Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-02-27 · Heft 9 (27.2.1936) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450918--81934-2539839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

27. Februar 1936 Der Israelit Nr. 9 Seite 5 sie sich, diese, soweit es in ihren Kräften stand, sich zu erhalten oder sie zu erahnen. Ohne daraus Ideologien zu machen, wählten sie sich den Beruf, der ihre Kräfte am wenigsten absorbierte und keine neue Einstellungen sowohl dem eigenen Bruder, wie der nichtjüdischen Umwelt gegenüber erforderte. Dadurch, daß man" mit mehr oder weniger Mühe den Packen durchs Dorf schleppte, war man nicht gezwungen, neue Mensohentypen zu schaffen und Zugeständnisse zu machen, die, wenn man sie juristisch noch so sehr verteidigen möchte, ewigkeitswertiger Tradition diametral zuwiderlaufen, oder wenigstens nicht ohne Zwang mit ihr zu vereinen sind. Ideen sind unjüdisch, selbst wenn sie von mißratenen Juden stammen und wenn man sie nicht beim Namen nennt, sondern von den durch das neue Ideal geschaffenen Verhältnissen gezwungen wird, thorawidrige Scheidewände innerhalb der Gemeinschaft zu ziehen, die sich bereits in der menschlichen Haltung und Denkweise auswirken. Mögen dabei kleine, vielleicht auch große Werte entstehen. Sie sind ja doch situationsbedingt, da sie aus einer noch nicht einmal fertigen Situation 'entstanden sind. Sie werden aber auf Kosten der Ewigkeitswerte gesöhaffen. G. Kr. Von der Agudas Jisroel« In Bratislava, wo sich Herr Dr. S. Ehrmann auf seiner Propaganda durch Südeuropa aufhielt, machte er einem Vertreter der Wiener „Jüdischen Presse" u. a. folgende Angaben über die Arbeit in Erez Jisroel: Die Arbeit zerfällt in drei Hauptteile: a) Die wirtschaftliche Sorge für die agudistischen P o a 1 i m , die immer mehr und mehr an Bedeutung gewinnen und die heute bereits die wirklich religiösen Arbeiter in ihrer Organisation vereinigen. Diese Sorge erstreckt sich nicht nur auf das rein Wirtschaftliche, denn es ist die Aufgabe des Direktoriums des Keren Hajischuw, die Lebensbedingungen der agudistischen Poalim derart zu gestalten, daß die wirtschaftliche Last sie nicht von dem vor gezeichneten Thoraweg ablenke. Diesem Ziele dienen vornehmlich die agudistischen Siedlungen in Gedera, Kfar Saba und Maohne Jisroel und die 13 anderen Arbeitergruppen im Heiligen Lande. b) Die brennendste Frage und größte Aufgabe bedeutet für uns der Chinuch; die Erziehung all jener Elemente, die agudistisch unvorbereitet nach Erez Jisroel kamen; jetzt diese als nützlidh-e Glieder in den Aufbauprozeß der Agudas Jisroel einzureihen. Nicht an letzter Stelle steht hier die Erziehung der in jüngster Zeit eingewanderten deutsahen Jugend, die für die Ideale von Jisrael Saba zu gewinnen, Aufgabe des agudistischen Söhulwerkes ist. c) In Erez Jisroel harrt unser noch eine ganz gewaltige Aufgabe. Es ist dies die Zusammenfassung all jener religiösen Menschen, die die Idee der Agudas Jisroel trotz ihres religiösen Lebenswandels nicht dazu bewogen hat, siclh in den Dienst des Kampfes für die Priorität der Thora zu stellen. Die Einordnung 'dieser zweifellos wertvollen Kräfte in Agudas Jisroel ist unsere allernächste Aufgabe. Diese Aufgabe erstreckt sich nicht^bloß auf Erez Jisroel, sondern es ist auch die eigentliche Aufgabe in der Diaspora, eine Art Erez Jisroel-Vorbereitungsstätte zu schaffen, die in geistiger und physischer Hinsicht die nach Erez Jisroel Ziehenden rüstet. Auf die Frage, warum die Kenessio Gedaulo nadh Jerusalem einberufen wird, antwortete der Gast: In Erez Jisroel herrscht eine Atmosphäre, die den Anschein erweckt, daß das sich zur Thora bekennende Judentum in Minderheit sei und dadurch die Arbeit unserer aufopferungswilligen Kämpfer schwächt. Die Kenessio Gedaulo soll die große Macht des traditionstreuen Judentums beweisen, sie soll eine lebendige Demonstration für die Thora werden, um die Stärke der hinter den Verfechtern des Thorageistes stehenden Massen zu beweisen. Die Kenessio Gedaulo soll übrigens schon deshalb im Heiligen Lande stattfinden, um das lächerliche Märchen, Agudas Jisrael sei gegen eine intensive Erez-Jisroel-Arbeit eingestellt, zu widerlegen. Ueber seine Eindrücke in der Tsahechoslovakei äußerte sich Dr. Ehrmann folgendermaßen: „Ich habe die Ehre gehabt, mit den führenden Rabbonim dei- Slovakei zu verhandeln. Mit größter Genugtuung stelle ich fest, daß sowohl die geehrten Rabbonim als auch die führenden agudistischen Persönlichkeiten die Angelegenheiten der Agudas Jisroel gewissenhaft und mit einer besonderen -Genauigkeit behandeln. Sie betrachten die Idee der Agudas Jisroel als eine Selbstverständlichkeit und bejahen ihre Erez Jisroel- Arbeit. Es ist unser gemeinsamer Wunsch, bei Bewahrung der Eigenart der slovakischen orthodoxen Prinzipien, 'diese im Rahmen der Agudas Jisroel sich bewegen zu lassen. Sehr erfreut war ich, zu sehen, daß der unermüdliche Eifer der Jugendlichen dem etwas gedämpften Tempo der Alten sich unterordnet. Ich betrachte dies als eine glückliche Mischung. Die Jugendorganisation steht in jeder Hinsicht auf der Höhe ihrer Aufgaben, sie begreift die Idee der Agudas Jisroel vollinhaltlich und ist bestrebt, das festgesetzte Programm zu erfüllen und noch darüber hinaus den jüdisch-religiösen Fragenkomplex in seiner ganzen Tragweite zu erfassen und zu der Lösung derselben ihr Möglichstes beizutragen. „Stiras Sekenim Binjan" sagt ein Ausspruch unserer Weisen, hier aber liegt der turmhohen Aufbauarbeit der Jugend ein gesundes, starkes Fundament des „Binjan Sekenim" zugrunde. Hier vereint sich Binjan Sekenim mit Binjan Neorim, es wird s. G. w. ein s tarker und fester Bau werde n." Die Ortsgruppen der Agudas Jisroel berichten: (Fortsetzung.) Die Berliner Ortsgruppe steht heute vor der großen Aufgabe, eine Weltstadt für die Idee der Agudas Jisroel zu gewinnen. Daß dies bei der gewaltigen Ausdehnung der Reichshauptstadt außerordentlich schwierig ist, bedarf keiner Erläuterung. Werbeabende großen Stils und Arbeitsgemeinschaften im intimen Kreise dienten der Propaganda. , Ein großer Erfolg war'der Vortragsabend des Herrn Dr. Isaak Breuer, der von fast 1000 Menschen besucht war. Im kleineren Rahmen sprachen Herbert Sonn, Halberstadt, „Weg unserer Jugend", Dr. S. Adler, Frankfurt a. M., „Schulprobleme in Erez Jisroel", Ernst Plessner, Berlin, „Wie erziehen wir unsere Jugend in Erez Jisroel?" Demnächst wird, soweit Vortragsabende stattfinden können, Herr Seminardozent Rabbiner Abraham Wolf über „Unsere Kulturfordemngen" referieren; außerdem sind Vorträge vorgesehen von: Rabbiner 'Dr. Klein, Berlin, Direktor Dr. Harry Abt, Breslau, Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt. Eine spezielle Aufgabe sieht die Ortsgruppe B e r 1 i n in der Gewinnung der ostjüdischen Kreise für die Agudas Jisroel. Eine äußerst gut besuchte Werbeveranstaltung, bei der die Herren Rabbiner Dr. Michael Münk und Abraham Wolf sprachen, .diente vornehmlich der Erfassung unserer ostjüdischen Brüder. - Die sich großer Beliebtheit erfreuenden Iwrith - kurse werden gemeinsam mit der Frauengruppe der Agudas Jisroel durchgeführt. Von der Ortsgruppe wird ferner das B e t h Hachinnuch erhalten, das zur Zeit von 25 Hörern im Alter von 15—23 Jahren besucht wird. Es erfolgt täglich mehrstündiger Unterricht von T'nach und Gemoroh durch drei Dozenten; die Leitung liegt in den Händen von Seminardozent Rabb. Abr. Wolf. Die Agudas Jisroel-Frauengruppe in Berlin hat im Jahre 1935 zwei neue Institutionen geschaffen, den „Spielkreis" im Hansaviertel und das „Berliner Mädchenseminar''. Der Kindergarten wird von Kleines Feuilleton, Nocheinmal Malbim, In dem aufschlußreichen Aufsatz des Herrn Rabbiner Dr. Rosenwasser über Malbim blieb doch noch einiges Erfahrungs- und Erforschunigswertes aus. Ich möchte z. B. nur erwähnen, daß der kaum 16jährige Malbim auf seiner Durchreise in Preßbuang bei-iaio onn einen derart tiefen Eindruck hinerließ, daß "isio ann in der naitwi über den halachischen Streit in Triest, welchen Herr Rabbiner Dr. Rosienwasser erwähnt, eben diesen 16jährigen "Knaben mit 'isi ^nan nsnn ann titulierte! in'O D"n mit? jvw naio ann) Von der überschwänglichen Verehrung der anderen damals noch so zahlreichen Gaonim — z. B. R. Salman Tiktin in Breslau — dem noch, jungen Malbim gegenüber ganz zu schweigen! Es wäre sehr begrüßenswert, wenn Herr Rabb. Dr. Rosenwasser etwas mehr über die Tätigkeit 'dieser gewaltigen Thorapersönlicbkeit in Deutschland berichtet hätte. Gerade dieses Kapitel nämlich ist in der Biographie Malbims ziemlich lückenhaft. Ist es nicht beklagenswert, daß in dem aufgeklärten jüdischen Deutschland, wo „jüdische Wissenschaftler'' über Persönlichkeiten dritten, vierten und fünften Ranges ganz«. „Werke" •erscheinen lassen, gerade über das Thema „Malbim in Deutschland" sich ganz ausschweigen? Gab es ja doch sicherlich damals in Deutschland kaum einen jüdischen Gellehrten, der auch nur annähernd das Thoraformat Malbims erreichte! Und 'diese Stille! Es wäre ferner wünschenswert, einiges über das Verhältnis von S. R. Hirsch zu Malbim zu erfahren. Die ^Beziehungen der Thoragroßen zueinander waren ja seit altersfoer, bei aller sonstigen Verschiedenheit, über alle Gegensätze hinweg, immer enge gewesen. Es ist daher kaum vorstellbar, daß S. R. Hirsch mit 'dieser damals im 'geistigen und religiösen Dienst 'deutscher Juden stehenden großen Thoraautorität nicht irgendwelche Beziehungen angeknüpft haben sollte. Wir lesen ja sonst soviel „Geschichten" — warum nicht auch mal darüber? Ist das nicht genug „interessant"? Uebrigensi war der Vatemaanen Malbims nicht ntflU Kim'. Mal'bim selbst 'bezeichnet ihn in seinen Schriften mit Va»a i>*»n»J Dr. Josef Hager. Der deutsche Kizzur komplett. Vom K i zz u r. S c hiu! ch a n Aruch, übersetzt von Rabbiner Dr. Selig Bamberg er in Hamburg, und herausgegeben im A. J. Hofmann-Verlag, Frankfurt a. M., ist jetzt .die Lieferung Nr. 34 erschienen, der demnächst Heft 35 als letztes folgen wird. Damit wird der deutsche Kizzur, dessen Einzeilieferungen sich großer Beliebtheit erfreuten, komplett vorliegen. - Bei sofortiger Bestellung aller drei Bände beträgt der Preis Mk. 54.—. Nach Abschluß des ganzen Werkes muß aber der Gesamtpreis wesentlich erhöht werden. Der Preis* des Einzelheftes beträgt RM. 1.50. Zum Andenken , an Ahron Marcus 7"XT. Am ersten ttr vpn rttn jährte sich der zwanzigste Todestag von Ahron Marcus ^3», jenes großen Juden, der sein ganzes Gelehrtenleben in den Kampf für die Ehre G'ttes, Israels und der Thora eingesetzt hat, dessen wissenschaftliche Werke heute noch das Arsenal bilden, aus dem sich alle Kämpfer für die unverfälschte nams Wehr und Waffe holen. Wir sollten den Tribut der Dankbarkeit an den großen jüdischen Gelehrten dadurch zollen, daß wir seine Werke kaufen und studieren und daraus ersehen, daß die moderne Wissenschaft, soweit sie echte Wissenschaft ist, keinen Gegensatz zur Thora bildet, sondern sogar in den Bereich der Thora mit einbezogen werden, kann. Die grundlegenden Werke von Ahron Marcus V"xt sind zu beziehen bei der Buchhandlung S. Marcus, Harburg (Elbe). Wochenkalender. Von. 29. Februar — 7. März 1936 / Vom 6. — 13. Adar 5696 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag ">W ip Febr. 29 6 pnnio 33 1 7 13 2 8 rrs 3 9 13 März 4 TTK 10 T3 5 11 m 6 12 133 7 13 0 nposn nann •wo« rwsrn ii3T 's rmrt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.