Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1936)
- Date
- 1936-02-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Nr. 9 Der Israelit 27. Februar 1936 Nuß: Na, liebe Zwetschge, war aber höchste Zeit, daß Du geschlossen hast. Du weißt doch, ich bin ohne Ruh und Rast. Ach, mir paßt das Leben gar nicht recht Wenn ich nicht bald gegessen werde, wird mein'Kern nämlich schlecht. Innen bin ich schon ganz ausgedörrt und leer, Mein Leben hat wirklich nicht viel Zweck mehr. Der Liese hab' ich 'nen Zahn abgebrochen, „Verflixt und zugenäht" — Den Fluch hat sie über mich gesprochen. Meine Brüder dagegen, haben das Leben nur von der guten Seite erfahr'n. In der Küche haben sie gute Dienste getan, Zur Nußtorte sind wir bei der Hausfrau immer willkommen, Auch Nußöl wird immer gern genommen. Am Chanukah sind wir unentbehrlich, Denn mit Geld ist das Spiel oft sehr gefährlich. Auch ohne uns wäre manch Eichhörnchen tot, Denn im Winter hat es spärlich sein tägliches Brot. Drum deckt es sich im Herbst mit Vorrat ein, Dann kann der Winter noch so schlimm sein, Es sitzt geborgen in seiner Höhle, — und knappert Nüsse, die schlaue Seele. Doch es ist schon zu viel Zeit vergangen, Und meine Cousine Mandel hat noch nicht angefangen. Mandel: Na, Nüßchen, ich hab' schon gedacht, Du hättest meine Wenigkeit übersehen. Es ist aber auch furchtbar, daß es Dir so schlecht muß ergehen Mir geht es G. s, D. gut, und ich werde den Menschen noch gut munden Nur mit den Nerven bin ich etwas herunten, Du mußt doch bedenken die Strapazen der weiten Reise, Aber ein Klima habt Ihr hier wie auf dem Eise Ich bin eine wirkliche Delikatesse, erwecke jeder Hausfrau Interesse Wenn sie keine Mandeln hat im Haus, — dann ist's auch mit der Pessachtorte aus. Schnell ist der Korb der Marktfrau geleert, — denn wir sind schmackhaft und begehrt. Nuß: Das ist bestimmt keine große Ehre, denn unter Euch gibt es bestimmt sehr viel Leere. Mandel: Mit Dir streit' ich mich doch nicht herum, du bist mir doch viel zu dumm. Es mag noch viel an meinem Berichte fehlen, aber die anderen wollen auch noch was erzählen. Hier kommt ja schon Frau Kokosnuß, — Ich kann Euch sagen, mit der zu unterhalten, ist ein Hochgenuß. Kokosnuß: Das hat vielleicht lang gedauert, bis ich hierher gekommen, Ich hab' auch soviel an Leibesfülle zugenommen. Wenn man aber auch gar iHc£.ts zu tun nat' Dies Faulenzerleben hab' ich nun wl"klich satti Wenn man so gar niemanden dienen kann, Niehl.mal mehr seinem geliebten Kcrxköneg'erstämm V"r^Iten-^ulaU^7nania war ich dmmer der Kue*.- willkommen, Bas Negerbaby trank meine Milch mit Behagen, Aus meinen Fasem machte sich der Niggerbackfisch einen neuen Kragen. Und heute werde ich zerstückelt und zerschnitten^ Im Laden: „Ich möchte für 5 Pfennig Kokosschnitten". Ja, ich wiederhole es noch einmal, Fräulein Nuß ist im Recht, Die Welt und die Menschen sind manchmal schlecht. Also hoffentlich ist das kleine .Kurtohen von mir befriedigt Daß ich nicht noch zum Vogelhäuschen werd' erniedrigt. Aber jetzt will die Orange auch mal zu Worte kommen Aha, die hat sich gleich die Banane als Begleiterin genommen, Orange-Banane: Wir kommen Beide aus fernen Welten Und wollen natürlich auch hier etwas gelten. Obwohl wir Kleinbürgerlichkeit verachten Sind wir nicht alseingebildet zu betrachten. Orange: In Erez Israel bin ich daheim Kann es doch nirgends schöner sein. Durch mich wird gelindert oftmals die Not Es haben viele Menschen Arbeit und Brot. Mit mir wird getrieben hauptsächlich Export Werde verschickt in ferne Länder fort. Unter den Früchten bin ich nicht sonderlich beliebt Weil es bei mir noch Standesunterschiede gibt. Meinen Stolz habe ich von drüben mitgebracht Nur dem Menschen habe ich immer einen treuen Helfer gemacht. Wenn Hitze und Durst ihn sehr gequält, Hat man . mir einfach mein Kleid abgeschält Und mich mit Haut und Haar gegessen Oder man versucht mir den Saft auszupressen. Banane: Liebe Orange, jetzt nehm' ich mal das Wort Sonst plauderst Du ja in einem fort, Ich wollte nur noch kurz hiermit sagen, Mich können junge und alte Mägen vertragen Vom Baby bis zum würdigen Greis Man meinen Wert zu schätzen weiß Von meiner Heimat ich leider nichts mehr weiß, Denn drüben von der Sonne heiß Ich 'einen Sonnenstich bekam, Der mir meinen Verstand vollständig nahm. Johannisbrot: Wenn ich mich vielleicht äußerlich mit Euch nicht vergleichen kann, So stell' ich doch gleich Euch meinen^Mann; Habt Ihr vielleicht schon was von Rabbi Jochei gehört Fünfzehn Jahre lang, fhab' ich ihn ernährt. Als er mußte fliehen vor der Römer Ketten Konnte ich vom sicheren Tode ihn erretteil. Alle: Da haben wir wirklich bisher Unrecht getan Nimm bitte unsere Verzeihung an. Aprikose: Nun komm' ich mal endlichdran Schaut mich mal nur richtig an Ich bin keine gewöhnliche Frucht Sondern von jedermann gesucht. Bei Hochzeiten dien' ich den Gästen als gute Speise Auch nehmen mich manche mit auf die Reise Für billiges Geld bin ich auf dem Markt zu kaufen, Da brauchen meine Liebhaber gar nicht weit zu laufen. Keiner ^vill mich -entbehren Jeder will mein Fleisch verzehren. Ananas: Bilde Dir nur keine Flausen ein, Denn das Lob ist nicht nur Dein. Ich bin mindestens so beliebt Worüber es nichts zu wundem gibt. Denn wer hat noch solch einen feinen Geschmack, Niemanden gibt'is, der mich nicht mag. Da greifen die Leute alle zu > Und verkauft sind wir im Nu, Dattel, Feige,-Granatapfel und Traube: Wir, Dattel, Feige, Granatapfel und Weiri' Bilden zusammen einen besonderen Verein Von Erez Israel stammen wir Und sind für das heilige Land eine besondere Zier Uns zu loben und da® Land zu preisen Haben bestimmt schön unsere Weisen. Daß wir ausgezeichnet;von allen anderen sollen sein Bestimmte man die große Nachbrochö für uns allein Doch auch einzeln wollen wir uns zeigen Denn auch sonstige Besonderheiten sind uns eigen. Feige: Die Sonne hat e® mit mir besonders gut gemeint Und bat alle guten Eigenschaften in mir vereint Drum kann man an mir nichts aussetzen Oder seinen bösen Mund gar wetzen. Dattel: Honig wird in Erez aus mir gemacht Der wird dann ins Ausland gebracht, (zur Feige): Und doch werde ich höher geschätzt als alle anderen Früchte, Denn ich schmecke vortrefflich, so gehen herum die Gerüchte. Feige: Nun ja, morgen werden wir ja sehen Wen die Hausfrau wird lassen steh'n. Granatapfel: Still, mir gebührt die höchste Ehre Gegen mich seid Ihr ja so klein wie eine Beere. 613 Gebote in der Thora Rahmen Entsprechen meinen vielen Samen. Wer -wird mehr gegessen? Wer kann sich mit mir messen? Mein*.?arbe kt bu*i Mein Genießen gestund« T.r a üb e.i„Kom-Kt;' iäßt Euch zum Frieden bewegen Nur Chamischa Assar wegen. Ich könnte mich loben bestimmt genug Aber was Ihr redet, ist ja Lug und Trug Mein Wein erfreut der Menschen Herz Und treibt sie an zu Sang und Scherz Der Wanderer erfreut sich meiner Reben Und wünscht mir deshalb ein langes Leben. Der königliche Sänger und sein Sohn — haben mich besungen lange schon, Auch die Weisen haben meinen Wert geschätzt Und haben für mich eine besondere Vorbroche an- . gesetzt Ich habe nicht nötig, mich noch weiter zu preisen, Doch wenn Ihr mir alle einen Gefällen wollt erweisen Denket, daß ein jeder von uns am Chamischa Assar Seinen Rosch-ha-schana hat Daß G'tt wird richten am morgigen Tag Wie sich sein Leben ferner gestalten mag Deshalb stimmt mir alle zu: LESCHANA TOWA TIKOTAEWUHÜ!•». . _ Soll unsere Jugend Sport treiben? Von Ernst Levry. In jüdisch-religiösen Elternkreisen wird sportliche Betätigung unsrer Jugend heutzutage nicht selten . abgelehnt: sportliche Betätigung neben der Schule. Gründe: es sei unjüdisoh, erziehe zur Roheit, zur Oberflächlichkeit, lenke von jüdisch-religiöser Betätigung ab, usw. Deshalb erscheint es angemessen,: an dieser Stelle uns. einmal kurz damit auseinander-, zusetzen. , 5... .-, Sportliche Betätigung, wie sie sich in vielen unserer jüdischen Jugendnind Sportvereine herausgebildet hat, lehnen wir aufs: Entschiedenste <*b! Sowohl Sport als Selbstzweck wie als. Deckmäntelchen für alle möglichen und unmöglichen, ünjüdMschen, unsittlichen Betätigungen. G'emednschaftsaberide und dergl,, eigens zur Aufreizung der-niedersten Triebe im Menschen oder als verhüllte Anpreisung ..sexueller Belustigungen, das muß .einmal offen gesagt sein, die den' Hauptzweck — nehmt alles"'nur in allem -jgewisser jüdischer- Jugendorganisatiönen ausmachten, sind dem Verfasser,- der selbst eihihal die jüdische Jugendbewegungstudiert, ja mitten in der Jugendbewegung gestanden hat, bekannt!. Derartiges schwebt natürlich vielen Eltern vor, wenn sie vor die bange Frage gestellt werden: „Soll unsre Jugend. Sport treiben;.oder, /mcjht?'' Mit ■vollstem Rechte stellen sich Befürchtungen und Besorgnisse dieser Art ein.; ""''-■*,.-• Es gibt aber eine andre sportliche Betätigung: Sie lehnen wir nicht ab! Jene vor allem gymnastischer,, turnerischer und leichtathletiseher Art,; vom Wandern nicht zu reden. Allerdingsnimmer im Rahmen des Gesitteten, des Wohlanständigen, des Sittlichen! Dagegen; wird niemand etwas einzuwenden haben, wenn er auch selbst noch so „unsportEch" sei. Also sportliche Betätigung mit dem gleichzeitigen Ziele der Stählung der Glieder und des Geistes, der Erfrischung und Abhärtung, getreu dem Satze: mens sana in corpore sano. Gesunde Seele im gesunden Körper! „Soviel möglich also muß die Erziehung zu den Familien zurückkehren," sagt der große Herbart einmal. Das will' natürlich nicht heißen, daß alle Erziehung in der Familie stattzufinden habe, ja stattfinden könne. Vielmehr ist es so aufzufassen, daß unsre Elternschaft sich soviel wie möglich* um dasr Tun und Lassen ihrer Kinderkümmern möge, ihnen nie freien Lauf lassen dürfe," ungeeignete Betätigungen und Handlungsweisen klug und geschickt unterbinden und statt dessen alle® fördern solle, was eine gedeihliche, zutiefst sittlich-religiöse Denk- und Handlungsweise ihrer Kinder bewirkt und erhoffen läßt. Aufs Sportliche übertragen, heißt das: sorgfältige Prüfung der Tätigkeit und vor allem des Niveaus-, der „Luft", die den einzelnen Bünden ihren Stempel aufdrücken, bevor sich unsre jüdisch-reEgiöse Elternschaft für den'einen oder andern Jugend- oder Sportverein entscheadef! Gemeinschaftliche Beratung; mit jüngeren Lehrkräften wäre außerdem sehr zu begrüßen, - Bücherbesprechungen. Bedrohte Jugend — Drohende Jugend, Heilpädagogische Schriftenreihe. Herausgegeben;■von Dr, Josef Spieler, Privatdozent an der Universität Freiburg in der Schweiz. Heft I: Religiös-sittliche Führung Kinder und Jugendlicher. Verlag: Institut für Heilpädagogik. Luzern (Schweiz)'. 19 34. 32 S. - •Der Herausgeber dieser Schriftenreihe,' Privatdozent Dr. Josef Spieler, der jüdischen Lehrerschaft bereits bestens bekannt als Redakteur des Lexikon» der Pädagogik der Gegenwart, vom Referenten ausführlich besprochen in Blätter für Erziehung und Unterricht, Nr, 121 vom 8. 12. 1932, und Nr. 129vom 23. 2. 1933, an dieser Stelle am. 21 5; 1933, hat ü!'it ihr eine alte, aber auch sehr empfindliche Lücke in der heilpädagogischen Literatur geschlossen. Dem Herausgeber schwebt es vör, jeweils bewährte Fachleute, die den Kontakt mit der Praxis besitzen, erprobte praktische Anleitungen zu fruchtbringender heilerzieherischer Arbeit in auch weiteren Kreisen,, wie Eltern und Lehrer, leichtverständlicher Form behandeln zu lassen. Das vorliegende Heft gliedert sich in zwei Teile.. Der erste Teil ist betitelt: Die psychologischen Grundlagen der religiös-sittlichen Führung und verfaßt von Dr. de M.u n n y n c k , Prof. der Universität Freiburg; in der- Schweiz, der zweite Teil: Die Praxis der religiös-sittlichen Führung und hat Dr. Pius Emmenegger, Prof. ebenderselben Universität, zum Verfasser. Dererste Teil bewegt sich mehr in theoretischen Bahnen, führt aber deutlich auf die zweiten, mehr auf die Praxis eingestellten Ausführungen hin. Religion bestehe nicht in den religiösen Uebungen, diese seiennur . notwendiges Mittel. Religion umfasse das ganze- Leben, und zwar Religon und Moral als. eine unzer-^- trennbare Einheit. Also muß auch die Erziehung religiös-sittlich sein. Die Autorität — bei Kindern —- das Gefühl und Streben — bei Jugendlichen ~ &eiendie treibenden Faktoren zur "Beibringung religiöser und. sittlicher Ueberzeugung ■ als Ziel reMgiös-isittMcher Erziehung.; Grundlage der Autorität sei Wissen,- Wahrhaftigkeit, Achtung und Liebe! r Im zweiten Teil werden auch fürünsre jüdischenV Religionsilehrer. bestimmte; ' besonders -beachtliche^ Ausführungen gemacht. Referent, zitiert * einige -marr" kante Stellen, deren Befolgung unsrer jüdischen Religionslehrerschaft so bitter nottut, die sie sich daher gut merken sollte: „Der ReEgi.onslehrer soll darauf schauen, daß die Kinder ihn .gern haben." — „Der Religionslehrer soll sich also vor Eindrillen. unverr standener Formeln inlten." — /»Stock, und Strafe im Religionsunterricht sind schlechteste Berater. Muß";, ausnahmsweise gestraft-'-feinden; isö überlasse der'Re-: ligion&lehreT die Ausführung den- Eltern." jKein gewissenhafter jüdischer- Heil-; oder.- Für-?orgeerzieher darf .auf die sorgfältige. Lektüre däeses [eftesi verzichten! Jedem vorwärtss'tr eb enden, jüdischen Pädagogen zur Fortbildung angelegentlichst zu empfehlen! —■ Man wird mit Spannung den weitere» bereits angekündigten Heften „über nervöse Kinder und über JCinderlügem entgegensehen!' . .:. - Ernst Lewy.. t