Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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6. Februar 1936 Der Israelit Nr. 6 Seite 5 Der Richter am New Yorker Obergericht Philip McCook hat in einer Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung das Recht der New Yorker Kaschrut-Vereinigung anerkannt, den Handel mit .Koscher-Geflügel au überwachen. Die Kaschrut-Vereinigung, an deren Spitze Richter Otto Rosalsky steht, hat vor etwa eineinhalb Jahren Schritte unternomunen, tum der offenkundigen Verletzung der Kaschrutvorschriften auf dem Geflügelmarkt ein Ende zu setzen. Die Vereinigung richtete einen strengen Ueberwachungsdienst ein und verlangte, daß nur solches Geflügel als koscher bezeichnet werden dürfe, das von einem Beauftragten der Vereinigung kontrolliert und mit einem Kontrollfußring versehen wurde. Jegliches Geflügel ohne solche Marke sei als trefe anzusehen. Der von der Vereinigung aufgenommene Kampf wurde durch die Bemühungen der New (Zum „Sabbat des Liedes".) Von Wolf S. Jacobson. I. Der dieswöchige Schabibos trägt den Namen „Schabbos Scbiro" — Sabbat des Liedes. Es gibt ein Singen aus der Kraft der Kehle und es gibt ein Singen aüs den Tiefen der Seele. Jeden Morgen sprechen wir es aus in unseren Hallelliedern: „Preise meine Seele den Ewigen, ich preise G'tt durch mein Leben, singe meinem G'tte durch mein Sein." Dies ist der Gesang der Seele! Es ist ein Singen des Herzens und d e r Gedanken, ähnlich wie wir es am Schlüsse von 'Dil aussprechen: „Ich singe dem Ewigen durch mein Leben, singe ihm durch mein Sein, möge mein Sinnen vor ihm angenehm sein, da ich mich freue mit G'tt." Und so ist unser ganzes Beten, auch unser Bitten, ein Singen. Eines dieser unserer Gebete führt aber den Namen Lied par excellence: Es ist dieser T>tP "IlMri' von dem die Ueberschrift spricht. Wieso es diesen Namen trägt, ist nicht ganz eindeutig: Nach einer Auffassung, weil es in besonderer Weise, in beschwingten Versen, G'ttes Ehre verkündet, nach einer anderen, weil man während der Oeffnung des Oraun Hakaudesch die letzten vier Verse des Psalm 24 spricht, die G'tt als dem „König der Ehre" huldigen. Nach einer alten Ueberlieferung soll Rabbi Jehudo Hachosid der Verfasser sein, „ein würdiger Sohn seines Vaters, Rabbi Schmuel Hachosid, des Verfassers der Schirej Haijichud", wie es in einer alten Handschrift heißt. In vielen Gemeinden des polnischen Ritus wird dieses Lied jeden Morgen gesungen. Einer unserer großen Männer, der jüngst aus einer Gemeinde mit aschkenasischem Ritus, wo man dieses Lied nur am Schabbos singt, in eine solche mit polnischem Ritus übersiedelte, sagte mir, daß er sich an alles in seiner neuen Umgebung gewöhnen könne, nur nicht an das tägliche D'WJX mTW-sagen; eine solche Bemerkung aus dem Munde dieses Mannes setzte mich in Erstaunen und ließ mich in den Quellen nachschlagen. Da fand ich, daß nach Auffassung des Wilnaer Gaon dieses Lied nur am Jomtow gesungen werden solle, fand ferner, daß sich der L'wusch ausführlich (Nr. 133) mit der Frage von fllTöT O^K beschäftigt. Er gibt seinem großen Erstaunen Ausdruck, daß man es jeden Tag saige. Ihm schiene es besser, es nicht täglich, zu sagen, nicht weil dieses Lied das nicht verdiente, sondern umgekehrt, wegen seines erlesenen, außergewöhnlichen Charakters. Die besondere Bedeutung des Liedes wird ja schon dadurch äußerlich demonstriert, daß es ibeii geöffneter Lade gesungen wird. Der tägliche Vortrag nimmt ihm den Glanz des 'Besonderen, des Heilig-Erhabenen. Zumindest sollte man nicht täglich den Oraun Hakaudesch dabei öffnen, sondern mir an festlich gehobenen Tagen, wie Schabbos, Jomtow Yorker Stadtverwaltung, «Mißbrauche beim Verkauf von Koscherfleisch" und -Geflügel zu beseitigen, unterstützt und wurde von den meisten jüdischen Vereinigungen gefördert. Gegen das Recht der Vereinigung, von ihr nicht kontrolliertes Geflügel, als trefe zu bezeichnen, brachten nun mehrere Geflügelhändler die Klage ein und verlangten eine einstweilige Verfügung gegen das Vorgehen der Vereinigung. Diese Klage wurde von Richter McCook nach einem Prozeß, der zwei Monate dauerte, abgewiesen. In der (Begründung seines Urteils wies er darauf hin, daß die Speisegesetze auf Moses zurückgehen. Man müßte ähnliche Entscheidungen im Interesse der reinlichen Scheidung im rituellen Leben auch in anderen Ländern wünschen. Begriffe wie Neukoscher und ähnliche mehr würden dann bald genug verschwinden. und Rosch-Chaudesch, in Anlehnung an Ezechiel 46, 1. Nur aus Gründen, die außerhalb der Sache liegen, hat sich der L'wusch davon zurückhalten lassen, seinen Standpunkt in der Praxis zu verwirklichen. Jedenfalls zeigt dies, wie erhaben der Charakter des Liedes ist und darum sollten die Verantwortlichen darauf halten, daß man dies Lied auch dort, wo man es täglich sagt, nicht „alltäglich" werden läßt, sondern in tiefer Andacht und Weihe singt. II. Da ich in keinem der mir zugänglichen Gebetbücher eine Uebersetzung gefunden habe, habe ich selber die Anfertigung einer solchen versucht. Sie schließt sich so eng wie möglich an das Original an und versiicht, dessen gereimte Versform einzuhalten. Der Text: 1. Lieder und Sänge laß' froh ich ertönen, Denn meine Seele, zu Dir geht ihr Sehnen 2. In Deinem Schutz will Ruhe sie finden, Dein g'ttlich Geheimnis möcht' sie ergründen. 3. Sprech' ich von Dir, mein Herz alsbald Heiß liebend Dir entgegenwallt. 4. Drum sing' ich bewegt das Lied Deiner Ehren Und preis Deinen Namen den hohen und hehren. 5. Ich singe von Dir, Den nie ich gesehen, Drum kann ich nur ahnen, nie ganz Dich verstehen. 6. Und selbst die Propheten im erschauten Gesicht, Sie sahn nur den Abglanz. Dich selbst sahn . sie nicht: 7. Sie wollten in den erschauten Bildern Nur Deine unendliche Größe schildern! 8. Immer blieb's Hülle, nie war es der Kern, Dein Werk sie besangen, hoch bliebst Du und fern. 9. Und ob sie erschauten Gesichter in Fülle: In allem der Eine, Sein einziger Wille. 10. Sie haben Dich vielgestaltig erschaut: Bald ijugendkräftig und bald ergraut, 11. In Alters-Milde, da uns Du gerichtet, In Kriegers Vollkraft, da den Feind Du vernichtet. 12. Des Heiles Helm ans Haupt gekettet, Hat uns Dein starker Arm errettet! 13. Im Morgentau, im Tropfen der Nacht, Spiegelt sich G'tt, der über mir wacht. 14. Der mich erwählet, Der mich liebt, Der meinem Dasein die Schönheit gibt. 15. G'tt, dessen Haupt wie Gold erhaben, In Priesters Stirnband ließ den Namen Er graben, 16. Den heiligen, auf daß Sein Volk Ihn kröne, In Glanz, in Pracht, in reicher Schöne. 17. Er, deß' Haupt voll Jugendpracht, Deß' Locken rabenschwarze Nacht, 18. Jerusalem, die wunderfeine, Sie hat Er auserwählt, sie ganz alleine, 19. Sie und das Volk, das Ihm zu eigen ganz, Dies ist Sein Diadem von reinstem Glanz. 20. Er trägt dies Volk, hat Sich mit ihm geschmückt, Weil Er es liebt, hat Er es reich beglückt. 21. Sein Glanz auf mich, mein Glanz auf Ihn! Fleh' ich zu Ihm, schon hat Er mir verzieh'n. 22. Mir ist Er mild, doch zornig Er ergrimmt, Wenn Er an Edom Rache nimmt. 23. G'tt, der Seines Wirkens tief geheime Bahnen Nur Seinen treuen Diener Moses ließ erahnen, 24. Er liebt Sein Volk! Den Himmlischen erquickt Das Dankeslied des Volks, das arm ist und gedrückt. 25. Er, Der seit Urbeginn die Völker schon gezählt, Er wollt' nur dieses Volk, das Volk, das Ihn erwählt!-- 26. So nimm das Lied denn an, das wir in Liebe singen, Ganz nah an Deinem Ohr mög' unser Sang erklingen. 27. Und wie das Räucherwerk, das einstens stieg zur Höhen, Sei wohlgefällig Dir mein Beten und mein Flehen, 28. Und wie Dir lieblich klang das Lied beim Opferbringen, So nimm auch gütig an des Armen Spruch und Singen. 29. G'tt, Schöpfer und Gestalter, Der täglich Welt erneut, 0, höre auf das Lied, das wir Dir singen heut': 30. Nimm an es in Gnaden, wie einst den Räucherduft, Es ist Dein Volk, das alte, das Dich in Sehnsucht ruft: 31. Die Sehnsucht unserer Seele, die ewig ungestillt, Aus unseres Liedes Klängen Dir heiß entgegenquillt.' III. Bemerkungen. Ein selbst oberflächlicher Blick auf das Lied zeigt, daß fast jeder Satz an Bilder und Verse aus Tnach sich anlehnt. Bevor wir diese Anlehnungen im Einzelnen angeben (zum größten Teil nach Bähr im bXW1 mins?), sei auf einzelne gewiß bekannte, aber doch nicht immer beachtete Textworte hingewiesen: Zu 2. Es heißt nicht niöTl' sondern m&n t : t : nach Hohe Lied II, 3. Bähr weist darauf hin, daß Heidenheim rn»rt liest; in den späteren Ausgaben des Heidenheim'sehen Sidurs ist ebenso wie in seinem Machsor auf diese Feststellung Rücksicht genommen. Zu 8. Es heißt nicht spHS^V sondern (in der Piel-Form):?p?#?2« Zu 25) Es heißt nicht ttm "jurin oy mmn - wia-mip r\m iin «wi sondern: 'tpm 7tnn oy - im irr wki» mip - nmt "pm wxi die Worte im m 27X1» 8"ttj? sind eine Umbildung vontfKI» nvnn KTlj? (Jesaja 41, 4) und gehören zusammen. Der Text fußt im einzelnen auf folgenden Tnachstellen: Vers 1. zweite Hälfte: Psalm 42, 2. Vers 2. erste Hälfte; Anlehnung an Hohelied 2, 3. Vers 10 und 11. In Daniel 7, 9 heißt es: „Ich schaute, wie man einen Thron hinstellte und ein Alter an Jahren sich darauf setzte, sein Gewand war weiß wie Schnee und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle." Raschi bemerkt zu Schmaus 20, 2: „Am Meer erschien ihm G'tt wie ein Kriegsheld, (hier bei der Offenbarung, wie ein Greis voller Liebe." In Ch'agigo 14a sagt Scihimuel zu Chijo, dem Sohn von Raw: „Komm, ich will Dir etwas von den schönen Worten sagen, die Dein Vater zu sagen pflegte: „ ... In mTöT o'yax - „Das Lied der Ehre".