Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 6 Der Israelit 6. Februar 1936 sollen. In der Erklärung wird auf den MacDonald- Brief vom Jahre 1931 hingewiesen, in welchem festgestellt werde: erstens, daß die englische Regierung den im Palästina-Mandat niedergelegten positiven Verpflichtungen treu bleibt und die jüdische Kolonisation in Palästina erleichtern wird; zweitens, daß eine gründliche Untersuchung durchgeführt werden wird, um festzustellen, wieviel Staats- und private Böden der jüdischen Kolonisation zur Verfügung gestellt werden (können; drittens, daß die Regierung eine Aktivität zur Entwicklung des Landes zum Besten der Juden und der Araber einleiten wird. Die Exekutive der Jewish Agency erklärt, es bedürfe durchaus keiner Mittel, um die kleinen arabischen Bodenbesitzer zu schützen. Durch den Verkauf von Teilen ihrer Böden erhalten die Araber erst die Mittel zur Verbesserung ihrer ökonomischen Lage. Die Behauptung der Shaw- Kommission vom Jahre 1929, daß es eine große Zahl landloser Araber gibt, ist später durch eine Untersuchungskommission der Regierung als nich-. tig erklärt worden; es wurde festgestellt, daß in den letzten zehn Jahren lediglich 650 Araber landlos geworden sind, davon nur ein kleiner Teil faktisch, der größere Teil bat in anderen Zweigen des Wirtschaftslebens Unterkunft gefunden. Die Exekutive der Jewish Agency erklärt, daß die wichtigste zionistische iBemühung in der Erwerbung von Boden besteht, und unterstreicht, daß das angekündigte neue Gesetz entmutigend auf das Judentum in der ganzen Welt wirken wird; dies in einer Periode tragischen Erlebens des Judentums, in der Palästina die einzige Rettung für große Teile des jüdischen Volkes be deutet. Das Zusammenfallen der Pläne zur Ein schränkung des Bodenverkaufs mit dem Plan der Schaffung des Legislative Council und mit gleich zeitigen einschränkenden Maßnahmen gegenüber der Einwanderung bedeutet eine ernstliche Hemmung der progressiven Entwicklung des Jüdischen Nationalheims. Die Jewish Agency drückt zum Schluß ihrer Erklärung die tiefste Enttäuschung über die Politik der Mandatsregierung aus, die den Bodenverkauf einschränken will und ihre Verpflichtung, aktiv an der jüdischen Landkolonisation mitzuwirken, unberücksichtigt läßt. Die Jewish Agency ist entschlossen, ihren Kampf gegen diese das Jüdische Nationalheim schädigenden Beschränkungen aufzunehmen und ruft das jüdische Volk auf, sie in diesem ihrem Kampf zu unterstützen. König Georgwald in Palästina wird ein großer Waldpark London, 1. Februar. Das Komitee englischer Juden zur Schaffung des Königs Georg-Jubiläumswaldes in Palästina, mit dessen Pflanzung vor wenigen Wochen begonnen wurde, gibt bekannt, daß der Wald zu einem König Georg-Erinnerungswald werden solle und zu einem riesigen Waldpark ausgebaut werden wird. Die Spenderlisten liegen bis zum 3. April auf. Das Komitee »hofft, daß bis dahin die zur Anlage des Parkes erforderlichen erhöhten Fonds eingegangen sein werden. Liquidierung der Polizei-Autonomie von Tel Awiw? Jerusalem, 3. Februar. Die arabische Presse meldet, daß der Generalinspektor für die Polizei und die Gefängnisse Palästinas, Roy G. B. Spicer, sich demnächst nach Tel Awiw begeben wird, um die endgültige Liquidierung der Autonomie der Tel Awiwer Polizei vorzubereiten. Die Zeitungen erklären, diese Autonomie werde im April 1936,vollständig beseitigt sein. Veranstaltungen des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde bis auf weiteres verboten. Berlin, 5, Februar. Das „Deutsche Nachrichtenbüro" meldet: ,,Nach der Ermordung des Landesgruppenleiters der NSDAP, für die Schweiz, Wilhelm Gustloff, durch den Juden David Frankfurter in Davos hat der Reicihsminister für Volksaufklärung und Propaganda sämtliche Veranstaltungen des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde in Deutschland bis auf weiteres verboten, um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen." („Frankf. Ztg.") Jüdische Kliniken und jüdische Aerzte. Berlin, 5. Februar. Im Dezember 1935 hatte der Amtsleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (Verwaltungsstelle Groß-Berlin) im Berliner Aerzteblatt eine Bekanntmachung veröffentlicht, die die Bezahlung von Operationen bei Kassenmitgliedern in Privatkliniken regelt. Grundsätzlich soll eine Bezahlung in der bisher geübten Weise fortan nicht mehr erfolgen. Um aber eine weitere klinische Betätigung zu ermöglichen, ist eine Vereinbarung getroffen worden, welche die Bezahlung der klinischen Tätigkeit deutschstämmiger Aerzte in deutschen Privatkliniken sicherstellt, soweit sie dem Reichs verband deutschei Privatkrankenanstalten angeboren. Für die Behandlung jüdischer Kassenmitglieder durch jüdische Kassenärzte in jüdischen Privatkliniken sollte eine entsprechende Regelung erfolgen. Inzwischen hat die Wirtschaftshilfe der (jüdischen Gemeinde eine Liste der bei ihr gemeldeten jüdischen Privatkliniken in Berlin — es sind 18 — veröffentlicht. In der letzten Nummer des Berliner Aerzteblattes erinnert der Vorsitzende des Bundes deutscher Aerzte Berlins an die Anordnung des Amtsleiters aus dem Dezember vorigen Jahres und erklärt, daß es nach dieser Anordnung natürlich undenkbar sei; daß deutsche Aerzte ihre Patienten in jüdische Privatkliniken einweisen. Zugleich wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß dieser Hinweis genügen werde, um unangenehmere Folgerungen zu vermeiden. Juden in der Rechtswissenschaft« Auf einer Gauführertagung des NS-Juristenbundes und der Deutschen Reohtsfront sprach Staatsrat Prof. Dr. Carl Schmitt, der u. a. sagte, im letzten Jahrhundert habe das deutsche Rechtsleben am meisten darunter gelitten, daß sich das Judentum in dem Bereich der Rechtswissenschaft, der außerhalb der direkten staatlichen Kontrolle gestanden habe, durch die Gründung von Vereinen, durch die Beherrschung des Zeitschriftenwesens und durch 'eine ausgedehnte Buchliteratur sich habe breitmachen können. Die erste Aufgabe des NS-Juristenbiundes und der Deutschen Rechisfront als städtische Organisation sei es deshalb gewesen, diesen bisherigen sogen, staatsfreien Raum von jüdischen Einflüssen zu säubern. (ITA.) Der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. < Berlin, 5. Februar. Der Delegiertentag der Z. V. f. D. begann am Montag unter großer Beteiligung. Dr. Franz Meyer plädierte in seiner Eröffnungsansprache für Einheitlichkeit der Aktion. Kurt B:l u m e nf e 1 d brachte die besondere Auffassung des Zionismus in Deutschland, die heute im Zionismus entscheidend sei, zum Ausdruck. Das Präsidium des Delegiertentages besteht aus Otto May, Köln; Rabb. Dr. Jakob Hoff mann, Frankfurt, und Dr. Josef N e u b e r g e r , Düsseldorf. Dr. Siegfried Moses hielt ein groß angelegtes Referat über den Zionismus in, Deutschland und seine Bedeutung für die Bewältigung der jüdischen Gegenwartsaufgaben. Er sprach besonders eingehend über die Auswanderung nach Palästina und anderen Ländern. Der Zionismus wünsche kein Auswanderungsmonopol für Palästina, aber im Mittelpunkte des Auswanderungsproblems müsse Palästina stehen. Im Anschluß daran wurden auch einige Forderungen zur Sammel-Aktion in Amerika geäußert, Redner ließ sich noch weiter über den Ausbau der zionistischen Ideologie und der Verwirklichung der kulturellen Forderungen des Zionismus aus. Organisatorische Geschlossenheit und Disziplin sei notwendig. Die zionistische Organisation habe den Führeranspruch. Sie sei bereit, mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten, aber gegebenenfalls auch die Verantwortung allein zu übernehmen. In der Generaldebatte forderte Rabb. Dr. Hof f mann Durchsetzung des religiösen Gedankens in der zionistischen Bewegung. Andere sahen den Schwerpunkt in der Eroberung, der Gemeinden. Dr. Hans Klee übte Kritik an der wenig entschiedenen Haltung der „Jüdischen Rundschau" in Sachen des Legislative Council. Die kritischen Bemerkungen werden noch von Anderen aufgenommen und weitergesponnen. In der Abendsitzung verlangte Kurt Löwenstein, daß die Arbeit in der Reichsvertretung, und den Landesverbänden nur als Bruchteil der Gesamtarbeit angesehen werde, die Gesamtaufgaben als solche habe der Zionismus zu lösen. Michael Traub wendet sich gegen die Kritiker, die die Arbeit schwächen. Kurt Blumenfeld greift noch einmal das religiöse Problem auf, um gegen Dr. Hoffmann zu polemisieren, der die Forderung nach mechanischer Uebernahme religiöser Formen aufstelle. Es müsse eine andere Art von Religionserneuerung angestrebt werden. (?) Der Montag war ausgefüllt von Kommissionssitzungen, einem Referate von Tschertok über Kulturfragen un deinem anderen über den. Aufbau der jüdischen Schule. Mandatsniederlegung der Unionisten in der Wiener Kultusgemeinde. Wien, 4. Februar. Die Krise der Wiener Kultusgemeinde hat eine wesentliche Verschärfung erfahren. Die aus Angehörigen der „Union" bestehende Minorität im Kultusvorstande hat am 4, Fbruar ihre Mandate kollektiv niedergelegt. Dadurch ist die für diesen Tag einberufene Sitzung des Vertreterkollegiums, in der der frühere Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz als Vertrauensmann der zinistisoheni iMaijordtät zum Amtsdirektor der Gemeinde bestellt werden sollte, unmöglich geworden.