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Der Israelit · 1936-02-20 · Heft 8 (20.2.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 8 (20.2.1936)
Date
1936-02-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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20. Februar 1936 Der Israelit Nr. 8 Seite 5 du aufzuweisen. Es hilft nichts: Entweder Nachbrocho über die Einheit des Judentums, den Schulchan Aruch und über die Schechita. Oder, aber eine Brocho vorher, und dann in Demut Wochenrundschau, Neue Wolken. Der Adar-Neumond, der neue Frühlingshof inung in das jüdische Herz gießen soll, trifft die Judenheit in diesem Jahre in tiefster Bedrängnis und Sorge. Zu den alten Nöten kommen immer neue hinzu, auch in den Ländern, in denen die politische Stellung der Juden bisher relativ unangefochten oder jedenfalls unangetastet war. Das hervorstechendste Faktum in dieser Weiterentwicklung der jüdischen Tragödie ist der Schächtverbot-Antrag im polnischen Sejm, der darauf ausgeht, Millionen unschuldiger Menschen in schwerste Gewissensnot zu versetzen, ihnen ein lebensnotwendiges Nahrungsmittel zu entziehen und die fadenscheinigsten Argumente nicht scheut, um diesem Attentat auf die Gewissensfreiheit das Mäntelchen aller möglichen humanitären, religionsgeschichtlichen, ökonomischen Erwägungen umzuhängen. Die Urheber dieses Antrages schämen sich nicht einmal, der Welt das Märchen zu erzählen, die Schechita, dieses grundlegende, zentrale Gesetz, das den Mittelpunkt des gewaltigen Systems der physiko-diätetischen Ethik des G'ttesgesetzes bildet, sei überhaupt keine. Ritualvorsohrift, sondern nur ein alter Brauch. Koscher bedeute nur „rein". Man gibt sich darüber hinaus den Anschein, als glaube man, es bedürfe eines Verbotes der Schechita, um evtl. die nichtjüdische Bevölkerung Warschaus von den angeblich allzuhohein Fleischpreisen zu emanzipieren, während es bei halbwegs ehrlichem Wollen' ein Leichtes wäre, diese rein wirtschaftliche Frage ohne jeden Eingriff in das Gebiet der religiösen Gewissensfreiheit zu losen. Gerade diese Tatsache drängt dem ausländischen Beobachter die Befürchtung auf, daß es nicht; Denn sechs Tage habe ich, G'tt, gebildet . . . und ich ruhte . . . habe ich, G'tt, gesegnet. Und der Schluß von Vers 12 lautet nicht „auf dem Boden, den ich, G'tt, dein G'tt, dir gebe" sondern „den G'tt, dein G'tt, dir gibt." Auf diesem Wechsel der ersten und dritten Person beruht der Ausspruch unserer Ghachomim: ('n r.min n*3 man) omnv miaan >db -f? ">rv> aVi "Ois Die ersten zwei Gebote ■»33« und *jV '»n» s> hörte das ganze Volk von G'tt, die übrigen Gesetze hingegen von Mos ch e. Im Gegensatz zu diesem Ausspruch scheint aber folgender Vers An Dworim Kap, 5, Vers 19 zu stehen: „Diese Worte sprach G'tt zu eurer ganzen Versammlung auf dem Berge aus dem Feuer, dem Gewölk« und dem Wolkendüster, eine große Stimme und reichte nicht weiter, und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln und gab sie mir/' Mit diesem Satz, der dort unmittelbar auf die JmSTn m»y folgt, wird ausdrücklich gesagt, daß G'tt alle Gebote, die Er auf die steinernen Tafeln schrieb, zum ganzen Volk gesprochen hatte. Der Unterschied zwischen *fi "W sbl 'SIS und den anderen Geboten kann daher vielleicht folgender sein: Nicht nur, daß Israel den Wortlaut der ersten zwei Gebote aus dem Munde G'ttes hörte, sondern im selben Augenblick war es auch fähig, deren Bedeutung zu verstehen, - ohne auf ein« Interpretation von Mosche angewiesen zu sein. Dies ist der Sinn des Ausspruchs 'D i i y n v miaan 'an "p "rr j6i diese Gebote verstanden sie, sofort als sie dieselben aus dem Munde G'ttes vernahmen. Auch die übrigen rirtti hörten sie von G'tt, aber Mosche mußte ihnen die Erklärung dazu geben. S. Sp. geschwiegen und akzeptiert, was alle Zeit im Judentum rechtens gewesen. Sonst läuft man Gefahr,, statt parteibefreites Judentum judentumbefreite Parteiung zu predigen. sich bei dem ganzen Vorstoß der-Abgeordneten P y s t o r um weit mehr ihandelt als um eine „Tierscihutz"-Aktion, oder eine wirtschaftliche Miäßnahme, daß vielmehr das Signal gegeben werden soll zu einer grundsätzlich antijüdischen Wendung der polnischen Innenpolitik, der man bisher das redliche Bemühen um Wahrung der jüdischen Gleichberechtigung nicht absprechen konnte. Der fortdauernde Terror gegen die jüdischen Studenten in Lemberg — Hunderte von jungen Menschen sind dort vor Universität und Polytechnikum in den letzten Wochen mißhandelt und verwundet worden —, die moralische Mißhandlung durch die geniale Erfindung der Universitäts-Ghettos, der Pogrom in Zagorow, die sonderbaren Gerichtsurteile, die Licht und Schatten höchst ungleichmäßig auf die Verfolger und die Verfolgten, wenn sie sich wehren, verteilen — das alles sind Symptome höchst beunruhigender Natur, > Nicht viel besser lauten die Nachrichten aus Rumänien, wo Gesetzgebung und Verwaltung keineswegs den festen Willen zeigen, die verfassungsmäßigen und menschlichen Rechte der Juden mit jener eindeutigen Entschiedenheit zu schützen, die allein gegenüber den Elementen des organisierten Judenhasses Erfolg verspricht. Auf Einzelheiten möchten wir im Augenblick nicht eingehen. Man hört, daß der französische Außenminister die Anwesenheit seines rumänischen Kollegen in Paris benutzt hat, um iihm das Schicksal der rumänischen Juden ans Herz zu legen. Auf der anderen Seite haben sich die beiden größten jüdischen Parteien in Rumänien zur Bildung eines obersten Rates für die Verteidigung der jüdischen Rechte zusammengeschlossen. Die thoratreue Judenheit wird in dieser Not Herz und Auge zu ihrem Vater im Himmel emporrichten, dessen Hand sie in jeder Zuspitzung und Verschärfung der Golusgeschiohte erst recht wirksam erblickt, und die Aufforderung der polnischen Rabbinen, sich zu einem Taanis Zibb u r der ganzen jüdischen Welt, vor allem aber zu dem Werke einer aufrichtigen T e - s c h u w o zusammenzufinden, sollte überall ein lebendiges Echo finden. Sidra-Anleitung für die Esra-Pirche Agudas Jisroel. n»iih Die genaue Schilderung jedes einzelnen Teiles des!3B?a hat ihre Bedeutung nicht als historischer Kunetbericht. Was sagen uns derartige Stellen des »mn? Nimm den Satz 25, 8 ornna vusffi vipn 'V it«n zum Ausgangspunkt der Behandlung der Bedeutung und Stellung des pvn für Jisroel. Bei den anderen Völkern ist ein Heiligtum der Gesamtausdruck und Mittelpunkt einer von dem Haus- und Privatgötzen oder Glauben losgelösten gemeinsamen Glaubensidee. Dieser Zentralausdruck gemeinsamen religiösen Wollens verliert aber, obwohl er zumeist nationalen Charakter trägt, dadurch an Bedeutung, daß jeder Einzelne außer seinem Hausg'tte noch die Möglichkeit eines seinem Berufe oder Veranlagung nahestehenden G'ttes hat. Die Vielgötterei der Heiden macht es also unmöglich, daß ein einem G'tte geweihtes Heiligtum zum Mittelpunkt des nationalen Lebens wird. Der Monotheismus ist also , ein Grund der Bedeutung des Reichen aber derartige Grunde zur eigentlichen Erklärung der Bedeutung aus? Der Vers 25, 8 zeigt deutlich die 10fr die G'tt Jisroel dadurch erweist, daß er — allerdings abhängig von ttnp» ">b UMtt — bewußt und real in seiner Mitte weilt und einen Ort ermöglicht, an dem das ganze Volk ihm nahe sein kann. Erkläre hier die Bedeutung der n^ai und des Weißwerdens des roten Fadens am "flss dv im Zusammenhang mit. der Offenbarung des g'ttlichen Willens im mz?n. Die Zerstörung des Tempeis ist da© äußere Zeichen des Bruches der realen Beziehung zwischen G'tt und seinem Volke. Erkläre auch hier die Untrennbarkeit von Religion und Nation im Judentum. Die Ansiedlung der Assyrier. In der Frage der assyrischen Absiedlung, über die wir unsere Leser während der letzten Monate auf dem Laufemden gehalten haben, fand diese Woche eine nach mehreren Richtungen auch für uns Juden bemerkenswerte Aussprache im englischen Oberhaus statt. Der Erzbischof von Canterbury und später der RegierungsVertreter Earl Stanhope machten dabei zunächst interessante Mitteilungen über die Finanzierung des Unternehmens. Es handelt sich um die Ansiedlung von 21.000 Menschen auf einem im französisch-syrischen Mandatgebiet liegenden Territorium. Die Kosten waren auf Lst. 1.220.000 veranschlagt; zu deren Deckung tragen England Lst. 250.000, Irak ebensoviel, Frankreich Lst. 380.000 und der Völkerbund Lst. 86.000 bei. Schließlich erhöhte sich die Zahl der in Betracht kommenden Siedler noch ein wenig und für jeden Kopf mehr sind weitere Kosten von Lst. 13,7 in Anschlag zu bringen. Es bleibt ein Defizit von Lst. 180.000 übrig, das zum größten Teil durch Anleihe gedeckt werden soll. Ein Rest von Lst. 50.000 soll auf dem Wege des öffentlichen Aufrufs durch Spenden aufgebracht werden. Gegen diese Absicht wendete £ich in der Debatte Lord C e c i 1 in scharfen Worten und erklärte es für „schmutzig" wegen Lst. 50.000 die Werbetrommel in Bewegung zu setzen, statt daß die Regierung diesen Betrag noch drauflegt. Es hat den Anschein, als ob dieser Anregung auch entsprochen wird. Es ist raun allerdings nicht zu verkennen, daß der Fall der Assyrer seiner ganzen Eigenart nach eine besondere moralische Verpflichtung Englands, Frankreichs und des Völkerbundes, insbesondere auch der Irak-Regierung in sich birgt, denn die Assyrer wurden zunächst das Opfer ihrer freundschaftlichen Beziehungen zur Entente im Krieg und man hat ihnen alsdann auch von dieser Seite wiederholt Zusicherungen auf Hilfe und Rettung gemacht. Aber wie dem auch sei: sollte es nicht endlich einmal soweit kommen dürfen, daß der Völkerbund und die in ihm maßgebenden Großmächte sich zu dem Gedanken aufschwängen, auch dem heimatlosen jüdischen Volke in seiner unvergleichlichen Not nicht nur mit Sympathien, sondern auch mit materiellen Mitteln zu Hilfe zu kommen? Der Bericht der Sachverständigenkommission des Völkerbundes an den Rat in Sachen des neu zu besetzenden Hochkommissariats für die Flüchtlinge läßt bisher keinerlei Ansätze zu einer solchen Entwicklung erkennen, ja, er ist vom Rate selbst in allen Punkten, in denen es sich qarpV"* Von Benzion Rachelsohn in Frankfurt a. M, »Und Er, G'tt, möge dir \ti Gunst gewähren". — So schließt der mittlere Vers des Priestersegens. ]n oder Gunst ist ein Machtfaktor, dem sich Fürsten und Könige beugen und ganze Nationen unterordnen. Als Königin Ester unaufgefordert vor ihrem Gatten, dem König Achaschwaurausch, erschien und dadurch ihr Leben aufs Spiel setzte, so war es das ihr von G'tt verliehene |H» das den König veranlaßte, ihr das goldene Szepter zu reichen und sie dadurch am Leben zu lassen. Und als das jüdische Volk nach Beendigung seines ägyptischen Exils, gemäß dem unserem Stammvater Abraham von G'tt gemachten Versprechen, mit großem Reichtum aus dem Lande ziehen soll, dann war es wiederum das n Israels, das das ägyptische Volk über Nacht von Judenfeinden — vgl. "»isn lTip>'»l — iu Judenfreunde verwandelte und zwar dergestalt, daß es den Juden bereitwillig seine Gold- und Silberschätze zur Verfügung, stellte. Will man aber wissen, wie diese in-Wirkung vonstatten geht, wie sie sich vollzieht, so sehe man sich den Vers IL 12. 36 näher an. Derselbe lautet: ina'm 'inD5nin„Und G'tt gab die Gunst des Volkes — Israels — in die Augen der Aegypter usw." in ist also nicht bloß ein holder Kranz von Liebe und Anmut, der den Schutzbedürftigen schmückt, sondern es bedeutet zugleich einen sogenannten Eingriff — S. D"nn *vm zu I. 39. 21 — in das Auge des Gegners, nämlich in das Auge Desjenigen, vor ,dem der Betreffende Schutz sucht. Mit dem Lebenselement, das der Mensch immer wieder von neuem aus G'ttes

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