Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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6. Februar 1936 Der Israelit Nr. 6 Seite 7 von .den einzelnen Regierungen ratifiziert wird und in Wirksamkeit tritt. Polen. Der Anszinower Chassidimrabbi gestorben. Warschau, 29: Jan. Der in der Chassidiin-Welt sehr populäre Anszinower Rabbi, Jerachmiel Aron Josef Kalisz, ist in •dem ,.Kuroirt Otwock im Alter von 58 Jahren an einem Herzleiden gestorben. . rraiMn Tschechoslovakei. Tagung des Obersten Rates der Kultusgemeinde. Verbände der historischen Länder. Prag, 30. Jan. Im Prager jüdischen Rathaus fand die Plenarversammlung des Obersten Rates der jüdischen Kultusgemeinide-Verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien statt, an der fast sämtliche Delegierte der fünf Verbände teilnahmen. Der Tätigkeitsbericht' wurde genehmigt, ebenso der Antrag der Präsidialkonferenz, die Verhältnisse dess Religiomiunterrichtes wesentlich zu verbessern. In dieser Hinsicht erwägt man die Errichtung von Kursen zur Erziehung von Religions- und Hebräisch- Lehrern und von Fortbildungskursen für die bereits tätigen Lehrer. Erwogen werden ferner eine systematische Ergänzung der Lücken in den Lehrbüchern, eine Beratun>gstätdgkeit für die einzelnen Kultusgemeinden u. ä. m. An der Debatte beteiligte sich die Mehrheit der Delegierten; /diese äußerten sich besonders zu Fragen der Fürsorge für die Auswanderer aus Deutschland. Einstimmig gelangte eine Resolution gegen die Errichtung eines Legislative Council für Palästina zur Annahme. Griechenland, Die griechischen Wahlen und die Juden. ' Saloniki, 31. Jan. Die Aufteilung der bei den Wahlen zum griechischen Parlament anr 26. 'Januar; von den einzelnen. Parteien errungenen Mandate hat bisher ergeben, daß in Saloniki einer der jüdischen Kandidaten, der Schatzmeister der Handelskammer von Saloniki; Albert T c h e ni o , als Abgeordneter der .Kondylis- Partei in das neue; Parlament einzieht. Abg. Tchenio ist eine der führenden Persönlichkeiten des Komitees Griechenland-Palästina. Es besteht die Möglichkeit, daß nach Beendigung der Stimmenauszählung für die einzelnen Wahlkreise auch noch ein zweiter jüdischer Kandidat, der Venizelist Aron S c i a k y, ein , Mandat erhalten wird. England, Kanada und die Aktion Sir Herbert Samuels. London, 29. Jan. :Der Londoner „Morning Post" wird aus Ottawa (Kanada) gemeldet, daß es keine Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Kanada in großem Umfang geben werde, solange nicht die neue Regierung die gegenwärtige Ekiwanderungspolitik radikal ändert. Der kanadische Einwanderungsminister T. A. Crerar habe erklärt, er habe bisher seilten® der Organisation Sir Herbert Samuels, die sich bemüht, Mittel für eine großzügige Ansiedlung von Juden aus Deutschland aufzubringen, keine Vorschläge erhalten. Gegenwärtig können nur englische Untertanen, von denen nicht zu erwarten ist, daß säe der ©Öffentlichkeit, zup Last fallen werden, nach Kanada kommen. Für Personen aus anderen Ländern ist in jedem Fall eine besondere Kabinettsorder erforderlich, außer für die Gattin und unter achtzehn Jahre alte Kinder] einer Person, die .sich bereits rechtmäßig in Kanada niedergelassen, hat. Eine weitere Ausnahme' 'besteht' für. Landwirte, die schon ,in ihrer'Beimat den länd-; wartschaftlichen. Beruf ausgeübt 'hjabeh. und tausend " Dollar, für Vorberedtüngszwecke besitzen. Die WochC- Frankiurt a. M. Der Schauspieler und Regisseur Alfred Auerbach aus Frankfurt a. M, hatte mit seiner Konzertbearbeitung und verbindenden Dichtung „Peer Gynt" zur Grieg'sichen Musik dm Preßburger Sender einen großen Erfolg. Berlin. Wie aus einer vom Landeskirchenrat der Thüringer Evangelischen Kirche veröffentlichten Statistik hervorgeht, sind in Thüringen im Jahre 1934 6 Juden zur evangelischen Kirche übergetreten. München. Der Münchener Handelsschutz- und Rabattsparverein Deutschlands, umfaßt nur noch nichtjüdische Firmen. Köln. Die Jüdische Winterhilfe in Köln betreut gegenwärtig etwa 900 Familien mit über 2500 Köpfen. In diesem Winter werden etwa zwölf Eisenbahnwaggons Kartoffeln und Heizmaterial ausgegeben werden. Für die Versorgung mit Textilwaren, Kleidern, Schuhen usw. ist ein Etat von 30.000 Reichsmark erforderlich. Im Februar werden u. a. 12.000 Pakete Mazzot verabfolgt. — Wie der „Stadtanzeiger" in Köln meldet, ist eine 23jährige Vertreterin verhaftet worden. Sie hatte in Marinheim mit einem jüdischen Fabrikanten ein Verhältnis. Als er im September vorigen Jahres das Verhältnis löste, wurde er von dem Mädchen und dessen Mutter "um 500,;Mark erpreßt unter der Drohung, man würde ihm wegen Rassensühändung Unannehmlichkeiten machen. — Auf einer Vorstandssitzung des Kölner Verkehrsvereins wurde mitgeteilt, daß sämtliche nichtarische Firmen aus dem Verein restlos ausgeschieden sind. Wien. In Wien ist die Gattin des Husyatiner Großrabbiners Israel Friedmann, Frau Sara Friedmann, gestorben. An der Beerdigung nahm eine unübersehbare Menschenmenge teil. Die Verstorbene hatte vor zwölf Jahren idie „Frauenhilfsaktion für Kranke und Wöchnerinnen" gegründet und seither in aufopferungsvoller Weise geleitet. Budapest, Anläßlich der bevorstehenden Gemeindewahlen wurde hier eine Gemeindepartei konstituiert, als deren Präsident Dr. Leo v. Buday-Goldberger gewählt wurde. Lemberg. Die Rabbiner Dr. J. L e - W d n und Dr. L. F r e u n d haben den Metropoliten Graf Andirzej S z e p t ic k i , das Oberhaupt der griechisch - katholischen Kirche in Polen, anläßlich seines 35jährigen Amtsjubiläüms besucht und ihm in hebräischer Sprache die Glückwünsche des Rabbinats ausgesprochen. Der Metropolit antwortete, gleichfalls inheferäiscHer Sprache, in herzlicher Weise auf diese Beglückwünschung. Paris. Dem neuen, von dem radikalen Senator Albeirt Sarraut gebildeten französischen Kabinett gehören drei Juden als Mitglieder an. Georges Mandel, der auch im Kabinett Laval Postminister war, hat' dieses Portefeuille behalten. Der unabhängige Deputierte Jaques Stern ist Minister für die Kolonisten in dem neuen Kabinett, Pierre M a z e. Unterstaatssekretär für Hygiene im Ministerium des Innern. Jerusalem. Der Flughafen von Waadi Chalfa, über den ' der Luftverkehr nach Indien und Holländisch-Indien geht, wurde durch Pflasterung mit glatten Steinplatten verbessert. Beim Flugfeld wurde ein neues Hotel für die Reisenden und Piloten errichtet. — Die ' Palästina-Regierung hat eine Aktion zur Aufforstung von 25.000 Dunam /im Laufe von fünf Jahren beschlossen. Auch der Oelberg soll noch in diesem Jahre mit verschiedenen Bäumen bepflanzt werden. — In R e c h o w o t wurde die dem Daniel Sieff-Forschungsinstitut für Agrikultur-Chemie angeschlossene chemische Bibliothek, die nach Geheimrat Fritz Haber benannt wurde, feierlich eröffnet. An der Feier, bei der Dr. Chaim Weizmann eine Ansprache hielt, nahmen der Sohn Fritz Habers. Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency und viele angesehene Persönlichkeiten aus wissenschaftlichen und' politischen Kreisen teil. Tel Awiw. Der Tel Awiwer Industrielle Samuel Blum hat anläßlich seines 75. Geburtstages , der Stadtverwaltung von Tel Awiw'*;3Gö6s: Pfund ziur Errichtung.. eines Heims iiir - verwahrloste Kinder übergeben.' — Die Palästdnaregierung hat den von einer Firiänzgruppe - vorgelegten Plan zum Bau einer Untergrundbahn dn Tel Awiw;a b g e 1 eh n t... Die . Untergrundbahn; sollte bis, ,näch Petach Tikwäh,fahren, um den gewaltigen Verkehr zwischen' Tel' Awiw und Petach^Tikwah zü entlasten* : n Stellungnahme der englischen Judenheit zum Plan eines Legislative-Council für Palästina dem Minister für die Kolonien überreicht. London, 31. Jan. Eine vom Abgeordneten Sir Isidore Salmon und Lord Melchett geführte jüdische Abordnung, die zionistische und nichtzionistische Organisationen in England repräsentierte^ wurde am 31. Januar vom Minister für die Kolonien, J. H.' Thomas, empfangen. Nach dem Empfang der Abordnung wurde folgendes offizielle Communique ausgegeben: Der Staatssekretär für die Kolonien hat am 31. Januar im Colonial Office eine Abordnung empfangen, die von Sir Isidore Salmon M. P. vorgestellt wurde. Die Abordnung informierte Mr. Thomasi über die einmütige Ansicht der durch sie vertretenen Körperschaften in Bezug auf den Vorschlag der Schaffung eines Legislative Council in Palästina. Mr. Thomas nahm von den ihm gemachten Vorstellungen sorgsam Kenntnis und versprach, der Abordnung binnen angemessener Frist eine erwogene Antwort zukommen zu lassen. Palästina. Die Antwort des Colonial Office auf die arabischen Forderungen. v Jerusalem, 29, Jan. Der arabischen Delegation, die am 29. Januar vom High Commissioner die telegraphische Antwort des Ministers für die Kolonien auf das arabische Memorandum vom 26. November 1935 entgegennahm, gehörten u. a. der Führer der palästinensischen arabischen Partei (Mufti-Partei) Dschemal el Husseini, der Führer der arabischen Verteidigungspartei, Ragheb Bey Nashashibi und der Führer des arabischen Jugendverbandes, Jakub Bey Ghussein an. In dem seinerzeitigen arabischen Memorandum war die Einführung einer demokratischen Regierung in Palästina, das Verbot weiteren Bodenverkaufes an Juden und die Einstellung der jüdischen Einwanderung verlangt worden. Kolonienminister J. H. Thomas erklärt in seiner Antwort, daß der Forderung nach Einführung einer demokratischen Regierungsform durch die Pläne für die Errichtung eines Legislative Council Rechnung getragen wurde. Was die Frage der vollständigen Einstellung der jüdischen Einwanderung betreffe, für die stets der Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes maßgebend war, so beabsichtige die Regierung nicht, von diesem Prinzip abzugehen. Sie erwägt die Errichtung eines statistischen Amtes zur Feststellung der wirtschaftlichen Veränderungen, die sich im Lande vollziehen. Zu der arabischen Forderung nach Verbot des Bodenverkaufs erklärt Minister Thomas, daß er grundsätzlich der Verkündung eines Gesetzes zugestimmt habe, demzufolge Bodeneigentümern, mit Ausnahme derjenigen im Distrikt Beer Schewa, der Verkauf von Boden nur unter der Bedingung gestattet wird, daß sie eine für ihre Existenz ausreichende Fläche behalten. Nach diesem gepiänten Gesetz wird dem High Commissioner dasi Recht gewahrt, Bodenverkäufen zuzustimmen, wenn sie der Bedingung entsprechen, daß für den bisherigen Eigentümer das existenzsichernde Minimum übrig bleibt. Wieviel Boden verkauft werden darf, soll von Zeit zu Zeit für die einzelnen Gebiete auf Grund der Bewäs-serungs- und Kultivierungsverhältnisse festgestellt werden. Auch Pachtland ist denselben Bedingungen unterworfen. Die geplanten gesetzlichen Bestimmungen sollen im allgemeinen so gehandhabt werden, daß jeder Bodenverkauf, mit Ausnahme von Verkäufen im Distrikt Beer Schewa, diesen Einschränkungen unterliegen soll. :- Eine hebräische' Uebersetzung der Antwort des Kolonienministers auf das . arabische Memorandum wurde der Jewish Agency, for Palestine übermittelt. Der Legislative Council. — Zurückstellung bis nach dem XX. Zionistenkongreß? Jerusalem, 30. Jan. ."' Unter Berufung auf eine gut unterrichtete Quelle teilt die Tageszeitung ,,/Doar Hajöm" mit, daß' High