Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1936)
- Date
- 1936-02-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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W^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^!^!f!^^^^mSI?^^^^f^^/l. Frankfurt a. M. 20. Februar 1936 27. Schcbat 5696 Nummer 8 Der □ vptP-Sabbat im Zeichen der Kenessio Gedauio der Agudas Jisroel. Frankfurt a. M„ 17. Februar. Wie uns von agudastisoher Seite mitgeteilt wird, wird in den orthodoxen Gemeinden Deutschlands der Sabbat n^j?» nim.B dazu benutzt, auf den S e 1 a . | ü r die Kenessio •G e d a ulo nimzuwei^en. Die Rabbm'er der. orthodoxen. Gemeinden werden in ihren Predigten .auf die Bedeutung der drittenK enessio Gedauio und die Idee der S e 1 a - S p e n d e Bezug nehmen. Die Ortsgruppen der Agudas Jisroel berichten. . r-. _ ■■•':}.- Der Delegierlentaig der ILandesorgäriisation Jhat nicht nur der äußeren Organisation des Landesverbandes wichtige finanzielle und für ihren tedhnischieai Aufbau; grundlegende Beschlüsse gebracht, sondern, wie nacht anders zu erwarten, bat der Wellenschlag dieser iniposanten Kundgebung ägudistiscben Willens in jeder einzelnen Ortsgruppe seinen Niederschlag gefunden. So soll in'eiher eigenen;pBuiabrik. des „Israelit" laufend berichtet ' wierdeftjrüber dasr was die Agudas Jisroel in ihren Onsgruppeti, sowie in ihren zentralen Instanzen leistet. Wir beginnen mit den Berichten der Ortsgruppen: Die Ortsgruppe Darmstadt hatte ein Lehrprognamim für die kommenden Monate aufgestellt, in dem an erster Stelle der Bericht über die Tagungen Frankfurt und Blankenese steht. Die Referate ihaben eine eingehende Vorstellung über die Kulturproibleme der Agudas Jisroel gegeben. Für die noch ausstehenden Abende sind die Herren! Rabbiner Merzbach, Münk, Schwab und Herr; Redakteur Schachnöwitz gewonnen worden. Die Mittleren-Hachscbara, L'die dank der Opferbereitsdhaft des Darmstädter Agudokreises, und vor allem infolge der rastlosen Energie des Ortsgruppenvorsitzenden Herrn Dernburg, vor einigen Moniateh entstand, übt starke Wirkung auf die agudistische Atmosphäre der von sicherer und fester Hand gelenkten nSlp aus. In F r a n k f u r t, als dem Tagungsort der Landesoriganisation, hat die Ortsgruppenarfoeit besondere Impulse von der ägudistischen Welle erhalten. Die unter Leitung unseres '"a a*i stehenden Tauröh- und Mussarschiurim, von vielen Seiten umkämpft und umworben, werden unter dieser vom Kampfe teuer gewordenen Devise ihrem unverrückbaren Ziele, der Vereinigung von der reinen Menschlichkeit, der tiefen Leberiisphilosophie 'des Mussar,' mit dem den Intellekt ansprecnemden „Lernen", unbeirrt zustreben. Im Beth Neorim, dem Landkinderheim der Landes Organisation, sind zur Zeit 12 Kinder aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands aufgenommen, zu nöö werden es voraussichtlich 25 sein. Ueber den Besprechungsabend des Delegiertentages wurde schon an dieser Stelle berichtet. Im Anschluß an diesen wurde eine .WerbektfImmission gewählt, bestehend aus 10 Mitgliedern der Ortsgruppe, die bereit sind, ihre Werbekraft in den Dienst der Agudas Jisroel zu stellen. Die W'erbekommissioin 'hat ihre Tätigkeit in verschiedenen Richtungen schon aufgenommen, die persönliche Werbung wird mit Energie fortgesetzt, leider mußte die sorgfältig vorbereitete und einen großen Erfolg versprechende nzw niP»n-Feier ausfallen. Die Ortsgruppe Hannover hat drei Sohiurim im Mittelpunkte ihrer 'Ortsgruppenarbeit stehen. Von ihr werden allmonatlich Beträge für Keren Hajischuw, für Unterstützung von Bachu- - (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Zum Schächtverbotsantrag in Polen Seite 2, 5 ii. 9 Der neue Oberkommissar für Abwanderung Seite 2 Erteilung des Wandergewerbescheines an Juden Seite 2 Die Ansiedlung der Assyrer ..... Seite 5 Religiöser Liberalismus in Palästina? . Seite 6 Volk im Aufbruch. Von Oberrabb. Dr, Altmann Seite 6 Juden in Volks- und Mittelschulen . . Seite 8 Die Jüdische Winterhilfe in Berlin . . Seite 8 Wirtschaftsnachrichten und Berichte aus Erez Jisroel .......Seite 9 u. 11 Berichte aus England........Seite 10 Ein Wort über „Parteibefreites Judentum". Von Dr. Jos. Carlebach. Als ich das Buch von Ignaz Maybaum*) in die Hand nahm, war ich diuroh seinen Titel in freudige Spannung versetzt. loh hoffte, daß endlich einmal von liberaler Seite erkannt worden sei, welch entsetzlicher Schaden dem Judentum durch eine religiöse Spaltung in zwei Lager, in ein modernes Pharisäertum und Saddüzäertum. zugefügt worden sei. Welch schauerliche Tatsache, daß zwei Juden nicht einmal mehr miteinander beten können! Wenn sie sich in Essen und Trinken, im geschäftlichen Leiben, ja bis in den Tod ihinein in der Art der Bestattung voneinander scheiden, ist das gewiß tieftraurig; aber das Allersohlimmste ist es doch, daß sie nicht einmal im Angesichte G'ttes, in der Synagoge sich vereinigen können. Herrliches Wort: parteibefreites Judentum! Sollte wirklich, so fragte ich mich hoffnungsfreudig, ein liberaler Rabbioer den Mut gefunden haben, die historische Schuld einzusehen und einzugestehen, daß die Reform die Einheit unseres Volkes zerstört hat; daß er bekennt: wir haben aus einem großen historischen Irrtum heraus das, was uns zur Gemeinschaft verbindet, preisgegeben, haben nach Willkür neue religiöse Formen geschaffen und dadurch allem jüdischen Tun eine Parteiprägung gegeben? Aber jetzt, jetzt soll es rückgängig *) Parteibefreites Judentum. Von Ignaz Maybaum. Philoverlag Berlin, 100 Seiten. werden! In dieser großen Erwartung ging ich an die Lektüre des Büches, aber ich erlebte eine schwere Enttäuschung. Dr. phil. Maybaum, Rabbiner zu Frankfurt (0), ist ein Wortführer der jung-liberalen Theologen, die eine von Zionismus freie Formel suchen, wie nach dem Umbruch die liberal-religiöse, assimilatorische Weltanschauung gerettet oder umgeformt werden könne. Seit Franz Rosenzweig den religiösen Begriffen in der philosophischen Betrachtung Heimatrecht verschafft und gegenüber aller rationalen Schamhaftigkeit echte Glaubenshaltung eingenommen, ja auch das praktische Judentum und seine Lebens Verfassung als wesentliches Merkmal der Offenbarungsreligion erkannt hat, sind den Rückkehrern die Tore aufgeschlossen, durch die sie wieder in das Heiligtum Israels Eingang gewinnen können. „Jeder Wortführer des Judentums," bekennt Maybaum selbst, „wird danach beurteilt werden, ob er den Weg der Erneuerung, die Franz Rosenzweigs Werk zeigt, geht öder nicht." (S. VII). Maybaum will ihn gehen. Er kämpft dabei vor allem gegen zwei Fronten; gegen den Zionismus als Verweltlich ung des Judentums einerseits, gegen die Berliner Ref ormgemeinde in der Johannisstraße auf der andern Seite. Diese begnüge sich lediglich mit dem Glauben allein, jener mit der Gemeinsamkeit i n ei ner Idee. „Wo aber der Glaube allein jüdische Rechtfertigung (Fortsetzung siehe Seite 3.)