Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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"5^ff*«s«ri»C!3r ^r^*'$i9l3S|**«ii^P^ -7.FEB1936 Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Maine Frankfurt a. M. 6, Februar 1936 13, Schebat 5696 Nummer 6 Sympathiestreik in Palästina. Jerusalem, 3. Februar. Für Dienstag wurde eine große Versammlung angekündigt, in der die palästinensischen Araber ihre Sympathie mit den arabischen Nationalisten in Syrien bekunden wollen. Die palästinensischen Kommunisten haben einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie einen Generalstreik am Dienstag zum Zeichen der Sympathie mit den syrischen Arabern fordern. Die arabischen Parteien haben sich dieser Streäkparole angeschlossen. Im ganzen Land wird eine lebhafte Agitation getrieben, um die Losungen der syrischen Nationalisten zu popularisieren. Die arabischen Nationalisten, fordern die Wiederherstellung der 1924 abgeschafften syrischen . Verfassung sowie die Abschaffung der Aufteilung Syriens in verschiedene unabhängige Distrikte. Im Rahmen der in den Nachbarländern Syriens durchgeführten Solidaritätsaktion ist auch in Transjordanien ein Generalstreik veranstaltet worden. Der Großmufti von Jerusalem hat ein Komitee gegründet, das Geldsammlungeni für die Hinterbliebenen der bei den Unruhen in Syrien Gefallenen durchführt. Das Muftiorgan „El Liwaa" wendet sich dagegen, daß „Nordsyrien" und „Südsyrien" (Palästina) unterverschiedene europäische Mächte aufgeteilt wurden. Eine Sympathie-Kundgebung mit den syrischen Nationalisten fand auch im Gesetzgebenden Rat von Transjordanien statt. Es wurden sdharfe Angriffe gegen die französische Mandatarmiapht gerichtet. Gegen die französische Politik in Syrien wurde eine demonstrative Protestresolution gefaßt. Jerusalem , 4, Februar, Arabische Jugendliche erzwangen am Dienstag, den 4, Februar, um 11 Uihr vormittags die Durchführung des zum Zeichen der Sympathie mit den arabischen Nationalisten in Syrien proklamierten Streiks. Hierbei wurden mehrere Jugendliche von der Polizei festgenommen. Versuche, Straßendemonstrationen von Schülern und Studenten zu organisieren, wurden an drei Stellen von der Polizei verhindert, die die Angesammelten auseinandertrieben. In Jaffa hat das arabische Streikkomitee einen Aufruf zur Solidarität mit den Syrern erlassen. In der Proklamation wird auch auf die als heroisch bezeichnete Haltung der Araber bei den Unruhen anläßlich des Begräbnisses der Gefallenen von Dschenin hingewiesen. Der Streik; in der Stadt wurde voll durchgeführt; Polizei bewachte die Straßen und den Hafen. Auch in Nablus ist die Streikparole i streng eingehalten worden. Die neuen MaDnahmen der Palästina-Regierung. Jerusalem, 4, Februar. Die Exekutive der Jewish Agency wendet sich an das jüdische Volk mit 'einer Erklärung, in der betont wird, daß das angekündigte Gesetz über Verbot des Verkaufs kleinerer Bodenfläohen den Bestimmungen 'des Palästina-Mandates und des Briefes des früheren Premiers Ramsay Mac- Donald an Dr. Weizmann direkt widerspricht. Artikel 6 des Palästina-Mandates verpflichtet die Regierung, die jüdische Kolonisation in Palästina (zu ermutigen. Die Erklärung des High Commissioners enthält läber keinerlei Hinweis auf positive Schritte zur Kolonisierung von Juden im Lande, sondern sie kündigt lediglich negative Mittel an, die die jüdische Kolonisation hindern (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Juden in der Rechtswissenschaft . . . Seite 2 Jüdische Kliniken und jüdische Aerzte Seite 2 Sympathiestreik in Palästina . . Seite 1 und 4 Eiia Sieg des KaSchrut in Amerika . . Seite 4 Das Lied der Ehre Von Wolf S. Jacobson.....Seite 5 Die Juden im Viehhandel......Seite 6 Die Zahl der jüdischen Schulkinder in Preußen Seite 6 Die griechischen Wahlen und die Juden Seite 7 Briefe aus Palästina .....Seite 7 und 8 Von der Aktion Herbert Samuels . . . Seite 8 Kinderecke ............Seite 10 Volk im Aufbruch, Diaspora in Bewegung. (Reflexionen zur jüdischen Zeitgeschichte.) Von Dr. Adolf Altmann, Oberrabibiner in Trier. Seit jeher haben Kenner und Beobachter der jüdischen Geschichte nach dem inneren Gesetz ihres Geschehens gefragt, um u. a. die merkwürdige, oft ans Rätselhafte grenzende Erscheinung im Steigen und Fallen des jüdischen Geschichtsablaufs erkenntnismäßig festzustellen. Wie soll man es sich z. B. erklären, daß oft lange, ausgedehnte Zeitläufe in unserer Geschichte sich abrollen, ohne daß in ihnen große, wesenhafte und bedeutsame Dinge vor sich gehen und Schöpfungen von weittragender Größe vollbracht werden, während manchmal schon kurze, knappe Zeiträume hinreichen, um in ihnen die geistigen Speicher unseres Volkes mit grandiosen Werten zu füllen und Unvergängliches zu schaffen? Wir nennen da z, B. den bloß vierzig Jahre dauernden Zug der Israeliten durch die Wüste, im Vergleich zu dem etwa vierhundert Jahre währenden Zeitraum der Richter bis Samuel, Während sich in den vierzig Jahren geradezu Ungeheures zusammenballte und Unvergängliches hervortrat, weisen die vierhundert Jahre kaum Ueberragendes, das Judentum dauernd Beeinflussendes und Wesenhaftes auf, Oder wir nennen in eben demselben Sinne die vierzig Jahre der Regierung Davids, im Vergleich zu den wiederum etwa vierhundert Jahre in Anspruch nehmenden Zeitraum der getrennten Reiche, Hier die. Entfaltung des jüdischen Genius in starkem und reichem Maße in einer verhältnismäßig kürzen Zeit, und dort, die Stagnation und Verfallserscheinung trotz der langen Zeitlinie, Man könnte noch viele der Beispiele dafür anführen. Wie soll man das verstehen? Das kann doch keinesfalls nur Zufall sein. In einer Betrachtung über die „Epochen des Niedergangs und die Genien des Aufstiegs in der jüdischen Geschichte" habe ich einmal den Nachweis zu führen versucht, daß die großen genialen Zeitläufe des Judentums zumeist die Zeiten gewesen sind, in denen es den Juden schlecht ging, und die untergeordneten, die Genialität des Judentums verdunkelnden .und verflachenden Zeiten, jene waren, in denen es ihnen gut ging. In den Leidenszeiten, so wurde da gezeigt, strafften sich Geist und Wille der Nation und brachten allen Hemmnissen zum Trotze, Genien des Aufstiegs hervor, während in den Perioden des Wohlergehens, gerade durch die Ueppigkeit und Schlaffheit, ein Sichgehenlassen Platz griff und zum Abstieg der Genialität führte. Diese Theorie hält auf einer weiten Linie unserer Geschichte stand, reicht aber nicht durchaus und restlos zur Lösung des Problems hin. Denn darnach hätte z. B. die behandelte Richterzeit durch ganz außerordentliche ijüdische Geistigkeit hervorragen müssen, da es in diesem Abschnitt der jüdischen Geschichte dem jüdischen Volke maßlos schlecht ging. Armut und Bedrohtheit herrschten in erschreckender Weise und alle Anstrengungen mußten gemacht werden, um wenigstens die nackte Existenz des Volkes auf der Scholle zu (Fortsetzung siehe Seite 3.)