Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1936)
- Date
- 1936-03-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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5. März .1936 D e. r. Israelit Nr. 10 Seite 7 { Korrespondenzen. Deutsches Reich. Vereinbarung zwischen Reichsvertretung und Unabhängiger Orthodoxie. Berlin, 3, März. Von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland wird uns mitgeteilt: ' ' R ei c h s v e r t r e t un g der Juden " in Deutschland und Vertretung der U n a b - h a n g i <g e n J u d i s c h e n 0 r t h o d o x i e [ 'haften eine Vereinbarung getroffen, aufgrund deren die Vertretung jüdischer 11 g e in e i n e r Belange gegenüber den zuständigen Stellen durch die R. V. erfolgt. In r e 1 i g i ö s - k u 11 u r e 11e n Belangen vertritt die V. U. O. ihre Interessen, wenn eine Verständigung mit der R. V nicht erfolgt, selbständig. Nach innen" bleibt die Selbständigkeit der V. U. 0. durch dieses Abkommen unberührt. Eine" stetige' loyale Fühlungnahme der R. V, und V- U. O., sowie eine Teilnahme von Vertretern der V. U. 0. an Beratungen über Zuschüsse an Gemeinden und Institutionen der V. U. O. ißt vorigesehen. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland vor neuen Aufgaben. Berlin, 1. März. In einem Aufrufe des Hilfsvereins der Juden in Deutschland lesen wir u. a.: . , Die Lage der Juden in Deutschland stellt den Hilfsverein vor gewaltige Aufgaben. Viele Zehntausende, die heute eine neue Existenz in der Fremde suchen müssen, verlangen von ihm sachkundigen. Rat und materielle Hille.. .. , . Was tut der Hilfsverein, um solchen: Anforderungen . gerecht zu .werden? Ein Netz von; Korrespon- . denteri in, aller Welt unterrichtet ihn schnellstens über alle Wandlungen der Wirtschaftslage , und >der Einwanderungsibestimmsuhgeni. Durch : Ko r r esp ond e n z b 1 ä t t e r. macht er die Oeffentlichkeit mit der neuesten Entwicklung vertraut. Durch,Rundschreiben gibt er etwaige Existenzmöglichkeiteri bekannt. Um die B e r a t u n g.s.t ä t i g k e i t zu verstärken, sind in " letzter Zeit -elf neue Zweigstellen im Reiche errichtet worden. Seit April 1933 sind etwa 140 00 0 Menschen vom Hilfoverein beraten und vielfach vermöge seiner als eine halbe Million, in Asien; in Australien gibt es im ganzen etwa 30.000 Juden. Zwei Drittel des jüdischen Volkes^, über 10 Millionen Seelen, sind in den drei Ländern: Vereinigte Staaten von Nordamerika (4,450.000), Polen. (3,150.000) und Sowjetrußland (3,080.000)" konizentriert. Inv übrigen verteilen sich die Juden der Welt auf über 80 Staaten und Länder. Nur vier Staaten haben eine Bevölkerung von mehr als einer Million Juden, nämlich die drei , bereits genannten Länder und Rumänien. Eine jüdische-Bevölkerung von über 100;Ö0Ö Seelen gibt-es in siebzehn Staaten, die zusammen ^1.5 Millionen Ju- ■ den oder 92 Proz. der gesamten Jüdenheit umfassen. [ Die absolute Zahl der Juden ist: überall'igestiegen mit Ausnahme von Deutschland,. -: Oesterreich, i-Ungarn, Italien," den Schweiz:; imä .der: rTürkei.. In'; einzelnen : dieser Länder ist die Zahl der Juden erheblich zurückgegangen. Wochen Ka lender. Votl 7. — 14. März 19& / Vom 13. Ir'fö. Adar'5696'.'''; ' i ''?;. - .::■.<:■ r-.r Ulnm» '.-'K- ■ : Samstag Sonntag.. . " Montag:. Dienstag",r Mittwoch Donnerstag, •Ereitagrc^ 'Samstag!\ ijn. 7 *3 ..p-nüiö .,' ,0. "8 : J 14 •'/.KD,x r. 9 V.;i : 15 v.:'2p,i,. März 10 11 i'o TT«"!■'■ Ii: 16 17 itf •-'•'-30---- r*f.; \? Ö lo 19 n<J.. ■ r i 14 20 TO- 'sSir V-riteh .! U- Jim* ., «AP.19- ,..p?rnS,JJWEr ZhUvi- ■ »*ns£rj«?n. n^nsD oms 's 'Q wri ■ Die Woche- Berlin. Die bisherige Fraktion der zionistischen Gemeindevertreter in der Berliner Gemeinde wird nun den Namen „Zionistischer Volksbund" tragen. Ihr Vorsitzender ist Dr. Alfred Klee. Nürnberg. Die Jüdische Winterhilfe in Nürnberg betreut 930 Einzelpersonen, was ungefähr 20 Proz. der Gemeindemitglieder entspricht. Breslau. . Die "Jüdische Winterhilfe in Niedersohlesien, die 40 Gemeinden (außer Breslau) umfaßt, betreut über 330 Familien mit beinahe 700 Köpfen. Wien. In einer "vor kurzem abge- ' haltenen Versammlung des Verein® für fortschrittlich - religiöses Judentum; i. in A, Wien . wurde die Auflösung des Vereins beschlossen, da er keine: Eritwicklungsimöguchkeit in- Oesterreich gefunden hat. Es' wurde er- ^kannb,,- daß in Oesterreich kein; Boden für die Verpflanzung, eines ReformJudentums nach deutschem und englischem Muster vorhanden ist. — Wie der ITA-Vertreter erfährt, sind Vörbereitungen im Gange, um n den Weltkongreß der .jüdi sieben Fr o n t s o 1 d a t e n für die kommenden Sommermonate in Wien abzuhalten. Brüssel. ,;Le Söir" teilt mit, daß auf Anregung des belgischen 'Konsuls in Palästina und Bürgermeisters von Tel Awiw, Dizeaigoff, die gegenwärtig in Kairo ausgestellte Sammlung belgischer Kunst nach Tel Awiw gebracht und während der Levante-Messe ausgestellt werden wird. Sie besteht aus Holzschnitten, Kupferstichen, Lithographien, Buchschmuck, Medaillen, Spitzen, Kristallen, Glasarbeiten der berühmten Val-Saint-Lambert, Goldschmiedearbeiten usw. Paris, Prof. Eugen Mittwoch, der bekannte Berliner Orientalist, ist zum Mitglied der A c a d e m i <e Internationale d'H i s - toire des Sciences in Paris ernannt worden. — Präsident Lebrun hat am 24. Februar den Vorsitzenden des C o - mite France-Palestinfi, Senator. Justin Godart,. in längerer Audienz empfangen und sich bereit erklärt, den Ehre nschütz über das Comite France-Palestine zu übernehmen. — Prof: Arnold N e 11 e r, der erst vor kurzem* als Nachfolger von Prof. Sylvain Levi zum Präsidenten der . Alliance Lsraelite Universelle gewählt worden war, ist in Paris während eines Vortrags, den er in der Pariser Aerzte-Gesellschaft hielt, im Alter von 81 Jahren plötzlich gestorben.: Prof. Netter, ein gebürtiger Straßburger, hat seit 1905 als Vizepräsiden* der Alliance eine führende Rolle in dieser Organisation gespielt. Bukarest. Bei der Debatte im rumänischen Parlament über die Methoden der Cuzisten kam es zd solchen Sturmszenen, daß die Sitzung Unterbrochenwerden mußte. Anschließend fanden Kundgebung'en auf der Straße statt, denen die Polizei mit Panzerwagen ein Ende machte. Jerusalem. Arabische Zeitungen regen sich darüber auf, daß der Agudaführer, Rabbi ,Mo.scfie Blau, in einem Vortrag in Tel Awiw. erklärt hätte, die Judenheit halte ihren Anspruch auf das Eigentum der Klagemau er aufrecht. Die Regierung forderte Rabbi Mosche Blau auf, ausführlichen Bericht . über seine Aeußerungen in diesem , Punkte einzureichen,. — Vor dem Verwal- . tungisgebäude der Jewish Agency in Jerusalem haben sich wieder 450 „illegale" Einwanderer;eingefunden, die gefordert haben, daß; die Jewish, Agency Schritte ,tue, um den Aufenthalt der Illegalen an Palästina, zu.. . •. ,: legalisieren. — High/ CJpmmissioner .Sir.l'ÄrT] .,»; thur Wauchope hat den, /bisherigen ^Beam-iU( ■ jteji. der Hai'faer .Zweigstelle- - der.. Ar^ljD-^a^ . ri lestinei - Banik, , M. H a m b u r ig e r, / ,: zum \\ H a u p tassistenten des Statistischen Amtes der Palästina-Regierung in Jerusalem ernannt. — Prof. L. A. Mayer und Dr. A. R e i f e n b e r g ,,. die im vergangenen . Jaihre ejne alte v . Synagoge in , f;Ashtamoa entdeckt haben, fanden nunmehc ■in, .dein in . dem. gleichen Distrikt gelegenen, (K h ur b e, t, S u s i y&h abermals U e b e r - reite, ei n er a n t i k e na;S y n a g o g e. , Haifa, In.! H a d a r & a k ,a r,rn e 1 wird; der . Bau,, neuer, StraJß.en : in .Arigriff genommen, . .durch;• .• 'dd-e.sef,:.^-adtteii,,.bedeutend erweitert..^erden,;soll.;. Die Straßen werden das Viertel mit dem:Karmel-Plateau verbinden.,; DeiJ.'Bau wiifd neun Monate :in Anspruch nehmen und etivrä. 9000, Pfund kosten. geldlichen Unterstützung zur Auswanderung gebracht worden. Zur Vorbereitung der .Auswanderer hat der Hilfsverein Sprachkurse und Vorträge über Landeskunde der Einwanderungsstaaten eingerichtet; er sorgt in der Presse für aufklärende Informationen und die Bekämpfung unverantwortlicher Projekte. : ' i Der Aufruf schlieut mit der Bitte: „Wer dem Hilfsverein schon angehört, bleibe ihm treu und erhöhe nach Kräften seine bisherigen Zuwendungen. Wer noch abseits steht, trete ihm bei!" Entlassene jüdische Notare und noch wirkende; jüdische Anwälte. B e r 1 i n, 28. Febr. In der „Deutschen Justiz", dem vom Reichsminister der Justiz herausgegebenen amtlichen Blatt der deutschen Rechtspflege, werden die Namen von 754 jüdischen Notaren veröffentlicht, die auf Grund der bekannten Bestimmungen des Reichsbürgergesetzes mit dem 31. Dezember 1935 entlassen worden sind. Von diesen befanden sich 425 in Berlin, 61 in Frankfurt a. M., 46 in Breslau, und 10 in Leizpig. Am 1. Januar. 1936 gab es nach einer in der „Juristischen. Wochenschrift" veröffentlichten Statistik im Deustchen Reich insgesamt 18 854 Rechtsa n w alte, von denen 2552 jüdisch und nichtarisch waren. Nicht viel weniger als die Hälfte der am 1. Januar 1936 vorhandenen jüdischen Rechtsanwälte, nämlich 1036, wohnten im Bezirk der Rechtsanwaltskammer Berlin. In Breslau gab es 234, in Frankfurt a. M. 135, im Bezirk München 127, in Hamburg 119 und Karlsruhe 105. Es folgen die Rechtsanwaltskammern in Hamm, Nürnberg, Düsseldorf, Stuttgart usw. Die geringste Zahl von jüdischen Rechtsanwälten befand sich am Reichs-gericht mit 2 und dem Bezirk der Rechtsanwaltskammer Oldenburg ebenfalls mit 2. In einem in der ,,Juristischen Wochenschrift" veröffentlichten Beschluß des Kammergerichts vom 7. Dez.ember 1935 wird ausgesprochen, daß die Rechtsprechung des Kammergerichts, die dem für den ausscheidenden nichtarischen Anwalt neu eintretenden Armenanwalt den Gebührenanspruch der Reichskasse gegenüber soweit versagt hat, als schon für den nichtarischen Vorgänger dieselben Gebühren erwachsen sind (und zwar ohne Rücksicht auf eine der Beiordnung beigefügte einschränkende Klausel), nur und ausschließlich das Verhältnis des Armenanwalts zur Reichskassie, die die Armenanwaltsgebühren zahle, im Auge gehabt habe. Durch den Verzicht gegenüber der Reichskasse werde der Anspruch des Rechtsanwalts an die eigene Partei nicht in Mitleidenschaft gezogen. Keine Arbeit für Ausgebürgerte. Berlin, 28. Febr. Das Berliner „Gemeindeblatt" schreibt: Unter der Ueberschrift „Keine Arbeit für Ausgebürgerte" wird in der Arbeitsrechtskartei vom, 5.. Februar 1936 eine Mitteilung veröffentlicht, wonach der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in einejn Runderlaß die Auffassung gebilligt hat, daß Personen, die auf Grund des. Gesetzes über den Widerruf der Einbürgerung ausgebürgert worden sind, der Befreiungsschein zu versagen ist. Hierzu ist zu bemerken, daß derartigen Personen .nach wie1 vor die Möglichkeit verbleibt, sofern sie ,einp Anstellung gefunden haben, bei. ihrem zuständigen Polizeirevier die Arbeitser|aubnis zu beantragen,-- wenn; die Arbeitgeberfirma bei dem für sie zuständigen Arbeitsamt die Besohäftigüngsgenehmigung 'p.achsucht..Diese Möglichkeit bleibt auch dann, wenn der Befreiungsschein abgelehnt wird. Allerdings ist nur in den seltensten Fällen damit zu rechnen, daß dein Antrage auf ArbeitSserlaübnis und Beschäftigungsgenejhmigung stattgegeben wird.