Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 6 1936 Schof artöne imTeweth Von Siegfried Geller in Berlin. Mehrere Schofartöne habe ich neulich vernommen, Schofartöne zu außergewöhnlicher Zeit. loh ging da meinen täglichen Weg. Ein lärmender Verkehr, der nüchterne Großstadtgesang, lag über der breiten Straße, und fleißige Menschen strebten hastig ihrem Ziele zu. Etwas besonderes zu erleben, darauf war ich nicht vorbereitet; man ging eben seinen Weg ... Es dauerte nicht lange, da hörte ich plötzlich mehrere markante Töne, die den Klängen des Schofar sehr ähnlich waren. Je weiter ich kam, desto deutlicher wurden sie, und bald stand ich vor einem Hause, in dem sich ein Betraum befand, aus dem die besagten Töne zu kommen schienen. — Schofartöne---? loh betrat die kleine Synagoge und sah gerade, wie ©in alter ehrwürdiger Jude einen Schofar beiseite legte. Jetzt erst kam es mir so recht zum Bewußtsein, warum mich diese Töne so aufhorchen ließen, und warum es mich so trieb, ihnen nachzugehen. Schofartöne vermögen es nämlich, den jüdischen Menschen stark aufzurütteln und ihn zu ganz bestimmten Zeiten an ganz bestimmte Aufgaben zu erinnern. Aber Schofartöne im Teweth — was ihat das zu bedeuten? Der Schofarbläser selbst, er klärte mich 'darüber auf. Aus finanziellen Gründen müsse das ohnedies kleine Minjan dieser Wodhentagssynagoge aufgelöst und mit einer anderen Kehilla vereinigt werden. Nun habe er gelernt, wenn man das letzte Mal in einem solchen iBeth Hakneßefch sein Gebet verrichtet hat, es nach alter Ueb er lieferung üblich sei, mehrere Töne aus dem Sahofar erklingen zu lassen. Einein eigentlichen Grund dafür gab er mir nicht an, und auch andere, die ich später befragte, konnten mir nichts dazu sagen. Lange noch klangen mir die Tekioth des Schofar in den Ohren, und wenn ich will, dann höre ich sie noch 'heute. Jeder von uns sollte sie hören, denn zu uns allen sprechen sie. Sie rufen gleichsam aus vergangenen Epochen in unsere außergewöhnliche Zeit hinein, unsere Eigenart zu bewahren, und unsere Tradition stolz aufrecht zu erhalten; .auch wenn es schwer ist, auch wenn materielle Gründe hindernd wirken; gerade dann, dann erst recht! Nie dürfen wir die jahrtausendealten Ideale des Judentums, die andere Kulturen überdauert haben, aus dem Auge verlieren, nie uns von Bewegungen beeinflussen lassen, deren Ziele und Ideen, wenn das auch äußerlich nicht so aussieht, dem entgegengesetzt sind, was das Judentum gerade als eine besondere Nation unter den Nationein der Welt auszeichnet. — Weil die finanziellen Mittel nicht ausreichten, mußte sich diese kleine Kehilla mit einer anderen vereinigen, aber nur so, um gemeinsam neue Kräfte zu sammeln, um dem wahren, unverfälschten geschichtlichen Judentum zu dienen. Die Schofarklänge, unter denen die Beter das G'tteshaus verließen und für die mir niemand eine Erklärung geben konnte, sie sind symbolisch. Sie ertönten zu ungewohnter Zeit um uns, wie in früheren Zeiten bei besonderen Anlässen, auf etwas besonderes hinzuweisen: denkt daran, daß ihr nicht ein Volk wie alle Völker s e i d! Schofarklänge im Teweth — — —. Wieder ein Heim-Roman. Seitdem wir vielfach in der Welt mit etwas unsanfter Hand heimgeschickt werden, mehren sich die Heimromane. Der Roman von Samuel Lewin unter dem Titel „Und er kehrt keim", aus dem Jiddischen von Mirjam Kemp übersetzt (erschienen im R. Löwit- Verlag, Wien-Jerusalem), zeichnet sich von all den anderen literarischen Heimfahrten der letzten Zeit dadurch aus, daß die Heimat hier nicht Palästina ist und die Heimschickung sich nicht unter den neuesten Verhältnissen abspielt. Ein junger Mensch, ein Kind des Ghetto, Sohn eines Thoralehrers, zeichnet sich durch eine herrliche, liebliche Stimme aus. Es ist alles, was der arme Junge als Reisezehrung für das Leben von der g'ttlichen Natur erhalten hat. Er hat sonst nichts, auch keine geistigen Vorzüge, mag auch nichts lernen. Einen Vater hat er, der immer schweigt und eine Mutter, die mit rührenden Augen das einzige Kind anblickt und weint. Er will in die Welt und weiß weder warum noch wohin. Dann geht der Weg über Warschau in vielen Kurven und Krümmungen bis nach Petersburg, der Weg von Meckel Stern, dem armen jüdisch-polnischen Kleinstadtjungen zum weltberühmten Sänger Michail Swjesdow. Dazwischen liegt die Taufe, die ihm zum Steigbügel für die große Oper wird, aber auch zum Schicksal, an dem er innerlich zerbricht. Auf dem Wege, den dieser arme Junge zurücklegt, lernen wir Rußland kennen, seine Landstraßen, seine Herbergen, seine Armen und Elenden, seine Verbrecher, seine Künstler, seine durch und durch innerlich ausgehöhlte große jüdische und russische und halbjüdische Gesellschaft in den Villen und Palästen bis zum Zusammenbruch. Lewin ist unverkennbar .durch .die Schule der großen Russen gegangen. In der Neigung zur Betrachtung und Reflek tion, wo sie sogar ein wenig störend wirken, spricht der Einfluß Tolstois mit, Anläufe zu einer Seelen analyse führen zu Dostojewski und in einigen Kapiteln, die auf Landstraßen, in Schänken, Asylen und Verbrecherbuden handeln, glaubt man Gorki zu lesen. Freilich hat Samuel. Lewdn keines dieser großen Genien auch bei weitem nur erreicht, aber in der Art, wie er idiese Schulen kombiniert, zeigt er doch ein Eigenes. Und dann die jüdische Note. Meckel, der Emporgestiegene, der Unglückliche und innerlich Zerbrochene, findet zuletzt doch seine Ruhe, ja sogar sein kleines Glück, in dar frei gewählten Armut an der Seite eines guten, frommen und jüdischen Weibes. Wie er seine Laufbahn als fahrender Sänger in den Höfen begonnen hat, so singt er, der lange Jahre der Star der großen Opern in Petersburg und Berlin gewesen ist, wieder vor den Enterbten aus dem vierten Stande in den schmutzigen Höfen Warschaus, und mit den Kupfermünzen, die ihm aus den hohen Fenstern der kleinen Leute in die Mütze fallen, fließt ihm Segen von oben zu. Er ist wieder der jüdische Mechel Stern. Er brauchte nur den alten Namen wieder anzunehmen, denn mit der neuen Religion hatte er nie innerlich etwas Gemeinsames gehabt, es. war für ihn nur eine Fraige des Passes. Er hat wieder seinen alten jüdischen Paß, und es ist sein Goluspaß. Möge er glücklich bleiben, wünscht der Leser, nachdem er das Schicksal eines Menschen auf 350 Seiten nicht ohne Rührung und Ergriffenheit an sich vorüberrollen| ließ. Franz Werfel widmet dem Buch ein Vorwort und nennt Samuel Lewin einen wahren Dichter. Dieses Urteil findet der Leser nach wenigen Seiten bestätigt. Der Eintopfsonntag muß alle Juden zum Opfer bereit finden! Wenn ihr ins Land kommt. Pünktlich zum 15. Schwat überreicht die Jugendbücherei des Keren Kajemeth Lejisrael ihren Mitgliedern ein hübsches Büchlein, das die Frische von Feld und Wald atmet. (Hechaluz-Verlag, Berlin.) In über fünfzig Nummern wird hübsch erzählt von den Heimatfesten im alten Israel, von den Festen in der Golah und von den Festen im heutigen Erez Israel. Gedichte und Lieder zum 15. Schwat berichten über die Baumpflanzungen in Erez Israel und andere Berichte sind auf den kindlichen Ton abgestimmt. Ein paar Bibelsprüche dm hebräischen Original beziehen sich auf den Aufbau Palästinas. Daß das Ganze im Dienste der zionistischen Erziehung für Palästina steht, muß nicht erst gesagt werden, und es ist gewiß nicht Schuld der Herausgeber, daß sie die Bezirke so trennen müssen, von alten Festen und neuen Festen erzählen, aber leider von alten Festen im ineuen Erez 'Israel so; wenig zu berichten. wissen. Reminiszenzen an König Georg in der jüdischen Presse Palästinas. Anläßlich des Todes König Georgs V. hat die hebräische Presse Palästinas das Manifest veröffentlicht, das der verstorbene König an die palästinensische Bevölkerung gerichtet hat, als Sir Herbert Samuel High Commissioner für Palästina war. In dem Manifest hieß es u. a.: Die verbündeten Großmächte, deren Streitkräfte im Kriege den Sieg davontrugen, haben meiner Regierung das Mandat erteilt, für das Wohl Palästinas zu sorgen und eurem Lande die Entwicklung, den Frieden und das Gedeihen zu sichern, die ihr viele Jahre lang nicht hattet. Mein Herz ist von Stolz erfüllt, wenn ich des bedeutenden Anteils gedenke, den meine Truppen unter dem Kommando des Oberbefehlshabers Lord Allenby an der Befreiung Eures Landes aus der Hand der Türken hatten, und ich werde glücklich sein, wenn ich und mein Volk dazu werden beitragen können, daß euer Land den Segen einer Herrschaft im Geist von Weisheit und Freiheit genießen wird. Ich will euch versichern, daß die Pflichten, die der über Euch gesetzten Regierung auferlegt wurden, restlos erfüllt werden sollen, und daß meine Regierung beschlossen hat, die Rechte jeder Rasse und jedes Bekenntnisses unter Euch zu respektieren, sowohl in der Zeit bis zur definitiven Bestätigung der Mandatsbestimmungen durch den Völkerbund, als auch in der Zukunft, wenn dieses Mandat verwirklicht werden wird. Euch .allen ist wohl bekannt, daß die verbündeten Großmächte beschlossen haben, Maßnahmen zu treffen, die 'die stufenweise Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina sichern sollen. Diese Maßnahmen werden keinesfalls die bürgerlichen und religiösen Rechte sämtlicher Einwohner Palästinas beeinträchtigen, noch ihren Wohlstand verringern. Ich bin überzeugt, daß der High Commissioner, den ich zwecks Verwirklichung dieser Prinzipien ernannt habe, seine Aufgabe mit vollster Hingabe erfüllen und mit Erfolg bemüht sein wird, mit allen Kräften das Glück aller Stände und Gemeinschaften unter Euch zu fördern und sie zu einigen. Ermäßigung der Passagepreise für Palästina-Reisen zum Purimlest. Die Agentur des Lloyd Triestino Frankfurt a. M. teilt uns folgendes mit: Wir geben Ihnen hierdurch bekannt, daß unsere Gesellschaft für Reisen zum „Purim-Fest" nach Palästina folgende Ermäßigungen einräumt, wenn die Abreise ab Triest oder Genua zwischen dem 19. 2. und dem 4. 3. angetreten wird und die Rückreise ab Haifa nach Europa spätestens am 26, 3. erfolgt: I. Klasse 50 Proz. auf den Normalpassagepreis II. „ 50 Proz. auf den Normalpassagepreis Tour. „ 30 Proz. auf den Normalpassagepreis Die Ermäßigung wird nur dann erteilt, wenn gleichzeitig die Hin- und Rückfahrkarte gekauft wird. Es kommen demnach für die Ausreise folgende Dampfer in Frage: 19. 2. Dampfer „Gerusalemme" 21. 2. Dampfer „Palästina" 22. 2. Dampfer „Esperia" . 26. 2. Dampfer „Galilea" 4. 3. Dampfer „Gerusalemme". Die letzten Dampfer, mit welchen die Rückreise ab Haifa angetreten werden muß, sind 25. 3. Dampfer „Gerusalemme" 26. 3. Dampfer „Esperia". Wochenkalender. Von. 8. — 15. Februar 1936 / Vom 15. — 22 Schcbat 5696 vir» *» Samstag 8 15 imnao m-w raw nbvz Sonntag 9 16 & *iü?y nn?»n Montag;10 17 Dienstag 11 18 nV. Mittwoch Febr. 12 Bat? 19 ib Donnerstag 13 20 tV Freitag 14 21 nb Samstag 15 22 üV YW I WSBm.