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Der Israelit · 1936-03-05 · Heft 10 (5.3.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 10 (5.3.1936)
Date
1936-03-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 10 Der Israelit 5. März 1936 Der Einnahmen-Etat der Stadt Tel-Aviv im kommenden Finanzjahr. Tel A w i w , 3. März. Für das neue Finanzjahr wurde im Stadtrat von Tel Awiw ein Einnahmen-Etat von 555.882 Pfund aufgestellt. Als Haupteinnahme-Posten kommen in Betracht: 216.000 Pfund an Haus- und Erziehungsabgaben; 101.000 Pfund an Wassergebühren; 15.000 Pfund von der Bodensteuer; 12.000 Pfund Lustbarkeitsabgaben; 10.000 Pfund Baugebühren; 12.000 Pfund für Handelslizenzen; 10.000 Pfund für Verkehrslizenzen; 6000 Pfund Postgebühren; 3600 Pfund vom Städtischen Gericht 21.000 Pfund von städtischen Unternehmungen und 40.000 Pfund von der Palästina-Regierung. Die Schechitafrage in Polen. (Letzte Berichte.) London, 3. März. Wie die ITA. erfährt, haben auch das Joint Foreign Committee des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association geeignete Schritte unternommen, um den polnischen Behörden die tiefe Besorgnis zum Ausdruck zu bringen, die die gesamte englische Judenheit angesichts der Bedrohung der Schechita in Polen empfindet. Aus Warschau wird weiter gemeidet: Das Projekt bildete den Gegenstand der Verhandlungen auf einer in Warschau abgehaltenen Konferenz der jüdischen Fleischer Polens, an der 400 Delegierte aus 52 Städten teilnahmen. Von den Rednern wurde u, a. darauf hingewiesen, daß dank den höheren Preisen, die die jüdische^ Bevölkerung für Koscherfleisch bezahlt, der nichtjüdischen Bevölkerung verbilligtes Fleisch zur Verfügung gestellt werden kann. So habe auch die polnische Armee billigeres Fleisch beziehen können, weil für 'die rituell zulässigen Fleischteile von den Juden höhere Preise befahlt wurden. Dieser Vorteil bei der Verpflegung der Armee sei von den Militärbehörden dankbar anerkannt worden. Eine Abordnung aus W i I n a berichtete mit Erbitterung über die Art, wie das dortige lokale Schächtverbot zustandekam. Zum erstenmal hatten sich in dieser Frage die gegnerischen Lager der Regierungspartei und der Nationaldemokraten gefunden. Der Wilnaer Raw, Rabbi Gr od z e n s k i, hat sich telegraphisch an den New Yorker Rabbinerverband mit der Bitte um Material über die Schechita-Verhältnisse in Amerika gewandt. Rabbi Rubinstein sammelt eifrig Material für die Expertise, die er demnächst vor der Verwaltungskommission des Sejm über die Schechita-Frage erstatten soll. An dem Grabe des Wilnaer Gaon wird am Tage des Fastens Esther ein eigenes Gebet anläßlich des Schechita-Verbotes in Wilna gesprochen werden. In Kattowitz wurde ein Schächtverbotsantrag im Stadtrat gestellt. Der Antrag wird sowohl von der Regierungspartei als von den Nationaldemokraten unterstüzt, Die Tierschutz- Vereinigung bereitet einen Gesetzentwurf vor, durch den die rituelle Schächtung auch von Geflügel verboten werden soll. Es wird die obligatorische Tötung von Geflügel durch Elektrizität verlangt. Bemerkenswert ist, daß in Polen bisher bei den Nichtjuden eine sehr inhumane Tötungsart für Geflügel durch Umdrehen des Halses und Brechen der Wirbelsäule üblich ist. Das Wilnaer Rabbinat hat die Einhaltung eines Fasttages am 23. März wegen des Schechita- Verbotes angeordnet. (Weitere Berichte siehe Seite 3 und 9.) Erneute Verlängerung des Ausgleichsgesetzes, Berlin, 3. März. Durch eine Verordnung vom 25. Februar 1936 sind die Fristen des Gesetzes über den Ausgleich bürgerlich rechtlicher Ansprüche vom 13. Dezember 1934 .bis »um 3J0. April 1936 verlängert worden. Zur Lage der Juden in Rumänien. Appell an das rumänische Volk und an die Juden selbst. Bukarest, 3. März. Der Zentralrat der Juden Rumäniens hat als oberste politische Repräsentanz der rumänischen Judenheit folgenden Appell an das rumänische Volk gerichtet: ,,Rumänische Mitbürger! Seit Jahrhunderten leben wir auf diesem ßoden nebeneinander. Niemals gab es zwischen uns Unterschiede der Interessen oder der Strebungen, der Ideale oder der Bedürfnisse. In Zeiten des Friedens freuten wir uns miteinander der Früchte gemeinsamer Arbeit — in Zeiten des Krieges bluteten wir gemeinsam auf dem Felde, auf dem Recht für alle geschmiedet wurde. Seit einigen Jahren sind wir die Zielscheibe einer Kampagne des Hasses und der Verleumdung, die sich gegen uns über das Land in seiner ganzen Ausdehnung und über alle Schichten des Volkes verbreitet. Diejenigen, die Zwietracht säen, sind teils in offen arbeitenden Parteien organisiert, teils in Vereinigungen, die im Verborgenen tätig sind und auf uns als für alles Uebel verantwortliche Fremde -weisen. Alte Urkunden bezeugen, daß wir seit ältesten Zeiten in allen rumänischen Gebieten seßhaft sind, die einst getrennt waren, heute aber dank gemeinsamen Opfern vereinigt sind. Wir sind nicht Fremde. Wir gehören dem Lande an, ebenso wie unsere Eltern, Großeltern und Ahnen. Wir sind nicht Feinde, wir sind keine Gefahr; wäre es anders, dann hätte die Strenge des Gesetzes längst harte Strafen über uns verhängt. Wir tragen keine Verantwortung für die Uebel, unter denen das Land leidet. Wir haben es nicht regiert, wir haben es nicht verwaltet. Wir haben uns den Gesetzen, Regierungen und Verwaltungen unterworfen und haben wie Ihr unter schlechten Gesetzen, unfähigen Regierungen und unredlichen Verwaltungen gelitten, gerade so wie wir den Vorteil guter Gesetze, weiser Regierungen und gewissenhafter Verwaltungen genossen haben wir Ihr. Das Vorbild der arbeitsamen Ahnen, die die ruhmvolle Vergangenheit des rumänischen Volkes gestaltet hab-en, spornt zu Xiebe, nicht zu Haß, zu Verständigung, nicht zu Zwietracht an. Diejenigen, die den Religionsihaß predigen, können nicht Herolde der Religion sein, denn weder1 das Alte noch das Neue Testament Der Eintopfsonnfag muß a 11 e Juden zum Opfer bereit finden! fordern Vertreibung und Mißachtung des Volkes, das der Welt das Buch der Liebe und der Brüderlichkeit: die Bibel, gegeben hat. Rumänische Mitbürger! Wir appellieren an Euer Gewissen in diesen schweren Zeiten, in denen wir unrechtmäßiger behandelt werden als jemals. Wir appellieren an den Gerechtigkeitssinn und die Tradition harmonischen Zusammenlebens aller Bewohner des Landes. Wir appellieren an Eure Einsicht, auf daß Ihr Erfundenes zurückweiset und -diejenigen, die Zwietracht säen, von Euch stoßet. Lasset uns die Brüderlichkeit wiederherstellen und uns Seite an Seite fühlen in der Bemühung, die der öffentliche Fortschritt erfordert. Damit werden wir den bleibenden Interessen Rumäniens dienen und uns für die Sicherheit seiner Grenzen verbürgen." Appell an die Juden Rumäniens. Gleichzeitig hat der Zentralrat der Juden Rumäniens einen Aufruf an die .jüdische Bevölkerung gerichtet, in dem die der rumänischen Judenheit drohenden Gefahren dargelegt werden, die niemand verkennen dürfe. Niemand könne sich der Illusion hingeben, daß er sich, losgelöst von dem Schicksal der Gemeinschaft, mit eigenen Mitteln allein verteidigen könne. Niemand dürfe vergessen, daß er jede seiner Handlungen im privaten und im öffentlichen Leben nicht nur vor seinem eigenen Gewissen und im Hinblick auf sein eigenes Schicksal, sondern auch vor dem Gewissen aller und im Hinblick auf das Schicksal aller zu verantworten habe. Zum Schluß heißt es in dem Aufruf: „Juden! Für uns alle ist heute die Frage von Leben und Tod gestellt. Wir haben die Pflicht, die Rettung unserer Existenz und unserer Rechte durch eine gemeinsame Anstrengung zu versuchen. Um unsere Arbeit zu einem -guten Ende zu führen, rufen wir Euch zu uns und fordern Euch auf, uns ohne Zögern diszipliniert Gefolgschaft zu leisten. Folget unsin unerschütterlicher Treue zu Thron und Vaterland ,im -Bewußtsein der Erfüllung aller unserer Bürgerpflichten auf dem Wege zu einer helleren Zukunft!" Neuwahl der Repräsentanz der Pester Israelitischen Kultusgememde. Budapest, 3. März. Etwa 5000 Wähler haben für die Liste der Gemeindepartei, idie als einzige bei der Neuwahl der Repräsentanz der Pester Israelitischen Kultusgemeinde vorlag, ihre Stimme abgegeben,; Die Nationalpartei jüdischer Ungarn hatte zwar den Versuch unternommen, eine oppositionelle Liste einzureichen, was ijedoch mißlang, weil die Wähler übereinstimmend für die Gemeindepartei, die die Kandidatur des 'bisherigen Vorsitzenden Hof rat Stern aufstellte, Stellung nahmen. Es waren 300 ordentliche und 75 Ersatzmitgldeder zu wählen. Nach 'Abschluß der Wahl wurden der Präsident der Kultusgemeinde, Hofrat Stern, sowie die Wahlpräsidenten und. die WaMkommissiom herzlich gefeiert. Die konstituierende Generalversammlung der neugewählten Repräsentanz j findet am 12. März statt. Die Versammlung wird neben der Einsetzung des Präsidiums und des 1 Ausschusses eine Reihe von Persönlichkeiten (höchstens 25) in die Repräsentanz k^poptiereii, die sich um die ungarische judenheit "yerdjient gemacht haben.

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