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Der Israelit · 1936-02-13 · Heft 7 (13.2.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 7 (13.2.1936)
Date
1936-02-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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13, Februar 1936 Der Israelit Nr.. 7 Säte 9 der Verfassung verankerten Grundrechten unvereinbar ist. Di« Leitung des Rabbinerverbandes hat telegraphisch eine Plenarsitzung de« Verbandes einberufen, in der angesichts dieser außerordentlichen Gefährdung der Schechita in Polen die Prokiamierung eines-Fasttages für die Juden im ganzen Lande erfolgen soll. Der Anszinower Rebbe V'xr. Warschau, 7. Febr. Wie bereit« kurz berichtet, starb der Anszinow e r R ab b i., Rabbi Jerachmiel Ahron Josef im Alter von erst 58 Jahren, zum größten Leidwesen seiner großen Chassidirng emeinde und darüber hinaus der Judenheit in Polen. Er war Nachkomme einer der bedeutendsten Rabbinerdynastien und . selbst s^hon im kindlichen Alter als Huj berühmt. Schon mit 20 Jahren bekleidete er einen Rabbinersitz in Ostrow und, später wurde er Nachfolger seines Vaters auf dem Rabbinersitz in Anszinow. Neben seinem immensen Wissen in Halacha und Kabbala wurden seine menschlichen Eigenschaften insbesondere seine wn« hervorgehoben. Von seinen drei Söhnen ist einer Rabbiner in Schirodow, zehn Schwiegersöhne fungieren, alle als Rabbiner, zu ihnen gehört auch der bekannte Radziner Rabbi. " Rabbi Jerachmiel Ahron Josef gehörte zu den Mitbegründern und zu den glühendsten Freunden der: Agudas, Jisroel. Man sah ihn bei sämtlichen Agudakonferenzen in Polen und er gehörte auch dem Präsidium des großen Rabbiinischen Rates an. Auf der zweiten Kenessio Gedaulo in Wien hatte er als Mitglied des Präsidiums eine führende Rolle und seine Schlußrede ist noch in aller Erinnerung. Nicht allein die große Cbassiddmgemeinde, das gesetzestreue Judentum als solches hat einen großen Verlust erlitten. y"'T Zwei Polizisten und ein Gendarm bei judenfeindliehen Ausschreitungen in Polen getötet. " Posten, 7. Febr. , An dem letzten Markttag ist es in dem Städtchen •G.ostyn im Kreise Posen zu ernsten judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Als die jüdischen Markt- 'fahrer ihre Waren auslegten, wurden sie von einer Bande Exzedenten überfallen, die die Stände zu plündern begannen. Der eingreifenden Polizei setzten die Aufrü'hrer Widerstand entgegen. In dem Kampf wurden zwei Polizisten' und ein Gendarm getötet. Auch in anderen Ortschaften, insbesondere in der -Gegend von Czenstochau, fanden judenfeindliche Ausschreitungen statt. Die Untersuchung der Vorfälle in Truskolas hat zu der Verhaftung des Mannes geführt, der in die dortige Synagoge eine Bombe geworfen hatte. Außerdem wurden siebzehn Nationaldemokraten festgenommen, die, als sie von den Unruhen in Truskolas erfuhren, an dem gleichen Tage judenfeindliche Ausschreitungen in Klobuck hervorriefen. (ITA.) Oesterreich. Mindestens tausend Personen sind im Jahre 1935 von Oesterreich nach Palästina ausgewandert. Wien, 5. Febr. Das Wiener Palästina-Amt gibt-bekannt, daß im Jahre 1935 allein durch das Palästina-Amt 889 Personen aus Oestarreich nach Palästina ausgewandert sind. Außer dsn vom Palästina-Amt erfaßten Olim ist eine größere Zahl sogenannter Kapitalisten (Min.- destbesitz 1000 Pfund)'aus Oesterreich nach Palästina gewandert. Nach sachverständiger Schätzung beträgt die Gesamtzahl der Olim aus Oesterreich im Jahre 1935 mindestens tausend Personen. " Zur Krise in der Wiener Kultusgemeinde, W i e n , 6 Febr. In einer Erklärung der ,,Undon österreichischer Juden"-an die Tagespresse wird mitgeteilt, daß die ihr angehörenden elf Mitglieder des Kultusvorstandes sich entschlossen haben, ihre Mandate als Mitglieder des Wiener Kultusvorstandes niederzulegen, tun dadurch die Beschkßunfähigkeit des Vorstandes herbeizuführen, da sie die beabsichtigte Bestellung des. früheren Vizepräsidenten Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor für unzulässig halten. Andererseits hat das' Präsidium der Wiener Kuiltusgemeinde der Presse folgende Erklärung übergeben: „Vom Präsidiinn der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wird mitgeteilt, daß durch die Resignation der der „„Union österreichischer Juden" angehörenden Mitglieder des Kultusvorstandes eine Beschlußunfähigkeit des Kultnsvoirstandes nicht herbeigeführt wird und daß die Verzichtleistung der erwähnten Mandatare eine Unterbrechung in der Amts* führung in der Kultusgemeinde 'nicht zur Folge hat." Die „Reichspost" nimmt dem Rücktritt der Mitglieder der Union zum Anlaß, um zu erklären: „In den Kreisen der Judenheit wird .die Auflösung des Vorstandes, der nurmehr aus siebzehn Ziondsten besteht, sowie die Bestellung eines Regierungskommissars, der für die Entfernung der Parteipolitik aus der dem Religiösen dienenden Kultusgemeinde zu sorgen hatte, für unumgänglich gehalten," Tschechoslovakei. Die Auswandererfrage in der Tschechoslovakei. Prag, 5. Febr. Der tschechoslovakische Innenminister Dr. Cerny hielt auf dem Parteitag der Agrarierpartei eine Ansprache, in. der er auch das Auswandererproblem streifte. Er führte hierzu aus, die Angaben über die Zahl der in. der Tstchechoslovakei lebenden Auswanderer seien übertrieben. Die Gesamtzahl der Auswanderer aus Deutschland und Oesterreich erreiche zusammen nicht einmal zweitausend. Wir betrachten, so sagte der Minister, die Auswand ererfrage menschlich. Unter den von Minister Dr. Cerny genannten, zweitausend Auswanderern sind nur wenige hundert jüdische. England. Londoner Hilfsaktion für die polnischen Juden, London, 6. Febr. Ans London wird uns geschrieben: Die Exekutive des Londoner Verbandes für die jüdischen Hilfsorganisationen hielt im Einvernehmen mit den Führern des polnischen Judentums eine große Sitzung ab. Unter Vorsitz des Herrn Harry A. Goodman, der die Gäste begrüßte und die Ziele des Hilfsverbandes auseinandersetzte, sprachen die Herren I. Cahan, Laski, Dr. M. B e h r und A. M. K a i s e r , letzterer als Generalsekretär des Hilfsverbandes, welcher seit 17 Jahren seine segensreiche Tätigkeit ausübt.' Es ergreift nun der Führer der orthodoxen polnischen Judenheit, Rabbi I. M. L e w i n , das Wort. Er erstattet einen erschütternden Bericht über die Läge der Juden in Polen. Hunderttausende jüdische Menschen sterben buchstäblich Hungers. Die Kinder kommen verhungert zur Schule. Die Hilfe vom Ausland allein konnte es bewerkstelligen, daß viele wichtige Institutionen sich noch halten konnten, und in diesem Zusammenhang drückt er besonders auch dem Hilfsverband den Dank der polnischen Juden aus. Gerade dieser Verband hat den Willen zur Hilfeleistung nicht durch Phrasen und Versprechungen, sondern durch praktische Taten gezeigt und er möge dies« tätige Hilfe fortsetzen. Rabbi Tuwje Horowitz schließt sich mit Dank für die Unzähligen, denen in Polen die Hilfe des Hilfsverbandes geworden ist, an. Die pohlischen Juden . fühlen, daß sie im Hilf«verbände ihre richtigen Vertreter hätten. Die Gäste beteiligten sich auch an einer lebhaften Diskussion über die weiteren Wege und Formen der Hilfe, machten Vorschläge und gaben Fingerzeige,, die für die weitere Gestaltung des Hilfsprogrammes maßgebend sein werden. Abordnung orthodoxer Juden im Colonial Office. — Resolution gegen den Legislative Council überreicht. London, 6. Febr. Der stellvertretende Unterstaatssekretär, Sir John Shuckburgh, hat eine aus dem Präsidenten der Weltorganisation Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, Rabbiner Dr. S c h ö n f e 1 d und dem politischen Sekretär der Agudas Jisroel, H. A, Goodman, bestehende Abordnung im Colonial Office empfangen. Die Abordnung überreichte im Namen der Weltorganisation A,g ud a.s. Jisi r o e 1, des orthodoxen Rabbinerverbandes und des Palästinafonds eine von diesen Körperschaften und Institutionen gefaßte Entschließung, in der der tiefen Besorgnis angesichts der Pläne, in Palästina einen Legislative Council zu errichten, Ausdruck gegeben wird. Sir John Shuckburgh erklärte, -er werde dem Minister für die Kolonien die von der Abordnung geäußerten Ansichten mitteilen. (ITAJ Geheime Einfuhr von Waffen nach Palästina, — Eine Anfrage im Unterhaus. L o nd o n, 6. Febr. Der Abgeordnete Major M i I n e r fragte im Unterhaus den Kolonienmindster, ob er wisse, daß geheime Waffensendungen in steigendem Maße nach Palästina gingen, und daß arabische, japanische und griechische Agenten damit befaßt sind, hauptsächlich über die Nord- und Ostgrenze Waffen in das Land zu bringen. Der Abgeordnete fragte, welche Maßnahmen die Regierung dagegen ergriffen habe. Im Namen der Regierung antwortete Major Davis. Er betonte, daß das Kolonienministerium von kleineren Waffensendungen nach Palästina wisse, und daß er versichern könne, daß alle möglichen Schritte gemacht worden sind und in Zukunft gemacht werden, um diese Dinge zu unterbinden. Palästina. Jerusalemer Brief.' Trauerfeiern in der orthodoxen Schul. — Depression und dennoch Neugründungen. — Eine gute Sache, von einem ungeeigneten Manne vertreten. —- P. A. J. in Petach Tikwah. Jerusalem, 6. Febr. Ueber die Beteiligung Palästinas und der jüdischen Bevölkerung an der Trauer um König Georg V, besonders am Beerdigungstage haben Sie bereits ausführlich berichtet. In der Jeschiwa des Oberrabbi; ner Duschinski hielt Rabbiner Jonathan B. Horowitz die Gedenkrede und Oberkantor Feldmann sprach die Gebete. In sämtlichen Schulen, ebenso im Diskin'schen Waisenhaus, wurden Feierlichkeiten abgehalten. Die Depression hält noch an. Besonders ist von dem Aufschwung, der sonst schon um diese Zeit, in Erwartung der neuen Touristenperiode, einzusetzen pflegte, noch wenig zu sehen. Um so erfreulicher ist es, zu melden, daß wieder zwei Fabriken entstanden und noch andere Unternehmen ins Leben gerufen wurden, die erfreulicherweise zeigen, daß von einer Stagnation in der Industrie nicht die Rede sein kann. In Petach Tikwah ist leider das Prinzip der miay mas? am wenigsten durchgeführt. Ein Besuch Grünbaums um Wandel zu schaffen, hatte wenig Erfolg gezeitigt, da G. im Jisohuw wenig beliebt ist. Seine öffentliche Rede wurde vielfach unterbrochen. Auch der Hinweis des Vorsitzenden, daß G. als Vertreter der Jewish Agency dastehe, nützte wenig. Man rief ihm zu, daß er die Alijah erdrosselt und unjüdische, ungeeignete Elemente ins Land gebracht hätte. In seinen Ausführungen, in denen er geißelte, daß während tausende jüdische Arbeiter zur Zeit im Lande ohne Beschäftigung sind, zirka 8000 Araber in Petach Tikwah und Umgegend Arbeit und Brot finden, hätten Eindruck machen können, wenn nicht der Redner schon von vornherein eine .gewisse Mißtrauensatmosphäre mitgebracht hätte. In der Diskussion wurden die bittersten Klagen gegen Grünbaum und auch gegen die Jewish Agency laut. Freilich ist die Ausrede der Kolonisten, sie könnten mit den „jüdischen destruktiven Elementen" nicht arbeiten, vollkommen hinfällig, seitdem es'g«eignete orthodoxe Arbeiter in Fülle gibt, bei denen all diese Vorurteile nicht zutreffen. Es ist bedauerlich, daß hier eine an sich gute und gerechte Sache von einem Manne yertreten wurde, dessen Worte man in den Kolonien aus anderen triftigen Gründen einfach nicht hören will. Diese Woche fanden -die Wahlen für den S n i f f der Poale Agudas Jisroel in Petach?Tik-

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