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Der Israelit · 1936-02-20 · Heft 8 (20.2.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 8 (20.2.1936)
Date
1936-02-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 8 Der Israelit 20. Februar 1936 geula, dem Beginne der Erlösung, darf man gewiß reden; wenn aus dem Lebenskampf und der Bewegung des Judentums der Zeit die geschilderte Erkenntnis hervorgeht, die in der Parole wurzelt: Mit der Bundeslade über Zion geht unser Weg durch die Welt, geht unser Weg durch die Geschichte. Davon muß die Tatsache „Volk im Aufbruch, Diaspora in Bewegung" ausgehen und darin muß sie münden, dafür müssen Entschlossene hervortreten und Beherzte sich finden. Dafür brauchen wir den Einsatz von Kräften und Menschen. Wir brauchen die aufgeschlossenen Menschen, dieser vollen und ursprünglichen Synthese. Wir brauchen sie hier und brauchen sie drüben. Wir benötigen sie als Fahnenträger des wahrhaft Geschichtlichen im Judentume, als Wächter der Ehre, Würde und Größe Israels, als Gerüstete für den geistigen Kampf 'unseres Volkes, als Bürgschaft für Israels ungebrochenen Bestand. Sie rufen wir auf den Plan. Kommt, Korrespondenzen. Deutsches Reich. Juden in Volks- und Mittelschulen. Frankfurt a. M., 12,-Febr. In Heft 2 des „Amtsblatts des Reichs- und Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der Unterrichtsverwaltungen der anderen Länder" vom 20. Januar ist eine statistische Mitteilung über die Volksschulen und die mittleren Schulen in Preußen nach dem Stande vom 24. Oktober 1934 und vom 15. Mai 1935 erschienen, die interessante Tabellen und Berechnungen über den. Stand des Volksschul- und Mittelsehulwesens enthält. In dieser Statistik sind auch Angaben über jüdische Schulen und jüdische Schüler enthalten. Es gibt in Preußen im Schuljahr 1935/36 (Stichtag: 15. Mai 1935) 32.742 öffentliche Volksschulen, in denen insgesamt 4 908 852 Kinder unterrichtet werden. Von diesen Volksschulen sind 43 jüdisch, d. h. 0,1 Prozent. Unter den vollbeschäftigten 77 220 Lehrern sind 94 Juden, d. h. 0,1 Prozent, unter 26 325 vollbeschäftigten Lehrerinnen sind 24 Jüdinnen, d. h. 0,1 Prozent. Insgesamt sind im öffentlichen Volksschuldienst 118 jüdische Lehrpersonen tätig. Diejenigen Lehrkräfte, die nicht an jüdischen Schulen tätig waren, sondern auf Grund der Ausnahmebestimmungen des Berufsbeamtengesetzes vom Jahre 1933 im Amte verblieben sind, sind nunmehr gemäß den Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen ausgeschieden. Die Zahl der jüdischen Schulkinder beträgt 14 537. Sie bilden also bei 4 908 852 Schulkindern insgesamt einen Hundertsatz von 0,3. Die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen ist vom 24. Oktober 1934 bis zum 15. Mai 1935 von 16 331 auf 14 537, also um 1794 zurückgegangen (Auswanderung, UeberganjJ in neugegründete private jüdische Volksschulieni). Zu Beginn des Schuljahres 1935/36 sind 28 private jüdische Volksschulen unter insgesamt 290 privaten Volksschulen festgestellt worden; im Vorjahr waren es 25 Anstalten. Die Schülerzahl der jüdischen privaten Volksschulen betrug 7276 und hat seit dem 24. Oktober 1934 (4865) um 2411 zugenommen. Insgesamt werden in Preußen in 71 jüdischen Volksschulen 21 813 jüdische Kinder unterrichtet. In öffentlichen Mittelschulen waren unter 165 069 Schulkindern 2172 jüdische (2104 in Mittelschulen und 68 in Rektoratsschulen), d. s. 1,3 v. H. In privaten mittleren Schulen waren unter 30 497 Schulkindern 1030 jüdische (172 in Mittelschulen, 376 in Rektoratsschulen und 482 in sonstigen Anstalten), d. s. 3,4 v. H. Insgesamt waren in öffentlichen und privaten Mittelschulen 3202 jüdische Schulkinder. Zu Beginn des jetzt ablaufenden Schuljahres wurden 25 015 jüdische" Kinder in Volks- und Mittelschulen unterrichtet. (Nach eimeniN Aufsätze von Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M.|) ^».!*.''jp?5^>ü^iä^^^^^ und haltet Wacht am Judentume, 'haltet aufrecht jüdische Bewegtheit und haltet die Bewegtheit jüdisch. Sorgt, daß unser Volk im Aufbruch bleibt, in warmer Spannkraft jüdischer Tat. Denn ein großes, vielleicht das Größte, gilt es jetzt zu vollbringen, zu beweisen, 'daß Israel trotz aller Einengung lebt. Mag uns von der Zeitwelle manches angehängt und vieles bestritten werden, eines soll nicht sein, eines soll man von uns nicht behaupten können, daß Israel im Abstieg begriffen ist und geistig und tatkräftig nicht mehr im vollen Maße lebt. Zeigen wir, daß sich das Judentum, aus Niedergang und Sorge, wie neu verjüngt zu erheben weiß, und mit Kraft und Schwung seine Bahn beschreitet. Beweisen wir, daß wir ewig sind und ewig bleiben wollen, G'ttes erwählte Volk des Lebens, das nimmer stille steht in seiner Laufbahn, sondern rüstigen Schrittes voransahreitet, denn, trotz allem und allem, unser Judentum, es bewegt sich doch! Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Berlin, 13. Febr. Der Präsidialausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat in seiner letzten Sitzung zwei Projekte geprüft, die dm Dienste der Auswanderung stehen sollen: die in Aussicht genommenen Neugründungen der „Jüdische Auswanderungsschule" und „Handwerkliches Lehrzentrum zum Gedächtnis von Ludwig Tietz", das in Palästina geschaffen werden soll. Der Präsidialausscbuß hat seine Zustimmung zur Inangriffnahme beider Projekte gegeben und die Unterstützung beider Vorhaben aus Mitteln des Berufsumschichtungsetats beschlossen. Berlin, 14. Febr. Vom Aerztedezernaf der Reichsvertretung erhalten wir die beiliegende Notiz mit der Bitte um Weifergabe: In der ITA. vom 6. Februar befindet' «ich der Abdruck einer Notiz aus der Jüdischen Allgemeinen Zeitung vom 5. Febr. betr. „Jüdische Kliniken". Ganz abgesehen davon, daß der Inhalt der Notiz, soweit er die Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde betrifft, nicht ganz zutrifft, erscheint eine Veröffentlichung über die Frage der jüdischen Kliniken im gegenwärtigen Augenblick unangebracht, da die Verhandlungen mit den Dienststellen der Kassenärztlichen Verenigung noch nicht abgeschlossen sind. Bei dieser Gelegenheit weisen wir darauf hin, daß in neuerer Zeit 'die Anzeigen jüdischer Aerzfe in' der jüdischen Presse nicht immer den Vorschriften entsprechen, die von den zuständigen ärztlichen Dienststellen darüber ergangen sind. Danach ist es unzulässig, andere Facharztbezeichnungen zu wählen, als sie vorgeschrieben sind und Zusätze über Kassenzulassung und dergl. hinzuzusetzen. Die zulässigen Facharztbezeichnungen wurden seinerzeit mitgeteilt. Die Berliner Gemeinde zum Mord von Davos. Berlin, 13. Febr. In Nr. 6 des Gemeindeiblatte« der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war eine Erklärung enthalten, in der die schärfste Verurteilung des an dem Landesgruppenleiter der NSDAP in der Schweiz, Wilhelm Gustloff, verübten Mordes ausgesprochen wird. Auf Veranlassung des Gemeindevorstandes ist in den Sabbat-G'ttesdiensten der vergangenen Woche auch von den Kanzeln herab der Abscheu vor der Tat nachdrücklich bekundet worden, die in unüberbrückbarem Gegensatz zu den Lehren der jüdischen Religion, wie zu der Ethik des Judentums steht. Reichsminister Dr. Frank zur Judenfrage, Berlin, 13. Febr. Wie die deutsche Presse berichtet, hat Reichsminister Dr. Frank in Warschau vor dem Ausschuß für zwischenstaatliche geistige Zusammenarbeit über die deutsche Gesetzgebung gesprochen. Er zählte die Gesetzgebungswerke des Nationalismus auf den Gebieten der Rasse, des Bodens, des Staates, i der nationalen Ehre und nationalen Arbeit auf. Er beseitigte insbesondere die vielem Mißverständnisse auf dem Gebiete der Rassengesetzgebung durch die Erklärung, daß es -sich nicht um eine Haßgesetzgebung gegenüber dem Judentum, sondern ausschließlich um eine im Wege des Rechtes und im Rahmen der Rechtsordnung durchgeführte Sicherungsmaßnahme für die rassischen Url^räfte des deutschen Volkes gegenüber der Zerstörung dieses für die Volksgestaltung allein wesentlichen Blutkerns durch rassefremde Elemente handle. Aus der Berliner Repräsentanten-Versammlung. Berlin, 11. Febr. Die ITA. erhält den folgenden Bericht über die am 28. Januar stattgefundene Repräsentanten-Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde: Die Neuwahl des. Präsidiums der Versammlung, die für das Jahr 1936 vorgenommen wird, ergibt einstimmig Wiederwahl der bisherigen Prä&icüumsmitglieder. In einer längeren Debatte wird die Vorlage betreffend Neuwahl zweier Vorstandsmitglieder erörtert. Während die Vertreter des Jüdischen Volksbundes und .der zionistischen Fraktion fordern, die Ergänzung des Vorstandes durch Wahl zweier zionistischer Herren, zumindest die Nachwahl für Herrn Dr. Hirsch, die in keinerlei Zusammenhang mit dem. Kompromiß steht, noch in dieser Sitzung vorzunehmen,. Schlagen die * Vertreter der Religiös-Liberalen Fraktion vor, da nicht eindeutig klar sei, ob auch alle Gruppeo der Gemeinde noch zu dem Kompromiß^ stehen, einen Ausschuß einzusezten, der die Wahl der beiden Vorstandsmitglieder vorbereiten, und Fragen), die sich bei der Erfüllung des Komproimsses ergeben' haben, klären soll. In der Abstimmung wird beschlossen, diesen Ausschuß einzusetzen, die Fraktionsführer werden insgesamt fünf Herren benennen. Die Versammlung setzt ferner einen Ausschuß ein, der Richtlinien für die Bewilligung von Subventionen, insbesondere für die Gewährung von Bauzuschüssenaufstellen soll. Angestellte in jüdischen Geschäften. Berlin, 7. Febr. Im Informationsdienst der Deutschen Arbeitsfront wird über den Erfolg von Bemühungen berichtet, die zugunsten von Angestellten jüdischer Betriebe unternommen worden sind. Tausenden im Einzelhandel tätigen Männern und Frauen habe der Arbeitsplatz dadurch erhalten werden können, daß die Betriebe in den Besitz von Ariern überführt worden seien. Aus einer Reihe von Einzelbeispielen, die angeführt werden, sei erwähnt, daß von einer jüdischen Firma in Hannover berichtet wind, sie habe beabsichtigt, im August nach und nach dem Personal zu kündigen und dafür jüdische Gefolgschaftsangehörige einzustellen. Auf die Einwände der Redchsbetriebsgemeinschaft „Handel" der Deutschen Arbeitsfront hin habe sie sich zunächst nicht bewegen lassen, von einer- Kündigung abzusehen und sei sogar zur Entlassung: eines Schwerkriegsbeschädigten geschritten. Nachdemi wegen der Erregung der Bevölkerung der stellvertretende Betriebs>führer habe in Schutzhaft genommen werden müssen, sei erreicht worden, daß später die Firma in arische Hände überfuhrt worden sei. Heute würden von dieser Firma 20) Gefolgschaftsangehörige mehr beschäftigt. Die Arbeit der Jüdischen Winterhilfe. Berlin, 6. Febr. In einer Pressekonferenz gab der Leiter der Jüdischen Winterhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde, Herr G u n d e r s h e i m e r, einen U eberblick über die Arbeit, die die Berliner Jüdische Winterhilfe seit ihrem Bestehen in der Betreuung der Bedürftigen geleistet hat. Während im Dezember in Berlin noch 25.000 Personen unterstützt wurden, ist die Zahl der Bedürftigen gegenwärtig auf 27.000 gestiegen, was einen wichtigen Rückschluß auf die gegenwärtige Lage der jüdischen Bevölkerung Berlins gestattet. Wesentliche Folgerungen in Bezug auf den Altersaufbau und den Rückgang der jüdischen. Kiniderzrahl

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