Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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13. Februar . 1936 D -e r I s r a e 1 i t Nr. 7 Seite 5 1. Die Belebung und Stärkung der Keren Hatorah und Beth Jakob-Organisation in den westeuropäischen 'Ländern. Es läßt sich leider nicht leugnen, daß die Zentrale es seit langem an der erforderlichen Fühlungnahme mit den westeuropäischen Komitees des K. H. und B. J. bat fehlenb lassen: auf den schwachen Schultern des verstonbenen Freundes lastete eben allzuviel trotz seiner riesigen Arbeitskraft mußte er vieles zurückstellen — und so konnte er auch nicht die Beziehungen so pflegen, und durch oftmalige Besuche in den Westlärndern persönlich so fördern wie es seinem Wollen entsprach. Doppelt heute: Die Konferenz wird zwar auf den 'besten Willen seines Nachfolgers im Amt rechnen dürfen, sich aber dennoch der Erkenntnis nicht verschließen, daß die zentrale Persönlichkeit fehlt, daß daher nach neuen Wegen gesucht werden muß, das Interesse wachzuhalten, zu vertiefen. (Einzelne Anregungen werden in dieser Hinsicht der Konferenz v.orgeleigt werden, weitere hoffentlich .aus ihren Beratungen fließen bezw. von den Konferenzmitgliedern schon in der Heimat vorbereitet werden.) Jedenfalls wird die Konferenz hinsichtlich tder zukünftigen Arbeit in den Westländenn eine Methode festzulegen haben, die diesen Landern .größtmögliche Freiheit des Handelns läßt, sie aber dennoch sich als Teile des Ganzen erleben iäßt, als Teile, 'die sich ihrer Pflicht dem großen Ganzen gegenüber w i e d e r vollsten Umfanges hewußt werden. Diey Beziehung zwischen der .Zentrale und den einzelnen Ländern muß von einer solchen Kraft des gegenseitigen Vertrauens »erfüllt sein, daß in Zukunft alle Sorgen gemeinsame Sorgen, alle Lasten gemeinsame Lasten .sihd. Diese Vertrauenssitüation wird darin ihren Ausdruck finden, daß in Zukunft kein Land mit den unterstützungsbedürftigen Instituten' direkt; verkehrt bezw. die Quote, die im Land verblei-: hen darf, eigenmächtig festsetzt, mit der Motivierung: „Wir haben die Gelder aufgebracht, also sind wir die Baale Batim darüber". Solcher •„heiliger Egoismus" ist das Verderben aller wahren Gemeinschäftsleistung, er rächt sich früher j oder später bitter. Wie sehr Dr. Deutsohländer unter diesem Egoismus litt, wissen die Länder, die ihm frohnten, ja am genauesten. - Durch die 'Reorganisierung der K. H.-Kommissariate und Beth Jaeob-Koinitees .wird hofleatlich die Zentrale in den Stand gesetzt werden, den Aufgaben des Tages einigermaßen gerecht werden zu können. Darüber hinaus harren manniigfaclhe Aufgaben der Inangriffnahme. Ueber sie wird im Einzelnen auf der Konferenz beniohwo sein. Wort Gesetz des Lebens und Nonn ihres Handelns ihnen ist und der kategorische Imperativ des jüdischen Pflichtbewußtseins ihr ganzes Dasein beherrscht. Israel ergänzt später bei der Bundesschließunig seinen Treuschwur und fügt seinem ersten Gelöbnis das gar bedeutsame Wort hinzu: "S»twi und wir wollen hören!" Immer neu hören wir aus jedem Satze, aus jedem Wort«, aus jedem Buchstaben des niedergeschriebenen G'tteswortes des Unendlichen Willen, des Erhabenen Stimme als ewig verbindlich und verpflichtend und darum auch immer neu erschließen, was des Herrn Forderung ist und zur Lebensmaxime werden soll' und' muß. Das ist der Wille zum Forschen und Lernen, den Israel als Voraussetzung für ein dem G'tteswillen sichunterordnende« Leben in den, Mittelpunkt seines Sinnens und Denkens stellt. Seitdem gilt der Satz: -"von psa tiv ]»k „Nur der Wissende kann fromm leben". Daß aber nur d a s Wissen eine Macht äst, das die Tat und das Leben befruchtet, das haben dieselben Weisen aus- gesprochen: mvnn »6« msn sb- Wurzel und Blüte unseres Judentums ist und bleibt die lebenwirkende und unser irdisches Sein weihernde und verklärende Tat , (,Wir wollen'es gewiß nicht u«t«itechätzen> daß" in unsern;, Tageni 'der, sieelischieh Not 'sich auch ein gewisses" Sichsehnen nach dem 'G'tteswörte in weiteren : Krjeisen' kundgabt und nach Befriedigung ringt und vielfach eine Ärt des : wanderndien Lehrhaüises ins Le^n '^erufenV'Warum mußes gerade etwas Neues , auch. da. sein,, wo. das? alte Beshamidrasch blüht und trie^Kräftig;Vist? Wäre es" nwht 'besser und'verhei- ■ ßiuigavaÜer,' wenn d^e ^erprobten und "Bewährten Lehrsta^en; Weh füllten, lindRechtes wahresi Lernen5 alle Geister'.' erleuchtetie und thorägemäßes- Lebens' vorbe-: reitete? Und" volltends die thoratreuentraditionell, getet werden. Zu .ihrer Durchführunig und dauernden Sicherung bedarf es aber neuer und größerer Mittel. Sie sollen durch die 2. Erfichtung der Dr. Deutscihländer-Gedächtnisstiftung beschafft werden. Diese Stiftung, über die Einzelheiten noch nicht festliegen — ja, der N & rri e liegt noch nicht einmal fest, denn zweifellos wird sie doch einen Namen tragen, in dem auch das Gedächtnis Sara Schenircrs verewigt wird -— wird das Denkmal der Dankbarkeit sein, daß die jüdische Welt diesen beiden großen Pionieren wahrhafter Töohtererziehung errichten wird. Der Aintwerpener Konferenz werden Einzelheiten, wie sie geplant sind, zur Begutachtung vorgelegt werden: „eiserner Fonds" oder sofortige Plazierung der aufzubringenden' Summen in den Neusohöpfungen, die beabsichtigt sind und die dann nicht nur den Geist Deutschländers, die Seele Sohenirers atmen würden, sondern auch ihre Namen tragen müßten. Modus der Gelderaufbringung und Art der Verwaltung, dies ist in den gegenwärtigen Zeitläuften fast so wichtig wie jenes, in diesen und anderen Fragen werden wir die 'Meinungen 'klären und so die endgültige Linie des Handelns festlegen. Und schließlich wird sich die Konferenz mit einer Frage zu beschäftigen haben, die zunächst außerhalb einer Thorakonferenz zu liegen scheint, aber nur zunächst: mit dem 3, Vertrag mit der Phoenix Lebensversieherungsgeselischaft. Es gibt subtile Gemüter, die ein gelinder Schrecken ergreift, wenn sie von einer solchen Kombination von ,,Thora und Mehl" hören. Ihr sittlicher Entrüstung volles Nein würde uns aufhorchen lassen, wenn sie nicht auch Nein gesagt hätten, da es galt, den Lubliner Bau zu beginnen, als es galt, den Krakauer Bau zu vollenden. In beiden Fällen sagte der Phoenix:- Ja, und dieses Ja hat uns eine gewisse moralische Verpflichtung auferlegt, die Verpflichtung, dort auf den Phöenixr hinzuweisen, wo Freunde und Gesinnungsgenossen vor Abschluß einer Versicherung stehen. Dies ist der eine Grund, weshalb sich Antwerpen mit dieser Frage beschäftigen soll. Und der andere; Dr. Deutschländer hat es oft als kränkend und störend emp? funden, aus Geldern, die für reine Thorazwecke gegeben werden, Teile abzuzweigen für die Finanzierung seines Büros, Man mag sich zu solch übertriebenem Feingefühl stellen wie man will, es ist übrigens begreiflich, wenn man die Mentalität bestimmter Gebekreise kennt. In langwierigen Verhandlungen mit dem Phoenix hat er es schließlich erreicht, daß dieser die Kosten des Büros des K. H. übernimmt, gegen die Verpflichtung, eine gewisse Propaganda zu Gunsten des Phoenix zu entfalten. Ich halte mich zu dieser offenen Sachdarstellung vor aller Welt berechtigt, ja, verpflichtet: sie mag der Welt zeigen, wie schwer die Last war, die Deutschländer trug, wie ernst er das. Wort nahm: tfihr sollt rein sein vor G'tt und Menschen." So wird sich die Antwerpener Konferenz mit drei Fragenkomplexen zu beschäftigen haben, durch deren gründliche Behandlung wir eine Sicherung der Arbeit für die nächste — und wenn das etwas stolze Wor»V gestattet ist — für alle Zukunft erhoffen. Die Teilnehmer der Antwerpener Konferenz, so erwarten wir, werden mit ihrer Kraft und ihrem guten Willen das Werk erhalten, für das Sara Schenirer und Leo Deutschländer ihr Leben einsetzten, das Werk, dem diese Beiden die letzte Stunde und den letzten Gedanken schenkten: Sara Schenirers letzten Worte waren der Segen über die Sabbatlichter, Leo Deutschländers letztes Wort war: „Erhaltet das Werk". Beider Worte zusammen werden zu einem großen Aufruf an die gesamte jüdische Oeffentlichkeit: Erhaltet das Werk, indem ihr das sabbatliche Licht weiter hütet und vor dem Erlöschen bewahrt, das diese Beiden entzündet, mit der Kraft ihrer Seelen hegten und so segneten. Wolf S. Jacobson. Volk im Aufbruch, Diaspora in Bewegung. (Reflexionen zur jüdischen Zeitgeschichte.) Von Dr. Adolf Altmann, Ob-errabibiner in Trier. (Fortsetzung.) Nun darf man aber, wenn man von der Bundeslade als geistigem Direktiv des Zuges durch richteten Kreise, die müßten es sich doch gesagt sein lassen, daß es nicht angängig ist und von Segen werden kann, da die Grenzen zu verrücken und eine „jüdische" Wissenschaft sich vortragen zu lassen, deren Grundlage nicht selten vom S inai ab lenkt und i n d i e Irre führt. Oder soll jetzt zur Abwechslung eine .Bibelkritiik aus. jüdischen Kreisen propagiert werden?. Ist „Mischsaat" auf dem Felde Israels Angehörigen verboten,, so ist sie nicht minder eine Gefahr auf dem geistigen Gebiete jüdischen Säens und Erntens. Für uns muß mehr denn je gerade jetzt die alte:t Weisung .gelten: Nur was G'tt geredet hat, wollen wir tun und hören! Wochenkalender. Von. 15. — . 22Februar 1936 / Vom 22. — 29. Schebat 5696 Samstag-' Sonntag .Montag. Dienstag: Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag . Fcbr \\ 1 15 n: _• n 16 . .'■ 23!l.7 ".s? ' 24 18 25 19 ■:-B»'' 26 20; c 27 21 28 22 }-,;, --*< 39 *»!» 5]T r-rrnio 1 n m . Mani- ■?,5?' na ia ' jap ytss by>' nbpv mnä," b»t}b*tt ^nnnTO'ian M^uled: Samstag hachm. ^Ühr SösfcjMIputen. die Wüste und damit als Direktiv von Bewegung und Aufbruch des, Judentums überhaupt spricht, noch eines anderen damit eng verbundenen Bewegungszieles nicht, vergessen, des heiligen Landes. Eigentlich hat es den Anschein, als ob dieses Ziel, heiliges Land, in der Hauptsache dem Wüstenzuge die Initiative gegeben habe. Die Verheißungen auf d?s Land der Väter, dem der Zug zustrebte, scheinen auf den ersten Blick die Bewegungsdirektiven des Zuges ausgemacht zu haben. Aber, es ist doch niaht ganz so. Das Ziel, Land der Väter, stand doch ihinter dem Ziel Bundeslade in etwas zurück. Denn es galt bei dem Ziele, Land der Väter, nicht etwa eben nur das Land zu erreichen, es eben nur zu besitzen und darin zu sein. Denn, wenn auch schon darin, was dann? Sollte damit schon Aufgabe und Spannung des so bewegten Wüstenzuges erledigt und erfüllt sein? War es nicht vielmehr so, daß dieses Ziel Kanaan nur als Mittel zum Zwecke des Hauptzieles Bundeslade dienen sollte, damit dann, in Kanaan, die Aufgabe Bundeslade ihre Erfüllung finde? Kein Stillstand im Lande der erfüllten Sehnsucht bezweckte der Zug ins Land, sondern umigek-ehrt, gerade da erst recht Bewegung, Antrieb und Aulbruch hinter dem uTsprümgKcHsten der jüdischen Ziele, das der Begriff Bundeslade in siöh schließt. Man ersieht es dotih aus. der Geschichte, was nach der Einwanderung ins Land und später oft die Folge wäi^'äls naöh der HinnaJhtne des erreichten Zieles, das Volk nur das Land und nicht mehr die Aufgabe des Landes vor Augen hatte, es aufgabv hintW dein urgesetzten eigentlichen jüdischen Ziele der BundesliajdQ einlhwzuz'iehen.