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Der Israelit · 1936-02-20 · Heft 8 (20.2.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 8 (20.2.1936)
Date
1936-02-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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20. Februar 1936 Der Israelit Nr. S Seite 11 wind in weiten Kreisen der Schluß gezogen, daß die beabsichtigten Verschärfungen der Einwanderungsbe- .stimmungen zurückgestellt worden sind. Abg. Colone! Wedgewood fragte den Minister für •die Kolonien, oib er bereit sei, dem Hause die Entwürfe der geplanten palästinensischen Verordnungen :über Verfassung, Bodehverkauf und Einwanderung vorzulegen. Kolonienminister J. H. Thomas antwortete, daß die Bestimmungen für die Einsetzung ejnes Legislative Council in Palästina durch königliche Verordnung (Order made by the King an Council) auf Grund des Foreign Jurisdiction Act vom Jahre 1890 getroffen werden würden. Es würde der geltenden Uebung widersprechen, eine solche Verordnung als Entwurf vorzulegen; den Wünschen des Interpellanten könne am besten dadurch entsprochen werden, daß in der Bbliothek eine Kopie de® vom High Cominissione'r für Palästina im Dezember veröffentlichten Communiques ausgelegt werde, in dem die Vorschläge der Regierung klar zum Ausdruck gebracht sind. Es werde veranlaßt werden, daß dies geschehe. Was die Einwanderung betreffe, so sei es ihm nicht bekannt, daß neue Gesetzesbestimmungen entworfen wurden. In Bezug auf Bodenverkauf sei .grundsätzlich der Einführung eines Gesetzes zugestimmt worden, dessen Entwurf nicht veröffentlicht werden soll, solange Besprechungen, die der High Comaaiissioner mit jüdischen und arabischen Führern abhalten werde, geführt werden. Sobald der Gesetzesentwurf fertiggestellt sein werde, werde erwogen werden, in welcher Art er dem Hause am passendsten zugänglich gemacht werden könnte. Auf weitere Anfragen erklärte Minister Thomas, er halte esi in diesem heiklen und schwierigen Stadium der Verhandlungen nicht für förderlich, die Vorschläge anders zu bezeichnen als einen echten Versuch, das Mandat zu verwirklichen. Eine weitere Anfrage des Abgeordneten Wedgewood betraf den angeblichen Plan,, «inen Katholiken .zum Mitglied des Jerusalemer Stadtrates zu ernennen. Wedgewood wies darauf hin, daß dadurch das Kräfteverhältnis im Stadtrat weiter zu Ungunsten •der jüdischen Bevölkeriungsmehrheit von Jerusalem verschoben werden würde. Er fragte, ob der evtl. zu Ernennende ein Italiener oder ein Deutscher sein solle? Kolonienminister Thomas erwiderte, er wolle beim High Conimissioner Erkundigungen einziehen, könne aber jetzt schon sagen, daß er nicht gewillt sei, in das freie Ermessen des High Commissioner in dieser Angelegenheit einzugreifen. In derselben Sitzung des Unterhauses fragte noch der Abgeordnete Joel, ob der Minister für die Kolonien eine zufriedenstellende Antwort von der italienischen Regierung betreffend idie für Palästina und Tramsjordanien bestimmte italienische Rundfunkpropaganda erhalten habe und wann der palästinensische Sender seine Tätigkeit in vollem Umfange aufnehmen werde. Der Minister verwies zu dem ersten Teil der Anfrage auf seine am 18. Dezember erteilte Antwort, der er nichts hinzuzufügen habe. Man hoffe, daß die Sendungen der palästinensischen Rundfunkstation in der ersten Hälfte April aufgenommen werden würden. Sir Herbert Samuel und Lord Bearsted in England eingetroffen. Sout''hampton, 12. Febr. Am 12. Februar nachmittags sind Lord Bearsted und Sir Herbert Samuel an Bord der „Majestic" in Southampton eingetroffen. Nach der Landung äußerten sie ihre Genugtuung über die herzliche Aufnahme, die sie und Simon Marks in den Vereinigten Staaten gefunden haben. Lord Bearsted erklärte, man könne hoffen, daß in den Vereinigten Staaten zwei Millionen Pfund zur Unterstützung der jüdischen Auswanderung au« Deutschland aufgebracht werden würden. Die Mitglieder der Delegation, fuhr Lord Bearsted fort, hätten innerhalb, von vierzehn Tagen dreißig Ansprachen in New York, Philadelphia, Chicago, St. Louis, Baltimore und Washington gehalten. Er glaube, daß es gelungen sei, 'die öffentliche Meinung, die sich der Dringlichkeit der Lage vielfach nicht bewußt gewesen sei, zu gewinnen, und er hoffe, daß das geweckte Interesse in Taten werde umgewandelt werden. Man habe den Amerikanern die Notwendigkeit der Sache dargelegt. Es (bestehe kein Zweifel, daß sie von sich aus Anstrengungen machen würden, Mittel aufzubringen. Was 'die Mitglieder der Delegation anbelange, so hätten sie nun zu berichten und Beratungen zu pflegen, bevor sie einen endgültigen Plan formulieren. Sie hätten zwar einen Plan, doch wolle er in diesein Augenblick nicht darüber sprechen. Erst in der nächsten Woche, sobald der Plan, wie er hoffe, angenommen sein wird, werde er Mitteilungen darüber machen können. Es handele sich um einen Plan für allmähliche Auswanderung aus Deutschland. Dieser Plan sei in Amerika mehr oder weniger bekannt. Die Auswanderung müsse schrittweise erfolgen, damit in keinem Lande politische oder nationale Unruhen entstehen; man dürfe nur Menschen in dem Maße überführen, als sie aufgenommen werden können. Wäre es möglich, so würde man gewiß gern die ganze Ueberführung auf einmal vornehmen. Zur finanziellen Seite des Besuches der Delegation in Amerika bemerkte Lord Bearsted, man hoffe in einem bestimmten Zeitraum in den Vereinigten Staaten zwei Millionen und in der ganzen Welt drei Millionen Pfund aufzubringen. (ITA.) Palästina. Jerusalemer Brief, Die gesetzestreuen Schulen außerhalb des Regierungsbudgets, — Gedenkfeiern für Samson Raphael Hirsch V'XT* — Die Häfen in Haifa und Jaffa. — Abwehrmaßnahmen gegen die geplantem Beschränkungen. — Kesseltreiben in der arabischen Presse. Jerusalem, 12. Febr. Die Frage der Subventionierung der gesetzestreuen Schulen durch die Regierung beschäftigte uns schon wiederholt. Die Tatsache, daß im Gegensatze zu den areligiösen Schulen die gesetizestreuen Schulen ganz übergangen werden, ist schon vom rein rechtlichen Standpunkte aus eine Ungeheuerlichkeit, nachdem doch auch die Gesetzestreuen alle Steuern in gleichem Maße zahlen. Die Führer der Aguda halben jetzt die Sache mit aller Energie in die Hand genommen. Im Anschluß an eine Beratung besuchte Rabbi Mosch« Blau das Bildungsdepartement, um an zuständiger Stelle die Forderung der Gesetzestreuen zu begründen und zu erläutern. Zur Zeit bereitet .die Agudazentrale ein Memorandum vor, in dem die Gleichstellung der Charedimschulen mit den anderen jüdischen Schulen gefordert wird. Die Subvention für diie Privatschulen, wenn sie 'den Anforderungen des Erziehungsaintes entsprechen, wird auf vier Schilling für den Schüler beinessen, die öffentlichen Schulen der Jewish Agency erhalten erheblich mehr. Es ist zu hoffen, daß die Frage bald.nach Recht und Gerechtigkeit ihre befriedigende Lösung findet. Am Jahrzeitstage von Samson Raphael Hirsch ^""Si fanden in allen Agudakibbuzim in Stadt und Land Gedenkversammlungen statt, in denen berufene Männer über das epochale Werk des großen Rabbiners sprachen. In Tel Awiw fand die Gedenkfeier in der großen Schul des „Moschaw Sekenim" statt, zu. der die Besten der Stadt erschienen. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Moses Auerbach über das Thema „Rabbiner Samson Raphael Hirsch, der Erretter des gesetzestreuen Judentums". Nach Meldungen arabischer Zeitungen habe die Hafenleitung in Haifa von den jüdischen Kolonien des Galil einen Beitrag von 500.000 Pfund zur Ausgestaltung und zur Verschönerung des Hafens verlangt. Das Zentral-Komitee der Kolonien habe den Betrag bewilligt und bereits die erste Rate eingezahlt. Wie schon mitgeteilt, besteht die Absicht, den Hafen von Haifa vornehmlich als Kriegshafen auszugestalten und dafür den Hafen von Jaffa als Handelshafen auszubauen. Die gleichen arabischen Blätter melden, daß aus dem Arsenal der Regierung in Jerusalem eine große Anzahl von Handwaffen gestohlen wurden und zwar von den Waffen, die seinerzeit nach Jaffa eingeschmuggelt wurden. Jener rätselhafte Waffenschmuggel gesatltet sich also immer rätselhafter. Die politische Lage hat sich noch nicht gebessert. Sowohl von. zionistischer wie agudistisöher Seite werden dauernd Beratungen abgehalten, um den mit dem Legislative Council und den. neuen Einwanderungsbestimmungen drohenden Gefahren entgegenzutreten. In einer Sitzung de® Waad Leumi erläuterte Prof. Weizniann die Lage. In einer Sitzung der Zentrale der Agudas Jisroel schilderte Rabbi Mosche Blau anschaulich den Stand der Dinge. Er verlas eine Erklärung der Aguda, in der deren Stellungnahme zu all den drohenden Beschränkungen klargelegt wird. Die Erklärung wurde dem High Commissioner zugestellt und auch in den Zeitungen veröffentlicht. Eine ähnliche Erklärung veröffentlichte auch die Jewish Agency. Auch die arabischen Zeitungen sind voller Proteste gegen die Regierung, wegen iherr „Förderung" des jüdischen Aufbaues. Alle Versprechungen des High Commissioner werden in diesen Hetzartikeln als eine Komödie hingestellt, um die Araber in die Falle zu locken. Der Sympathiestreik, der hier als Solidaritätskundgebung für die Brüder in Syrien proklamiert •und auch •durchgeführt wurde, spielte sich in aller Ruhe ab. Wo junge Heißsporne Ausschreitungen versuchten, stießen sie auf die eiserne Hand der Polizei. Es ist immerhin bedenklich, \#xß trotz der schweren Spaltungen unter den Arabern der einheitliche Streik zur Ausführung kam. Man weiß, es war nicht die Liebe zu den syrischen Brüdern, sondern der Haß gegen die Palästinaregierung und die Juden, der die feindlichen Brüder zusammengeführt hat. Ein Flug des High Commissioners nach Aegypten wird in der arabischen Presse dahin gedeutet, daß sich die Regierung für unvorhergesehene Fälle den Schutz der ägyptischen Truppen sichern wollte. Wir wollen hoffen, daß zu diesem Schutze; kein Anlaß gegeben sein wird. Mn. G.-P. * * Die Erklärung der Agudas Jisroel in Erez Jisroel, J e r u s a 1 e m , 12. Febr. Die Erklärung der Zentrale der Agudas Jisroel in Erez Jisroel lautet: 1. Die Agudas Jisroel im heiligen Lande, als Vertreterin eines großen Teiles des jüdischen Jischuws, der der Jewish Agency nicht angehört, sieht sich verpflichtet, vor der ganzen Welt ihren unermeßlichen Schmerz ob der neuen Einwanderungs- und Bodenkaufsbeschränkungen, die die Regierung zu verwirklichen beabsichtigt, zum Ausdruck zu bringen, 2. Die zu erlassenden Beschränkungen zielen darauf hin, die Zahl der jüdischen Einwanderer zu verringern und den Erwerb von Boden durch Juden zu erschweren. Die Agudas Jisroel sieht in der Verwirklichung derartiger Ziele eine schwere Beeinträchtigung der Entwicklung des Jischuws und eine schwere Verletzung der jüdischen Anrechte auf das heilige Land. 3. Agudas Jisroel fühlt sich besonders schmerzlich dadurch berührt, daß die beabsichtigten Einschränkungen gerade zu einer Zeit kommen, wo hunderttausende Juden in der Gola, von übermächtigen Haßwellen verfolgt, der Gefahr einer vollkommenen Vernichtung ausgesetzt und sie nur von der einzigen Hoffnung beseelt sind, Zuflucht im Lande ihrer Väter zu finden. Die Einwanderungs- und Bodenkaufsbeschränkungen sind geeignet, diesen letzten Hoffnungsschimmer zu vernichten und die hunderttausende jüdischen Seelen der Verzweiflung und dem Elend preiszugeben. 4. Agudas Jisroel erklärt, daß die öden und wüsten Ländereien nur dank der jüdischen Arbeit in ein fruchtbares Land verwandelt worden sind, das Segen über alle Bewohner des Landes ohne Ausnahme gebracht hat. Noch gibt es große Bodenflächen in den Grenzen des heiligen Landes, von der Hand des Weltenschöpfers hingestellt, die verlassen sind und darauf warten, durch den Schweiß der Arbeit jüdischer Einwanderer zu neuem Leben erweckt zu werden. 5. Agudas Jisroel erklärt somit, daß keinerlei Berechtigung vorliegt, die Freiheit der eingeborenen Bevölkerung hinsichtich des Verkaufes von Boden zu begrenzen. Derartige Begrenzungen würden nicht nur der arabischen Bevökerung keinen Nutzen bringen, sondern unter deren schädlichem Einfluß auf die Entwicklung des Jischuw müßte das ganze Land

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