Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Lv^mmo ■^yfi^e^^^-^^^'-'^^'^^^^^^ /H'Vs'r'^ " ' $ ^ÄCÖ Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 13. Februar 1936 20. Schebat 5696 Nummer 7 Eine Schächtverhotsgefahr in Polen Warschau, 11. Febr. Sämtliche jüdischen Deputierten und Senatoren haben beim Kultusminister Swietosläwski Torgesprochen und ihn auf die Gefähr aufmerksam gemacht, die der im Sejm eingebrachte Antrag, das rituelle Schächten in Polen zu verbieten, für die polnische Juidemheit bedeutet. Die jüdischen Parlamentarier wiesen darauf hin, daß ein Schächtverbot eine Verletzung der in der Verfassung gewährleisteten Gewissensfreiheit darstellen würde. Kultusminister Swietoslawski versprach, das einschlägige Material sorgfältigst zu studieren. Die Abordnung intervenierte auch wegen der Unruhen an den Universitätein und forderte, daß es den jüdischen .Studenten ermöglicht werde, ihren Studien ungestört zu obliegen. Der Kultusminister erklärte, diese peinlichen Angelegenheiten würden bald bereinigt sein. Protest der orthodoxen Rabbiner Amerikas gegen den Antrag auf Einführung eines Schächtverbotes in Polen. New Yoric, 11. Februar. Der Verband der orthodoxen Rabbiner Amerikas hat an den polnischen Geschäftsträger in Washington telegraphisch einen Protest gegen den dem Sejm vorgelegten Antrag, die Schechita in Polen zu verbieten, gerichtet. In dem Telegramm wird betont, daß die Annahme dieses •Gesetzes zu einer ungerechten Diskriminierung der polnischen Juden führen würde, die unbedingte Beobachter des jüdischen Gesetzes -sind.. Der polnische Geschäftsträger wird ersucht, sich dafür zu verwenden, daß die Glaubensgenossen in Polen dm Besitze voller Religionsfreiheit bleiben. . ' ' Not unter den Juden Syriens infolge der antifranzösischen Unruhen. Damaskus, 9. Februar. Die jüdische Bevölkerung von Damaskus ist durch .die antifranzösischen Unruhen in Syrien wirtschaftlich schwer betroffen worden. Die Juden von Damaskus sind gezwungen worden, an dem Generalstreik, der bereits über drei Wochen dauert, teilzunehmen und ihre Läden Zu schließen. Denjenigen, die sich weigern sollten, der Generalstreikparole zu folgen, wurde angedroht, daß nuan ihre Geschäfte in Brand setzen werde. In weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung von Damaskus herrscht Hungersnot. Es wurde ein Hilfskomitee gegründet, dessen Wirkungskreis jedoch infolge Mangels an Mitteln sehr beschränkt ist, Regierungserklärungen zur Frage des Legislative Council und der jüdischen Einwanderung nach Palästina, ..; London, 10. Februar. In der Unterhaussitzung vom 10. Februar richtete Abgeordneter Tom Smith an den Minister-für die Kolonien die Frage, ob er im Hinblick auf die gegen die geplante Einsetzung des Legislative Council erhobenen Proteste die Lage zwecks Abgabe einer,neuen Erklärung über diese Angelegenheit überprüfen wolle. Kolomenmimister Thomas verneinte diese Frage und erklärte, daß der Plan des Legisla- (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die Frage des Legislative Council im Englischen Unterhaus ......Seite 2 Oberrabbiner wähl in Hamburg .... Seite 2 Der neue Volkerbundskommissar für Auswandererfürsorge .....Seite 2 Kritische Lage der rumänischen Juden Seite 2 Der Zionismus als postassimilatorische Erscheinung ..........Seite 3 Die Samuel-Missiom.........Seite 3 Die Antwerpener Thorakonferenz . . Seite 4 Volk im Aufbruch usw. Von Dr. Adolf Altmann.....Seite 5 Der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung iür Deutschland . . . Seite 7 WirtSchaftsnachrichten und Berichte aus Palästina .........Seite 7 »und 9 Drohendes Schächtverbot in Polen Seite 1 u. 7 Wir wollen heimkehren Von B. Cohen. Aus den Gängen der Zeit vernehmen wir Juden Deutschlands den Ruf G'ttes in unsere Heimat. Es soll uns als G'ttesgetreuen eine heimische Heimat werden. Wir werden nicht das dorthin tragen, was uns im bisherigen Aufenthaltslande uns die G'ttverbundenheit erschwerte. Wir werden nichts hinüberzupflanzen versäumen, was hierzulande dem thoratreuen Leben förderlich war und um das uns andere Stämme der thoratreuen Judanheit beneiden. Unser köstlichstes Gut ist unser Durchschauthaben der Kulturwerte und Unwerte. Unser innigstes Echo auf G'ttes Ruf zur Heimat ist unser Gesehenhaben der geistigen Heimat: Wir glichen auf dem kulturell-wissenschaftlichen Gebiete seit Langem den Wanderern, welche die Türme ihrer Vaterstadt auf abendlichem Heimwege in der Ferne erblicken und durch diesen Anblick ihre Schritte der häuslichen Stätte zu beflügeln, ja trotz einbrechender Nacht leichten Fußes die letzten schweren und ungangbaren Pfade durcheilen, um nur recht bald am trauten Ziele ruhen zu (dürfen. Wir haben mit der europäischen Wissenschaft zusammen weite Irrwege durchwandert und die Heimat des G'ttesgedankens weit aus den Augen verloren. Wir haben aber mit den neuesten Errungenschatf en fremden Wissens und Kulturschaffens allezeit Sahritt gehalten und bemerkt, daß das w i rk - lieh zeitgemäße Wissen langst keine Stütze der Gottlosigkeit mehr liefert. Wir haben uns dann aber meist nicht damit begnügt, Schritt mit den Anderen zu (halten, sondern sind, seitdem wir G'tt, der unsere Heimat ist, auf diesem Heimwege der Kultur auch nur wie durch fernen Abendnebel ahnten, den Anderen getrost vorangeeilt und haben den Weg ins Vaterhaus des Ueberzeugtseins von G'ttes Walten in Welt und Menschheit schneller gefunden als Jene, die vielleicht ihren Heimweg -seitwärts zu suchen haben. Und nun sollen wir von vorn anfangen? Es will uns nicht in den Sinn, im Lande unserer Väter, weil dort Brüder aus den die Irr-Reise der Westkultur erst beginnenden Ländern die überragende Mehrheit bilden, für uns oder für unsere Kinder den ganzen Tanz mit toten Ideen von Neuem beginnen zu sollen. Darf uns das auch nicht völlig von der Freude und der Verantwortung am Werden Erez Jisroels ausschließen, so muß doch dort drüben unser Bestreben sein, den Anschluß an das hierzulande jäh verlassene Bild der heiligen Heimat des Geistes auch drüben auf rascheste Weise für uns und unsere Kinder zu bewerkstelligen. Kundigere mögen entscheiden, ob das durch sprachliche und aussprachliche, örtliche und berufliche oder sonstige Isolierung möglich ist. Ist es unmöglich, so ist für uns der Weg nach Erez Jisroel nur eine der vielen Möglichkeiten unglückseligster Gölusnöte, die unsere Seele G'tt zu entfremden trachten. (Fortsetzung Seite 3.) l