Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1936)
- Date
- 1936-02-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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HIH- 3HH]B= -HMHAfc— —| Boloj o | o—o lloloüoll I— —III Hill— =OHl Erziehung' und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands wii t—pH ithii i—h irwin==ni^j^ Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Olfenbach) Die Mischnah als Lehrstoff im Religionsunterricht- Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. (Fortsetzung.) ♦'i nwb töi^a kih hpk a'Vp ciznj? TM *?w minn« „Das Dankopfer und der Nasir-Widder sind leichtere Heiligtuiigsmittel." Das Glücksgefühl, das gefährdet gewesene Leben neu geschenkt enthalten zu haben, wird im Dankopfer dieser beseligenden Freuds sich bewußt. Krankheit und Seefahrt, Kerkerhaft und Wüstendurchquerung haben Gesundheit, Freiheit und Leben in Gefahr -gebracht. Im Bewußtsein -und „Bekenntnis" bisheriger Unzulänglichkeit, erblickt der Gerett ete in dem üb erst andenen Leid eine Mahnung zur Vervollkommnung. Aufatmend denkt er-des Schöpfers, dankt er dem Schöpfer, und gelobt im Dankopfer00) Heiligung, für die ein leichter Hinweis genügt. Hat der Na'Sir die Zeit beendet, für die er sich vom Leben der Welt zurückgezogen, um sich ganz atif G'tt zu besinnen, so bringt er einen Widder"7) -als Freudenopfer. Der Welt nun wieder zugewandt, ~wtill er in der Heiligung weltlicher Freuden vorbildlich führend sein. Ein leichter Hinweis schon ge- -staltet die in der stillen Abgeschlossenheit der Nasir- Zeit gesammelten Gedanken und Empfindungen zum Heiligung .bringenden Gelöbnis. mwa mpa ^oa irtüw „Ihr Geschlachtetwerden kann an jedem Ort im Vorböf sein,""*) es ist nicht auf die Nondseite beschränkt, es braucht nicht erst an die Ueberwindunig der Genußsucht zu mahnen. J?afcK ]rw nun» ->tw )W Zusammenfassend werden von zwei Richtungen aus alle Seiten körperlicher und geistiger, individueller und nationaler Tätigkeit der Heiligung zugeführt, pVasi ^asa ^aa DTK biV vjrn *?aa „Sie werden in der ganzen Stadt von jedem Menschen in jeder Bereitungsweise gegessen." Nicht auf den Raum innerhalb der Umhänge des Heiligtums, nicht auf die Männlichen der Priesterschaft ist der Genuß beschränkt. Ganz Jerusalem "W* rwn» da® Lager Israels, aus dem die Aussätzigen entfernt wenden müssen, bildet die Stätte, an der jeder Mench geeignet ist, beim Genuß dem Dank und der Freude über das wiedergewonnene Leben Ausdruck zu geben. Jedoch nixn . w nV^i üvb zeitlich ist der Genuß beschränkt auf den Tag und die Nacht bis Mitternacht." Der Zusammenhang und die Verbindung mit dem Anlaß des Opfers, mit der Erinnerung an die vorangegangene Zeit der Prüfung und der Abschließung bleibe gewahrt. DITO tmon ona „Das von ihnen als Habe Abgesonderte ist ihnen .gleich." Brust und Schenkel werden „höher gestellt." Als Zoll der Anerkennung werden sie den Vertretern desi G'ttesigesetzes auf Erden, dien dienstfähigen Priestern gegeben. Das Innenleben des Denkens und Wollen® in der menschlich fühlenden „Brust", die Kraftäußerung des vorwärtsschreitenden und strebenden „Schenkels" kennt „höhere" Ziele als den bloßen Genuß. Nur Mittel ist der Genuß, Sinnen und Streben höher zu stellen, dem Gesetz, das dem dienst fähigen Priester die Reinheit ermöglicht, sie unterzuordnen. Auch Schenkel und Brust dürfen in der ganzen Stadt und den Tag und die Nacht bis Mitternacht in jeder fiereitungsweise, wie die Teile, „zu denen sie gehören", verzehrt werden. annay^i bsto^i awmb wmb bsvii nnwiw nbx „Nur daß das Abgehobene von den Priestern, ihren Frauen und Kindern und ihrem Dienstpersonal gegessen werden darf." Ein jeder ins, der Tn"ii?nV 'itn, zum Opferdienst sich rein hält, durchdringt die Seinen .bis aufs letzte Glied des Priesterhaushalts mit :'4etn aus dien Reanheitsvorsc^riften quellenden und slrÖmenden Geist der Sittlichkeit und Gesetzestreue, "dem der Genuß nicht Selbstzweck ist. 68) III. B. M. 7, 15. Yergl. Psalm 50, 23 und Ps. 107, sowie, Ps. 50, 14 und Ps. 5fj, 13—14., " ö7) IV, B. M. 6, 14, 17. 88j Doch muß das Heiligtum dem Blick zugänglich sein: rri o»nar. ♦'T nwa D'Vp D'Enp a->nbv „Friedensopfer sind leichtere Heiligungsmittel". Danikopfer und Nasirwidder sind Friedensopfer, zu denen Dankesregung und Lebensfreude den Anlaß geben. Die Verbindung mit diesem Anlaß bedingt die zeitliche Begrenzung des Genusses. Am Tag des Opfers und in der Nacht bis Mitternacht ist der Zusammenhang gewahrt, der beim Genuß das Erlebnis lebendig vor dem geistigen Auge stehen läßt. Diese Begrenzung isit nicht erforderlich bei den Friedensopfern, die nicht durch besondere Veranlassung verursacht sind. Im dankbaren Gefühl der Zufriedenheit mit dem von G'tt beschiedenen Lebensglück sucht die Lebensfreude des» Alltags im Friedensopfer erhöhtes Sehnen nach G'ttesnähe zu stillen. Zur Vollendung seines Glückes fehlt dem jüdischen Pflichtbewußtsein der besondere Ausdruck der G'ttesnähe, Erst ihm entspringt die beseligende Freude des Familienglückes im Alltagsleben, die auch den täglichen Genuß in den Umkreis des Heiligtums heben möchte, die sich nur den Genuß gönnt, wenn Altar und Priester seine Freude heiligend mit ihm teilen. Dieses Hochziel der Selbstlosigkeit, das den sittlichen Genuß als G'ttesdienst kennt, ist Frucht jüdischer Selbsterziehung durch das G'ttesgesetz. rn^W '131 inbv Nicht jüdische Friedensopfer sind daher Ganzopfer.69.) Dem Heidentum „grauet vor der Götter Neide", unjüdische Religiosität vermag geistiges G'ttsuchen und Lebensfreude nicht zu vereinen, jüdisches Freudenopfer schlägt die Brücke von der Freude zu G'tt. mrya oip» ioa pio-np „Ueberall im Vorhof kann die Opferung erfolgen," ya-is ]r\v mann w pyo pn zusammenfassend werden von zwei Seiten aus des Lebens Sphären erfaßt, Sox»!>33 ms bzb -pyn ^>33 p^ORtt „in der ganzen Stadt von jedem Menschen an jeder Bereitungsweise können sie gegessen werden." triN itf»^ Zwei Tage und eine Nacht. Auch der vom Opfertag entfernte und durch eine Nacht-.getrennte Tag des gewöhnlichen alltäglichen Lebens wird zur Bedeutung des Öpfortags erhoben und mit ihm zu untrennbarer Einheit im vor G'tt sich Ireuenden Genuß verbunden. Bei den Zeitbestimmungen im Heiligtum zählt die Nacht zum vorhergehenden Tage. Die Heiligung des Tages, die Vorschriften des Tempeldienstes, die am hellen, lichten Tage zum klaren Verstand und zum offenen Gemüt aus dem Heiligtum sprechen und Nichts gemein haben mit dem Traumreich der dunklen Gewalten der Nacht, strahlen in die folgende Nacht hinein und ziehen diese in ihren Kreis. Außerhalb des Heiligtums zählt bei den Zeitbestimmungen im jüdischen Pflichtenleben die Nacht zum folgenden Tage. Aus dem lichtlosen Düster eines Lebens ohne jüdisches Gebot ringt sich das Pflichtbewußtsein durch zur sonnenklaren Reinheit der Gesetzestreue. Die Zeitbestimmung, die zwei Tage mit der dazwischen liegenden Nacht den Genuß der Freudenopfer gestattet und mit Sonnenuntergang beendet Sein läßt, verbindet die Zählung im Heiligtum mit der Zählung außerhalb desselben, will den Opfertag im HeiEgtum und den Alltag außerhalb desselben auf eine Stufe stellen, zur gleichen Höhe heben. "Ol n^k ona ksi'3 arm mmn Brust und Schenkel, von den Priesterfamilien genossen, bringen die Einheit »dieser Teile mit den anderen, zu denen sie gehören, und die Einheit im Rein'heitsstreben all derer zum Ausdruck, die in der Freude aufblicken zu G'tt. Jeder friedliche, iglückliche Tag ist ihnen ein Geschenk der Allgüfce G'ttes. die mögliche Gefahr ihnen fernhält, vor möglichem Leid sie verschont. Sie verlangen Nichts von G'tt, sie verlangen nur nach G'tt, sie betrachten sich und ihr Eigentum als Eigentum G'ttes. - Wettstreit der Früchte. Nachstehendes Theaterstückchen konnten wir leider nioht mehr in der letzten Nummer unseres Blattes bringen, da es uns erst kurz vor Chamischo os«or von dem Einsender, Herrn Lehrer J. Roberg in Würzburg, zugestellt wurden. Wir nehmen an, daß es auch noch post festum das Interesse der Kollegen finden; wird.. Als Verf asserinnen zeichnen die 13-, bezw. 14-. jahrige Ilse Cohn und/ Else Siegel, Schülerinnen der jüdischen Schule in Wüteburg. Die Schriftleitung. A n s a g e r : Baruch habaih, Ihr Kinderlein, Herzlibh willkommen sollt Ihr mir sein. »):jt» nnnitt Chamischah ässair zu feiern seid Ihr gekommen, Deshalb haben wir uns etwa» Besonderes ersonnen. Ein frommer Brauch bürgerte sich in Israel ein, Chamischah assar zu feiern als Fest für Groß und Klein, 15 verschiedene Früchte zu essen, wurde zur Sitte, Und hier stehen die Früchte in Eurer Mitte. Zuerst werden sie Ihre Namen nennen, Später lernt Ihr sie näher kennen. Früchte: Ich bin der Apfel, Tapuach genannt, Und ich die Birne, als Agos bekannt, Mich, Schessiv, die Zwetschge ein jeder kennt Und Egos, Nuß, man mich nennt. Schaket, Mandel, ich heiße, Agos hodu, hab' gemacht 'ne große Reise. Ich bin Mosa, die Banane, Tapuach sahaw, Orange, ist mein Name. Charow, Johannisbrot, will sich nun melden, Mischmasch, Aprikose, eine Frucht, die oft selten. Als Kischtaih, die Ananas, ich mich vorstellen kann, Den Namen Temara, man für mich ersann. Teänah, Feige, wenn es gestattet ist, Rimon, Granatapfel, daß mich ja Keiner vergißt. Auf's Letzt* kommt's Best', sagt ein Sprichwort gar fein, Darum meld' ich mich als Anawa, aus der gemacht wird der beste Wein. Ansager: Paßt nun recht auf, unsere Konferenz beginnt für alle, die hier versammelt sind. Früchte: Birne zum Apfel: Komm', schieb Dich ein wenig von mir weg, Dort ist für Dich noch Platz in der Eck'! Apfel zur Birne: Bilde Dir nur nicht zu viel ein, Schaut mich an, wie sauber ich bin und fein. Ich bin der Apfel schön und süß, Schon gewachsen im Paradies'. Aus mir macht die -MxM&r ein feines Mus, Das ist für alle ein Hochgenuß. Auch backt mit mir die Hausfrau Schalet und Torten, Gebraten bin ich von den Kindern stets geworden. Der Bauer aus mir einen guten Most bereitet, Der ihn im Sommer stets aufs Feld begleitet. Auch war ich damals beim Tellschuß dabei, So weit kommt Ihr nicht, trotz Eurer Plauderei, . Birne: Na, na, Herr Apfel, nur nicht so wichtig, Im Dienste der Menschheit bin ich genau so tüchtig. Jedoch im Nährwert kann ich nicht so viel leisten, Aber von meiner Sorte sind gar saftig die meisten Wir Mollebuschen sind gern gegessen von Groß und Klein In Bimkugel schmecken wir besonders fein Auch die Birnklöße sind nicht zu verachten Nur müßt Ihr meine Form und Gestalt genau betrachten, Daß man mich nicht für eine Glühbirne anschaut Nur von einem bin ich nicht sehr erbaut, Daß ich verfaulen muß so schnell, wenn man mich nicht ißt auf der Stell'. Als Birnkompott ganz kühl und frisch Sieht man mich gern auf jedem Tisch. Alles in Allem, liebes Aepfelchen, Ich sage es Dir im Guten Dir nicht zu viel zuzumuten. Zwetschge: Aber Kinderchen, wer wird sich denn schon wieder streiten, Also kommt und versöhnt Euch wieder Ihr Beiden. Oder soll ich vielleicht ein bißchen Völkerbund spielen, Um einen vollkommenen Frieden zu erzielen. Aber ich stelle mich lieber nicht zwischen Euch zwei, Sonst zerdrückt Ihr mich mir nix, dir nix, zu Zwetschgenbrei, Um so der Hausfrau die Arbeit leichter zu machen, Aber Ihr habt keinen Grund mich zu verlachen. Obwohl ich klein, man mich doch braucht, Als Zwetschkenwasser für 'die Durchlaucht. Mein Kern ist klein, mein Fleisch sehr viel, Mich zu verzehren, ist ein leichtes Spiel. Auf Kuchen bin ich besonders fein, — als Mus macht mich die Hausfrau ein. Denn sie weiß, wenn es keine Butter gibt, Ich als Brotaufstrich bam dann sehr beliebt. Wenn oft ' keiaanderes ■ Obst .gedeihen, mag, Bei mir ist immer 'gut der. Ertrag. Doch ich will Euch nicht durch lange Reden erfreu'n, Wer mich-kauft, wird es nicht bereu'«.