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Der Israelit · 1936-02-13 · Heft 7 (13.2.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 7 (13.2.1936)
Date
1936-02-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 7 D e r I s r a e 1 i i 13. Februar 1936 wah statt. Vier Listen standen zur Wahl: Ghug Cha tarn Sofer, Chug Or Hameiir, die Olim aus Litauen und Lettland und die zentrale Liste. Nach lebhaftem Wahlkampf wurden aus der erstgenannten Liste vier Mitglieder gewählt, drei aus der zweiten und zwei aus der dritten, ebenfalls zwei au® der zentralen Liste. Einstimmig wurde zum Generalsekretär des Sniff Schlomoh Salmen Moses gewählt. Es ist be reits da® vierte Mal, daß dieser tapfere Mann in sei nem Amte bestätigt wird. Wie berichtet wird, hatte iDr. Weizmann eine eingehende Aussprache mit dem High Commissioner in Sachen des Bodenverkaufes. Weizmann sagte daß ..der zionistischen Organisation, wenn es so wei ter gehen solle, nichts anderes übrig bliebe, als da: Internationale Gericht im Haag anzurufen. Es wird ein Zusammengehen und Zusammenar beiten aller Kräfte bedürfen, um die herandrohen den Gefahren für Palästina, die einzige Zufluchtsstätte für das jüdische Volk, abzuwehren. Möge es mit G'ttes Hilfe gelingen. Mn. G.-P Außerordentliche Landeskonferenz der Aguda in Palästina anläßlich der jüngsten Maßnahmen der Palästina-Regierung. Jerusalem, 5. Febr. Im Hinblick auf -die jüngsten Maßnahmen der Palästina-Regierung, die eine Gefährdung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina darstellen, hat die A g ud a s J i s r o e 1 in Palästina eine außerordentliche Landeskonferenz abgehalten und eine Protestresolution gegen die neue Wendung der Regierungspolitik gefaßt. Die Resolution wurde der Regierung -über sandt. Amerika. Die Samuel-Delegation auf dem Rückweg nach Europa. New York, 6. Febr. Sir Herbert Samuel und Lord Bearsted haben am 5. Februar abends an Bord der „Majestic" die Rückreise nach England angetreten. Simon Marks wird ihnen in Kürze folgen. Unmittelbar vor ihrer Abreise aus New York äußerten sich die Mitglieder der englisch-jüdischen Delegation über die Ergebnisse ihrer Arbeit in den Vereinigten Staaten. In einer Pressekonferenz erklärte Sir Herbert Samuel als Sprecher der englischjüdischen Führer, die Delegation sei über ihren Besuch in Amerika durchaus befriedigt. Mit Genugtuung habe sie von der Stimmung der amerikanischen Juden und Nichtjuden Kenntnis genommen und freue sich über die auch von den Nichtjuden zugesagte Mitarbeit. Sir Herbert Samuel erklärte weiter, es sei zu einer vollständigen Uebereinstimmung mit den amerikanischen Juden in Bezug auf Ziele und allgemeine Methoden des Planes gekommen, hunderttausend Juden aus Deutschland nach Palästina und in andere Länder zu überführen. Die Aufgabe bestehe nunmehr darin, den Juden aus Deutschland durch konstruktive Maßnahmen statt durch Wohltätigkeit und Unterstützung zu Hilfe zu kommen. Sir Herbert Samuel befaßte sich sodann mit der Rolle Palästinas in diesem großzügigen Auswanderungsplan. Er legte dar, welchen Nutzen auch Palästina von einem neuen Zustrom jüdischer Einwanderer haben werde. Allerdings gab er zu, daß die arabische Bevölkerung, die seit jeher Unruhe wegen der jüdischen Einwanderung gezeigt habe, dies, wie er befürchte, auch weiterhin tun werde. Auf eine Frage des ITA-Vertreters, ob Anstrengungen gemacht werden würden, die Einwanderungsbestimmungen großzügiger zu gestalten, erklärte Sir Herbert, daß für die Einwanderung die Aufnahmefähigkeit Palästinas maßgebend sei. Lord Bearsted unterstrich diese Aeußerungen, indem er hinzufügte, daß weder Palästina noch die Juden Deutschlands irgendwelche Vorteile davon haben würden, wenn zugelassen werden würde, daß die Einwanderung nach Palästina die Aufnahmefähigkeit des Landes übersteigt. Im Verlaufe, der Konferenz wurde weiterhin bekanntgegeben, daß ein kleines Exekutiv-Komitee ernannt werden soll, um die Details der in Frage kommenden Plane auszuarbeiten und daß dieses Komitee in Verbindung mit der Jewish Agency for Palestine und dem Joint Distribution. Committee stehen würde. Die eine Million Pfund-Kampagne soll äußer in Großbritannien auch in Frankreich, Belgien und Holland eröffnet werden. Sir Herbert Samuel erklärte zum Schluß, daß die Kampagne für den gesamten Fonds, von drei Millionen Pfund sich über vier Jahre erstrecken würde. (Siehe auch Wochenrundschau.|} Personalien. Rabbiner M. Weiskopf V'JJT- Paris, 10. Febr. Erst vor 14 Tagen konnten wir an dieser Stelle eine Mitteilung bringen über die Vorbereitungen, die die Orthodoxen der französischen Hauptstadt trafen, um am 19. Februar den 100. Geburtstag ihres Rabbiners zu begehen. Nunmehr obliegt uns die traurige Pflicht, mitzuteilen, daß Rabbiner Maurice Weislicher Menschen und die alten Soldaten und Kriegskameraden des Ortes gaben dem Verstorbenen in Anerkennung seiner großen Beliebtheit das Geleite. Herr Lehrer Grünet a ni m , Wiesbaden sprach Worte, die der Trauergemeinde zu Herzen gingen. Rabbiner M, Weiskopf y'^f. köpf am Donnerstag, den 6. Februar, kaum 14 Tage vor dem vollendeten 100, Geburtstage, sich all den geplanten Ehrungen entzogen hat. Er hauchte am Donnerstag seine reine Seele aus und kam am Freitag unter gewaltiger Beteiligung zur letzten Ruhe, zog nach einem langen, reichen und erfolggesegneten Leben in den ewigen Sabbat ein. Rabbiner Maurice Weiskopf b""su wohl einer der ältesten Männer Frankreichs, genoß in der gesamten deutschen Orthodoxie, auch über Frankreich hinaus, größte Popularität. Er wurde am 19. Februar 1836 in Aub geboren, wirkte nach seiner gründlichen talmudischen Ausbildung als Professor am Rabbiner- Seminar zu Colmar, wo er auch vereidigter Uebersetzer war. Sodann wurde er als Rabbiner nach der orthodoxen Gemeinde rue Cadet zu Paris berufen, wo er volle 75 Jahre ununterbrochen wirkte. Seine bis zuletzt anhaltende geistige Rüstigkeit war in Paris sprichwörtlich. Juden, die von weit und breit geschäftlich nach Paris kamen, besuchten ihn, und tauschten mit ihm Erinnerungen aus, die lange Jahrzehnte zurücklagen. Die Treffsicherheit seines Geistes und sein eisernes Gedächtnis, in dem alle » Einzelheiten der Entwicklungsperiode der westlichen Judenheit von fast einem Jahrhundert eingetragen waren, setzte alle in Staunen. Eine menschliche Wärme und Güte ging von dem abgeklärten Greis aus, die das Talmudwort verstehen ließ: •orp^y na»'n» o*sn pr bi rrn Erst vor kurzem ernannte ihn die französische Regierung zum Ritter der Ehrenlegion. Er zieht nun in die Welt der Ewigkeit ein, wo ihm höchster Lohn für ein gehobenes Leben voll Arbeit für Thora und Judentum, für die einzige orthodoxe Position in der großen Weltstadt, werden wird. w^zn Holzhausen über Aar, 6. Febr. Hier starb nach einem Leben voll Kajnpf, Arbeit und Pflichterfüllung in seinem 61. Lebensjahre am 4. Februar Nathan Meyer, langjähriger Vorsteher der Kultusgemeinde Holzhausen/Breithardt. Meyer hatte den Feldzug mitgemacht und wurden ihm idle größten Auszeichnungen zuteil. 'Eine große Zahl jüdischer und christ- Vermischtes. Kitzingen, 2. Febr. Am 31. Dezember 1935 fand die Gemeindewahl statt. Dieselbe zeigte folgendes Ergebnis: 1. Vorstand wurde Herr Gustav Lauber, Weingroßhändlier, der bereits seit 28 Jahren der. Verwaltung angehört. Zum zweiten Vorstand wurde Herr Fritz Sonder, Weingroßhändler,, gewählt, Gründer des Wohlfahrtsamtes. Die Wahl des 'dritten Vorstandes fiel auf den allseits beliebten Herrn Oskar Hahn, Weingroßhändler. Den Posten eines Gemeindekassders übernahm Herr Siegfried Stiebel. Als Gemeindekollegiumsmitglieder wurden folgende Herren gefwählf: Emanuel Katzmann, Moritz Klugmann> Ignaz Heidingsfelder, Benno Frankenberger und Albert Rothstein, außerdem noch drei Ersatzmänner. —» Die Versammlung sprach dem bisherigen ersten Vorstand, Herrn Isidor Ullmann, der seit 43 Jahren der Verwaltung angehörte, davon 18 Jahre als erster Vorstand, ihren anerkennenden Dank aus für das segens.- reiche Wirken in dieser langen Zeit, besonders hervorhebend, daß Herr Ullmann stets mit Geschick und Sorgfalt die Gemeindebelamge mustergültig besorgte und stets auf den Frieden in der Gemeinde bedacht war. Zum Zeichen der Verehrung und der allgemeinen Hochschätzung wurde Herr Ullmann einstimmig als Ehrenvorstand ernannt und ihm eine künstlerisch ausgeführte Ehrenurkunde überreicht. Herr Kantor Bamberg er hob noch hervor, daß auch Herr Ullmann immer darauf bedacht war, den religiösen Charakter der Gemeinde zu wahren und zu fördern. Herr Ullmann nahm, sichtlich gerührt und erfreut über diese Ehrung, Abschied von der Gemeinde, derselben weiter nur Glück und Segen wünschend. — Besonders erfreulich ist es, daß sich wieder Männer gefunden haben, die das ernste Bestreben haben, das Gemeindeschifflein zu lenken; eine Aufgabe, die heute schwerer ist wie je, wo die Gemeinden in finanzieller Beziehung nicht auf Rosen gebettet sind. Möge ihnen G'ttes Segen beistehen. Regensburg, 9. Febr. Die Jüdische Winterhilfe hat auch in unserer Gemeinide eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Allmonatlich werden die Hilfsbedürftigen mit Geldspenden und Nahrungsmitteln bedacht. — Zugunsten der Jüdischen Winterhilfe fand;m Monat Januar ein Konzert statt, bei dem sämtlichen Mitwirkenden außerordentlich starker Beifall zuteil wurde. . . .>; Anstelle des vor einigen Monaten nach Palästina verzogenen zweiten Vorstehers, Herrn Direktor Sali Stern, wurde Herr Jos. Grünhut mit diesem Amte betraut. Die Chewra-Kadischa hielt ihre diesjährige Generalversammlung ab, bei der sämtliche Vorstandsmitglieder einstimmig von sämtlichen Anwesenden wiedergewählt wurden. M. Lt. Wr,-Neustadt, 5. Febr. Sonntag, den 2. Februar, fand in Wr.-Neustadt im Vereinslokale der Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe die alle zwei Jahre stattfindende Generalversammlung und Neuwahl statt; Sie stand diesmal insbesondere im Zeichen des scheidenden Präses H. Leser Rosenberger. Letzterer eröffnete die Versammlung, begrüßte die Erschienenen und hielt das Referat über die diversen Sektionen, insbesondere hervorgehoben wurde die Leistung der Palästinakommission unter Leitung des Herrn Josef Glaser. — Zu Punkt 2 übergehend entwickelte Herr Josef Rosenberger ein Programm betreffs Schiurim und wurde demgemäß alltäglich Schiurim für Erwachsene und an drei' Tagen der Woche für Jugendliche festgesetzt, für 'die sich H. Moses und Josef Rosenberger und H. Josef Glaser zur Verfügung stellten. — Nach den Wahlen ergriff H. Josef Rosenberger das Wort, dankte u. a. den Anwesenden für das in ihn gesetzte Vertrauen, sowie auch dem scheidenden Präsidenten für sein bisheriges bei-, spielgebendes Wirken. Genf, 3. Febr. Gestern sprach vor einem auserwählten jüdischen Kreise Herr Dr. Walch und Herr Heidingsfeld aus Montreux über jüdische Probleme. Während Herr Dr. Walch über die Geschichte des Judentums sprach, referierte Herr Heidingsfeld über die Renaissance de® jüdischen Volkes durch seine Thora. Der jugendliche Redner verstand durch seine mit Leidenschaft hervorgebrachten Worte das Publikum derart für das orthodoxe Judentum zu interessieren, daß am gleichen Abend vier Herren aus der Versammlung zu einer Kommission gewählt, wurden, die dafür Sorge tragen sollen, daß die Thora in Genf mehr Bekenner erhalte. Vorigen Donnerstag sprach Frau Irene H a r a n d über 'die Lage der Weltjudenheit vor Hochschulprofessoreh, Aerzten und intellektuellen Kreisen. Die bekannte Wiener Dame sprach so zartfühlende Worte mit ihrer so schönen Sprache, daß viele der anwesenden Herren und Damen weinten.

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