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Der Israelit · 1936-02-27 · Heft 9 (27.2.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 9 Der Israelit 27. Februar .1936 können. Es wird eine deutliche Abgrenzung der Arbeitsgebiete stattfinden. Das, was der Völkerbund tun will, ist weit entfernt von dem, was früher der Völkerbundskommissar getan hat." Zum Schluß erklärte Sir Neill, daß die ersten Maßnahmen, die er nunmehr treffen werde, im Zusammenhang stünden mit der zwischenstaatlichen Regierungskonferenz, deren Einberufung zwecks Behandlung der Auswandererfrage in Zukunft der Völkerbiundsrat beschlossen fhat. Oberkommissar Malcolm wird in Genf ein Büro haben, glaubt jedoch, daß er sich vorwiegend in London aufhalten wird. — Man hat allgemein das Gefühl, daß mit Neill Malcolm der rechte Mann am rechten Platze ist. Andererseits ersieht man aus seinen Aeußerungen über die ihm gestellte Aufgabe, daß den mit der Auswanderungsfürsorge befaßten privaten Organisationen nach wie vor ein weites Arbeitsfeld bleibt. Dieses Jahr kein Adlojada in Tel Awiw. Die palästinensischen und zionistischen Blätter geben bekannt: „Die Tel Awiwer Stadtverwaltung hat beschlossen, die Purimfestliahkeiteri im Hinblick auf die Lage der Juden in der Diaspora abzusagen, die iKinderfestlichkeiten werden abgehalten werden." Die Begründung für den Beschluß der Stadtverwaltung ist, vom jüdischen Empfinden aus* gesehen, nicht gerechtfertigt. Die Purimfreude kann nicht von der Zeiten Gunst oder Ungunst bedingt sein. Die Vorschrift im Schulchan Aruch lautet: '1X1 "na „Der Monat Adar mit Purim im Mittelpunkte steigert die Freude, genau wie der Aw -Monat bis zum neunten desselben die Trauerstimmung in uns schafft." In seinem tieferen Sinne bedeutet der ihalaöhische Lehrsatz, daß der Purim nicht für glückliche Zeiten eingesetzt wurde, so wenig wie der neunte Aw nur in kritischen Zeiten als Ausdruck des Leides und des Wehs der Tage gehalten werden soll. Purim bleibt Purim auah, und erst recht, in Notzeiten, da er uns,' wie kaum ein anderes Fest, deutlich den Ausgang aus Golusnot zeigt. Und der neunte Aw dämpft unsere Freude gerade in glücklichen Zeiten, zeigt mitten im Woihlleben und im Vollgenuß des Rechtes unser Fremdsein in der Diaspora. Wir wollen damit nicht sagen, daß der Beschluß der Tel Awiwer Irijah gegen den tieferen Sinn des Purim verstoße und daß wir ihm nicht zustimmten. Denn mit dem Verbote der ,,Purimfeierlichkeiten ' soll gewiß nicht die Freude in der Familie, in der geschlossenen Gesellschaft, in der Schule oder im Vereine getroffen werden. Diese Feierlichkeiten als Ausdruck .und Ausfluß echter Purimfreude, geboren aus umgebrochenem G'ttvertrauen, werden heute mehr denn je ihier wie dort am Platze sein. Gemeint ist zweifelsohne der Purim auf der Straße, in Form von großen Maskeraden, des Adlojada und des Festzuges mit all dem Mummenschanz, der, wenn auch nach jüdischen Motiven zurechtgemacht, doch ^■■■■■■■■■^■■■■■■■■■■■■■■■BHBHHBBSeSaaBHH Jede neue, sei es durch Umwälzungen des Denkens,' politische Konstellationen oder Erfindungen hervorgerufene Situation, vor welche die ganze Menschheit oder nur ein Teil von ihr gestellt wurde, hatte zur Folge, daß das, was man in<der vergangenen Situation als Wert anerkannt hatte, über den Haufen geworfen wurde. Soweit dies nun situationsbedingte Werte betraf, hatte eine solche Umwertung zweifellos ihre Berechtigung. In den meisten Fällen begnügte man sich jedoch nicht damit, sondern vermeinte, verärgert durch die frühere Befangenheit in den jetzt als falsch erkannten Werten und beglückt durch die neuen Erkenntnisse, das ganze bisherige Denken und als Folge davon das Handeln umkrempeln zu können. Nietzsche beispielsweise, der das Schlagwort „Umwertung aller Werte" geprägt hat, glaubte ebenfalls auf Grund einiger neu gewonnener Erkenntnisse Denken und Handeln der ganzen Menschheit revolutionieren zu können. Eine derartige Verkennung aller Ewigkeitswerte war die größte Gefahr jeder neuen Epoche innerhalb der Geschichte und hat auch genügend Opfer gekostet, wenn eine Kultur nicht stark genug war. sich gegen den Ansturm solcher Umwälzungen zu behaupten. Die Existenz derartiger Ewigkeitswerte wird natürlich von den im Wahn eigener Größe befangenen Unwertern bestritten. Ein vernünftiger Mensch jedoch muß bei der Betrachtung der Entwicklung der Geistesgeschiohte zugeben, daß es objektive Werte gibt. Denn diese objektiven Werte sind zwar subjektiv in dem Moment, wo ein Mensch sie ausspricht. Kaum sind sie aber ausgesprochen, werden sie zu unauslöschlichen Tatsachen des menschlichen Denkens und es wäre Torheit, derartige Wahrheiten umwerten zu wollen. Jedes in der Kulturgeschichte bedeutende Volk hat derartige Werte hervorgebracht. Mehr wie jedes andere Volk besitzt Jisroel Ewigkeitswerte und letztlich viel vom europäischen Karneval an sich hat. 'Eine Mäßigung in dieser Hinsicht hätten wir schon in früheren. Jahren freudig begrüßt, und tun es in diesem Jahre in (höherem Maße. Der Purim als Quelle innerer echter jüdischer Freude, als historischer Wegweiser zu Licht und Tag mitten in der öden Finsternis, wird aber, wie wir hoffen, dieses Jahr erst neöht, in Erez Jisroel sowohl wie in der Gplaih, in Synagoge wie im Familienkreis zur vollen Geltung kommen. hat sie auch der ganzen Menschheit mitgeteilt. Und doch hat es bei uns zu jeder Zeit, die man vor eine neue Situation stellte, Menschen gegeben, die außer den .jeweils bei uns iauoh vorhandenen situationsbedingten Werten, die Ewigkeitswerte ablegen wollten. Waren ja auch die unsinnigsten und überspanntesten Nachbeter Nietzsches Juden gewesen, gegen deren Treiben sogar Achad Haam geschrieben hat. Auch jetzt hat uns die Zeit vor eine neue Situation gestellt. Als Begleiterscheinung tauchen natürlich auch die Umwerter auf. Wenn man im liberalen Lager versucht, aus der Zeit Kapital zu schlagen, so darf uns das nicht weiter wundernehmen. Man hat höchstens die Verpflichtung, den eigenen Körper vor der Infektion zu bewahren. Doch anstatt aus der Erkenntnis des Giftes Gegengift zu schaffen, bemüht man sich eifrig, das Gift in leicht verdaulichen und ideologisch aufgezäumten Dosen einzunehmen und sich damit zu brüsten, daß man die Bedürfnisse der Zeit erkannt und aus dieser Erkenntnis heraus alles Ueberkoimmene weggeworfen hat. Chaluziuth ist das Wort, mit dem man sein Gewissen betäubt und mit dem man sich der eine Stellungnahme erheischenden Umwelt gegenüber rechtfertigt. Aus dem Versuch einer durch äußere Lebensumstände 'hervorgerufenen Umstellung macht man eine Ideologie, der Alles bisher Wertvolle geopfert wird in dem stolzen Bewußtsein eigener Große und iHeldenhaftigkeit. Jämmerliche Heldenhaftigkeit, die in ihrer Blindheit den vergangenen Geschlechtern vorwirft, falsche Wege gegangen zu sein, die sie aus naturhaften und gemeinsc/haftsbewußten Juden -zu egoistischen, keine neuen Werte schaffenden Elementen stempelt. Sie wollten keine neuen Werte schaffen, die Reihen unserer Vorfahren, die Händler. Im Bewußtsein eigener Kleinheit den überlieferten Ewigkeitswerten gegenüber, bemühten Umwertung aller Werte. Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas JisroeL Nachdem die Sidrah nölin die Ausgestaltung des ^riK zum Thema hatte, spricht die msn 'S über den Träger des Opferdienstes, seine Kleidung, die Zeremonie des. Einführungsidienstes und den Beginn des Gesetzes über den Dienst im Heiligtum. (Wir werden uns eine große Tafel anlegen in drei Abteilungen: Werktagsdienst, — Schabbat und Regalim, — Jomim Noraim. In jeder der nun folgenden Sidroth werden wir darauf hinweisen, ob eine Eintragung zu machen ist. Wir verbinden damit ein Preisausschreiben. Die drei besten und am sorgfältigsten ausgeführten, am Ende des Jahres an die B. L. eingesandten Arbeiten erhalten ein Buch!}' — o/mi> o!>w npn 27, 1 betont zum ersten Male das Absolute, jede Neuerung innerhalb des Tempeldienstes Ablehnende. Zu 28, 1 siehe die Erklärung von Ibn Esra. Bedeutet bxw> »33 lim 28, 1 nur die rein äußerliche Heraushebung? Achte auf das nnni in S. 1 und S. 3. nnan nn vntubü iws in S. 3 gibt ums die Möglichkeit einer thoragemäßen Einstellung zur Kunst. Zu den einzelnen Kleidungsstücken siehe Hirsch. Zu V. 30 über die Urim und Tumim siehe die interessanten Ausführungen Rambans. V. 35 schränkt das Verhältnis Ahrons zu G'tt ein. V. 42 ist eine bewußte Anspielung auf die unsittlichen, von G'tt so gehaßten Kulte. Siehe auch Psalmen Kap. 1, 6. Auch hier wieder die Betonung der Herausführung ausi Aegypten. Zu mi fiivp siehe die verschiedenen Erklärungen. In Beziehung dazu: Eine einzige Priesterfamilie bereitet das Räucherwerk. Zu V. 10 vergleiche die Stelle in niö »ins» Soll das Weglassen von fna bedeuten, daß die msa abhängig ist von der Persönlichkeit des *IS3»? Bemerkung. Schmaus Kap. 21, Vers 1—2: „Dies sind die Rechtsordnungen, die du ihnen vorlegen sollst. Wenn du einen hebräischen Knecht kaufst, soll er sechs Jahre dienen; aber im siebenten «oll er zur Freiheit unentgeltlich hinausgehen." Die Rechtssatzungen beginnen mit dem Gesetze der Entlassung des hebräischen Knechtes im siebenten Jahr. G'tt führte uns au® dem ägypitschen Sklavenhaus, wir entlassen den *T3* nach sechs Dienstjahiren. Die erste Reohtssatzung entspricht dem ersten der zehn Gebote. Ausdrücklich wind in Dworim Kap. 15, Vers 5 als Begründung der Vorschriften bezüglich de© hebräischen Knechtes angegeben: „Erinnere dich, daß du im Lande Mizraim Sklave warst, und G'tt, dein G'tt, dich erlöste." Zugleich deutet diese Rechtsordnung auf das Schöpfungswerk von Himmel und Erde hin. Mit dem siebenten Tag vollendete G'tt sein Werk, am siebenten Tag ruhen wir, im siebenten Jahre geht der Knecht frei au®. — Als Jerusalem von den Chaldäerri belagert war, schloß Zidkijahu mit der Bevölkerung der Stadt einen Bund, daß ein jeder seinen hebräischen Knecht und seine hebräische Magd in die Frei- Die Jüdische Winterhilfe braucht Dich! heit entlasse. Die Fürsten und das Volk entließen sie, holten sie dann aber wieder zurück und machten sie mit. Gewalt zu Knechten und zu Mägden, „Da erging das Wort G'tte» an Jirmejahu: So hat G'tt, der G'tt Israels, gesprochen: Ich habe einen Bund mit euren Vätern geschlossen, an dem Tage, da ich sie aus M i z r a i in, aus dem Sklaveahaus führte: Am Ende von sieben Jahren*) sollt ihr ein jeder seinen hebräischen Bruder, der sich dir verkauft und dir sechs Jahre gedient hat, entlassen, in die Freiheit sollst du ihn entlassen, daß er nicht mehr bei dir.sei; eure Väter aber hörten nicht auf mich und neigten nicht ihr Ohr. Ihr nun kehrtet heute um und tatet da® Rechte "in meinen Augen, die Freiheit dem Nächsten zu verkünden und schlösset einen Bund vor mir .in dem Hause, über das mein Name verkündet ist. Nun haer kehrtet ihr um und entweihtet meinen Namen, brachtet ein jeder seinen Knecht, ein jeder sene Magd, die. ihr in die Freiheit entlassen, daß sie sich selber angehören, wieder zurück und machtet sie wieder mit Gewalt zu euren Knechten und Mägden. Deshalb hat also G'tt gesprochen: Ihr habt nicht auf mich gehört, die Freiheit zu verkünden, ein jeder seinem Bruder, ein jeder seinem Nächsten, nun, ich verkünde in Beziehung auf euch die Freiheit, spricht G'tt, dem Schwerte, der Pest und dem Hunger." . .(Jirmejahu 34, 12—17.) Ramiban Schmaus 21, 2. S. Sp. *) Siehe pai»! -33a und andererseits'Ramban Dworim 15, 1.

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