Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1936)
- Date
- 1936-03-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 10 Der Israelit 5. März 1936 soll die Polizei nicht eingegriffen haben, obgleich sie von den Vorfällen Kenntnis hatte. England. Der Legislative Council im englischen Oberhaus. London, 26. Febr. In der Abendsitzung des Oberhauses vom 26. Februar gab es eine ausgiebige Aussprache über den Plan des Legislative Council in Palästina, Lord S n e 11 von der Labour-Party eröffnete die Debatte mit dem Wunsche, daß die Regierung das Projekt einer neuerlichen Prüfung unterziehe. Der Earl of Lytton lobte zwar den High Commissioner und seine Regierungspolitik, beanstandete aber, daß er auf die Ausführung des höchst gefährlichen Vorschlages so dringe. Der Unterstaatssekretär der Kolonien, Earl of Plymouth, gab eine Erklärung namens der Regierung ab in dem Sinne, daß der Plan des Legislative Council von allen Gesichtspunkten aus geprüft wurde und daß die Selbstverwaltung in keiner Weise dem Wortlaute und Sinne des Mandates widerspräche. Eine Verschiebung der geplanten Einsetzung würde das Vertrauen zu Palästina schwer erschüttern und möglicherweise sogar zu Unruhen führen. Ob jetzt gerade der richtige Augenblick für die Einsetzung des Legislative Council sei, darüber habe der High Commissioner zu bestimmen, und dieser finde den Moment für geeignet. Er, der Unterstaatssekretär, glaube, daß mittels der Selbstverwaltung eine Basis geschaffen werde, auf der Juden und Araber harmonisch arbeiten könnten. Beispiel dafür sei u. a. auch die Stadtverwaltung in Jerusalem. Die Regierung müsse ihre wiederholten Zusicherungen endlich einhalten. Ausflüchte und Zwischenlösungen müßten im gegebenen Moment nur verstimmen. Redner hofft, daß das jüdische Volk bald den Segen und Nutzen der Selbstverwaltung einsehen werde. Lord Lytton erklärte, die Selbstverwaltung könne nur dann herbeigeführt werden, wenn die Zusammenarbeit aller Einwohner innerhalb der Vertretung gesichert sei, was aber im gegebenen Momente bezweifelt werden müsse. Man solle zunächst eine Königliche Kommission zur Prüfung der Frage nach Palästina schicken. Dieser Vorschlag wird auch von Lord L o t h i a n aufs Wärmste unterstützt. Die Balfour-Deklaration, erklärte er, bedeute einen Akt der Wiedergutmachung gegenüber dem jüdischen Volke, und so dürfe nicht« geschehen, was diesem Akte nur irgendwie Abbruch täte. Den Vorschlägen schließt sich auch Lord J e e s e 1 an. Lord Elibank befürchtet vom Legislative Council eine Vorherrschaft der Araber zu Ungunsten der Juden, die durch die Art ihres Aufbaues eine bessere Behandlung verdient hätten. Er schlägt vor, einen nur aus ernannten Mitgliedern bestehenden Council zu schaffen, dem fünf Araber, fünf Juden und sechs Beamte angehören sollen. Lord M a n s f i e 1 d schloß isch diesem Vorschlage an. Lord Melchett erhält darauf das Wort und verlangt eine großzügigere konstruktive Politik in Palästina. Der Legislative Council in seiner geplanten Form würde den1 Arabern nichts nützen und den Juden schaden. Der High Commissioner, dessen hohe Verdienste nicht geschmälert werden sollen, sei in dieser Sache schlecht beraten. Das grandiose Werk, das England mit der Errichtung eines Nationalheimes für die Juden ins Leben gerufen hat, dürfe nicht durch solche Experimente geschmälert werden. Lord Marley spricht sich als letzter Redner ebenfalls gegen den Plan aus. Palästinafragen vor dem Unterhaus. London, 28. Febr. Auf eine Anfrage des Abg. Captain Cazalet gab der Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, im Unterhaus bekannt, daß die geplante Einschränkung des Bodenverkaufs in Palästina sich auf alle Ländereien außerhalb des von der Verordnung ausgenommenen Gebiets von Beer Schewa beziehe, gleichgültig, ob sie im Besitz von Arabern oder Juden, von Großgrundbesitzern oder siedelnden Eigentümern stehen. Der Abgeordnete Wedgewood velrangte hierzu die Zusicherung, daß das Haus vor der Einführung der Verordnung befragt werde, erhielt jedoch keine Antwort. Captain Cazalet fragte den Kolonienminister weiter, ob er mitteilen könne, wieviel Boden in Palästina noch in arabischem Eigentum sei und in welcher Weise sich «dieser Besitz auf siedelnde Eigentümer, Grundbesitzer und Gemeinschaftseigentum verteile. Minister Thomas antwortete, er werde entsprechende Informationen vom -High Commissioner einziehen und sie in angemessener Frist dem Anfrager bekannt geben. _ Auf eine Anfrage über die Ausbeutung des Wassers des Kinerethsees, erklärte in einer schriftlichen Antwort Minister Thomas, es sei ihm bekannt, daß an den Ufern des Tiberias-Sees Arbeiten zur Verhinderung der Wiederholung von Üeberschwemmungen durchgeführt werden. Er erwarte gegenwärtig Bemerkungen des High Commissioner zu dem Vorschlag, einen unabhängigen Ingenieur zwecks Erstattung eines Berichtes über die Lage zu bestellen. Die Beteiligung an der bevorstehenden Levante-Messe. London, 18. Febr. Im Unterhaus teilte Staatssekretär Euan W a 1 - 1 a c e auf Anfrage mit, ihm sei bekannt, daß Bulgarien, Finnland, Frankreich, Norwegen, die /Türkei und Jugoslavien an der Messe offiziell teilnehmen. Von einer Reihe anderer Länder werde die Frage einer offiziellen Beteiligung noch erwogen. Ueber die Vergrößerung der Ausstellungen fremder Länder könne er keine Auskunft geben. Das' Department für Ueberseehandel habe neben seinem Informationsbüro auch für einen entsprechenden Hinweis auf die Messe in dem Board of Trade Journal, das für die Unterstützung des einheimischen Exports bestimmt ist, Sorge getragen. Die holländische Mi Ichwirt schaft skommission wird in dem holländischen Pavillon auf der Levante-Messe, die im Mai ds. Js. in Tel Awiw stattfindet, einen eigenen Milcihwirtscbaftspavillon errichten. Der Stand wird einen Ueberblick über die staatliche Kontrolle bei der Erzeugung der holländischen Milchprodukte und die Bedeutung des Exports dieser Produkte, insbesondere nach Palästina, geben. Jüdische Unternehmungen auf Cypern. London, 19. Febr. In einem Bericht über jüdische Unternehmungen auf Cpyern schreibt die Londoner „Morning Post": Die Entdeckung Cyperns durch die Juden hat Kapital und Hirne auf die Insel gebracht. Die Juden haben große Flächen mit Zitruspflanzen bedeckt, die nach verbesserten Methoden kultiviert werden. Sie haben die Grapefruit eingeführt. Bei Limassol wurden tausende Acres bewässerten Bodens in kleine, etwa zweieinhalb Acres 'große Gärten geteilt, die durch einen gemeinsamen Brunnen bewässert werden.. Sobald die Bäume fruchttargend geworden sind, werden Käufer für eine oder mehrere Parzellen gesucht. Außer Zitrusfrüchten hoffen die Juden, Ende Februar 3Q0 Tonnen "Tomaten für den Export nach England- und Palästina bereit stellen zu können. Diese frühreifen Tomaten sind auf Kartoffeln gepfropft, was ihre Qualität bedeutend erhöht. Für den Export nach England wurden eigene Verpackungslcisten in Rumänien bestellt. Die Juden planen auch die Errichtung von .Zementfabriken. (ITAJ Kolonienminister Thomas über die Handhabung der Einwanderungsvorschriften in Palästina. London, 28. Febr. In der Unterhaus-Sitzung vom 26. Februar rechtfertigte Kolonienminister Thomas die Art der Handhabung der E i n w a n d e r u n g s b e s t i m m u n g e n in Palästina mit der dort besonders gebotenen Verhinderung einer Verletzung dieser Bestimmungen. Der Abgeordnete C r eech-Jones fragte den Minister, ob es ihm bekannt sei, daß nach Abschnitt 4A der von der Palästina-Regierung vorgeschlagenen Immigration Amendment Bill 1936 einem Ausländer, der beschuldigt wird, illegal nach Palästina gekommen zu sein, oder die ihm als Tourist oder auf Grund" eines. Transit-Visums gewährte Auf enthältsfrist überschritten -zu haben, die Beweislast für sei-' nen rechtmäßigen Aufenthalt in Palästina zufällt; der Abgeordnete fragte weiter, ob der Minister eine Ab- : änderung 'dieser Vorschläge im Sinne ihrer Uebereinstimmung mit den Grundsätzen des englischen Rechtes veranlassen wolle. Minister Thomas antwortete: „Die erwähnte Sachlage ist mir bekannt, und ich bin der Ansicht, daß sie angesichts der besonderen Verhältnisse in Palästina gerechtfertigt ist, damit Versuchen einer Umgehung des Einwanderungsgesetzes wirksamer begegnet werden kann." Maßnahmen gegen antisemitische Propaganda in London. London, 28, Febr. Die Londoner Polizei hat nach den vom Innenminister, Sir John Simon, im Unterhaus abgegebenen Erklärungen über die Bekämpfung der antisemitischen Propaganda in London energische Maßnahmen im Sinne dieser Erklärungen getroffen. Der Londoner Polizeichef hat bekanntgegeben, daß jedermann, der antisemitische Reden halten würde, verhaftet werden wird. Diese Ankündigung erfolgte im Zusammenhang mit der Vernehmung des Propagandaleiters der British Union of Fascists, der wegen judenfeindlicher' Aeußerungen bei einer Versammlung in Nordost-London verhaftet wurde. Der Ankläger der Polizeibehörde erklärte, der Polizeichef nehme diese Dinge sehr ernst. Es müsse in weitesten Kreisen bekannt werden, daß derartige Reden nicht geduldet werden. würden. Die Leistungen der ICA zugunsten der Juden aus Deutschland. London, 1. März. In einer am 1. März abgehaltenen Sitzung der Anglo Jewish Association gab der Vorsitzende, Leonard G. M o ntefiore, einen Ueberblick über die Lage der Juden in Mittel- und Osteuropa und wies auf die zugunsten der Juden dieser. Länder unternommenen Hilfsaktionen hin. Montefiore befaßte sich u. a. mit der Kritik, die in letzter Zeit an der ICA wegen ihrer angeblichen Zurückhaltung bei diesen Hilfsaktionen 'geübt wurde, und gab bekannt, daß von der ICA bisher für Hilfe an Juden aus Deutschland über 200.000 Pfund ausgegeben worden sind. Nach den Bestimmungen, die Baron iHirsch für die Verwendung seiner Hinterlassenschaft getroffen hat, sei ein großer Teil der der ICA zur Verfügung stehenden Mittel für Juden aus dem Gebiet des ehemaligen Rußland festgelegt. Die Fürsorge für diese Menschen werde von den Verwaltern der ICA-Fo^nds in erster Reihe im Auge behalten. Auch diejenigen, die die Einwanderungszertifi'kate für Palästina verteilen, seien von den gleichen (Erwägungen beherrscht. Man dürfe nicht vergessen, daß, so groß die Not der Juden aus Deutschland auch sei, die der Juden Polens noch viel größer ist. Seit dem Umbruch in Deutschland habe die ICA erhebliche Mittel für Axiswand^rungsihilfe zur Verfügung gestellt und bisher über 200.000 Pfund für Juden aus Deutschland ausgegeben. Durch diese Leistung aber dürften die übrigen Arbeiten der ICA nicht beeinträchtigt werden. Sie wurden auch tatsächlich fortgefürht und aufrecht erhalten, als Südamerika unter einer schweren Wirtschaftskrise litt. Es sei leicht, schloß Montefiore, durch billigen Großmut Ruhm zu erlangen;. aber die Arbeit für heute dürfe nicht auf Kosten der Arbeit für morgen durchgeführt werden. Palästina. Volkszählung in Palästina. Jerusalem, 23-. Febr. Die arabische Tageszeitung „Adifaa" meldet, die Palästina-Regierung führe jetzt durch Vermittlung des j Gesundheitsamtes eine Volkszählung durch. Die Zahl j der Einwohner von Tel Awiw sei mit 130.000, die j Einwohnerzahl von Jaffa. mit 68.000 festgestellt worden. Diese Zählung werde auf Wunsch de® High Commissioners in Zusammenhang mit dem Gesestzesvorschlag über die Einschränkung desr Bodenkätifs vorgenommen.