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Der Israelit · 1936-02-27 · Heft 9 (27.2.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 9 Der Israelit 27. Februar 1936 Adresse: ,,An den König der zehn Stämme in Afrika." Das Stück Leinwand band er an den Hals der Flasche und begab sich, seine Botschaft an sich gepreßt, um die zehnte Nachtstunde an den Stadtbach. Es war März und die Nächte noch kalt. Teitelbaum fröstelte. Aber sein Herz schlug hochgemut, er war beschwingt, wie ein Berauschter, oder ein Liebender. Der Mond hing schief zwischen den Spitzgiebeln, vom Bach her strich ein scharfer Wind, der durch Jankew's dünnes Män-- telchen eisig drang. Ihn focht dies wenig an. Rüstig schritt er die Stufen hinab, auf denen die Frauen tags die Wäsche im Bache zu spülen pflegen. Behutsam wickelte er die kostbare Flasche aus und — da gesohah das Schlimme — glitt aus, verlor das Gleichgewicht und fiel kopfüber in den durch die Schneeschmelze eistreibenden Bach. Niemand hatte Teitelbaums gellenden Schrei gehört. Er verzitterte in der Nacht. Andern Tages fischte man mit spitzen Stangen in 0., einem Vorort unserer Stadt, seinen gedunsenen Leichnam aus den Wellen, die Flasche aber mit dem Briefe Benjahu Ben Jojadas wurde am Stauwerk an Land gezogen. Der Wärter, mein alter Freund, zeigte sie mir neulich, er könne die seltsamen Buchstaben nicht lesen, sagte er gleichmütig, vielleicht verstünde ich etwas von diesem Zeug. Ich las den Brief Teitelbaums, seinen letzten Brief, vielleicht auch den ersten seines leeren Lebens. Dann wandte ich mich zu meinem Freunde, dem Stau werk-Wärter: „Es ist nichts, eine Spielerei von Kindern vielleicht" sagte ich. Aber ich wußte, es war mehr. Dann ging ich eilendst nach Hause. Nocheinmal das Lied der Ehre. Von Erwin Offenbacher in Amsterdam. Das Problem. Mit großer Dankbarkeit begegnete ich ' anläßlich "• des „Sabbat, des Liedes" den Ausführungen Rabbiner Jacobsons zum Tiaan "W- In jüdisch - holländischer Umgebung hatte ich mir leider wiederholt gestehen müssen, daß gerade dem Verstehen wie Verständnis der täglichen Gebete in unserem Frankfurter Lernen noch zu wenig Beachtung geschenkt worden war. Die Verbreitung der erst kürzlich erschienenen — wörtlichen — Uebersetzung der sabbatlichen Gebete von More I. Vredenburg, dem Sohne des Arnheimer Oberrabbiners, unter der holländischen jüdischen Jugend bewies mir, auf welch' großes Interesse ein Nahebringen der Tefüloh in hiesigen Kreisen rechnen konnte. Aber auch dieser Uebersetzer wich, wie bedauerlicherweise so viele seiner Vorbilder, der Uebersetzung des „Liedes der Ehre" aus. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, daß sehr wohl eine, wenngleich auch wenig exakte Uebertragung ins Dichterisch-Deutsche in der im Verlag I. Kauffmann erschienenen Tefilloh mit der Uebersetzung von I. Schwanthaler zu findeil ist. Ueber die allgemeinen Schwierigkeiten einer Uebersetzung vom Hebräischen ins Deutsche äußerte sich Rabbiner Hirsch in der Einleitung zu seiner T&hillim-Uebersetzung: „Für gar viele Worte ist es fast unmöglich, ohne Umschreibung, einen entsprechenden Ausdruck mit einem Worte zu finden." Es bleibt aber wohl peinlichste Aufgabe jedes Uebersetzers, etwaige Umschreibungen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Schon im Interesse dieser Forderung dürfte eine dichterische Uebertragung im Stile der seinerzeit vielleicht angepaßten Sachs'schen Machsor-Uebersetzung heute als unerwünscht gelten. Es müßte vielmehr versucht werden, Eigenarten hebräischer Ausdrucksweise — wenn überhaupt möglich — in die Uebersetzung zu übernehmen. Aus diesem Gedanken heraus entstand meine, der Jacobsohn'schen gegenübergestellte Uebersetzung, die besonders gegen Schluß bemerkenswerte Verschiedenheiten aufweist. Die dem Text folgenden kritischen Bemerkungen sollen lediglich die Forderung nach wortgetreuer Uebertragung unterstreichen. Sinn-erläuternde Anmerkungen sollten darüber hinaus stets vom eigentlichen Text getrennt bleiben. Der Text. 1. Gesänge und Lieder werde ich lieblich weben, denn meine Seele sehnt eich nach Dir. 2. Meine Seele begehrt in den Schatten Deiner Hand, um all' Deine Geheimnisse wahr zu nehmen. 3. Da ich von Deiner Herrlichkeit spreche, erregt sich mein Herz ob Deiner Freundschaft, 4. Darum werde ich mit Dir verehrend reden und werde Deinen Namen in lieblichen Liedern ehren. 5. Ich werde von Deiner Herrlichkeit erzählen, und ich habe Dich nicht erschaut, ich werde Dich vergleichen und bezeichnen, und ich habe Dich nicht erkannt. '&. Durch Deine Propheten, im Geheimnis Deiner Knechte, stelltest Du Dich im ganzen Schmuck Deiner Pracht vor. 7. Deine Größe und Deine Kraft umschrieben sie zum Nachdruck Deines Wirkens. 8. Sie verglichen Dich, aber nicht Dir entsprechend und haben Dich nach Deinen Werken gemessen. 9. In vielen Erscheinungen verglichen sie Dich, und doch bist Du Einer in allen Vorstellungen. 10. Sie stellen sich Greisenalter wie Jugend unter Dir vor, und Dein Haupthaar ergraut wie auch geschwärzt, 11. Greisenalter am Tage des Gerichts und Jugend am Tage des Kampfes; wie einem Kriegsmaune ist Ihm Seine Macht genug. 12. Er bindet den Helm der Rettung auf sein Haupt, es hilft Ihm Seine Rechte und Sein heiliger Arm. 13. Sein Haupt wird von glänzenden Tauperlen gefüllt und Seine Locken von nächtlichen Tropfen, 14. Er rühmt Sich meiner, denn Er hat an mir Gefallen, Er aber wird mir zur Krone des Schmuckes. 15. Ein reiner Goldesfleck ist Gestalt Seines Hauptes, und Stirnmeißelung Ehre Seines heiligen Namens. 16. Prachtschmuck zu Reiz und Herrlichkeit erweist sich Ihm als höchste Krone. 17. Die Haarsträhnen Seines Hauptes sind wie in jugendlichen Tagen, Seine Locken schwärzlich gekräuselt. 18. Die wahre Wohnung, Schmuck Seiner Pracht, möge die Spitze Seiner Freude übertreffen. 19. Sein Besitztum sei in Seiner Hand zur Krone. Der Kopfbund der Herrschaft ist Schmuck der Pracht; 20. Er trug und erhob sie, setzte ihnen die Krone auf, als sie Ihm kostbar erschienen, ehrte Er sie. 21. Seine Pracht ist auf mir und meine Pracht auf Ihm, so ist Er mir nah, wenn ich zu Ihm rufe. 22. Er ist hell aber auch dunkel, Sich Rot an zu legen, wenn Er die Kelter tritt — wenn Er von Edom kommt. 23. Den Knoten der Tefillin ließ Er den Demütigen schauen, die Gestalt G'ttes vor dessen Augen. 24. Er findet Wohlgefallen an Seinem Volke, Er wird Demütige zieren, Er, der Lobgesänge einsetzt, Sich ihrer zu rühmen. 25. Beständigkeit ist Dem Anfang Deines Wortes, der Du von Anfang an Geschlecht um Geschlecht nennst; das Vvlk, das Dich zu erforschen verlangt. 26. Ernenne selbst die Menge meiner Lieder für Dich, und mein Flehen nähere zu Dir. 27. Mein Lobgesang sei eine Krone für Dein Haupt, und mein Gebet bereits als Räucherwerk. 28. Ehre des Armen Lied in Deinen Augen, gleich einem Lied, das über den Opfern gesungen wurde. 29. Mein Segensspruch steige zum Haupt dessen, der zerbricht, den Gerechten fruchtbar zeugen und gebären läßt; 30. Und wegen meines Segensspruches wende mir das Haupt zu und nehme den Spruch zu Dir wie Balsampflanzenspitze. 31. Meine Betrachtung über Dich sei angenehm, denn meine Seele sehnt sich nach Dir! Quellen und Bemerkungen. Gerne stützte ich mich bei meiner Uebersetzung auf die .Bemerkungen Jacobsons. Unter Bezugnahme auf seine ausführlichen Hinweise gebrauchte ich die Erklärungen des a^bn zu "s?»' und den "man vv «nvs des D^nn yn -vno, sowie die Uebersetzungen Rabbiner Hirsche b'M zum o'^nn iqd und die „Verdeutschung" der „Schrift" von Buber-Rosenzweig. Der Aufbau des "man VW weist m. E. eine vierteilige Steigerung auf, deren Zäsuren in der Uebersetzung durch Gedankenstriche angedeutet wurden. Vers 1—9: Einleitung zum Versuch einer Beschreibung G'ttes, V. 10—17: Der Versuch einer Beschreibung der Gestalt G'ttes, V. 18—25: Der Schmuck G'ttes, V. 26—31: Höchste Ehrung G'ttes durch das Gebet. ■Das in den Versen 1, 4 und 5, im Gegensatz zu Jacobson angewandte Futurum ist textentsprechende Einleitungs-Zeitform zur erst später folgenden eigentlichen Beschreibung. Das in V. 5 erwähnte "„vergleichen", das die Grundform der folgenden Beschreibung bildet, fehlt leider in der JacobsonschenUebersetzung. Die Worte: „Dich selbst sah'n sie nicht" in V. 6 der Jacobson'schen Uebersetzung entbehren hier der hebräischen Grundlage. Desgl. die Worte: „hoch bliebst Du und fern" des V,- 8. Der Sinn der nun folgenden eigentlichen Beschreibung der Gestalt G'ttes wurde m. E. in den allermeisten Uebersetzungen zu stark übersehen. Kinderecke. Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel, Von Alice Oppenheimer. VII. u. VIII. G'ttes Wohnung und die Priesterkleidung. Jeden Tag, den Morest auf dem Berg weilte, und es waren jetzt schon viele, lehrte ihn G'tt was^ Neues. So erzählte ihm G'tt, wie er sich seine eigene Wohnung inmitten des Volkes Israel vorstellte. G'tt nannte diese Wohnung eine Stiftshütte, Auhel Matte d, denn sie war nicht wie eine Wohnung der Menschen. Ganz kommt G'tt nicht zu den Menschen, dafür wohnt er zu gerne im Himmel. Ab und zu erscheint G'tt im Stifts'zelt, um .dort zwischen Israel zu sein. Diese Stiftshütte war so gebaut, daß das Judenvolk auf allen seinen Wanderungen G'ttes Wohnung mitnehmen konnte. „In meinem Hause," so lehrte G'tt den Moses, „soll ein großer Kasten stehen, die Bundeslade. Aus Holz soll sie gemacht werden und Gold bekleide sie, denn Gold macht sie schön." Aber noch prächtiger wirkten die zwei Engelsfiguren auf dem Deckel. Die waren ganz und gar aus Gold und Flügel hatten sie, große ausgebreitete Flügel, so, als ob sie Schutz den Kostbarkeiten geben wollten, die in dem Kasten, in der Bundeslade lagen. In die Lade kam am Ende der Wüstenwanderung die Tauroh und ein paar weiße Körnlein, verwahrt in einer Flasche, das Manna, das G'tt in der Wüste Israel als Speise gab und nun als Erinnerung für »alle Juden in dem kostbaren Kasten verwahrt wurden. Auch die Tafeln mit den 10 Geboten waren in der Bundeslade. G'tt lehrte Moses die Form, die er sich wünschte für den Leuchter aus Gold, der sieben Lichtchen tragen sollte. Für die Ausführung der kunstvollen Arbeit bestimmte G'tt Bezalel, denn er verstand es gut, mit der Hand schöne Dinge zu formen. „Ich werde ihm," sagte G'tt, ,/im Traume zeigen, wie er es machen soll und er wird es verstehen. Vorhänge und Teppiche sollen auch meine Wohnung füllen und den Dienst in meinem Haus'e sollen Aharon, Dein Bruder, seine Söhn*» und seine nächsten männlichen Anverwandten, die Leviten, ausüben." Und weiter lehrte G'tt Moses seine Tauroh. Aber glaubt nicht, daß Moses mit einem Male das alles in acht behalten konnte. G'tt ließ ihn immer und immer wiederholen, hoch oben auf dem Berge bei Tag und . bei Nacht, alles, was er lernen sollte. So sprach G'tt auch von der Kleidung Aharons, Sie müßte anders sein, wie bei anderen Menschen, wenn er im G'tteshause weile. Man konnte nicht, wenn man ins G'tteshaus> trat und schmutzige Schuhe hatte, einfach nur die Schuhe abwischen; man mußte die Schuhe ausziehen und die Füße waschen. In Reinheit sollten die Priester vor G'tt treten. Straßenkleider durften sie auch nicht anhaben. Es war ja klar, daß, wenn Menschen in G'ttes Wohnung treten wollten, sie ganz besonders festlich gekleidet sein mußten. Der Hohepriester trug ein Kleid aus sechs Extrateilen. Darüber hatte er ein Brustschild mit 12 Steinen darinsitzend. Die trugen die Namen der 12 Söhne Jakobs. Die Steine waren etwas ganz Wunderbares. Sie konnten reden und auf Fragen, die der Priester an sie stellte, Antwort geben. Aber nicht in Worten, sondern sie konnten „funkeln", als ob ein Feuer in sie gelegt wäre und dieses „funkeln" verstand der Hohepriester zu deuten. Unten am Rocke des Priesters waren Granatäpfel aus Stoff und kleine goldene Glöckchen befestigt und diese Glöckchen tönten bei jedem Schritt, den der Priester tat. Auf dem Kopfe trug er eine Mütze mit goldenem Stirnband, darauf standen die Worte: „Heilig für G'tt!" (Fortsetzung" folgt.) Familien-Nachrichten, Barmizwoli: Leopold, Sohn des Herrn Adolf Nußbaum und Frau Cäcilie, geb. Adler, Neukirchen Kreis Ziegenhain, 7. März 1936 mtn 's rav. Verlobte«. Irene Michels, Frankfurt am Main, Victor Hammel. Ffm.-Rödelheim, Febr. 1936 l^nn Vtk. 'Wer Lohnsteuer a^hl^ muss die Jüdische Winterhilfe bedenken!

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