Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1936)
- Date
- 1936-02-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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20. Februar 1936 Der Israelit Nr. 8 Seite 9 sind auch aus der Tatsache zu entnehmen, daß gegenwärtig auf jede unterstützte Partei nur 1,9 Personen entfallen, während im -vergangenen Jahre noch 2,3 Familienmitglieder auf eine unterstützte Partei kamen. Die entsprechenden Zahlen schwanken auch in den einzelnen Berliner Bezirken. In Berlin-Mitte waren 2,3 Personen je unterstützte Partei, im Norden 2 und. im Westen nur 1,5. Insgesamt werden jetzt rund 7000 Einzelpersonen unterstützt, in 3700 Fällen zwei Personen, d. h. Ehemann und Ehefrau, in rund 2000 Fällen drei Personen und in 1000 Fällen vier Personen, also eine Familie mit zwei Kindern. Familien mit drei Kindern werden nur in 300 Fällen betreut, sechs Personen nur in 100 Fällen, in 50 Fällen sieben Personen (Familien mit fürif Kindernj1, in 10 Fällen eine Familie mit sechs Kindern. -Eine Familie mit sieben Kindern befinde sich nicht unter den Unterstützungsempfängern, dagegen vier mit acht Kindern, eine mit neun und zwei mit zehn. Verteilt worden sind an die Unterstützungsbedürftigen u. a. Lebensmittel, Kartoffeln, Kohlen, Brote und Pfundpakete. Im Jamiar wurde für eine Person ein Zentner Kohlen, ein Pfundpaket, ein Lebensmittelschein im Werte von 2 Mark und einem halben Zentner Kartoffeln ausgegeben. Im Februar werden zwei Zentner Kohlen, ein Pfundpaket und ein Lebensmittelschein ausgegeben. Für die Januar-Ration würde die ausgegebene Menge Kartoffeln 42 Güterwagen füllen. Die Menge der bisher verteilten 20.000 Zentner Kartoffeln, 70 Eisenbahnwaggons. Die Pfundspende hat bisher eine halbe Million Pfund Lebensmittel verteilt. 300.000 Brote sind bis jetzt verbilligt abgegeben worden. 100.000 Zentner Kohlen wurden verteilt und ca. 150.000 Lebensmittelscheine an die Bedürftigen ausgehändigt. Insbesondere hat man sich der sogenannten verschämten Armen angenommen. In 30 bis 35 Küchen, von denen die Winterhilfe allein zwanzig in eigene Regie übernommen hat, wird schmackhaftes Essen an die Bedürftigen verteilt, In der Organisation sind 5000 Personen ehrenamtlich tätig, rund 80 werden besoldet. Herr Gundersheimer betonte die hervorragende Arbeit all dieser Helfer und unterstrich nachdrücklich, daß die Gebefreudigkeit bisher erfreulicherweise unvermindert angehalten hat. Eine Besichtigungsfahrt führte die Vertreter der jüdischen Presse in eine Winterhilisküche, in eine Pfundspendenverteilungsstelle und eine Kleiderkammer der verschiedensten Bezirke Berlins. Kein Verkehr mit Juden, Köln, 13. Febr. „Der Neue Tag" in Köln veröffentlicht einen Aufsatz „Stoßtrupp deutscher Kunst", in dem mitgeteilt wird, daß unter dem Namen „Die Westfront" Anfang November v. J. durch den Reichskultursenator Gaukulturwart Kelter-Essen eine Arbeits- und Ausstellungsgemeinschaft westdeutscher Künstlergruppen geschaffen worden ist, der u. a. die „Rheinische Sezession" in Düsseldorf, „Die Schanze" in Münster, die „Weseler Kunstfreunde", .die „Mannschaft" in Ess.en, sowie andere Künstlergruppen und Künstlerpersönlichkeiten angeschlossen sind. Der Vorsitzende der „Westfront", Direktor Mankopf, machte in einer Pressebesprechung über die Zwecke und Ziele der „Westfront" und über eine im Sommer d. J. geplante Ausstellung Mitteilung. Neu in .der Geschichte der Künstlervereinigungen sei neben der weltanschaulichen Grundlage der Vereinigung im Sinne des. Nationalsozialismus die an die Mitglieder statutenmäßig gestellte Forderung, jeden persönlichen, gesellschaftlichen und auch geschäftlichen Verkehr mit Juden und Judenstämmlingen zu unterlassen. Aus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg, Hamburg,- 10. Febr. Der Vorstand und die Repräsentanten der Deutsch- Israelitischen Gemeinde in Hamburg haben beschlossen, die Gemeindesteuer für das Jahr 1936 auf 23 Prozent der staatlichen Einkommensteuer und 35 Prozent der Reichsvermögenssteuer festzusetzen. Nach dem Finanzbericht von Staatsrat a. D. Dr. Lippmann, dem Fiaanzreferenten der Gemeinde, schloß der vorjährige Etat mit RM. 885.000 ab. Nach- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Jerusalem. Die seit Monaten erwartete neue I n d u s t r i e z o 11-0 r d i n a n c e 'st nunmehr am 22. . Januar veröffentlicht und in Kraft getreten. Sie ist ein erster Schritt in der Richtung des systematischen Schutzes der sich entwickelnden palästinensischen Industrie gegenüber der internationalen Dumpingkonkurrenz. Die Zollerhöhungen halten sich in mäßigem Rahmen und übersteigen ihn allgemeinen nicht die Höhe von 25 Proz. des Warenwertes, in einigen Fällen gehen sie bis zu 40 Proz. Angesichts einer Dumpingkonkurrenz, die zu Preisen nach Palästina exportiert, die um die Hälfte und mehr unter den Produktions- und Verkaufspreisen der exportierenden Länder liegen, müssen sich diese Zollerhöhungen in einer Reihe von Fällen als unzureichend erweisen. Tel A w i w. Aus Rom wird Uns mitgeteilt, daß die italienische Regierung unter anderem jetzt auch palästinensische Effekten in Händen hat. Infolge des itaiienisch-abessinischen Krieges und der Sanktionen gegen Italien hat die italienische Regierung einen starken Devisenbedarf. Infolgedessen sind alle italienischen Bürger durch ein Gesetz gezwungen, nicht nur die in ihrem Besitz befindlichen Devisen, sondern auch ihre Anteile an ausländischen Unternehmen in Form von Aktien und Obligationen der Regierung abzuliefern. Von Seiten italienischer Juden, die am Aufbau Palästinas interessiert sind und über palästinensische Wertpapiere verfügen, sind diese an die italienische Regierung abgeliefert worden, Tel Awiw. Die Eisen- und Metallwarenfabrik S h n e e r s o n u. Co., die im Jahre 1931 gegründet wurde, stellt Schnitt- und Stanzwerkzeuge für Blechemballagen, Papierwaren und Kartonnagen, Bakelitwaren wie für andere Zwecke her. Sie erzeugt ferner Tür- und Fensterscharniere und -Schlösser in 12 Größen und Arten, die auch vernickelt und rostfrei hergestellt werden. Die im Lande gebrauchten Stanzen werden nahezu sämtlich im Inland hergestellt, der Bedarf an Scharnierbändern wird ebenfalls fast vollständig von der Fabrik gedeckt, soweit es sich um die hier produzierten Arten handelt. Lediglich vereinzelte Händler beziehen ausländische Dumpingware. Haifa. Bulgarien hat im Jahre 1935 zum ersten Male begonnen, Kartoffeln zu exportieren, obwohl die bulgarische Kartoffelernte nicht sehr groß und im Jahre 1935 auf rund 120.000 Tonnen stieg. In den vorhergehenden Jahren betrug sie nur rund 50—80.000 Tonnen. Di?. Ausfuhr setzte Ende Oktober 1935 ein, bis Ende November sollen 1206 Tonnen nach Palästina, Aegypten, in geringen Mengen auch nach dem Dodekanes und Malta exportiert worden sein. Die bulgarische Nationalbank fördert die Kartoffelausfuhr durch eine Erleichterung der Kompensationsvorschriften. Jerusalem. Unter dem Einfluß des wachsenden Kartoffelverbrauches seitens der europäischen Einwanderer befindet sich der palästinensische Kartoffelanbau seit dem Jahre 1933 in starker Abwärtsbewegung, die 1935 besonders starke Fortschritte gemacht hat. im Jahre 1935 hat eine Verdoppelung des Kartoffelanbaues stattgefunden. Jerusalem. Die Olivenölproduktion des Jahres 1935 beläuft sich auf 8818 Tonnen, in den beiden vorhergehenden sehr schlechten Olivenerntejaihren betrug die Olivenölproduktion mir 1329 bzw. 720 Tonnen. Jerusalem. Nach dem Bericht des> General Managers der von der palästinensischen Bahnverwaltung betriebenen Linien für das- Betriebsjahr 1934/35 hat der Güterverkehr im letzten Jahre die Höhe von 1 Million Tonnen überschritten. Von dem Rückgang der Bautätigkeit dürfte der Bahnverkehr erheblich betroffen werden. Jerusal em. Angesichts des immer mehr anwachsenden Passivums' der palästinensisc h^ syrischen Handelsbilanz zuungunsten Palästinas, über das in Palnews kürzlich im einzelnen berichtet wunde, sollen, wie mitgeteilt wird, die im Sommer 1935 aufgenommenen Verhandlungen mit Syrien fortgeführt und zum Abschluß gebracht werden. Die palästinensische Regierung strebt evtl. eine Erweiterung der Liste zollpflichtiger Waren, die bisher Alkohol, Streichhölzer, Tabak, Salz, Spielkarten umfaßt, an. bewilligt wurden für Schulen RM. 78.000, für andere Zwecke RM. 94.000 und mit noch notwendigen kleineren Nachbewilligungen wird die Gemeinde im Jahre 1935 insgesamt 1,045.000 Mark ausgegeben haben. Davon wurden ca. RM. 800.000 durch Steuereingänge gedeckt, wobei es interessant ist, daß am Aufkommen nur etwa 1500 Steuerpflichtige beteiligt waren, obwohl die Gemeinde annähernd 7000 Steuerpflichtige besitzt. Der Etat für 1936 hält sich im großen und ganzen an den Etat der vorangegangenen Jahre und schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1,142.000 RM., ist also um etwa 110.000 RM. höher als im Jahre 1935. Für die Reichsvertretung und den Ausgleichsfonds für notleidende Gemeinden sind RM. 35.000 eingesetzt, das Schulwesen erfordert 234.000 RM., der Kultus, der in Hamburg bekanntlich besonderen Kultusverbänden übertragen ist, einen Zuschuß von RM. 102.000. (Die drei Kultusverbände haben zusammen einen Etat von zumindesten in doppelter Höhe dieses Zuschusses). Ein weiterer großer Posten ist das Wohlfahrtswesen mit RM. 200.000, de Verwaltung erfordert RM. 157.000, das Bildungswesen RM. 38.000, die Finanzverwaltung mit Schuldentilgung u. ä. RM. 133.000. Die Repräsentanz hat ihre Beratungen über die Annahme dieses Etats, der jedoch im allgemeinen von den Sprechern aller Parteien zugestimmt wurde, noch nicht beendet. Der Israelitische Begräbnisplatz Altona-Langenfelde, der die Begräbnisstätte eines Teils der Hamburger Orthodoxie ist, hat einen Gedenkstein für die Gefallenen des Weltkrieges aufstellen lassen, die entweder auf dem Friedhof beerdigt liegen, oder nächste Familienangehörige der Mitglieder der Träger dieses Friedhofes, sind. Die Tafel enthält 23 Namen von Gefallenen, von denen sieben auf dem Friedhof selbst liegen. Von einer Feier anläßlich der Anbringung der Tafel wurde auf Wunsch der Angehörigen abgesehen. Polen. Urteil im Lodzer Prozeß. Warschau, 11. Febr. In dem großen Prozeß, der in Lodz gegen eine Reihe von Angeklagten geführt wurde, die beschuldigt waren, zahlreichen Juden, die illegal nach Palästina einwandern wollten, unter dem Vorwaild, ihnen dazu verhelfen zu können, Geldbeträge , herausgelockt zu haben, ist das Urteil gefällt worden. Der Hauptangeklagte, Chanachowicz, wurde zu drei Jähren, der „Kapitän" des Schiffes „Wanda", das die Opfer des Betruges nach dreitägiger Fahrt statt nach Palästina wieder in den Hafen Gdingen zurückbrachte, zu acht Monaten Gefängnis und Schadenersatz verurteilt. Abraham Stavsky wurde freigej sprochen, nachdem der Staatsanwalt erklärt hatte, ] die Anklage gegen ihn nicht aufrecht erhalten zu können. Auch zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen, da es sich herausstellte, daß sie in gutem Glauben gehandelt und keine gewinnsüchtigen Ziele verfolgt hatten. Die Geiahren des Schächtverbots in Polen. Warschau, 13. Febr. An der anläßlich der Einbringung eines Gesetzentwurfs gegen die Schechita am 13. Februar nach Warschau einberufenen allpolnischen Rabbinerkonferenz, an der 70 führende Rabbiner aus dem ganzen Lande teilnahmen, legte feierlich Verwahrung gegen dieses Geselzprojekt ein, das als* ein direkter Angriff auf die jüdische Religion bezeichnet wurde, der Entrüstung und Bestürzung unter der polnischen Judenheit hervorrufe. In der Resolution wurde auch zum Ausdruck gebracht, daß dieses Gesetz ein Unglück für die polnische Landwirtschaft sei. Am kommenden Donnerstag sollen in allen Synagogen der Welt Gebete um Abwendung der Gefahr eines SchächtVerbots in Polen gesprochen werden. Sollte das Gesetz im Sejm beschlossen werden, so wird dieser Tag als Fasttag proklamiert werden. Die Mehrheit der Versammlung trat auch für die Einhaltung eines Trauermonats bei Enthaltung von Fleischgenuß ein. Der Abgeordnete Minzberg hat sich vergeblich bemüht, eine Vertagung der Gesetzesvorlage herbeizu- /