Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 6 Der Israelit 6. Februar 1936 Commissioner Sir Arthur Wauchope dein Colonial Office alle ihm von jüdischer und arabischer Seite überreichten Denkschriften zur Frage de® Legislative Council übersandt habe. 'Bs werde erwartet, daß gemäß den Vorschlägen des High Commissioner das Ministerium für die Kolonien alle Denkschriften gemeinsam beantworten und auf die besonderen Punkte jeder einzelnen nur ganz kurz zurückkommen werde. Gleichzeitig berichtet „Doäf Hajom", es sei beschlossen worden, die ganze Angelegenheit des Legislative Council bis nach dem XX. Zionistenkongreß zurückzustellen. Die geplanten Einschränkungen des Bodenverkaufs in Palästina, — Das Kolonienministerium aui den Spuren John Hope Simpsons? Jerusalem, 30. Jan. Ueber die letzte Besprechung des High Commissioner mit den arabischen Führern wird weiter berichtet, daß Sir Arthur Wauchope die Notwendigkeit der geplanten Maßnahmen zur Einschränkung des Bodenverkaufs folgendermaßen begründet habe: Es sei, so erklärte Sir Arthur, zum Schutze der arabischen Bodenbesitzer notwendig, daß die geplanten gesetzlichen Maßnahmen nicht nur auf Bodeneigentümer, sondern auch auf Bodenpächter angewandt werden. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen sei e9 zwar noch möglich, daß Araber, die ihren Boden verkaufen, auf anderen Arbeitsgebieten Erwerbsmöglichkeiten finden und so sich und ihre Angehörigen erhalten können. Diese Verhältnisse würden sich jedoch ändern und mit dem Anwachsen dar Bevölkerung würden neue Schwierigkeiten auftauchen, die die Beschaffung von Arbeit für landlose Erdarbeiter verhindern würden. Darum sei es notwendig, schon jetzt große Vorsicht walten zu lassen und es zu verhüten, daß kleine Grundbesitzer oder Pächter den Boden verkaufen, der ihnen und ihren Hausgenossen den Lebensunterhalt sichert. An die Führer der arabischen Parteien richtete der High Commissioner den Appell, die Regierung bei der Ausarbeitung der Grundsätze zu unterstützen, die für den Schutz des kleinen landwirtschaftlichen Besitzes maßgebend sein sollen. Der High Commissioner fügte hinzu, daß die Festlegung der Einzelheiten der projektierten gesetzlichen Maßnahmen längere Zeit erfordern werde. Attentat au! den bekannten Rechtsanwalt Eliash in Jerusalem. Jerusalem, 30. Jan. Der bekannte jüdische Rechtsanwalt Dr. Mordechai Eliash wurde in der Bezalel-Straße im Zentrum von Jerusalem von zwei europäisch gekleideten Personen attackiert und durch Messerstiche am Halse und am Unterleib verletzt. Dr. Eliash wurde in das Hadassah-Krankenhaus überführt. Sein Zustand, der sich im Laufe des Tages besserte, gibt zwar noch immer zu Besorgnissen Anlaß, doch erklären die Aerzte, daß Lebensgefahr nicht mehr bestehe. Dr. Eliash ist einer der angesehensten jüdischen Rechtsanwälte Palästinas. Vor der Kommission, die unter dem Vorsitz von Sir Walter Shaw 1929 eine Untersuchung über die blutigen Vorfälle im August durchführte, erschien er als einer der Vertreter der Jewish Agency. 1930 vertrat er die jüdischen Interessen vor der Völkerbundskommission, die die Rechte der Juden und Mohammedaner auf die Klagemauer untersuchte und die jetzt geltenden Bestimmungen in Bezug auf die Klagemauer festsetzte. Er ist ferner Mitglied des Rates für Rechtsstudium, unter dessen Aufsicht die juristischen Kurse in Jerusalem stehen. Es wird mitgeteilt, daß das Attentat auf Dr. Mordechai Eliash nicht aus politischen Motiven verübt wurde. Dr. Eliash erklärte, die Attentäter seien Juden gewesen. Amerika. James G. Macdonald für die Aktion Herbert Samuels. New York, 30. Jan. Bei dem in New York für Sir Herbert Samuel, Lord Bearsted und Simon Marks veranstalteten Empfang sprach auch der frühere Oberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. MacDon&ld, der sich warm für die Pläne Sir Herberts und seiner Mitarbeiter einsetzte. Er teilte mit, daß Simon Marks versprochen habe, 100.000 Pfund für den Auswanderungsfond zu zeichnen. Der stellvertretende Vorsitzende des Joint Distribution Committee, James> N. Rosenberg, gab bekannt, daß von den 5 Millionen Dollar, die in England für den neuen Fonds aufgebracht werden sollen, eine Million bereits von vier einzelnen englisch-jüdischen Persönlichkeiten allein gezeichnet worden ist. Auch der Präsident des Joint, Paul Baerwald, und Rabbi Jonah B.. Wise, setzten* sich nachdrücklich für die Pläne der englisch-jüdischen Abordnung ein. Auf Vorschlag James G. Mac- Donalds ehrte die Versammlung das Andenken König Georgs durch eine Minute des Schweigens. Personalien. Elberfeld, 30. Jan. Am letzten oaerrn mv verabschiedete sich unser Raw, Herr Rabbiner M. Findling, nach fast sechsjähriger, segensreicher Tätigkeit von seiner Gemeinde. Weit über den 'eigenen Kreis der Gemeinde hinaus, ist er in der ganzen Orthodoxie als führende Persönlichkeit der Chäluzim- und Poalim-Bewegting bekannt und nun folgt er seinem langjährigen Wunsche, in nwnpn fiR leben und wirken zu dürfen. — Die Abschiedsfeier wurde eingeleitet von ergreifenden Abschiedsgediohtchen und einer kleinen Ansprache, vorgetragen von ehemaligen Schülern des Raws. Sodann dankte der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Max Frank, in ergreifenden Worten dem scheidenden Raw für all seine aufopferungsvolle Hingabe an die Gemeindearbeit, für die Verbreitung des G'tteswortes in seinen klarformulierten und allgemein verständlichen Reden und Lehrvorträgen, für seine Hingabe an die Jugendarbeit, an der er mit ganzem Herzen hing und für die liebe- und verständnisvolle Art, mit der er jedem Einzelnen entgegenkam. Jeder hatte zu seinem Raw vollstes Vertrauen und fand in ihm in allen Lebenslagen einen Freund und Helfer. Durch sein bescheidenes und liebevolles Wesen hatte er sich auch große Verehrung und Verständnis für sein Wollen auch in anderen Kreisen erworben, obgleich er immer klar, eindeutig und energisch seinen Standpunkt vertrat. — Die starke Beteiligung dieser Kreise bei der Abschiedsfeier, mit den Spitzen der hiesigen Synagogengemeinde, legten dafür beredtes Zeugnis ab. In seinen Schlußworten versprach Herr Frank namens der Gemeinde, das Werk mit allen Kräften fortzusetzen und überreichte in dankbarer Anerkennung der treuen Dienste, ein recht ansehnliches Abschiedsgeschenk. — Dann ergriff Herr Rabbiner Findling das Wort, um *Abschied zu nehmen von seiner Gemeinde. Still lauschte die Fülle der Zuhörer den begeisternden und ergreifenden Worten. Er zeigte der Gemeinde die brennende Problematik der heutigen Zeit. Der Kampf geht um die Grundlage und Form des jüdisch-nationalen Lebens. Unter keinen Umständen dürfen wir vom wnp -Charakter des jüdischen Volkes abgehen lassen. G'tt, Thora und Volk bilden eine Einheit, an der wir nicht rütteln lassen dürfen. An Hand des VMp -Begriffes legte er der Gemeinde nahe, die Konsequenzen aus diesem Begriffe auch unter den größten Opfern zu ziehen und in die Tat umzusetzen. Zuerst durch Pflege der Gemeinschaft, durch Bekenntnis zum jüdischen Volke, durch Rücksichtnahme auf das Wohl und Wehe des Andern und durch die Aufrechterhaltung des täglichen G'ttesdienstes, als Stätte des Bekenntnisses zur Einheit von G'tt, Thora und Volk, dann aber durch die Heiligung der Seele, durch Sabbatheiligung, Kaschrut und Familienreinheit. In ergreifenden Worten nahm er sodann Abschied von der Gemeinde. — Anschließend sprach Herr Gemeinderabbiner Dr. Philipp, zugleich namens des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herrn Rabb. Findling seinen Dank aus für seine segensreiche Tätigkeit innerhalb der gesamten Elberfelder Judenheit. Seine Bescheidenheit und Herzensgüte haben es vermocht, daß er auch in nichtorthodoxen Kreisen, bei strenger Wahrung seines Standpunktes, erfolgreich wirken konnte. — Möge es Herrn Rabb. Findling bald vergönnt sein, in ein seinen großen Fähigkeiten adäquates' Arbeitsgebiet zu finden. Niederaula, 3. Febr. Am vw 'B mv — 15. Februar — feiert Herr Salomon L« v i sein 25jähriges Jubiläum als Synagogen-Aeltester und Vorstand der Q'lina man Er hat es verstanden, in den schweren Kriegs- und Nachkriegszeiten dasi Schiffledn der Gemeinde friedlich und ruhig mit sicherer Hand zu leiten. Möge er wny noch das Glück haben, unter g'ttlichem Beistand auch jetzt in der für eine kleine Gemeinde besonders schweren Zeit die Gemeinde und ihre Institutionen zu erhalten. München, 30. Jan. Erew Söhabbos Schernaus wurde hier Herr Salomon Schönberger b"Yi unter .großer Beteiligung aus allen Kreisen unserer Gemeinde zu Grabe getragen. Mit ihm ist ein Kbillo- Mann alten Schlages dahingegangen, der Liebe und Verständnis für alles hatte, was im Leben einer Gemeinde, in ihrem Aufbau, in ihrer Entwicklung und in ihrer Erhaltung, von Bedeutung ist. Das Rüstzeug für sein Leben hatte er sich in Fürth als Zögling des dortigen Waisenhausies unter Leitung von Dr. Jonas Königshöfer erworben. Dem dort empfangenen Geist blieb er sein ganzes Leben treu, verpflanzte ihn in das Haus, das er mit der Tochter des bekannten Zaddik R. Henoch Jizchok Zimmer gründete. Ebenso war er im Kreise seiner Freunde und Bekannten erfolgreich tätig für Vertiefung des jüdischen Lebens. Als Vorstandsmitglied von „Ohel Jahob" und langjähriger Gabai in der Synagoge erwarb er sich hohe Verdienste. Möge die Familie in dem Gedanken Trost finden, daß das Andenken des Heimgegangenen ein unvergängliche® innerhalb seiner Gemeinde sein wird, daß sein jüdisches Leben als ein vorbildliches weiterwirken wird. Freiburg i. Br„ 3. Febr. Einer der Besten, Salomon Weil, ist im Alter von 71 Jahren plötzlich vom Erdenleben abberufen worden. Still und bescheiden, wie im Leben, so ist er auch heimgegangen. Vor nahezu 50 Jahren kam er von seinem Geburtsorte Gailingen nach Freiburg und war Mitbegründer eines gesetzestreuen Minjans, aus welchem später der Ger meinde-Betsaal hervorging. Ueberau, wo es galt, für die alten Grundilagen in die Bresche zu springen, stand der Verblichene an erster Stelle. 40 Jahre lang waltete er als vorbildlicher spin ^J?a Sein pnoa war uneirschütterlich. Als er den einzigen teuren Sohn, den noch heute in Aller Andenken stehenden thorabeflissenen Jüngling Max Weil im Kriege verlor, kam nie ein lautes Wort der Klage über seine Lippen, so sehr ihn der Verlust sichtlach schmerzte. Bei der am niae* nat? a*is* unter außerordentlicher Beteiligung von nah und fern stattgefundenen miap würdigte Herr Bezirksrabbiner Dr. Z im eis die Verdienste des edlen Mannes; im Trauerhause hielten Herr Kantor Kuflik, sowie während der ns/at? Herr M. B o 11 a g aus Baden (Schweiz) ergreifende onson- Möge rrapn der in 42jähriger Ehe treu bewährten gebeugten Gattin sowie der trauernden Tochter nebst Familie reichen Trost spenden! rraiHfi. Antwerpen, 4. Febr. Am 27. Tewes hat sich hier in Antwerpen eine Agudas Jisroel-Frauengruppe gegründet. Damit wurde ein langgehegter Wunsch aller Agudisten erfüllt; denn sie schließt den Ring der agudistischen Gruppen. Die Arbeit der Männer- und das erfolgreiche Werk der Mädchengruppe bedurfte dieser Ergänzung ebenso wie die Jugendgruppe, die sich auf bewußt agudistische Mütter stützen möchte. Als die Gründung der Frauengruppe seinerzeit auf der Westeuropäischen Tagung durch einige Frauen beschlossen wurde, verkündete Herr Oberrabbiner Rottenberg diesen Beschluß. Der zustimmende Beifall der Versammlung bewies, welchen Wert man dem Zusammenschluß der Frauen allgemein beimißt. Das war es auch, was die wenigen entschlossenen Frauen in der Durchführung ihres Beschlusses bestärkte, und sie veranlaßte, zunächst die Grundlagen genau zu prüfen, welche dem speziellen örtlichen Arbeitsgebiet einen erfolgreichen Aufbau versprechen. Denn die mangelnde Homogenität in der Fremdenstadi Antwerpen, deren jüdische Bevölkerung aus allen Ländern der Welt zusammenströmt, und die daraus bedingten Unterschiede in kultureller und sozialer Hinsicht erfordern eine ganz besonders sorgfältige Prüfung und ein langsames Arbeiten, um Erfahrungen für den allmählichen Ausbau zu sammeln. Der freudige Beifall einer hochgestimmten Versammlung vermag gar wohl, den Antrieb zu einer Gründung zu geben, doch bedarf es zur Durchführung des gesteckten Zieles einer weitertragenden, sich stets erneuernden Kraft. Diese Kraft muß der jungen Gruppe, die sich zunächst nur in geringer Anzahl, aber aus bewußten Agudistinnen im Heim der B'noth-Gruppe konstituierte, zuströmen aus dem-ernsten Willen der Mitglieder, sich das Ideal der agudistischen Frau und Mutter gemeinsam zu erarbeiten. Ohne sich den Statuten gemäß am politischen Leben aktiv zu beteiligen, werden sie dann für Agudas Jisroel werben, und immer neue Mitglieder anziehen, die für Ideale eintreten. Als vorläufiges Programm wurde aufgestellt: 1. die Einrichtung eines wöchentlichen Schiurs in Chumisch. mit Raschi als Arbeitstgemeinschaft; 2. Die Einrichtung eines wöchentlichen Iwrithkursus für Anfängerinnen. 3. Die Veranstaltung 14tägiger Vorträge über ein geschichtliches oder aktuelles Thema. 4. Die Veranstaltung von Rauschchaudeschzusammenkünften geselligen Charakters; 5. Die Förderung der B'noth Agudas Jisroelgruppe durch Zusammenarbeit in mateireller und ideeller Hinsicht. 6. Die Förderung der agudistischen Presse, insbesondere der örtlichen. 7. Die Anstrebung freundschaftlicher Zusammenarbeit mit den örtlichen sozialen Vereinen. 8: Die Beteiligung entsprechend der jeweiligen Inanspruchnahme an den jeweiligen agudistischen Gesamtaufgiaben, insbesondere am Beth Ja<fob-Schülwerk. In Verbindung mit einer Einladung zur ersten Veranstaltung, einem Chamischohosorfest am Mauzoh Schaibboth Kaudesch, wurde diesies Programm an Mitglieder und Freunde versandt. Ueber den Verlauf des Eröffnuingsifestes werden wir sGw. in der nächsten Nummer dieses Blattes berichten,"