Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1936)
- Date
- 1936-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'-5Ä.1936 Frankfurt a. M. 5. März 1936 11, Adar 5696 Nummer 10 Adar-Aktionen der nstanzen B Der Monat Adar gab den agudistischen Fonds Gelegenheit, alle jüdischen Herzen zu mobilisieren und alle Kräfte zur Mitarbeit aufzurufen. Die Adar-Aktion des Keren Hajischuw kommt in den in dieser Nummer beigelegten Keren H a j i s c ,h u w - B1 ä 11 e r n in Wort und Bild zum sinnfälligen Ausdruck. Bin Aufruf zur Mitarbeit ist von 64 deutschen Rabbinern unterzeichnet, und interessante Berichte spiegeln auch idie Arbeit in den agudistischen Arbeitergruppen wie in den agudistischen Schulen Palästinas wieder.' Die Westeuropäische Keren H a - t o r ah - Konf ere n z , die am 7. und 8. Adar (1. und 2. März) in Antwerpen stattgefunden hat, faßte grundlegende und tiefeinschneidende Beschlüsse und legte das Arbeitsprogramm des Thorafonds der Agudas Jisroel für alle Länder fest. Ausführlichen Bericht über die Westeuropäische Keren Hatorah-Konferenz in Antwerpen finden die Leser auf Seite 5. Die Forderungen der palästinensischen Landwirte. Eine Abordnung der Kolonisten beim High Com missioner. Jerusalem, 2, März. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat dieser Tage eine Abordnung der jüdischen Kolonisten in längerer Audienz empfangen, um ihnen die Antwort der Regierung auf ihre in einem Memorandum niedergelegten Forderungen zu erteilen. Diese Forderungen betreffen in erster Reihe Maßnahmen im Hinblick auf die schwierige Lage der palästinensischen Zitrusindustrie , die von dem Vorsitzenden des Verbandes der. jüdischen Landwirte, Mosche Smi- 1 a n s k y , auf der letzten Tagung der Zitruspflanizer in Tel Awiw dargelegt wurde. Es wurde verlangt, daß der hohe Zoll auf palästinensische Zitrusfrüchte in England herabgesetzt werde, da er den Bestand dieses wichtigsten Exportzweiges Palästinas "gefährde. Außerdem wurde gefordert, daß zur Erleichterung des Transports der Zitrusfrüchte Seitenstraßen von den Kolonien zu den Häfen und Bahnhöfen gebaut wenden, daß die landwirtschaftliche Besitzstetier herabgesetzt werde, daß die Regierung einen Beitrag zur Erhaltung der Kolonieschulen leiste und daß das Gesetz über die Ortsräte in den Kolonien endgültig bestätigt werde, f In seiner Antwort auf diese Forderungen gab der High Commissioner bekannt, daß er den Leiter des Regierungsdepartments für Landwirtschaft beauftragt habe, die Schäden, die die Pflanzungen durch Hitze und Stürme erlitten haben, genau festzustellen. Bevor nicht dieser Bericht vorliege, könne die Regierung endgültig Beschlüsse in der Steuerfrage nicht fassen. Die Regierung in London sei von der schwierigen Lage der Zitruspflanzungen infolge des höhen Zolls auf Grapefruit in England informiert worden. Bezüglich der übrigen'Forderungen erklärte der High Commissioner, sie würden bald erfüllt werden. Er beabsichtige, demnächst die Landwirtschaftsschule in Pardeß Channa zu besuchen, um festzustellen, in welcher Weise eine Förderung dieser Schule durch die Regierung möglich wäre. Aus dem Inhalt: Zur Lage der Juden in Rumänien . . Seite 2 Der Sabbat in England.......Seite 3 Wilna ohne Schechita .......Seite 3 Der Sabbat der Erinnerung. Von Rabb. Dr. Hermann Klein, Berlin Seite 3 Der KantonisierungSplan in Palästina . Seite 4 Die Westeuropäische Keren Hatorah-Konierenz in Antwerpen .........Seite 5 Vereinbarung zwischen Reichsvertretung und Unabhängiger Orthodoxie .... Seite 7 Judendebatte auch im belgischen Parlament Seite 8 Jüdische Fragen im englischen Parlament Seite 10 Nachrichten aus Palästina . Seite 8, 10, u. 11 Feuilleton und Purim-Novellen Seite 13, 14 u. 15 Beilagen: „Keren Hajischuw-Blätter" zur Adar-Aktion „HeinT-flrbeit in der Fremde. Von der Perspektive der Geschichte aus gesehen, rollen sich die Geschehnisse einer Epoche wie an einer laufenden Schnur ab und fügen sich die Einzelzüge glatt und naturbedingt zu einem Bild, das wir in all seinen Umrissen übersehen und beurteilen können. Wer als Zeitgenosse gewissermaßen selbst im Strome der großen Ereignisse treibt, wird nicht sogleich das Gesamtbild erfassen. Die Räder der Gteschiohte bewegen sich langsaiäfi für den, der Geschichte miterlebt, rasen und rauschen iim Eiltempo dahin nur für den Historiker, der aus einer gewissen Zeitdistanz die Dinge in ihrem Zusammenhange sieht. Diese Ueberlegung ist zum tieferen Verständnis der Purimgeschichte in ihrer Beziehung zur Gegenwart durchaus nötig. Was ist das Wesentliche, das wir heute aus jenem Wunderibudhe unserer Golusgeschichte festhalten? Ein Drama in drei Akten, die die Ueberschriften tragen könnten: Glanz, Gefahr, Heimkehr. . Abkehr vom jüdischen Urquell und Anschluß an die persische Umwelt- bis zur Hoffähigkeit und Tafelgemeinschaft führen bis hart an den Untergang diejenigen, die gestern noch in Glück und Glanz schwelgten. Sammlung, innere und äußere, Besinnung auf ihr Eigenes, Heimkehr als letzte Folge leuchten am Horizonte wie der vielfarbige Bogen nach dem Gewitter. So im Gesamtbilde gesehen, ist das eine alte Geschichte, die immer neu bleibt, ein Drama, das unzählige Male mit Israel als Heldenspieler über die Weltenbühne ging, nur daß einmal dieser, ein anderes Mal jener Akt mehr und stärker in Erscheinung trat. Dem Glanz des ersten Tempels folgt, sobald die Augen des G'ttesvolkes nach fremden .Mächten gerichtet sind, das babylonische Exil, das aber zur Stätte der inneren Sammlung wird, zur siebenzigjährigen Hachscbara für den zweiten jüdischen Staat. Hier sind alle drei Akte klar sichtbar. Bei der Tragödie der zweiten Staats- und Tempelzerstörung vermißt die lediglich mit Zahlen und Daten arbeitende Historie den dritten, versöhnenden Akt: die Heimkehr, die auf lange Sicht verkündet ist. Wer tiefer denkt, erlebt gerade hier den dritten einrenkenden Akt wie den Höhepunkt aller G'tteswunder. In den Ländern der Zerstreuung hat sich Israel 'heimgefunden. Die gewaltigen Standardwerke, Quellen unseres Lebens, sind im Golus entstanden. Der Talmud und Rambam, um nur einige der größten Lichter zu nennen, führen uns durch die Völkerwüste. Ein Tisch wurde uns mitten im Golusleid mit dem Schulchan Aruch gedeckt, von dem wir mit den Worten des Psalmisten singen können: "ijfl ]T\bw 'JöV yHyrv Was. die neuen Umwälzungen uns im Geistigen bringen werden, ist heute noch nicht abzusehen, weil die Dinge noch im Rollen und keine abgeschlossene Rolle sind . (Fortsetzung siehe Seite 3.)