Esther die Erzählung der Ereignisse in Susa in die Bibel aufgenommen wissen wollte und dem -Sanhedrin die Forderung aussprach: ,,<Katwuni ladoroth: laßt meine Geschichte niederschreiben und Purim ein Fest werden für die Geschlechter," wollten die Weisen ihrer Bitte nicht stattgeben. „Die Erzählung würde Haß erwecken," wandten sie ein. ,,Man wird satten: die Juden freuen sich, den Untergang ihrer *) Der Artikel ist erst nach Puäm hieeingetroffen, was hier gesagt wird, gilt aber für das ganze Jahr. Red. Feinde in. Erinnerung zu bringen." Nur weil so wie so die persische Geschichte das Gedächtnis der Ereignisse wacherhält (Esth. 10, 2), gab die große Synode nach. Jene Befürchtung ist nur allzu wahr geworden. Um so mehr ist es unsere Pflicht, den Sinn und die Gedanken der Purimgeschichte in ihrer wahren Bedeutung immer wieder klarzustellen. Die Kämpfe und Opfer des 13. und 14. Adar waren von jüdischer Seite nicht gewollt. Als Esther das Ohr des Königs zugunsten ihres Volkes gefunden hatte,- bat sie nur, Achaschwerosch möge den Vernichtungsbefehl gegen die Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas JisroeL mps ^npn Möschen hat Verzeihung. erlangt für die Sünde Jisroels durch das goldene Kalb und beeilt sich jetzt, dem Geheiße G'ttes entsprechend durch den Bau des ppn ein Gegengewicht zu schaffen, das zugleich auch die unmittelbare G'ttesnähe und G'ttesverbundenheit im Volke verstärkt. Nach Ibn Esra bezieht sich das am rmv1? >n im "wx .onann n^s auf . die Ausführungsbestimmungen über das pB>» und seine Geräte. Alle Mephorschim erklären das auffällige Anführen des Sabbatgesetzes damit, daß selbst Dinge, die auf Befehl G'ttes getan werden, dem Gebote von rav gegenüber zurücktreten müssen. Selbst eine so einmalige und sicher g'ttgefällige Sache, wie der Bau des ps?» bildet keine Ausnahme. Das ms? ^»3 weist auf die Anwesenheit der Kinder hin. Zu CR nran ab siehe die Erklärung Rambans, daß eine Meinung, tfsi Soik könnte ja erlaubt sein, ausgeschlossen werden soll. 03Ji8ö inp deutet dem "V nach auf einen ausgeübten Druck hin und ai> a'TJ auf das freiwillige Geben. Der Sippurno erklärt dies so, daß Männer aufgestellt waren, welche die Gaben in Empfang nehmen sollten (inp); gefordert sollte jedoch nicht werden (a^ a'ia)- Die vielen Abwandlungen des Wortes naia weisen auf die Bereitwilligkeit des Volkes hin, das durch reichliches Opfern die Spenden für das ^>ay aufheben will. V, 31 gibt die Möglichkeit, auf unsere Einstellung zur Kunst hinzuweisen. Interessant ist die Erklärung Rambans zu 38, 8, nach welcher Moscheh die Metallspiegel der Frau als Mittel des jnn IX' ablehnen wollte, von G'tt aber gerade deswegen anzunehmen geheißen wurde. Zu dem Ausdruck a'Tips siehe die verschiedenen Erklärungen der Mephorschim. Ramban erklärt ZU 40, 27, Wieso Moscheh Opferdienst verrichten durfte (pwsin ins). Im Zusammenhang damit bringe .auch die Erklärungen"' zu 40, 35. Kleines Feuilleton. Toscanini dirigiert in Palästina. Die „New York Times" vom 23. Februar berichtet: Arturo Toscanini (der berühmte Dirigent der Mailänder Scala und des New Yorker Symphonieorchesters) nahm gestern eine Einladung an, das Eröffnungskonzert des neugegründeten „Palästinaorchesters , welches am 24. Oktober in Tel Awiw stattfinden wird, zu dirigieren. Der polnische Violinist Brownislaw Hubermann, der Gründer des Palästinasymphonieorchesters, teilte dies heute der Presse mit. Toscanini, der, wie er sagt, in der nächsten Saison das New Yorker Symphonieorchester nicht dirigieren wird, will in Palästina einige Konzerte leiten. Hub ermann führte in s«iner Einladung an Toscanini aus, daß dessen Unterstützung des Orchesters in Palästina einen Markstein im Aufbau Palästinas bedeuten wende. Das Versprechen Toscaninis, nach Palästina zu gehen, ist um so bemerkenswerter, weil er kürzlich erst all seine Konzertverpflichtungen absagte mit Ausnahme der Salzburger Festspiele und zwei Konzerte der Saint Saens - Gesellschaft in Paris. Das* Palästinasymphonieorchester, welches 65 Mitglieder umfaßt, setzt sich in der Hauptsache aus hervorragenden deutschen Musikern, welche nicht mehr in Deutschland spielen können und ebenso aus anderen europäischen prominenten Musikern zusammen. Hubermann erklärte, daß die Mitglieder des Orchesters nicht nur deutsch-jüdische Musiker, sondern auch nichtjüdische Mitglieder umfaßt. Seine Dirigenten sind: Issay Doblowen, russischer Dirigent nud ehemaliger Dirigent des San Francisco- Symphonieorchesters; Hans W. Steinberg, früherer Leiter der Frankfurter Oper und Taube, der ehemalige Leiter einesi prominenten Musikensembles. Das erste Programm umfaßt 60 Konzerte, die während 8 Monaten in Tel Awiw, Jerusalem und Haita gespielt werden sollen. Jedes Programm wird zweimal gespielt, das erste Mal als Abonnementsikonzert, das zweite Mal zu populärem Preisen. 20 weitere Konzerte werden am Ende der Saison in den Kolonien gegeben. Der erste Solist, der für einige der Konzerte bereits zusagte, ist der deutsche Violinist Adolf Busch. Nach der ersten Saison des Orchesters wird geplant, europäische Länder und die Vereinigten Staaten zu besuchen. Hubermann erklärt weiter, daß internationale Musikfestspiele, auf welchen klassische und moderne Werke mit biblischen Themen zur Aufführung kommen, geplant sind, 25 000 Dollar sind bereits vorhanden, um die erste Saison sicherzustellen. Das Eröffnungskonzert, welches Toscanini dirigieren wird, wird von der bis dahin fertiggestellten Radiostataon in Tel Awiw übertragen, und von der amerkanisohen National Broadcasting-Corporation übernommen wenden.

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