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Der Israelit · 1936-02-20 · Heft 8 (20.2.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 8 (20.2.1936)
Date
1936-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelit 20. Februar 1936 rim auf Jesohiwatts, für Beruf sums chiohtung auf gebracht; eine Talmud Thora-Schule mit 30 Kin dem und zwei Lehrern wird von ihr unterhalten In Auswirkung der auf der Delegiertentagung erhaltenen Anregungen bat die Ortsgruppe derAgudas Jisroel Karlsruhe einen Schiur eingerichtet, der unter diem Motto: „Thora und Mussar als Geistesbewegung der Agudas Jisroel" zur vertieften Betrachtung dieser uralten und immer aktuellen geistigen Richtung hinführen will. Einleitend gab Herr Rabbiner Dr. M i - cbalski den Mitgliedern der Ortsgruppe Frauengruppe und des Noar Agudati einen geschichtlichen Ueberblick, um dann aus dem *iso D'Tin eine Auswahl der Mussargedanken anzuschließen. Die mit großem Ernst die Einzelner ten klärende Diskussion zeigte, wie sehr dieser Schiur dem Interesse der Teilnehmer entsprach Die Agudas Jisroel Köln (Orts- und Jugendgruppe) leitete ihren Besprechungsabend mit einer Ansprache des Herrn Rabbiners Dr C a r 1 e b a c h ein, die dem Andenken des leider so früh verstorbenen Jugendführers Dr. Lutz Feilchenfeld b"l gewidmet war. Anschließend referierte Herr Rabbiner Dr. Stein über die Frankfurter Tagung, Herr Jakob Posen, Sieg bürg über Blankenese. Seit einem Jahr besteht in München wie der eine Agudas Jisroel-Ortsgruppe, die inner halb kurzer Zeit eine stattliche Anzahl Mitglieder zählte. Das Lernprogramm soll demnächst erweitert werden, den bisherigen Vortragsabenden noch weitere folgen, soweit es möglich sein wird. Das Referat über den Delegiertentag übernahm Herr Martin Bamberger, an das sich eine interessante Kulturdebatte anschloß. In sehr geistvoller und wirksamer Rede setzte Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu auseinander, daß ' der Begriff des Rabbiner Hirsch'schen "pT ein durch die Zeiten wandelbarer sei. Die Förderung des *]*n bleibe bestehen, nur sei sie in den vergangenen Jahrzehnten von ganz anderer Art und Bedeutung gewesen als heute. So sei auch in Erez Jisroel das Problem anders zu lösen als in der Gola. Mit diesem Ausspracheabend war zugleich die Generalversammlung mit Rechenschaftsbericht verbunden. Es wurde dabei besonders der Jugend für ihre rege agudistische Sammeltätigkeit und Mithilfe gedankt. Der Vorsitzendeder Ortsgruppe Nürnberg, der zugleich Delegierter auf der Frankfurter Tagung war, erstattete in einem ausführlichen Referat Bericht über den Delegiertentag. Die daran anschließende Aussprache gab Gelegenheit, auf die verschiedenen agudistischen Institutionen hinzuweisen, so auf das Landkinderheim Beth Neorim in Frankfurt. Es wurde auch für Nürnberg der Gedanke eines Knabenheims für die schulpflichtige Landjugend eingehend erwogen. Es konnte jedenfalls festgestellt werden, daß die Bemühungen um eine Aktivierung der agudistischen Arbeit auf Seiten der Mitglieder lebhaften Widerhall fand. Von der Vorstandsohaft wurde beschlossen, eine planmäßige Aktion zur Werbung neuer Mitglieder in die Wege zu leiten. Im Januar sprach vor Orts- und Jugendgruppe Herr Rabbiner Dr, P, K o h n , Ansbach, über die dritte Kenessio Gedaulo. Nach einem geschichtlichen Rückblick über die große Bedeutung der ersten und zweiten Kenessio Gedaulo erweist der Redner die gewaltige Aufgabe, die der kommenden Kenessio Gedaulo gestellt ist. Ferner hielt Herr Rabb. Dr. Elie Münk, Ansbach, ein sehr interessantes Referat über die Jugendtagung in Blankenese. Seine Ausführungen über die eindeutige agudistische Haltung dieser Jugend, deren Führern wir volles Vertrauen entgegenbringen können, sowie die Darlegungen über den Weg der Verinnerlichung, den die Jugend sucht, hinterließen bei den Zuhörern stärksten Eindruck. Der Schächtverbotsantrag in Polen. Neuester Bericht. Ueber das Projekt, die Scthechitah zu verbieten, erfährt man noch weiter, daß das Gesetz für ganz Polen am 1. Januar 1937 in Kraft treten soll. Uebertretung der Vorschriften zieht eine Gefängnisstrafe von drei Monaten oder Geldstrafe bis zu 3000.— Zloty nach sich. Unter vielen anderen Unsinnigkedten in der Begründung des Projektes wird gesagt: ,,Die jüdische Bevölkerung kann sich mit Koscherfleisch auf zwei Arten versorgen: entweder durch das rituelle Schächten oder auch durch nichtrituelles Schächten, wenn das Fleisch nachträglich geporscht (von den Adern gereinigt) wird." Es werden weiter 'die sozialen und finanziellen Schäden geschildert, die angeblich durch den Vertrieb des Koscherfleisches aus geschächteten Tieren den Landwirten und der Bevölkerung entstehen. Auch wird behauptet, daß durch die Schächtgebühren für Kosciherfleiscb den jüdischen Gemeinden große Vorteile auf Kosten der Gesamtbevölkerung entstehen. Der Bildungsminister, Prof. Schwintosläwski, empfing eine Delegation jüdischer Parlamentarier, zu der auch Trocken heim und Minzberg gehörten. Der Minister versprach, der Schächtangelegeniheit sein größtes Interesse zuzuwenden. Er hoffe auch, daß die Unruhen an den Universitäten bald zu Ende gehen. Eine (dringende Depesche der Agudath Harabbanim ging an das Central R e Ii e f in Amerika ab, in der auf die Gefahr des Sahächtverbotes in Polen und auf die Bedeutung der geplanten Fast- und Trauertage hingewiesen wird. Auf der großen Rabbinerversammlung, die dieser Tage in Warschau stattgefunden hat, spiegelte sich der ganze Schmerz des jüdischen Polens angesichts der Gefahr des Sohächtverbotes wieder. Erschütternde Worte hörte man aus dem Munde der Rabbis und Rabbinen. Man hätte nur wünschen können, daß Mitglieder der Regierung einige Minuten der Versammlung beiwohnten, auf daß sie sehen, um was es sich bei diesem Projekt für die Juden Polens handelt. Ueber den Gang der Verhandlung finden die Leser ausführlichen Bericht im Korrespondenzenteil. Gewaltigen Eindruck machte ein Schreiben von Rabbi Chajim Oser Grodzenski, Wilna, der wegen Unpäßlichkeit nicht nach Warschau kommen konnte, Rabbi Chajim Oser ruft Klall Jisroel zu einem 1135t fl^yfl auf. Andere rabhinische Autoritäten schließen: sich mündlich oder schriftlich dem Vorschlage an. Eine eigens gebildete Kommission, der auch Rabbi Elchonon Wassermann angehört, wurde beauftragt, die Einzelheiten zu bestimmen und das Datum des allgemeinen Fasttages festzusetzen. Empfang des politischen Sekretärs der Agudas Jisroel bei der polnischen Gesandtschaft London, 17, Febr. Der Botschaftsrat der polnischen Gesandtschaft in London, Herr O r 1 o w s k i , empfing heute Mr. H. A. Goodman, den politischen Sekretär der Agudas Jisroel-Weltorganisation, in Abwesenheit des Gesandten. Mr. Goodman gab der ernsten Sorge Ausdruck, der die religiöse Judenheit der ganzen Welt und in der Tat die gesamte Judenheit erfüllt angesichts des dem Sejm vorliegenden Antrags auf Verbot der Schechita in Polen. Die Wohlfahrt der polnischen Judenheit, sagte Mr, Goodman, sei für die Juden in der ganzen Welt von höchstem Interesse und jeder Versuch, in die normalen Funktionen des Gemeinschaftslebens der dortigen Juden einzugreifen, muß naturgemäß mit größter Besorgnis von der Judenheit in allen Teilen der Welt angesehen werden. Das Verbot der Schechita würde nicht nur einen Bruch der Prinzipien der elementarsten Gewissensfreiheit und der Freiheit des religiösen Lebens bedeuten, sondern auch dem ganzen Gemeinschaftsleben der Juden in Polen, das sich schon ohnedies in einer gefährlichen Lage befindet, unberechenbaren Schaden zufügen. Die Maßregel selbst würde das Leben der Massen der orthodoxen Bevölkerung mit ernster Störung bedrohen, jener Bevölkerung, die mit der polnischen Regierung immer freundschaftlich zusammengearbeitet hat. Dies, meinte Mr. Goodman, sei ein Gesichtspunkt, dem die ernsteste Erwägung gegeben werden muß. Herr Orlowski erwiderte, er sei setiir* gerne bereit, seiner Regierung die namens der Agudas Jisroel geäußerten Ansichten weiterzugeben. Er sei sicher, daß diesen Ansichten äußerst ernste Beachtung geschenkt werden würde. Die Maßregel selbst gehe von Privatpersonen aus und befinde sich in den ersten Anfängen. Er sei sicher, daß nichtsdestoweniger die Behörden interessiert sein würden an den Meinungen, die ihm von Mr. Goodman ausgesprochen worden sind. (IT.A) Sir Neill Malcolm zum Oberkommissar für Auswandererfürsorge ernannt. Genf, 18. Februar, General Sir Neill Malcolm ist zum Oberkommissar für Auswanderer aus Deutscbland ernannt worden. Als Ernennungsdatum wurde vom Präsidium des Völkerbundsrats der 14, Februar festgesetzt. Erteilung des Wandergewerbescheines (Gewerbelegitimationskarte) an Juden. München, 16, Februar, Das (Bezirksamt Erlangen hatte einem jüdischen Viehhändler die Gewerbelegitimationskarte versagt und die weitere Ausübung des Viehhandels mit der Begründung verboten, daß der Antragsteller die für seine Berufsausübung erforderiche Zuverlässigkeit als Angehöriger der jüdischen Rasse nicht besitze. Der Bayerische Verwaltungsgeriahtshof hat in etzter Instanz diese Entscheidung aufgehoben und zugunsten des jüdischen Viehhändlers entschieden. In der Begründung wird ausgeführt, daß das Bezirksamt übersehen habe, daß eine Betriebsführung nur dann untersagt werden könne, wenn die weitere Voraussetzung gegeben sei, daß die als Unzuverlässigkeit zu wertende Gesinnung auch in bestimmten Tatsachen, aus bestimmten Vorgängen im Leben des Gewerbetreibenden erkennbar nach, außen in Erscheinung getreten ist. Diese Voraussetzung sei im vorliegenden Falle nicht gegeben. Ferner wird auch noch darauf binge<wiesenr daß, wenn der Standpunkt des Erlanger Bezirksamtes zu Recht bestünde, dies damit die gesamte wirtschaftliche Betätigung jüdischer Gewerbetreibender, soweit sie im Besitz einer Gewerbelegitimationskarte sein müssen, unmöglich machen würde — weit über das Gebiet des Viehhandels hinaus, (Schild,)

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