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Der Israelit · 1936-03-05 · Heft 10 (5.3.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 10 (5.3.1936)
Date
1936-03-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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5. März 1936 Der Israelit Nr. 10 Seite 9 sung zeuge. Wir können es nicht zulassen, sägte der Abgeordnete, daß es Belgier erster und zweiter Klasse gebe. Der ehemalige Minister Carton de Wiart meinte, es sei trotzdem nicht zu leugnen, daß diese Ernennung in juridischen Kreisten starke Erregung hervorgerufen habe. Der gegenwärtige Justizminister Soudan replizierte darauf: „In antisemitischen Kreisen, meinen Sie!" Abg. Jaspar setzte sodann seine Ausführungen fort und schloß mit der Versicherung: „Wir sind nicht gewillt, in Belgien eine Rassenpolitik einzuführen." Es sprachen noch der frühere demokratisch-katholische Wirtschaftsiminisfer H y m a n und der frühere Minister und jetzige Bürgermeister von Antwerpen, C. H u y s <m a n s , der fragte, ob dies die einzige Ernennung unter solchen Umständne in letzter Zeit gewesen sei. Als der Interpellant diese Frage bejahte, erklärte Außenminister Paul Hymans zur Richtigstellung, er könne die Namen einer Reihe junger Katholiken nennen, die unter den gleichen Umständen ernannt worden seien. Tschechoslowakei, Der „Keren Hajischuw" in Aktion. Bratislava, 27. Febr. Auch die Agudas Jisroel in unserem Lande hat den Beschluß gefaßt, in Erez Jisroel einen Kibbuz speziell für die Einwanderer aus der Tschechoslovakei zu errichten. Der Boden ist bereits vorhanden; in Machne Jisroel hat die Agudas Jisroel-Weltorganisation ein beträchtliches Ausmaß von Böden zu diesem Zwecke für unsi erworben. Wir, das tschechoslv vakische Judentum, haben Interesse daran, daß auc^i unser Name im grandiosen religiösen Aufbauwerk in Erez Jisroel entsprechend vertreten und verewigt sein soll, und müssen trachten, jede Gelegenheit auszunützen, um für dieses große heilige Werk erfolgreich tätig zu sein. Jeder Jude, der es gerne sehen möchte, daß in Erez Jisroel ein religiös-jüdisches Leben herrsche, muß den religiösen Aufbau eifrigst fördern. Es ist keine Unterstützung, es ist keine Wohltat, vielmehr ist es eine Vorarbeit für sich selbst, wenn man den einzigen Fond des traditionstreuen Aufbauwerkes in Erez Jisroel, dem „Keren Hajischuw" tatkräftigst beiseite steht und die vermittels dieses Instrumentes eingeleiteten Aktionen unterstützt. Das Ke.renHajisicb.uw - Direktorium unseres Landes ist bestrebt, bei jeder Gelegenheit jedem Juden die Möglichkeit zu geben, an diesem Werke teilzunehmen. Aus Anlaß des herannahenden Purimfestes#hat dieses Direktorium eine „Mischloacli Monaus-„Abiöse" eingeführt. Diese Ablöse erfolgt folgendermaßen: Will jemand einem Freunde oder Bekannten die Aufmerksamkeit, nachdem er der Mizwoh bereits laut Vorschrift entsprochen hat, de© üblichen Mischloach-iMonaius-Schicken erweisen, so tut er es am besten, wenn er diese Freundschaftskundgebung mit einer Unterstützung des „Keren Hajischuw" verbindet. Man bestellt also beim Keren Keren Hajischuw-Direktorium eine Anzahl Mischloach-Monaus-Karten mit Angabe der Adresse, an wen diese in seinem Auftrage versendet werden sollen. Nach jeder Karte zahlt der Auftraggeber einen beliebigen Betrag, welcher auf der Karte vermerkt und dem „Keren Hajischuw" zugeführt wird. Man hat damit Erez Jisroel gedient und den Freund geehrt. Solche Aufträge nimmt außer dem Keren Hajischuw-Direktorium, Bratislava, Postfach 140, auch die; Agudas Jisroel-Jugendorganisation, Bratislava Näm. Republiky 37 und die Jugendgruppen allerorts dankend entgegen, Ueber die .gewissenhafte Ausführung der Aufträge erhält der Auftraggeber eine besondere Bestätigung. Der für 'die Ablöse-Karten einzusendende Betrag ist per lErlagsschein auf das Postscheckkonto Praha, Nr. 5346, mit dem Vermerk ,/Punim" zu überweisen. f' ' Polen. Abrechnung mit den (Nationaldemokraten im polnischen Sejm. Warschau, 25. Febr. Im Laufe der 'Etatberatung im pohlischen Sejm hielt Innenminister Raczkiewicz eine scharfe Abrechnung mit den Natiomaldemokraten, wobei er insbesondere die antisemitische Propaganda dieser Partei als die Ursache fortwährender Unruhe kennzeichnete. Auch der Abgeordnete Wale wski betonte, daß durch Gewalttaten Minderheitenfragen nicht gelöst werden können. Die Anwendung physischen Zwanges stehe im Widerspruch zu dem ritterlichen Geist und den erhabenen Traditionen Polens. Der Vorsitzende des Jüdischen Parlamentsklubs, Abg. Dr. Emil Sommerstein, entwarf ein erschütterndes Bild der Leiden, die die jüdische Bevölkerung Polens in der letzten Zeit infolge der ungehemmten nationaldemokratischen Propaganda zu erdulden hat. Er richtete an die Regierung den Appell, der jüdischen Bevölkerung die Arbeitsmöglichkeit zu geben, die jedem Bürger durch die Verfassung gewährleistet sei. Zum Schächtverbotsantrag in Polen. Warschau, 2. März. Die Situation hat sich inzwischen leider nicht gebessert. Man kann eher sagen, daß sich die Aktion Eine Beratung der Rabbis und Rabbiner in Warschau der Schächtgegner wesentlich verschärft hat. Mehrere Stadtverwaltungen sind dem Beschlüsse des Sejm vorausgeeilt und haben aus eigener Machtvollkommenheit Schächtverbote erlassen. So die Stadt Posen, ferner K a 1 i s c h , G r a u d e n z (Pomereilen), wie man hört auch Wilna, wo eine starke jüdische Bevölkerung lebt. In Bialystok, Skiern e w i e c e und in Warschau selbst sind ein Teil der Stadträte drauf und dran, ebenfalls mit einem Schächtverbot das Parlament vor eine fertige Tatsache zu stellen. Stark deprimierend wirkt es auf die jüdische Bevölkerung, daß der Polnische Rundfunk wohl einige Vorträge gegen die Schechita durchgab, aber ein Referat von Senator Professor S c h o r r zur Verteidigung der Schechita abgelehnt hat. Der Ministerpräsident hat den Empfang einer jüdischen Abordnung in dieser Sache aus Zeitmangel abgelehnt und sie an den Vizeinnenminister verwiesen. Wie mitgeteilt, wurde nach der ersten Lesung im Sejm der Antrag an eine Kommission weitergegeben. Rabbiner Rubinstein wurde zum Experten für den jüdischen Standpunkt bei den Beratungen bestellt. Auch Frau Prystor, die Initiatorin des Antrages, wohnt den Sitzungen bei, obwohl sie der Verwaltungskommission nicht angehört. Als einziges jüdisches Mitglied ist an der Kommission Dr. S o m - m e r s t ein beteiligt. Iii einer Pressekonferenz der Parlamentsjournalisten teilt der Pressechef Lonczkowski mit, daß der Standpunkt der Regierung in der Schechitäfrage noch keineswegs feststehe. Er selbst erkenne an, daß die Abschaffung der Schechita der Wirtschaft keinen'großen Nutzen bringe n w e r d e. Wie aus Wilna berichtet wird, setzte sich dort eine Konferenz katholischer Priester für das geplante Schächtverbot ein, was in der jüdischen Bevölkerung wiederum eine große Enttäuschung auslöste. , Das „Jiddische Togblatt" in Warschau, das Organ der Aguda, richtete einen Appell an die jüdische Welt, denn die Lage sei verzweifelt. In Polen selbst sei die jüdische Abwehraktion viel zu schwach. Dieser Alarmruf fand zuerst ein lebhaftes Echo in England. Intervention der Agudas Jisroel in London. London, 1. März. Unter dem Vorsitz des politischen Ehrensekretärs der Weltorganisation Agudas Jisroel, H; A. Goodman, fand in London eine vom englischen Rabbinerverband (Agudas Harabonimji, dem Verband der jüdischen Hilfsorganisationen, der Agudas Jisroel in England und dem Verband der orthodoxen jüdischen Gemeinden einberufene Konferenz statt, der etwa 250 Delegierte von Synagogengemeinden und religiösen Institutionen, unter ihnen eine große Zahl von Rabbinern, beiwohnten. Der Vorsitzende erklärte, das Geschick von drei Millionen Glaubensgenossen in Polen werde von den 15 Millionen Juden überall in der Welt mit Sorge verfolgt. Ueber neun Jahrhunderte lang hätten das polnische und das jüdische Volk freundschaftlich zusammengelebt und niemand habe sich mehr gefreut als das jüdische Volk, als im November 1919 das neue Polen erstand. Ministerpräsident Koscialkowski äußerte sich, daß die Antisemiten gleichzeitig auch Feinde Polens seien. Wir, die wir immer Freunde Polens waren, sagte H. A. Goodman, können nicht mit verschränkten Armen ruhig zusehen, wenn dieser noch nie dagewesene Versuch gemacht wird, der polnischen Judenheit ihre historischen religiösen Rechte zu nehmen und in ihre Gewissensfreiheit einzugreifen. Zum Schluß gab der Redner bekannt, daß die Veranstalter dieser Kundgebung in enger Fühlung mit dem Oberrabbiner des britischen Reiches, Dr. J. H, Hertz, dem Joint Foreign Committee, dem Board of Deputies und der English Jewish Association stehen und daß diese angesichts der ernsten Lage alles unternehmen, was in ihrer Macht liegt. Das Mitglied des Board of Deputies, Morris M y e r , wußte mitzuteilen, daß der englische Außenminister auf Ersuchen des Chief-Rabbi durch die Warschauer Botschaft geeignete Vorstellung bei der polnischen Regierung erhoben habe. Der Präsident des Weltverbandes Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, führte aus, eine Beeinträchtigung der Schechita in Polen würde aus religiösen, menschlichen und wirtschaftlichen Gründen eine Verletzung der Menschenrechte darstellen. Ueberall "in der Welt habe sich die Schechita als ein durchaus humanes Schlachtungsverfahren erwiesen. Es wäre unvorstellbar, daß diese furchtbare Benachteiligung der polnischen Judenheit bei den Juden der ganzen Welt nicht stärkste Unruhe hervorrufen sollte. Die Konferenz beschloß einstimmig, an den Präsidenten und die Regierung der polnischen Republik, sowie an den polnischen Sejm und Senat den Appell zu richten, diesen in der Geschichte Polens unerhörten Versuch eines Eingriffs in die von der Verfassung Polens, dem Erbe Marschall Pilsudskis, geschützten religiösen Rechte und Freiheiten der jüdischen Bürger Polens zurückzuweisen. Im Namen der Juden der Hauptstadt London forderte die Konferenz die polnische Regierung auf, die Schechita in Polen ebenso für alle Zeit zu sichern, wie dies in England durch Parlamentsakt geschehen sei. Die Konferenz faßte ferner einstimmig den Beschluß, ein Exekutivkomitee zur Verteidigung der Schechita einzusetzen, das auch in Zukunft in enger Zusammenarbeit mit dem Board of Deputies und dem Chiefrabbi alle die Wohlfahrt der polnischen Judenheit betreffenden Angelegenheiten behandeln soll. Rumänien. Judenfeindliche Ausschreitungen in Rumänien. Bukarest, 25. Febr. In der Stadt Bacau kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Angehörigen der Nationalen Bauernpartei und der Cuza-Partei, die gleichzeitig Versammlungen abhielten. .Etwa hundert Cuzisten griffen eine Gruppe der Bauernpartei an, die sich in jüdische Häuser zurückziehen mußten, von wo aus sie sich zu verteidigen suchten. Die Cuzisten überfielen die jüdischen Geschäfte, von denen sie viele demolierten. Nach einer Mitteilung der Nationalen Bauernpartei

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