Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1936)
- Date
- 1936-02-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 8 Der Israelit 20. Februar 1936 führen. Die erste Lesung wird am Montag stattfinden Das Rabbinat hat den Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde aufgefordert, die erforderlichen Mittel für die Veröffentlichung einer Aufklärungs schrift zur Verfügung zu stellen, in der auseinander gesetzt werden soll, daß die Methode des' rituellen Schächtens den Grundsätzen der Humanität durch aus entspricht. Die Aufklärungsschrift soll von 1800 Rabbinern unterzeichnet werden. Der Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde hat diesem Vor schlag zugestimmt und gleichzeitig beschlossen, die Abhandlungen des verstorbenen Dr. Salomon Bi schowski über die Schechita zu veröffentlichen. Die Broschüre wird von dem Verband der Rabbiner mit akademischer Bildung zusammengestellt. Gemeinsam mit den jüdischen Parlamentariern bereitet der Verband auch wissenschaftliches Material zur Veröffent lichung im Abwehrkampf gegen die Bedrohung der Schechita vor. Die Warschauer Jüdische Gemeinde hat für Sonn tag, den 16, Februar, eine Konferenz der größten Gemeinden der jüdischen Parlamentarier und der Vertreter der jüdischen Parteien und Wirtschaftsorganisationen zwecks Beratung von Maßnahmen zur Abwehr der Bedrohung der Schechita nach Warschau einberufen. Das Urteil im Kattowitzer Prozeß. Warschau, 13. Febr. In dem großen Kattowitzer Prozeß gegen die 21 Nationaldemokraten, die im Dezember v. J. Bombenanschläge gegen die Kattowitzer Synagoge und mehrere jüdische Häuser und Geschäfte verübt haben, wurden drei Angeklagte freigesprochen, die übrigen 18 zu Freiheitsstrafen von verschiedener Dauer verurteilt. Der Hauptbescbuldgte Wladislaw Jakubowski erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, die Angeklagten Krapek und Wieczorek wurden zu zweieinhalb Jahren, sieben Angeklagte zu zwei Jahren, vier zu anderthalb und vier zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung wird auf die Zugehörigkeit der Verurteilten zu einer Geheimorganisation, deren Mitglieder durch Drohungen zum Schweigen gezwungen wurden, hingewiesen. Als mildernder Umstand wurde es gewertet, daß die Angeklagten unter dem Einfluß einer unverantwortlichen und in ihren Mitteln nicht wählerischen Propaganda standen. Nach Verkündung des Urteils kam es in den Straßen zu Ueberfällen von Nationaldemökraten auf jüdische Passanten; einer von ihnen wurde blutig mißhandelt. Polizei trieb die Exzedenten auseinander. Rabbi Menachem Mendel Landau gestorben. Warschau, 12. Febr. Der Dzikiwer Rabbi Menachem Mendel Landau, einer der bedeutendsten Rabbiner Polens und Mitglied des Präsidiums der Agudas Jisroel, ist im Alter von 78 Jahren gestorben, r't Lettland. Das jüdische Handwerk in Lettland bedroht. Riga, 14. Febr. Der vor einigen Wochen erfolgte Regienunigserlaß, wonach sämtliche Handwerkerorganisationen sich spätestens bis zum 14. Januar 1936 bei der Behörde anzumelden hatten, wird hier allgemein als erster Schritt zur staatlichen Reglementierung des lettländischen Handwerks betrachtet. Es wird angenommen, daß diesem Erlasse Eingriffe in das innere Leben und die Gestaltung des lettländischem Handwerkertums, und zwar in erster Reihe zuungunsten der nationalen Minderheiten, folgen werden. Es steht bereits jetzt schon fest, daß Handwerker, die ein Meisterdiplom erlangen wollen, sich einer amtlichen Prüfung vor einer Kommission der lettländischen Handwerkskammer unterziehen werden müssen. Um unliebsamen Folgen vorzubeugen, wird in Kreisen des jüdischen Handwerkertums nach Wegen und Mitteln zur «fachlichen Vervollkommnung gesucht. In Libau hat sich eine größere Gruppe von jüdischen Schneidern kollekitv" an die Verwaltung der dortigen Handwerkerschoile des ORT mit der Bitte um Eröffnung eines Vervollkommnungskurses nach Muster ähnlibher Anstalten des ORT in Ost- und Zenitraleuröpa gewendet. Die Verwaltung der ORT-Schule'' trifft bereits die technisch organisatorischen Vorbereitungen für die Eröffnung des Kurses. Sie hat sich (diesbezüglich mit der Leitung der ORT-Zentrale in Paris in Verbindung gesetzt. Das Problem der fachlichen Vervollkommnung gestaltet ©ich besonders schwierig In den kleineren Ortschaften, wo es keine Fachschulen gibt. Die Woche Berlin. Wie die „Nationale Rundschau" in Ulm berichtet, hat der Polizeidirektor von U1 m folgende Bekanntmachung erlassen: „Es herrscht noch die Unsitte, daß jüdische Viehhändler deutsche Bauern beim Viehhandel, namentlich aber auf Viehmärkten, mit „Du" anreden. Im Ansehen der deutschen Bauernschaft sehe ich mich genötigt, diese Unsitte zu untersagen und ich werde jeden jüdischen Viehhändler, der einen deutschen Bauern, Bäuerin oder deren erwachsene Kinder mit „Du" anredet, wegen groben Unfugs in Strafe nehmen." — Die „Tilsiiter Nachrichten" veröffentlichen einen Bericht einer Mitgliederversammlung der Fachgruppe Vermittlergewerbe, Ortsgruppe Tilsit. Es wird darin mitgeteilt, daß Juden durch Makler nicht bedient werden. Wer in dieser Hinsicht aus der Reihe tanze, werde aus der Fachgruppe verwiesen. Denn der Jude dürfe nicht an deutschem Grund und Boden beteiligt sein. Nürnberg. Am Rödertor der Stadt Rothenburg ob der Tauber wurde, wie die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, eine Tafel eingeweiht, die als Inschrift folgende® Wort von Gauleiter Julius Streicher enthält: „Die Weltgeschichte nennt die Namen der Völker, die am Juden zugrunde gingen. Ihr tragisches Ende ist eine furchtbare Mahnung für die Völker, die noch am Leben sind." Köln. Dr. Paul Moses, Mitbegründer und bisheriger erster Vorsitzender des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr in Köln, hat eine Berufung an ein Medizin-College in Kalifornien erhalten. Dr. Moses ist ein viel konsultierter Halsarzt und Spezialist für Kehlkopf leiden. Düsseldorf. Wie die ITA. meldet, ist der Jugendveirain Gabriel Ri e ß e r in Köln unter Aufrechterhaltung seiner Neutralität in jüdisch-weltanschaulicher Hinsicht aus dem Verband der jüdischen . Jugendyereine Deutschlands ausgetreten, anchdem der Verband sich zum Zibi^simis bekannt hat. Außerdem haben nunmehr die Jugendbünde in Aachen, Düsseldorf und Essen ihren: Austritt aus dem Verband erklärt. Warschau. Der Warr schauer Stadtrat hat beschlossen, eine Straße in Warschau nach Rabbi Bje - risch Meiisels, im Gedenken an seine Verdienste beim polnischen .Aufstand im .Jahre 1863, zu benennen, Jerusalem. Wie die arabische Tagespresse mitteilt,' wurden ' zahlreiche Personen, die bisher Waff enpässe hatten, aufgefordert, diese zurückzugeben. Die Pässe an Waffenbesitzer wurden nicht erneuert. — Auf das Gebäude des französischen Vizekonsulates in. Jaffa wurde von unbekannter Hand eine Bombe geworfen, die "nicht viel Schaden anrichtete. Dieser Anschlag dürfte mit den Unruhen 'in Syrien im Zusammenhange stehen. — Die arabische Tageszeitung „El Liwaa" teilt mit, daß die Palästina-Regierung 100.000 Pfund für den Ausbau eines Straßennetzes bewilligt habe, das die jüdischen Kolonien im Emek miteinander verbinden soll. Diese Arbeiten sollen im Laufe von vier Jahren ausgeführt werden. — Da® dieser Tage veröffentlichte Budget der Palästina-Regierung für das Verwaltungsjahr 1936/37 sieht für den Bau neuer Flughäfen in Lydda und Haifa einen Betrag von 200.000 Pfund vor. — Im Oktober 1935 sind im Hafen von Jaffa 85 Personen- und Frachtschiffe eingetroffen. Nach Haifa kamen in demselben Monat 148 Schiffe. Tel Awiw. Wegen Teilnahme an den Kundgebungen gegen den Legislative Council wurden acht Personen zu Gefängnisstrafen von einer bis zu acht Wochen verurteilt. New York. Nach dreiwöchiger Krankheit ist in New York der Chefredakteur des „Jewish Mornimg Journal", Peter Wiernik, einer der ältesten . ' jüdischen Journalisten Amerikas,, im Alter von 73 Jahren gestorben. Wiernik stammte aus. Wilna. 1885 kam er nach Amerika und übte seither den Journalistenberuf aus. -Er,; hat eine ^Geschichte der Juden in Amerika" verfaßt und war Mitarbeiter an der Je/wish Enzyklopaedia. ' England. Bericht an den Board of Deputies über die Neuregelung der Auswandererfürsorge durch den Völkerbund. London,. 16. Febr. In der am 16. Februar abgehaltenen Sitzung des Board of Deputies of British Jews wurde von dem Joint Foreign Committee ein Bericht erstattet, der sich u. a. mit der Neuregelung .der Auswandererfürsorge durch den Völkerbund befaßt. In 'dem Bericht wird hervorgehoben, daß die Beschlüsse des Völkerbundsrates zu dieser Frage zum Teil Anlaß zu Genugtuung bieten, zum Teil jedoch die Lösung wichtiger Teilprcbleme noch nicht in Angriff genommen, sondern sie der nächsten Tagung der Völkerbundsversammlung überlassen haben. Der Vorsitzende des Komitees für Auslandssammlungen, Joseph Melier, gab bekannt, daß der United Appeal for Polish Jewry bisher eine Summe von 33.728 Pfund erbracht habe. Ueber 8000 Zeichner haben zu diesem Sammelergebnis beigetragen. Es sei noch mit weiteren Spenden zu rechnen, durch, die das Sammelergebniis auf 50,000 Pfund erhöht werden würde. Als Nachfolger des vor kurzem zurückgetretenen Vizepräsidenten Abg. Sir ilsadore Salmon wurde Sir Robert Waley Cohen zum Vizepräsidenten des Board of Deputies gewählt. Gegen die Bedrohung jüdischer Geschäfte im Londoner East End. London, 13. Febr. In der am 13. Februar abgehaltenen Sitzung des Unterhauses gab Innenminister Sir John Simon auf eine Anfrage des Abgeordneten Erriest Thurtle, der den Wahlkreis S h o r e di t c h im Parlament vertritt, die Erklärung ab, daß eine Einschüchterung jüdischer Geschäftsleute im Londoner East End durch Faschisten von der Polizei nicht geduldet werden würde. Der Abgeordnete erklärte, jüdische Lädenibesitzer in Shoreditch seien der EinBchüchiterung^ durch die Faschisten ausgesetzt und in einzelnen Falten seien ihre Schaufenster zertrümmert worden. Er frage darum djen Innenminister, ob er dafür Sorge tragen wolle,''daß diesen Bürgern der volle Schutz des. Ger setzes zuteil werdle. - Sir John Simon antwortete, er habe sich mit dem hauptstädtischen PoMzeikommisisar in Verbindung gesetzt und von diesem /die Auskunft erhalten, daß die Angelegenheit die stärkste Aufmerksamkeit der Polizei in jenem Distrikt finde, wo von Zeit zu Zeit Beschwerden über provokatives Verhalten von Faschisten gegenüber Juden vorgebracht werden. Besondere Maßnahmen seien getroffen worden und würden weiter getroffen werden, um die: Ordnung in dem Distrikt aufrecht zu erhalten. Die Polizei werde in jedem Falle eingreifen, in dem die Notwendigkeit des Einschreitens hinreichend begründet, sei. •: Abg. Thurtle fragte sodann den Innenminister, ob er ihn davon überzeugen wolle, daß die in Ost-London allgemein herrschende Furcht, Gesetzesverietzungen würden von der Polizei nachsichtig behandelt, .ungerechtfertigt seien. \ Sir John Simon: Es ist nicht die geringste Be^ rechtigung hierfür vorhanden und ich bin dem :geehrten Mitglied des Hause® dafür dankbar, daß er mir Gelegenheit bot, ein glattes Dementi zu geben. Legislative Council, Bodenkauf, Einwanderung. London, 12. Febr. Die Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Wedgewood in der Sitzung des Unterhauses vom 12. Februar gab dem Minister für 'die Kolonien,, J. H- Thomas, Gelegenheit, die Stellung der engr tischen Regierung zum Plan des Legislative Council nochmals zu präzisieren. Minister Thomas bezeichnete die Vorschläge .dies High Commissioner,als einen echten. Versuch, die Bestimmungen; des' Balästina-r Mandats zu verwirklichen, und kündigte an,- daß die Einsetzung des Legislative Couöcü;. idurch (königliche Verordnung ohne vorherige yeröff,entMghüpg . eines Gesetzentwurfes erfolgen werde. Aus der, Beantwortung der Anfrage über die Einwanderungsvor^schriften