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Der Israelit · 1936-02-20 · Heft 8 (20.2.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 8 (20.2.1936)
Date
1936-02-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 6 ßef Israelit 20. Februar 1336 sen 'gegen Ende des Liedes nachgewiesen hat. Die von W. S. J. (im Anschluß an Bähr) ohne Grund geforderte Text-Korrektur von ^Wl! (Hiphil) in ^£.'1 (Piel) dürfte sachlich und sprachlich wenig begründet sein; die Hiphil-Form ist gerade hier üblich, sie stützt sich auf Jesaja 46, 5 und Klagelieder 2, 13 und findet sich dm gleichen Zusammenhang auch sonst im Machsor (m&n>- Dr. Arnold Merzbach. II. Mit der hohen Wertschätzung für den „Gesang der Ehre", die der Herr Verfasser empfindet, werden alle Leser wohl ein verstanden sein; die alten Vorbeter hatten in der Regel einen größeren Vorrat schöner Melodien, durch die sie dem Eindruck des Gesanges auf die Gemeinde noch zu erhöhen verstanden. Leider wird jetzt an Sabbaten der "man *pw meistens nur abwechselnd vom Vorbeter und von der Gemeinde „gesagt", wobei auch öfters' die ersten Vershälften so schlecht wegkommen, daß weder von einem „Lied" noch von einer „Ehre" die Rede sein kann. Vielleicht verursacht die Abhandlung in Nr. 6 des „Israelit", hierin einen Wandel zum Besseren. Dem Verfasser ist es entgangen, daß Dr. S. Baer (nicht „Bähr"), dessen Erklärungen er seinen Ausführungen zu Grunde legt, auch eine gute Uebersetzung verfaßt hat. (Siehe B*n»i nban, Rödelheim, Lehrberger.) loh möchte darauf einig« Verse anführen, bei denen von ihm die Anlehnung an die Schriftverse, die der Sänger vorgenommen hat, besonders meisterhaft hervorgehoben worden ist. Die Nummern entsprachen denen des Textes von Jacobson. 1. Liebliche Sänge stimm* ich 'Dir an, Lieder, künstlich gewoben; denn nach Dir, G'tt, sehnt sich meine Seele. 3. Indem ich spreche von Deiner Herrlichkeit, schlägt mein Herz Deiner Liebe entgegen. 5. Deinen Ruhm will ich erzählen — und hab' Dich nie gesehen, will Dich vergleichen, Dich bezeichnen — und hab' (Dich nie erkannt. 6. Aber durch Deine Propheten, die Erwählten Deiner Diener, gabst Du ein Bild von der Pracht und Herrlichkeit Deiner Macht. 7. u. 8. Sie bezeichneten Deine Größe und Allgewalt nach Deinen mächtigen Taten, entwarfen ein Bild von Dir — jedoch nicht nach Deinem Wesen; nur nach Deinen Werken haben sie Dich verglichen, 18. Die Wohnung der Gerechtigkeit, das Haus Deiner Herrlichkeit — erhebe es doch wieder zum Gipfel Deiner Freuden! 22, Glälizendrot in rotem Gewand, wird Er einst .die Kelter treten, wenn, er von. Edom kommt (d. h. wird Strafgerichte an den Frevlern übend, 23. Er, der den Knoten der Verhängniskette dem Demütigen (Mosche) vorgezeigt, ihm, der die Erscheinung G'ttes deutlich sah. (D. h. der ihn über den oft unbegreiflichen Gang der Geschicke belehrte, warum z. B. so mancher Fromme im Elend schmachtet, während der Frevler Wohlleben hat und dergl. Diese Belehrung bezeichnet der Talmud (Berach. 7} mit dem allegorischen Ausdrucke ."TtroV rrapn nmn y>bs>n bm *iwp-) 25. Du, dessen Worte® Anbeginn Wahrheit ist, der Du von Anbeginn alle Geschlechter hervorriefst, beachte doch das Volk, das Dich sucht. 31. O möchte Dir mein Lied gefallen; denn nach Dir, G'tt, sehnt sich meine Seele! Den hebräischen Text bringt Baer selbstverständlich korrekt. Daß -in Zeile 25 die Worte Winterst der Cäsur folgen^ .kommt durch den Reim, Heinr. Einstädter. III. Herr Rabbiner Wolf S. Jacobson bemerkt in seiner Erläuterung des nii'JST cpsik zu Vers 18: „Die zweite Hälfte des Verses ist eine Variation von Psalm 137, 6 (dort auf den Menschen bezogen)". Es sei darauf hingewiesen, daß sich nach der Auslegung unserer Chachomim in Aboda Sara 3b, Psalm 137, 5^—6 auf G'tt bezieht. Veranlassung für diese Deu-' tung bildet, wie Maharscho z. St. und zu Baba Bathra 60b ausführt, die Einzahlform in diesen Versen: •obvm> tik nbvx &b dr .^"rob pmn qnss?« ör Der Psalm beginnt in der Mehrzahl BW ^33 mini bv niiWr geht aber in Vers 5 zur Einzahl über. Auch die Pesikta — vgl. Midrasch Jalkut z. St. Abschnitt Rabbi Jizchak bar Tabla und den Ausspruch Rabbi Dosa's, ebenso Targum — beziehen diese Verse auf G'tt. Es ist wohl anzunehmen, daß der Autor des ajms unnar die Strophe inn»e> 6>Rt bv *a nbv imRsn '33 pnsn rm im Hinblick auf die Auslegung der Ghachomim verfaßte. S. Speier. (Weitere Bemerkungen folgen in den nächsten Nummern. D. Red.) Eine originelle Estherrolle. Im Kunstverlage Dr. Heribert Löwenstein, Berlin SO. 16, ist eine Estherrolle erschienen, die Jung und Alt gleiche Freude machen wird. Eine wirkliche Rolle än der Soferschrift, ganz nach Muster der richtigen Megilloth auf pengamentähnlichem gelblichem Papier hergestellt. Die eingestreuten Bilder aus der Esthergeschichte erinnern an die alten kastilischen und italienischen Megilloth. Sie sind so verteilt, daß sie den Text nicht stören und die Situation auf dem Nebenblatte deutlich veranschaulichen Aus dem Prospekt erfahren wir, daß mit dieser Veröffentlichung der erste Versuch gemacht werde, das hebräische Buch, speziell die Bibel zum volkstümlichen Preise jedem in die Hand zu geben; in der Buchausstattung, — wie es - bei dieser Rolle in vollendeter Weise geschehen konnte — möglichst auf traditionelle Motive zurückgreifend. Die Schrift stammt von einem Sofer, die Bilder von Otto Geismar, dem langjährigen Zeichenlehrer an den jüdischen Gemeindeschulen zu BerEn, der auch eine Hagada veröffentlicht hat. Seine Zeichnungen sind nicht naturalistisch oder impressionistisch, sondern bewußt stilisiert, fast ornamental. Es soll so der Zusammenklang mit der Schrift gewahrt und das Hauptgewicht dem Worttext vorbehalten bleiben. Kostüm 'Und Architektur halten sich an die Ergebnisse neuerer Ausgrabungen. Humor und Purim-Stimmung durchzieht die ganzen Darstellungen. Die Megilloh kostet RM. —.50, in silberfolierter Hülle RM. —.65. Jiddische Bibelübersetzung abgeschlossen. Aus New York wird geschrieben: Dieser Tage sind die beiden letzten Bände der von Jehoash besorgten ersten modernen Bibelübj^etzung ins Jiddische erschienen. An dieser Bibelübersetzung, die insgesamt acht Bände umfaßt, hat Jehoash zwanzig Jahre lang gearbeitet. Anläßlich des Abschlusses dieses Werkes hat das Jehoash- Komitee, dem 78 jüdische Schriftsteller und Gelehrte angehören, eine Mitteilung veröffentlicht, in der. die Bedeutung dieser Bibelübersetzung gewürdigt wird. Das Komitee beabsichtigt, Kommentare zu dre Bibelübersetzung von Jehoash in zwei Bänden herauszugeben. Die gesamte Uebersetzung ist posthum erschienen; Jehoash starb 1927, die ersten Bände wurden 1928 herausgegeben. Jehoash, der mit seinem wirklichen Namen Schelomo Blumgarten hieß, war 1871 in Wirballen (Litauen) geboren. 1890 wanderte er nach Amerika aus. Neben seinem Hauptwerk, der Bibelübersetzung, hat er Erzählungen und Gedichte in Buchform und Eindrücke von einer Palästinareise veröffentlicht, die auch ins Englische und Hebräische übertragen wurden. Neben anderen Werken der Weltliteratur hat er Longfellows „Hyawatha" ins Jiddische übersetzt. Gemeinsam mit Dr. Spiwak hat er ein 7000 Stichwörter umfassendes Lexikon de# hebräischen und aramäischen Ausdrücke in der jiddischen Sprache verfaßt. s iwR Kinderecke. Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel. Von Alice Oppenheimer. VI. Lehren. Solange G'tt Moses die 10 Gebote lehrte, war eine Rauchwolke zwischen Moses und G'tt, dann ließ G'tt die Rauchwolke sich hinwegheben und Moses durfte ganz in G'ttes Nähe treten. Hier oben auf dem Bergesgipfel lernte Moses G'ties Gesetze weiter kennen. ,;Höre Moses", sprach G1! t, „beim Volke Israel sind auch Kinder, deren Väter bei der schweren Arbeit in Aegypten starben, deren Mütter Witwen sind. Solohe Menschen, die so viel Trauer erlebten, müßt Ihr mit mehr Liebe umgeben, als die anderen. Diese Kinder, Waisenkinder, habt lieb, wie Eure eigenen." Weiter lehrte G'tt: „Es gräbt einer eine Grube und vergißt, sie zuzudecken und es fällt ein Tier hinein und tut sich weh, so muß er demjenigen, dem das Tier gehört, Geld schenken als Ersatz für .das Tier!! Sei gut zu fremden Menschen, verlange nicht mehr von ihnen, als wie Du selber leisten kannst, denn vergiß nicht, wie Du vom bösen König Pharao behandelt wurdest, weil Du ein Fremder, ein Jude, kein Aegypter warst." „Ben, jetzt mrek' mal gut auf, denn das interessiert Dich gewiß. Zwei Jungens, die miteinander geboxt halben und der eine hat dem anderen die Zähne eingeschlagen, darf nicht zum anderen Jungen laufen und sagen: „Jetzt mache ich Dir das Gleiche und haute Dir die Zähne ein!" Ist das passiert, öder hat einer dem anderen mit einem Stein ein Auge ausgeschlagen, so muß er versuchen, ihm den. Schaden durch Geld zu ersetzen, aber nie darf man sagen: „Warte, ich tue Dir das gleiche an". „Siehst Du ein Tier, das eine zu schwere, Last trägt, so helfe ihm, nimm ihm einen Teil der schweren Dinge und trage Du sie für das Tier." So gab G'tt dem Mose® nach den 10 Geboten Gesetze voll der Liebe für die Menschen.. (Fortsetzung folgt.) Personalien. Dr. Arje Lutz Feilchenfeld V'f. Berlin, 16, Febr. Vor wenigen Wochen ist Lutz Feilchenfeld unerwartet im 27. Lebensjahre von uns gegangen. Mit ihm ist eine Persönlichkeit dahingegangen, die der gesetzestreuen Jugend noch vieles hätte geben können. Sein großes jüdisches Wissen sowie seine bedeutenden charakterlichen Eigenschaften konnte er während einer äußerst fruchtbaren Tätigkeit, die er im früheren Esra entfaltete und dessen Bundesleiter er auch zeitweilig war, unter Beweis stellen. In einem ergreifenden nson am vergangenen 'RJtia ' rav, der gemeinsam vom Brit Chaluzim Dathiim und den Esra Pirche Agudas Jisroel-Gruppen veranstaltet wurde, erstand die Persönlichkeit Lutz Feilchenfelds noch einmal vor uns. Der' ison war aus beiden Bünden sehr stark besucht, und obwohl ein großer Teil Lutz Feilchenfeld nicht: -kannte, sö~ hatte wohl doch jeder erfühlt, daß hier ein Mensch dahingegangen ist, der mit ganz besonderen" Qualitäten ausgezeichnet war. Am deutlichsten kam das wohl in der äußerst eindrucksvollen und zu Herzen gehenden Rede von Rabbiner Abraham Wolf zum Ausdruck. — Es ist beabsichtigt, während der awbv im Esra und Bachad gemeinsam mwa-Schiurim abzuhalten, .rrawn- Würzburg, 12, Febr. Am 11. Schebat hauchte Lehrer Simon F r e u d e n b e r g e r nach längerer Krankheit dm 65, Lebensjahre seine reine nntw aus. Sein Name ist mit der Gemeinde Flieden, woselbst er jahrzehntelang überaus segensreich wirkte; auf das innigste verknüpft. Mit Feuereifer pflanzte er den Geist des gesetzestreuen Judentums in die Herzen seiner zahlreichen Schüler, stets darauf bedacht, die alten Traditionen in seiner Gemeinde zu erhalten. Darüber hinaus war jedoch sein wachsames Auge auch auf den Wo gerichtet. Unerschrocken trat er im „Israelit" in vielen, von der Oeffentlichkeit sehr beachteten Artikeln unter dem Pseudonym: Fr. den Verfälschern des. Judentums sowohl in den Reihen der Assimilation wie auch im Lager der sog. Salonorthodoxie entgegen. Ein schweres Leiden zwang den Heimgegangenen zur vorzeitigen Aufgabe seines Berufes. Nach seiner vor 8 Jahren erfolgten Pen- ' sionierung siedelte er mit deiner Familie nach Würzburg über, woselbst er im Kreise Gleichgesinnter seine Ruhejahre in miasi min verbrachte. Die große Beteiligung an der "*br die vom Sterbehause zum altehrwürdigen oVw n'3 .Rödelsee erfolgte, gab Zeugnis von der Hochachtung und Wertschätzung, der sich der Verblichene allseits erfreute. In seiner bescheidenen Weise hatte sich der "IBM jeglichen tson verbeten. Rabbiner Dr. H a n o v e r mußte sich deshalb darauf beschränken, in kurzen Strichen ein getreues Lebensbild des Entschlafenen zu zeichnen, den er in tiefempfundenen Worten unter Hervorhebung seiner hohen Tugenden der zahlreichen Trauerversammlung als das Muster eines treubesorgten Gatten und Vaters uns den '»R3 nsw, den geistigen Hirten und Führer seiner Gemeinde in der jüdischen Gemeinschaft schilderte. .rraSJJi Jeremias Jacobowitz V'St. Kempen, 12. Febr. Am 24. Januar verschied in Kempen im 86. Lebensjahre der in weiten Kreisen hochgeschätzte und allseits verehrte Privatgelehrte Jeremias Jacobowitz, allgemein bekannt unter dem Namen „Reb Jermijeh". Mit ihm verliert das gesamte gesetzestreue Judentum einen seiner würdigsten und besten Pioniere und einen seiner treuesten und zähesten Anhänger und Verfechter der religiös-konservativen Ideenrichtung, und die Kunde von sieinem Ableben wird in der gesamten frommen Welt tiefste, schmerzvolle Trauer hervorrufen. Sein Leben ragt in jene gianlzvolle Epoche dieser Stadt zurück, wo noch die unvergänglichen Koryphäen eines Malbim und. Reb Simchoh Rehfisch ihres Amtes walteten, und von diesen erhielt er die ersten Impulse zur Wirksamkeit in edlen und guten Taten, in D^ait? D'Ppöi ms»/ die all sein gesamtes späteres Leben beherrschten und -erfüllten. Die Gesinnung des Verblichenen wurzelte in den von unseren Weisen vertretenen drei Postulaten ^»1 irrasn bv minn by tmon rr&'OJt» in der Erkenntnis, in der Wohlfahrtspflege und in der strengen Ausübung des geoffenbarten G'tteswortes. Nach (dieser Devise und Richtschnur lebte und wirkte er und ihnen unterordnete er schlechterdings seine gesamten ihn beherrschen-

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