Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 6 Oer Israelit 6. Februar 1936 Kinderecke. Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel. Von Alice Oppenheimer. IV. Die Spaltung des Schiifmeeres. Drei Tage schon war jetzt das Judenvolk hinausgezogen aUS dem Aegypterland und noch immer meldeten die Boten und Späher des Aeigypterkönigs nichts von einer Rückkehr der Juden. Trotz der vielen Plagen, die G'tt über Pharao geschickt hatte, war er nicht klüger geworden. Es gereute ihn nur, daß er die Juden hatte ziehen lassen. Als der vierte Tag kam und kein Jude erschien, dia packte ihn 'der Zorn, er ließ sein Heer rüsten; Wagen und Pferde satteln und zog dem Volke Israel nach in die Wüste. Die Juden kannten außerhalb Aegyptens keinen Weg, keinen Steg, das war auch nicht nötig, denn G'tt ließ am Tage vor dem Volke Israel einen Emgel in einer Wolke, die wie eine Säule vom Boden in die Höhe ragte, ziehen. Sie zeigte ihnen den Weg und war sichtbar dem ganzen Volke. Abends, wenn es dunkelte, wandelte die Wolkensäule sich in eine Feuersäule, überallhin Helligkeit gebend. Am fünften Tage ihres Fortseins aus- Aegypten hörten sie Pferdestapfen, Mensch enistimmen. Laute, die sie auf ihrer Wanderung sonst nicht vernahmen. Sie wurden unsicher, Angst überkam sie. War es viel leicht der Aegypterkönig, der ihnen nachsetzte? Die Juden gingen schneller, um dem, was da folgte, auszuweichen, aber auf einmal mußten sie Halt machen, vor ihnen lag ein Meer, ein große® Wasser, das konnte man weder durchschwimmen, noch zu Fuß durchqueren. Was machen? „Hilf G'tt, helfe uns Moses!" Es ging auf G'ttes Geheiß die Wolkensäule hinter das Volk Israel, so /daß es* wie ein undurchdringlicher Nebel zwischen Juden und Aegyptern lag. Die Pfeile, welche die Aegypter abschössen; trafen nicht, denn die Wolkensäule fing sie auf. Hinten im Rücken bOt die WoIkeiDSäule Schutz; den Juden, aber vor ahnen lag das Meer, wie-sollten sie durchkommen, ohne zu ertrinken? Kehrt machen, sich den ""Aegyptern ergeben? In diesem Augenblick befahl G'tt den Ostwind herbei, es wehte ein Wind, der trieb das Wasser auseinander. Wie zwei Felsen standen die Wassermengen und inmitten lief ein trockener Weg. Ein bißchen zaghaft stapfte das Volk Israel den Pfad entlang. Ob das Wasser nicht über sie herfällt, dachten sie. — Nein, G'tt hielt es wie mit eisernen Ketten fest. Kein Tröpfchen Wasser war an den Schuhen und Kleidern der Juden. Sie erreichten vollständig trocken das andere Ufer. Nun wich die Wolkensäule, das Aegyptervolk sah den Weg im Meer, sah Israel am anderen Ufer. „Jetzt schnell, schnell, auf den trockenen Weg hinüber!" riefen die Aegypter. Sie kamen bis zur Mitte, da streckte Moses auf G'ttes Geheiß seinen Stab aus, die Wasser kehrten zurück, strömten, fluteten, es erstürmten die Wellen die Aegypter, ihre Wagen und Rosse und das Aegyptervolk ertrank. Ganz Israel hatte das Wunder G'ttes gesehen. Moses dichtete ein Jubellied für G'tt, es sangen alle Männer mit, auch Mirjam und die übrigen Frauen spielten die Pauke und die Flöte und sangen voll Freude ein schönes Lied. „Nein, gar nicht schön, finde ich es," ruft Ben, ,/daß das Judenvolk Lieder anstimmt. Jubelt, wenn ein ganzes Volk stirbt." „Aber Ben, hast ja ordentlich rote Backen bekommen, regt Dich das denn so auf? Komm her, kleiner Hitzkopf, ich will Dir das erklären. Das Judenvolk hätte nie sich allein aus der Hand der Aegypter befreien können, dazu waren sie körperlich durch die schwere Arbeit zu geschwächt. Das war sich Israel klar. Es wußte von den 10 Plagen, es erlebte die Spaltung des Schilfmeeres', es sah die g'ttliche Fürsorge in der Gestalt der Feuer und Wolkensäule. Israel empfand G'ttes Hilfe und Beistand und darüber sein Jubeln. König David, der Dichter und Sänger, dichtete ein Jubellied. Dieses Lied der Freude ist zum Gebet an allen Festtagen geworden; an den letzten Pesachtagen aber beten wir es nur zur Hälfte, weil wir des Sterbens der Aegypter gedenken und deshalb unserem Jubel über unsere Befreiung Einhalt gebieten." Wasser und Speise. * Längst waren die Wasserwogen des Meeres geglättet, aber noch immer stand das Volk Israel an seinen Ufern und suchte das Gold und Silber der toten Aegypter an sich zu bringen. Moses mußte fast Gewalt anwenden, um das Volk fortzuführen. Weiter, tiefer in die Wüste hinein mußten sie wandern. Kein Baum, kein Strauch gab ihnen Schutz vor der Hitze der Sonnenstrahlen. Der lockere Sandboden war heiß, erhitzte die Fußsohlen und ließ die Wanderer ermüden. Durst stellte sich ein, aber leider war kein Tropfen Wasser mehr in ihren Schläuchen, die sie aus Aegypten mitgenommen hatten, weit und breit war keine Quelle, sie schrieen um Wasser, sie wurden böse auf Moses. Aber halt! Was blinkte und blitzte dort in der Sonne, das konnte doch nur Wasser sein. „Schnell dorthin!", riefen alle. Mit hohler Hand suchten sie das Naß an den Mund zu bringen, esi durstete sie ja so furchtbar, aber was war das? Kaum ein Schluck getan und schon spuckten sie das Wasser wieder aus, schüttelten sich wie vor etwas Schrecklichem. Das Wasser war bitter, ein fürchterlicher Geschmack haftete ihm an. „O, dieser Moses," schrie das Volk, „nun läßt er uns hier in der Wüste verdursten." Da ersichien G'tt dem Moses und sprach: „Sieh dort das Holz, nimm es, wirf es ins Wasser, daß es süß werde." Moses tat so und das Wasser schmeckte herrlich. Sie brachten das Wasser in ihre Schläuche, so daß sie für ein paar Tage versorgt waren. Nun machte «'ich aber der Hunger bemerkbar. Der Magen knurrte, Hungergefühle stiegen auf, satt wurden sie nicht mehr, denn die Mazzos, 'die sie mitgenommen hatten, waren fast aufgebraucht, sie schmeckten so fad, immer das gleiche, immer dasselbe Essen. Da schenkte G'tt dem Volke eine ganz große Ueberraschung. Eines* Morgens lag auf der Erde etwas Weißliches, fast konnte man glauben, es sei in Seidenpapier gewickelt. Als aber die Juden nähertraten, da waren es Körner, 'die G'tt in Tautropfen gelegt hatte, damit die Körnlein'frisch blieben. Diese Körnlein, genannt Manna, regneten Tag für Tag vom Himmel herab, lagen früh morgen« vor den Zelten der Juden. Nur am Schabbos kamen die Körnlein .nicht, dafür aber brachte der Freitag für zwei Tage iNahrung. Einige aber dachten, wir gehen doch noch einmal am Schabbos hinaus vor unsere Hütten, vielleicht, wer weiß, vielleicht finden wir doch wieder Manna. Der Schabbos kam und heimlich verließen einige Unfolgsame ihr Zelt, schauten nach dem Manna aus, aber nichts war zu finden/ Denn am Schabbos kam der Nordwind nicht den Boden sauber zu fegen, der Regen spielte nicht die Putzfrau und scheuerte den Erdboden blank. Am Schabbos wollte auch der Tau nicht erscheinen, um das Manna zu umhüllen und G'tt gab das Manna nicht \\ aus seiner Schatzkammer, denn am Schabbos ruht G'tt. . Diese Körnlein aber hatten auch eine Wunderkraft in sich, sie konnten schmecken nach allem, was die Juden gerne aßen. Wollte der eine gerne Erbsbrei, so nahm das Manna den Geschmack von Erbsbrei an, hatte ein anderer Lust nach Obst, schmeckten die Körnlein wie lauter Früchte, Für eine Weile nun war das Volk Israel wohlgelaunt, als aber das Wasser in ihre» SeWäuchen "Wieder zu Ende 'ging, fingen sie von neuem an, gegen Moses zu murren. „Hättest Du uns in Aegypten gelassen, Mose®, es wäre gescheiter gewesen,; jetzt müssen wir, unsere Kinder und Herden hier in der Wüste verdursten." G'tt sah, wie Israel mißmutig wurde ' und er sprach zu Moses*. „Schlage mit Deinem Stab auf den Felsen." Moses tat so. Der Felsen spaltete sich, eine Quelle .lief hervor mit herrlichem klaren Wasser, und für eine lange Zeit begleitete die Quelle das Volk Israel. Das Volk Amalek. „Was kommt dort geschlichen, hört ilhr nichts?" „Dort kommt doch etwas ganz leise nähe. Nicht wahr, dort hinten, wo die Zelte der Frauen und Kinder sind. Eben schrieen Kinder, das sind unsere Kinder!" so riefen die Juden untereinander. Sie eilten hin und sahen, dort wo die Frauen, die Alten, die Schwachen waren, dort, wo die Kinder gingen, stand ein fremdes Volk von Kopf bis Fuß gepanzert, mit Schild und Schwert umgeben. Sie hatten sich ans Ju<- denlager herangepirscht und töteten 'die Schwachen, die sich nicht helfen konnten. „Wer seid Ihr?" „Wir sind Amalek!" Schon zog sich der Kampf ins Hauptlager, da bat Moses Jehauschuah: „Eile, eile, suche Dir die tapfersten Juden aus, kämpfe gegen das Volk Amalek!" Moses selbst stieg auf einen Hügel, begleitet von Aaron und! Gfour, dem Sohne Mirjams. Moses hob seine Arme zu G'tt und flehte G'tt um seinen Beistand, So lange Moses seine Arme hochhielt, siegte Israel, aber Moses war müde, seine Arme schlaff, fielen herab und sofort begannen die Amalekiter zu siegen. Da nahm Chur und Aaron Moses Arme, stützten ihn und Moses blieb so im Gebet zu G'tt vertieft, bis die Sonne unterging. Dieses G'ttvertrauen Moses, sein ständiges! Flehen um G'ttes. Beistand half dem Judenvolk. : Die Amalekiter waren ein feiges, . hinterlistiges Volk, ein Volk, das sich wichtig tat, dabei aber nur an Schwache, an Kinder sich heranmachte. „Solche Menschen sind schlechte Menschen,' solche Völker gehören nicht in meine Welt, drum behaltet die Bosheit- Amaleks im Gedächtnis, um das Schlechte auszurotten von dieser Welt," sprach G'tt., (Fortsetz'ung folgt.) Kein Jude darf notleiden Die Jüdische Winterhilfe mufl helfen! Chamischa assar bischwat* Ich gehe durch die Wälder, Ich igehe durch die Flur, Was hör' ich für ein Gewisper heut' nur? Um das Bäumchen spielt zart der Wind, Da flüstert leis' das Pflanzenkind: „Chamischa assar bischwat. ist heut', Weißt Du auch, was das bedeut'? Ein neues Jahr für uns beginnt, Deshalb sind wir froh gesinnt; •Es steigt. in uns neue Kraft, Wir bekommen wieder Lebenssaft, Es wird uns wohl zumute!" Ich gehe 'durch die Flur, Ich gehe durch den Wald Und weiß, wenn es auch draußen ist kalt, Von innen her kommt neue Kraft, Der liebe G'tt dies Wunder schafft. , Trade und Margrit Hofmann, Zwillinge, 9 Jahre. Rätsel. Der 2—3 gab dem Jungen frei An einem schönen Tag im Mai, Der ging dann in den 1 hinaus, Bracht frischen 1—2—3 nach Haus, Und abends ward 'ne Bowle diraus. Ein Chinese ist's> ein feiner Ein e daran, wirds gelber und kleiner, Und schmeckt Buch Kindern sicher gut, Bin neugierig, wer's raten tut. Gleichklang. l. Ich habe zwei herzige Spielgenossen Und freu1 mich der lustigen Beiden, Im Frühling sehn tausendfach wie sie sprossen An den blühenden, duftenden Weiden. .'*''■•- '.. 2. Mit u als Baum und Strauch bekannt, Mit ä ein Mann aus dem Niederland. Eins—zwei ist 'die Waffe der Wespen und Bienen, Drei—Vier wachsen im Garten und im Wald, dem grünen, Das Ganze sind schmackhafte, saftige Dinger, Und wollt Ihr sie pflücken, gebt acht auf die Finger. Die frischen 1—2 iiieben alle Kinder, Wir freuen uns im Mai der 3—4. Und ist vorbei der lange Winter, > Hinaus zur Ganzen marschieren wir. 5. Die kleinen Schnee-f.....die freuen uns gar sehr, Doch die mit g im Winter entzücken uns mehr. Für die kleinen Musikfreunde. Mein Hänschen, der kleine 3, 5 und 4 . Schenkt zu Chamischo-bssor gar. herrliche 1-^-2 mir Daraus entstand alsbald 'der Komponist, Von dem 'die herrliche Oper ist. Richtige Lösung aus Nr. 51 de« „Israelit" sandte ein: Friede! Wolff, Frankfurt a. M„ Uhlandstr. 46.