Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1936)
- Date
- 1936-02-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 9 Der Israelit 27. Februar 1936 sitzenden, Sir Robert Waley-Cöhen zum. Viz-epräsi denten gewählt. In der Sitzung wund« u. a. mitgeteilt, daß der Polish Appeal die Hoffnung hege, das Ziel das er sich steckte, Lst. 50.000 zusammenzubringen, binnen kurzer Frist zu erreichen. Merkwürdigerweise äst der Board bisher offenbar noch gar nicht mit der Weiterbehandlung der durch die Herbert Samuel Mission nach Amerika eingeleiteten neuen Campagne für die Ermöglicbung der Auswanderung deutscher Juden befaßt worden. Auch Interpellationen über diesen Gegenstand lagen nicht vor. Palästina, Zur Frage der Oberrabbinerwahl in Jerusalem. J er usalem, 20. Febr. Zu den äußeren Sorgen der jüdischen Bevölkerung kommen auch innere Fragen, die die heilige Stadt aufs Tiefste bewegen. Die Oberrabbinerwahl kompliziert sich immer mehr. Oberrabbiner Kuk V*sr war Oberrabbiner des Waad Leumi in Ereiz Jisroel und zugleich Oberrabbiner der Jerusalemer Kehilla, soweit sie dem Waad Leuma unterstellt Ast. Es ist bekannt, daß Raw Kuk seinerzeit von zahlreichen Jerusalemer Institutionen nach 'dem Weltkrieg al® Oberhaupt nach Jerusalem berufen wurde tuid daß im Laufe dieser Zeit viele dieser Institute selber nicht mehr wußten, ob sie offiziell der. Kehilla des Waad Leumi oder der der Agudas Jisroel angehörten. Einerseits durften sie nach den Anordnungen der führenden Rabbinen" sich nicht dem Waad Leumi un terstellen, andererseits mußten sie aber in Oberrabbi ner Kuk ihr Oberhaupt sehen und konnten sich daher nicht ganz der Gemeinde der Agudas Jisroel anschÜe ßen. Die überragende Persönlichkeit des Raw Kuk konnte alle die Geigensätze überbrücken. Nach sei nem Ableben zeigte sich aber die innere Unnatur in der Haltung jener gesetzestreuen Institute, wie der Talmud-Thora-Schulen und Jeschiwoth, für die der Waad Leumi nicht das mindeste Interesse hat> Rabbi Zwi Pessach Frank, der stellvertretender Oberrabbmer und Vorsitzende im Besdin von Raw Kuk, ber ansprucht jetzt das ungeteilte Erbe von Raw Kuk und stößt damit auf heftigen Widerstand gerade J$ß&[ Waad Leumi. Welche Gr^^i^^W^t^^k für die Ablehnung Rabbi}f\0&* hat^-wlrd nicht bekanntgegeben. Man «ägl, der Waad (Leumi könne ihm nicht ygtgfc'ssen,' 1daß er auch als Mitglied .des offiziellen Oberrabbinates es stets mit den Rabbinen der Agudas Jisroel hielt und mit diesen sogar den "Austritt aus der Knesses Jisroel genehmigte und propagierte. Nach außen hin wird gesagt, daß Rabbiner Frank die rednerischen und schriftstellerischen Fähigkeiten fehlten, die ihn befähigen könnten, würdiger Nachfolger von Raw Kuk zu sein. Der Waad Leumi hätte gleich die Forderungen Rabbi Franks einfach ad acta gelegt, stände ihm nicht die Schechitaa ng e i e g en h e i t im Wege, die mit der Neuregelung des* Oberrabbinates eng verbunden ist. Bis jetzt gab und gibt es in Jerusalem zweierlei Schechita, nämlich außer der Schechita der Gemeinde des Waad Leumi die Schechita des Waad hairo hoaschkenasi (Agudas Jisroel) unter. Aufsicht von Oberrabbiner Duschinski. Die erstere Schechita stand und steht ausschließlich unter der Regie von Rabbiner Frank. Die Kehilla des Waad Leumi möchte aber jetzt auf die Schechita nicht verzichten und kann daher auch über Rabbi Frank, der einmal die Schechita in der Hand hat, nicht einfach hinweggehen. So setzten Verhandlungen mit Rabbi Frank ein, die nicht vom Flecke kamen. Man schlug vor, Rabbi Frank wenigstens zum Oberrabbiner von Jerusalem zu wählen und das Oberrabbinat für Palästina einer anderen Persönlichkeit zu übertragen. Aber auch darauf glaubte der Waad Leumi nicht eingehen zu können. Von bestimmter Seite wurden Versuche gemacht, Rabbiner Frank samt den Befugnisisen, die er einmal in der Hand hat, für die Gemeinde der Agudas Jisroel zu gewinnen, womit sich die angenehme Perspektive eröffnete, Frieden und Einheit im religiösen Leben der heiligen Stadt herbeizuführen. Leider stellte sich heraus, daß Rabbiner Frank zur gleichen Zeit, da er mit der Aguda verhandelte, seine Aspirationen innerhalb des Waad Leumi aufrechterhielt. Inzwischen versammelten sich die Freunde des Rabbi Frank und krönten kurzerhand, ohne nach rechts und links zu fragen/Rabbi Frank zum Oberrabbiner von Jerusalem. Die Agudas Jisroel nahm von diesem Willkürakt gar keine Notiz, in der zionistischen Presse fiel man aber über Rabbi Frank in hemmungsloser Weise her und verspottete ihn und seine Anhängerschar, wie es in diesen Blättern einmal üblich ist. Die Verhandlungen sowohl mit Agudas Jrisoel wie Waad Leumi wurden seitdem ab-, gebrochen. Nunmehr hat die heilige Stadt Jerusalem drei Schechitaverwal hingen. Zu den beiden genannten Schechitos kommt jetzt auch die neuerrichtete von Rabbi Frank losgetrennte Schechita des Waad •*L e u m i. Rabbi Frank, der sich als Schlüsselbeiwahrer von Raw Kuk fühlt, erklärte im Einvernehmen mit seinem Besdin die Schechita des Waad Leumi für unerlaubt und trepha, da der^ Waad Leumi ja von jeher die Grundlagen des über-, lieferten Judentums zu untergraben suche und daher nicht befähigt sei, religiöse Institutionen zu führen. Die Kundgebung trägt sogar den offiziellen Stempel des Oberrabhinats, und so erlebt man in Jerusalem das Paradoxon, daß der Rabbi des Waad Leumi die Schechita des gleichen Waad Leumi verbietet. Selbstverständlich wurde auch von der Agudas Jisroel-Gemeinde und ihrem Oberrabbiner eine Warnung vor der neuen Schechita des Waad Leumi erlassen. Diese Kundgebung hat aber mit Politik nicht das Geringste zu tun, sondern ist einzig vom -religiösen Gewissen diktiert. Im übrigen blieb die Schechita der Agudas Jisroel-Gemeinde von diesen Plänkeleien vollkommen unberührt. Nach Berichten des „Doar Hajom" und anderer Zeitungen, wird aber bei aller Hitze des Gefechtes wiederum hinter den Kulissen auf einen Friedenspakt zwischen Rabbi Frank und dem Waad Leumi hingearbeitet. Oberrabbiner Amiel in Tel Awiw wurde zur Vermittlung angerufen. Der Waad Leumi sei aber, heißt es, noch nicht bereit,, die Friedenshand entgegenzustrecken dem Manne, der-sich. -'ijhne.^F^nvemehmen mit der-zionistischen Oberbehörde 'dfte" Ob&ttU^i^i^t(me:.ßXii«ei.zt&. -Ijj M isr ach ije'r'e i s en , so berichten:-die~Zeitun- ^en>'^§ei"Tna*t-;•sehr-r"daran interessiert, daß "sich die Dinge Vzu Gunsten des Rabbi Frank wie des Waad Leumi einrenken, weil andererseits ein Zusammengehen Rabbi Franks mit der Agudas Jisroel befürchtet wird. So sehen zur Zeit die Dinge in' Jerusalem aus> und es ist nicht zu erwarten, daß unter solchen Umständen die Oberrabbinerfrage sobald eine friedliche Lösung bekommt. Mn. G.-P. Massendeputation „illegaler Einwanderer" Jerusalem, 18. Febr. Eine Massendeputation von 300 illegalen jüdischen Einwanderern erschien bei der letzten Sitzung des Jüdischen Nationalrats Palästinas (Waad LeumiJ1 und verlangte, daß man Schritte unternehme, um ihren Status in Palästina zu legalisieren. Die Sprecher der, Deputation wiesen darauf hin, daß es den „Illegalen"1 unmöglich sei, ihr Leben in der bisherigen Art fortzuführen. Viele von ihnen seien seit Jahren von ihren Angehörigen getrennt, obwohl sie eine wirtschaftlich gesicherte Stellung in Palästina haben und zum Teil Arbeiter in großer Zahl beschäftigen. Der Waad Leumi hat ein Communique herausgegeben, in dem die Leiden der illegalen Einwanderer in Palästina geschildert werden. Der Schächtverbotsantrag in Polen und das Echo in Palästina. J e r u s< a l e m , 24. Febr. Der Waad Leumi hat eine scharfe Protestresolution gegen das geplante Verbot der Schechita m Polen gefaßt. In T e 1 A w i<w fand eine Rabbiner-Konferenz statt, auf der der aschkenasische Oberrabbiner von Tel Awiw, Rabbi Amiel, sich in einer großen Rede, mit den religiösen Problemen Palästinas befaßte. Die Konferenz faßte u. a. eine Resolution,' in;der'gegen, den Plan der Einführung eines Stfhächtverbots in. Polen feierlich Protest erhoben wird. Es «oll ©ine Abprdnunig nach Warschau entsandt werden, um die polnische Regierung zu veranlassen, die Gesetzwerdung dieses Projektes zu verhindern. Dem polnischen - Judentum soll die Abordnung Worte* de» Ermutigung und die Segenswünsche des Jischuw überbringen. - Afrika1*' Weitere - Urteile gegen.' Pogromisten von Constantine,, Algiers, 20. Febr. Das Gericht in Orleansiville, Algerien, ■ hat nun weitere Urteile gegen Teilnehmer an dem Judenpogrom in Constantine vom 5. August 1934, bei dem mehrere Juden getötet und ganze jüdische Familien ausgerottet wurden, gefällt. Diesmal verhandelte das Gericht gegen 21 Moslems, 'die ..den Juden Michel A 11 a'i ermordeten und seine Fräü und Kinder schwer, verwundeten.: Achtzehn der Angeklagten wurden, teils zu Zuchthausstrafen von 20 Jahren, teils zu Gefängnisstrafen von 5 Jahren verurteilt, drei wurden, freigesprochen. (ITA.) Wien, 26. Febr.1'Am zweitem Tag iRosch-Chodesch Adari?verschied in Wien David: Jehudo Eduard D e> ujt's chVSTf Chef der FirmaDuldner. und Deutsch, im 67. Lebensjahre. Der Heimgegangehe zählte zu den Spitzen der Wiener Orthodoxie und war durch Jahrzehnte Vizepräsident der Stümper- Schul. Die ''lV fand (Dienstag unter großer Beteiligung statt. Herr Oberrabbiner Fürsit und Herr Rabbiner Blech hielten ergreifende Hespedim. Der schwergeprüften Familie wendet sich die Anteilnahme der Wiener Orthodoxie zu: ■• ' •JV'SXJh'.-. Heßdori, 25. Febr. Am 20. Februar' vollendete Frau Regina Bau mann aus, Unterthal, yetzt in Eppingen, bei ihrer daselbst., verheirateten Tochter wohnend, ihr sechzigstes Lebenswahr. Vor 22 Jahren, am;..14;--Oktober 1914, .starb ihr Gatte den Heldentod, als er-eben im Begriffe war, seinen tödlich verwundeten Vetter, Jakob Baumann, aus den Flammen zu bergen. Nun oblag- Frau. Baumann die schwere Pflicht, allein ihre Kinder, einen Sohn und eine Tochter, zu tüchtigen, braven Menschen zu erziehen, was ihr auch n~92 im beisten Sinne gelungen ist. ■W'iB9 Vermischtes. Berlin, 24. Febr. Die Schill-Abteilung der Reichsvertretung teilt mit, daß Aufnahmen in den Kursus zur Ausbildung von Lehrern für den hebräischen Erwachsenenunterricht nicht mehr erfolgen können, da der Kursusi überfüllt ist. Berlin, 23. Febr.' Das von der Agudasi Jisroel- Frauengruppe Berlin gemeinsam mit Noar Agudati am 1. Januar ins Leben gerufene Mädchen-Seminar vermittelt den "Chaweroth nicht nur die für Palästina notwendige hauswdrtschaftliche Ausbildung, sondern die ebenso wichtige geistige und seelisch© Förderung. Unter Leitung von Max Haas und der Mitarbeit der Herren Abraham Wolf und Dünner u. a. Damen und Herren werden die Mädchen unterrichtet. Der Lehrplan enthält folgende Fächer: Iwrith, T'nach, Siddür, Dinian, Palästinakunde. Theox wüsche Haushaltskunde, Englisch und Geschichte. Montreux; 25. Febr. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich; beginnt das neue Semester auf. der Jeschiwa von Montreux am 26. April 1936 und sind Meldungen bis zum 1. April an den Rosch Jeschiwa, Rabbi R. Botschko, zu richten: Die Jeschiwa in Montreux hat sich seit ihrem Bestehen eine solche Popularität auf dem ganzen Erdenrunde erworben, daß sich empfehlende Worte fast erübrigen. Erwähnt sei nur, daß der Lehranstalt ein Int e r n ä t angeschlossen ist, in. dem die älteren wie die jüngeren Schüler ein echte® Heim .mit. allem modernen Komfort finden. Der Unterricht wird; unter der obersten Leitung des* Rosch-r Jeschiwa, von' litauischen Talmudgelehrten nach echt litauischer Lehrmethode geleitet. Insbesondere für erholungsbedürf-: tigeKinder'ikann man sich kaum einen schöneren. Platzdenken, als Montreux .am Genfer See,:Vidiere schweizerische Riviera, die den Jungen nebent Merr geistigen jüdischen Vervollkommnung auch eine1 Stärr; kung' und Geiünäühg de£ :Körpers> bietet.; Näheres'' Inserat. UM: :: ..' . ■'■■'['■ -!