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Der Israelit · 1936-03-05 · Heft 10 (5.3.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 10 (5.3.1936)
Date
1936-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 10 Der Israelit 5, März 1936 regt hat und der von dem Adel des Geästes niemals etwas verspürt hat. Mit eiserner Hanid zerbricht der Schöpfer des jüdischen Volkes die Sklavenketten und führt das Sklavenvolk in die Freiheit und erlöst aus jahrhundertelangem bleiernem Schlaf die unsterbliche, zur -Freiheit geborene Seele. Das Volk jubelt seinem Erlöser zu, aber kaum verspürt es Hunger und Durst, da begehrt es auf und murrt und sehnt sich in die Sklaverei zurück, in der es niemals Mangel empfunden und gekannt hat. D,TS*1 ist -die erste Station auf dem Wege zur Freiheit, Mutlosigkeit und Schlappheit. Da kommt der Feind und bekriegt das Volk. Es ist die gleiche Methode des himmlischen Führers, mit der er das bittere Wasser durch Hineinwerfen eines bitteren Holzes genußfähig gestaltet. Das entmutigte Volk wird mit Krieg überzogen, damit es dort seinen Lebensmut wieder finde. Es muß doch etwas Großes und Gewaltiges in der Freiheit liegen, wenn sie ihm schon am Beginn seiner Geschichte streitig gemacht wird, es muß doch etwas Erhabenes um das Volkstum sein, um das Recht, sein Dasein selbst zu formen und zu gestalten, um die Selbstbestimmung seines Geschickes, wenn es ihm mit aller Gewalt verwehrt werden soll. Denn es soll jetzt ein Neues entstehen. Ein kleines, schwaches Volk wagt es, das Joch abzuwerfen und für sich einen wenn noch so bescheidenen Platz auf der Erde zu beanspruchen und dies im Namen des Rechts, das jedes Volk und jeder Mensch hat; im Namen eines G'ttes, der das Recht verkündet. Dies ruft die alten Völker auf den Plan, denn sie fühlen die Grundlagen ihrer Existenz wanken, fürchten, daß ihre Welt zusammenbricht und sie wehren sich mit aller Macht gegen das Neue. Dies die weltgeschichtliche Bedeutung des allerersten Kampfes gegen das mutlose und verzagte Volk, das auch seine weltgeschichtliche Mission noch nicht begriffen hat. Erst der D'TS*! -Kampf läßt es ahnen, daß es hier um etwas Höheres geht, erst der erste Ansturm der Feindschaft läßt in der Seele des kaum zum Volksbewußtsein erwachten Menge eine Ahnung von der Größe des weltgeschichtliöhen Geschehens aufdämmern, als dessen Mittelpunkt es sich nun begreift. Und es nimmt den Kampf auf, aber nicht der Lehrer Moses ist der Feldherr, sondern sein Schüler denn bsu pto \>m irmaa» nnoa **rös Diane xb dk 'iv ton bw "an 'an ts k^k '»o insn m> tr^xn ns in 'iv 'a an» jkjkt •tp^R kt hVi 13 'IV .Mangel an G'ttesfurcht ist Ursache der Verzagtheit, läßt das Volk an seiner g'ttgewollten Sendung verzweifeln, da kommt D,TS*V und es gelingt, die Verzagtheit des Angegriffenen zu bannen. Und für uns fließt aus dem Gedenken. an diesen ersten Kampf, den wir als kaum geborenes Volk zu bestehen hatten, die ewige Lehre, KT "»J» tPpVKn m „Ich fürchte G'tt", das ist unsere einzige Waffe, andere Waffen haben wir nicht und dürfen auch keine haben. Voll Verzweiflung läßt -OTia der Königin Esther melden: rrrm wtor an im? bv m p im,? *wrbs jir 'ina *pp tpr daß das Volk in allem Zufall sieht. Es gibt keine Zufälle im Leben des Volkes, das Träger g'ttlicher Wahrheiten sein soll, das von G'ttes Gängen in der Menschheitsgeschichte künden soll. Und ebenso verkehrt wäre es, immer nur den Anderen die Schuld zuzuschieben, sißh nur als Opfer eines ewigen untilgbaren, in seinen Wurzeln gar nicht zu erfassenden Hasses zu begreifen. Diese Anschauung der Dinge ist doch etwas zu bequem. Fast immer geht D'TSI dem Mißgeschicke voran und wohl uns, wenn wir begreifen, daß wir eine und nur eine Waffe haben, um in diesem Kampfe zu ■bestehen, nämlich indem wir lernen, mit unserem Ahn zu sprechen KT "UR Ö^Rn ».Nicht durch Züchtung von Muskeljuden' und nicht durch Erziehung zum assimilierten, religiös neutralen Nationalismus werden wir diese schwere Krise überwinden, sondern durch Vertiefung von G'ttesfurcht, durch Erziehung von ganzen Jehudim, die innerlich ungebrochen sich wiederfinden und sprechen, aber nicht nur sprechen, sondern auch dementsprechend handeln KT» ^R Ö^RJT DR» Und diese HXT erfülle ihr ganzes Wesen, auf daß keine andere Furcht neben dieser Furcht im Herzen Raum habe, dann haben wir das nnöfl 'in! IDT AR unsererseits erfüllt. Die beiden Buchstaben des G'ttesnamens in der Zeit des Kampfes künden von der Vergangenheit und weisen in die Zukunft, durch unseren 'Ruf flK KT ^R tr»p^Kn tragen wir dazu bei, daß auch die Gegenwart G'ttes Herrschaft künde, damit TÜR latfl IHR n werde. Der Kantonisierungsplan in Palästina. In der einflußreichen konservativen Wochenschrift „Spectator" in London stellt der frühere stellvertretende Sekretär der Palästina-Regierung, Lionel G. Archer Gust, den bereits wiederholt aufgetauchten Plan der S c h a f f u n g nationaler „Kantone" in Palästina neuerlich zur Diskussion, Der Verfasser schlägt vor, daß das Gesamtgebiet von Transjordanien und Palästina unter Auflassung der bisherigen Jordangrenze in zwei Kantone, einen jüdischen und einen arabischen, geteilt werde. Der Präsident des jüdischen Kantons soll in dem Maße selbständig sein, wie es jetzt der Emir von Transjordanien ist. Lionel G. Archer Gust beurteilt die Aussichten des geplanten Legislative Council ungünstig und meint, daß als einzige andere Lösung eben die Kantons eint eilung mit einer unter der Kontrolle der Mandatarmacht stehenden Bundesregierung in Frage käme. Jerusalem, Bethlehem und das Hafen- und Oelleitungsgebäet von Haifa sollen aus den Kantonen herausgenommen und der unmittelbaren Verwaltung durch die Mandatarmacht unterstellt werden. Der arabische Kanton soll aus dem gegenwärtigen Emirat Transjordanien, auf das die „zionistischen Bestimmungen" des Mandats keine Anwendung finden, und aus den Gebirgsgegenden von Galiläa, Samaria und Judäa bestehen. Zu dem jüdischen Kanton, dem „Jüdischen Nationalheim", sollen die vier Ebenen Scharon, Emek, Esdrealon, Akko und Huleih sowie ein mit dem übrigen Komplex nicht (zusammenhängendes Gebiet im Süden, das bis in die Gegend des arabischen Gaza reichen soll, gehören. Dadurch wird ein „arabischer Korridor" als Zugang zum Meer bei Jaffa über die im wesentlichen arabischen Gebiete von Riamleh und Lydda geschaffen. Hauptstadt des arabischen Kantons soll Nablus, Hauptstadt des jüdischen Kantons Tel Awiw sein. Besondere Vereinbarungen würden für den Distrikt Beer Schwa zu treffen sein, dessen Zukunft von den Ergebnissen der Wasserbohrungen abhängt. (Ein jüdischer Kanton ohne J e r u s a 1 e m ist für das jüdische Empfinden schlechthin undenkbar. Red.)1 Der jüdische und der arabische Kanton sollen weiteste Autonomie genießen in der Art wie heute Transjordanien. Landesverteidigung, Zoll- und Verkehrswesen unterstehen, ebenso wie die Aufsicht über Rechts- und Finanzwesen, der Zentralregierung. Die Kantonal Verwaltungen entsenden gewählte Vertreter in einen Bundesrat, dessen Vorsitzender der High Commissioner wäre, und dem die englischen Kommissare von Jerusalem und Haifa sowie die hauptsächlichsten amtlichen Ratgeber angehören, Die gegenwärtig l^l^H Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas JisroeL •Rwn "o Das goldene Kalb. Verfolge die einzelnen Entwicklungsstufen Jisroel® bis hierher: In Aegypten jahrhundertelang umgeben von Götzendienst (Tierverehrung) — Herausführung aus Aegypten — Beginn der Erziehung zum Sinai-Wunder am Roten Meer — Kampf mit Amalek — Ergebnis der Erziehung: yn»n ns?s> Nimm hierzu noch die Einwirkung Möschens als Führerpersönlichkeit. Hieraus ergibt sich, eine bestimmte geistige Haltung, die einen Rückfall in die von Aegypten her gewohnte religiöse Anschauung psychologisch erklären könnte. Doch Jisroel hängt noch so unmittelbar am Erlebnis des Sinai. Die Erziehung wirkt so stark, daß ein Wegwenden von G'tt selber unmöglich ist. Jisroel ist nur gewohnt an die Vermittlung Moschehs in ihrer Beziehung zu G'tt (denke an K. 20, 16) und an seine Gestaltung ihrer Volksgemeinschaft. Ramban erklärt deshalb, daß das Volk einen Ersatz für Moschein als ~pt mv von Aharon fordert. Denn Möschen, dessen Worte zu unbedingtem Glauben verpflichteten, traf nicht zu dem von ihm bestimmten Endtermin ein (siehe Raschi). Jisroels anfängliches \ Vergehen besteht also darin, daß es das unmittelbare Vertrauen zu G'tt nioht laiufbriangt. Erst später, beim Anblick des An Aegypten als g'ttlich verehrten Kalbes, verfallen sie in die alten Bräuche. Das Verhalten Ahrons erklärt die Gemoroh in Sanhedrin 7b: Ahroh fürchtete, daß ihn da® Volk im Falle einer Weigerung, Gbur ähnlich, töten würde. Er wußte nun, daß es für einen Mord neben dem Altar G'ttes keine msa gibt. Er ließ sie dahr lieber Götzendienst treiben, wofür eine Möglichkeit zw alS3 doch noch bestand Zu njna K. 32, 12 vergleiche Raschi zu K. 10, 10. Zu K. 32, 4 siehe die Erklärung Raschbamsi. Durch zwei Momente in seiner Bitte wendet Moscheh das Gericht von Jisroel ab: Erinnerung 'an die Herausführung aus Aegypten. — Das Versprechen den Vätern gegenüber betreffend Land und Volk. Hieraus ergibt sich die Wichtigkeit dieser zwei Momente für die jüdische Geschichte. Zu V. 20 siehe die Mephorsohim. Nahum isch Gamsu — Symbol der jüdischen Geschichte; (Auch ein Purimthema.) Von B. Krupernik in Zürich. Nachum aus Gimso, einer Stadt im Süden Palästinas, wurde nach einer talmudischen Erklärung Nachum der Mann des Gamsu genannt, weil er in allen Geschehnissen die g'ttliche Fügung und Leitung erkannte und folglich auch das Unglück und das Böse, das er oder die Allgemeinheit erfuhr, nur als ein momentan scheinbares Uebel ansah, aus welchem gewiß nur Gutes entstehen muß, dla doch von G'tt nichts Söhlimmes kommen kann. Und so pflegte er immer zu sagen: >gam »u Itowah, auch di 6 s ist zum Guten. Eine wunderbare Geschichte wird von ihm im Talmud (Taanitfa 21a) erzählt. Er wurde von den Juden mit dem Auftrage betraut, dem König eine Schachtel kostbarer Edelsteine in ihrem Namen zu überreichen. Im Quartier, wo er übernachtete, wurden ihm die Edelsteine gestohlen und an ihre Stelle Kieselsteine, Staub und Erde in die Schachtel getan. Als die Schachtel nun vor dein König geöffnet wurde, erblickte man deren (geringen- Wert, den Staub und die Erde, worüber der Zorn de» Königs gegen die Juden entflammte. Da erschien der Prophet Elijahu in der Gestalt eines königlichen .Ministers und riet dem König, diese Erde einer Probe zu unterwerfen. Sie könnte vielleicht doch wertvolle Eigenschaften und hohen Wert besitzen. Der König war damals in einen Krieg mit einem Lande verwickölt, und mit Hilfe dieser Erde konnte er den Sieg erringen. Da wurden die Juden geehrt und beschenkt entlassen. Wäre es uns gestattet, nach Rambam und später Maharscho, talmudische Agadasteilen allegorisch zu deuten, so könnten wir als Kern und Inhalt folgendes herausheben: Die Edelsteine, das sind die jüdischen Fähigkeiten und ihre guten und wertvollen Eigenschaften und Sitten. Staub und Erde, das ist das, was unsere Feinde uns ian ährer statt unterschieben, Nachum, der Mann des gam su Itowah, der Mann, der immer hofft und niemals verzweifelt, sollte nun wieder einmal, wie schon so oft, Gunst für die Juden beim König erwirken. Er wollte nun vor dem König ihre Edelsteine, d, h. ihre kostbaren und wertvollen Eigenschaften ins rechte Licht rücken. Doch hatte der König nur das gesehen, was den Juden angehängt wurde. Die jüdischen Eigenschaften und Fähigkeiten wurden als gemein urwl gering angesehen. Gar häu-

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