Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 7 Der Israelit 13. Februar 1936 tive Council ven den Juden abgelehnt worden sei, während die Stellung der Araber zu dem Plan noch nicht klar sei. Die Regierung habe daher keinen Anlaß, ihren bisherigen Standpunkt zu ändern. Auf eine Frage des Abgeordneten W e d g ew o o d , ob dies die Politik sei, die die Politik der Regierung und des ganzen Kabinetts bleiben soll, erwiderte der Kolomenminister, die Regierung verfolge eine Politik der Verantwortung gegenüber allen Faktoren. Eine weitere Frage des Führers der Liberalen Sir Archibald Sinclair zu diesem Gegenstand blieb unbeantwortet. Später richtete der Abgeordnete Morgan an den Außenminister Eden die Frage, ob die Regierung mit Rücksicht auf die Feststellungen in dem Rücktrittsschreiben des früheren Oberkommissars für Auswandererfürsorge James G. MacDonald bereit sei, die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Palästina zu erleichtern. Die Anfrage wurde von dem Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, dahin beantwortet, daß für den Umfang der jüdischen Einwanderung nach Palästina das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes weiterhin maßgebend sein müsse. Unter Wahrung dieses Grundsatzes solle jedoch die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Möglichkeit besonders berücksichtigt werden. Oberrabbiner Dr. Carlebach zum Oberrabbiner der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg gewählt. Hamburg, 10. Februar. In der gestern Abend stattgehabten Sitzung des Rabbinerwahl-Kollegitims wurde, wie vorauszusehen war, Herr Oberrabbiner Josef Carle b ach, Altona, mit 17 von 21 Stimmen des Kollegiums zum Oberrabbiner des Deutsch- Israeli tischen Synagogenverbandes gewählt. Nach der erfolgten Wahl erklärten noch weitere drei' Herren des Wahlkollegiums, sich dem 'Wahlergebnis offiziell anschließen zu wollen, so daß Oberrabbiner Dr. Carlelbach fast einstimmig zum Oberrabbiner von Hamburg gewählt ist. Nach den Satzungen des Synagogenverbandes wird die Oberrabbinerwahl in Hamburg vom Vorstand des Synagogenverbandes gemeinsam mit dem Delegiertenkollegium des Verbandes und weiteren sechs Mitgliedern des Verbandes gewählt. Als gewählt gilt nach den Satzungen der Kandidat, der zwei Drittel aller Stimmen des Kollegiums, in diesem Falle 14 Stimmen, besitzt. Von den anderen Kandidaten, die für den Posten in Betracht kamen, hatten einige ihre Kandidatur zurückgezogen. Das Oberrabbinat umfaßt jetzt ein ständiges Besdin, das aus dem Oberrabbiner .und zwei Dajanim sich zusammensetzt. Möge die definitive Lösung, die nach den letzten Vorzeichen keinen mehr überrascht, der ganzen Gemeinde zum Heile gereichen. Zu der Oberrabbinerwahl in Hamburg schreibt noch die J. T. A.: Der neue Inhaber des altberühmten Hamburger Rab'binatssitzes ist eine der bekanntesten und markantesten Erscheinungen unter den gegenwärtigen deutschen Ra'bhinen. Seine literalische und publizistische Tätigkeit ist umfassend. Seine hinreißende Rednergabe, die ihn zu einem sehr populären und beliebten Redner gemacht hat, ist im In- und Auslande geschätzt und begehrt. Als geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist Dr. Carlebach in der Leitung des Verbandes gesetzestreuer Rabbiner tätig. Als Oberrabbiner von Altona und der Provinzen Schleswig-Holstein ist er seit 1926 im Amt. (Auch wir gratulieren Herrn Oberrabbiner Dr. Carlebach, der den Lesern des „Israelit" kein Femder ist, aufs Herzlichste zu seinem neuen Amte und hoffen, daß nach wie vor seine eminente Kraft unserer Lesergemeinde zugute kommt. Die Redaktion.) Postscheck - Konto: Ffm. 66600 Jüdische Winterhilfe 77 Neue Auswandererberatungsstellen. Um dem gewaltig angewachsenen Auswanderungsdrang der jüdischen Bevölkerung gerecht zu werden, hat der Hilfsverein sich zur Errichtung, von 11 neuen Auswandererberatumgsstellen im Reiche entschlossen, die in den wichtigsten Städten den Auswanderungswilligen mit Rat und Tat zur Seite stehen und die Zentrale von einem Teil der immer mehr anschwellenden Arbeit entlasten sollen. Bisher bestanden solche Stellen in Hamburg und Bremen. Die Adressen und Arbeitsbereiche der neuen Auswandererberatungsstellen sind beim Hilfsverein der Juden Deutschlands e. V., Berlin N 24, Oranienburgerstr. 3 zu erfahren. Die Auswandererberatungsstellen werden von der Zentrale her ständig mit der letzten Entwicklung auf dem Laufenden gehalten^ so daß eine Gewähr für zuverlässige Beratung im Rahmen des Möglichen gegeben ist. Alle ratsuchenden Auswanderungswilligen müssen sich daher von jetzt an zunächst unbedingt an die zuständigen Zweigstellen im Reiche wenden, während die Zentrale nur die Werbearbeit für Berlin und die Provinz Brandenburg sowie den ständigen Verkehr mit den Zweigstellen übernimmt. Arbeitsvermittlung nach dem Ausland. Frankfurt a. M., 9. Februar. Aus einer Durchführungsverordnung zur Verordnung über Vermittlung, Anwerbung und Verpflichtung von Arbeitnehmern nach dem Ausland vom 8. 1. 36 ergibt sich, daß diese genehmigungspflichtige Vermittlung sich auch auf Lehrlinge erstreckt sowie Personen, die, ohne als Lehrling angenommen zu sein, zum Zwecke ihrer Ausbildung gegen Entgelt oder unentgeltlich beschäftigt werden. (Praktikanten, Haustöchter, Volontäre.) Ferner ist in dieser Verordnung bestimmt, daß die Genehmigungspflicht sich auch auf Anzeigen in allen Zeitungen, Zeitschriften, Stelleulisten und ähnlichen Verzeichnissen, deren Er- I söheinungsort, Verlaigsort oder Druckort im Gebiet des Deutschen Reichs liegt, erstreckt. Die Anzeigenleiter von Zeitungen und Zeitschriften, die über die Aufnahme von Anzeigen bestimmen, sowie die Herausgeber von Stellenlisten und ähnlichen Verzeichnissen haben vor der Aufnahme einer Anzeige, durch die Arbeitskräfte gesucht werden, insbesondre vor der Aufnahme einer Kennwort(Chiffre-}Anzeige dieser Art an Hand des Wortlauts der Anzeige und an Hand der Angaben über den Auftraggeber zu prüfen, ob durch sie ein oder mehrere Arbeitnehmer nach dem Ausland vermittelt oder angeworben werden sollen. Gegebenenfalls ist die Vorlegung der erforderlichen Genehmigung des zuständigen Landesarbeitsamtes zu fordern. Wird die Genehmigung des zuständigen Landesarbeitsamtes nicht vorgelegt, so. ist die Aufnahme der Anzeige abzulehnen. Bestehen Zweifel über den Zweck der Anzeige, so ist sie dem zuständigen Landesarbeitsamt zur Begutachtung vorzulegen. iBei Kennwort(Chiffre-)Anzeigen, durch die Arbeitskräfte gesucht werden, ist vor deren Aufnahme in jedem Fall der Auftraggeber festzustellen, sein Name (Firma) und Wohnort (Geschäftssitz) ist schriftlich festzuhalten. Diese Aufzeichnung ist bis zum Schluß des auf das Jahr der Aufgabe folgenden Jahres aufzubewahren und auf Verlangen dem zuständigen Landesarbeitsamt vorzulegen. Vor der Ernennung des neuen Völkerbundskommissars für Auswandererfürsorge. Genf, 7. Februar. Wie der Genfer ITA-Vertreter erfährt, hat Generalmajor Sir Neill Malcolm, der während der letzten Tagung des Völkerbundsrates als der aussichtsreichste Kandidat für die Uebernahme des nunmehr dem Völkerbund direkt unterstellten Oberkommissariats für Auswandererfürsorge genannt wurde, bereits mit dem Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, zwecks Uebernahme dieses Amtes Fühlung genommen. Von gut informierter Seite wird der ITA mitgeteilt, daß Sir Neill sich grundsätzlich bereit erklärt habe, die Angelegenheiten der Auswanderer aus Deutschland zunächst bis zu der im Herbst stattfindenden Völkerbundsversammlung zu führen. Es wird angenommen, daß die offizielle Ernennung General Sir Neill Malcolms zum Volkerbundseberkommissar für die Auswanderer aus Deutschland bereits in den nächsten Tagen erfolgen wird. Das ,,Royal Institute of International Affairs", an dessen Spitze General Malcolm steht, erstrebt die Ermutigung und Erleichterung des wissenschaftlichen Studiums internationaler Fragen, die Förderung des Austausches von Informationen und Ideen über internationale Probleme und die Bereitstellung von Mitteln für Information und Forschung auf diesem Gebiet. Die kritische Lage der rumänischen Juden. — Eine jüdische Abordnung bei Titulescu. Paris, 11. Februar, Der rumänische Außenminister Nicolae Titulescu hat eine aus Vertretern der Alliance Israelite Universelle und des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte in Mittel- und Osteuropa bestehende Abordnung empfangen. Die Abordnung stand unter der Führung des Deputierten der französischen Kammer und Präsidenten des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte Paul Reynaud und des Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle Georges Leven. Es gehörten ihr außerdem die Mitglieder des Zentralkomitees der Alliance Alfred Berl, , M. L. Netter und Prof. William Oualid sowie der Vizepräsident des Komitees für die Verteidigung jüdischer Rechte, Boris. Gurewitsch, an. Die Unterredung des Außenministers Titulescu mit der Abordnung dauerte eine Stunde. Die Lage der Juden in Osteuropa, insbesondere üx Rumänien, wurde in ihr eingehend erörtert.