Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1936)
- Date
- 1936-01-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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30- Januar 1936 •Der Israelit Nr. 5 Seite 13 Personalien. Abschiedsfeier für Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf, Köln. Köln, 20. Jan. Der 19. Januar 1936 wird der Kölner Judenheit : in freudig-schmerzlicher Erinnerung bleiben. Nahm doch der in allen Kreisen beliebte und hochverehrte Herr Rabb. Dr. Wolf Abschied von uns, um seine segensreiche Tätigkeit auf den heiligen Boden von Erez Israel zu verlegen. -Der große Saal des Gemeindehauses Cäcilienstr. konnte nicht die Menge fassen, die eis sich nicht nehmen lassen wollte, an der Veranstaltung des Vereins für die jüdischen Interessen. Rheinlands teilzunehmem und ihrem scheidenden Lehrer und Freunde Lebewohl zu sagen. Den Auftakt zur Feier bildete ein Sprechchor der Talmud Thora-Schule, Hohenstaufeariiiig 14, die vom Vater des Herrn Dr. Wolf vor über 70 Jahren gegründet und von letzterem in überaus •erfolgreicher Weise fortgeführt wurde. Es war rührend und zugleich ein Genuß ganz besonderer Art, zu hören, mit welchem Verständnis und welcher Liebe die Kleinen die Vorzüge von Erez Israel in . der heiligen Sprache vortrugen. Es wechselten dann Erklärungen aus der Thöra, Abschiedsworte der Schüler an ihren Raw, Lieder und Gedicht« in Hebräisch und Jiddisch, die von Chorgesang begleitet wurden, einander ab. Ganz besonderes Verdienst um diese Darbietungen der Schüler und Schülerinnen, die einen Beweis für die hervorragenden Erziehungserfolge der Schule erbrachten haben sich vom Lehrkörper der Talmud Thora, Frl. Rosenbaum und Herr Rabb. Bayer erworben. Tiefsten Eindruck machten die ausKinderherzen und Kindermund kommenden und in vollendeter Weise dargebotenen Absehiedsgrüße und Dankesworte.; Im Anschluß hieran entbot .der Vorsitzende des Verein®, Herr Nathan Kahn, der Versammlung der von. fern und nah herbeigeeilten Mitglieder und Freunde des Vereins ebenso wie den Delegierten der beiden Synagogengemeinden Kölns sowie den Vertretern der jüdischen Institutionen und Körperschaften herzlichen Willkommengruß. In seinen trefflichen Ausführungen gab der Vorsitzende einen, kurzen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung und Entwicklung .des Vereins, der seit nunmehr 35 Jahren das Banner des traditionellen Judentums unter der Leitung »eines begeisterungis- und opferfreudigen Führers auch in den Kiemgemeinden des Rheinlands aufpflanzte. Dank seines, nimmermüden an- : feuernden .Wirkenis entwickelte ^sichl der Verein aus kleinen Anfangen zu seiner jetzigen Bedeutung". Der Redner huldigte Herrn Dr. W/ als dem leuchtenden Vorbild in allen jüdischen und menschlichen Tugenden. Eine kunstvoll . ausgeführte[ Adresse, die eine Ehrung und Widmung und einen herzlichen Dank für •den scheidenden Vereinsrabbiner und seine Gattin enthielt, wurde ihm sodann im Namen de® Vorstandes und der Mitglieder des Vereins, ebenso ein silberner Hawdalateller zur dauernden Erinnerung vom Vorsitzenden ' überreicht. Dest : weiteren wurde vom Vorsitzenden.^ ^bekanntgegeben, daß ein Verehrer und, Freund, des Herrn Rabb. Dr. Wölf einen namhaften Betraf für .eine ^Rabbiner Dr; Wolf-Stiftung^ zur. Verfügung gestellt hat, und es würde hieran .''•djel^-dji^ldch«' Bitt«'. 'geknüpft, die Stiftung durch Zuwendung - von. Spenden so auszugestalten, daß sie ihren segensreichen Zweck' erfüllen könne. Es. folgten jäunmehr Ansprachen. Herr Rabb. Dr. •Carlebach, Köln brachte im Namen der Synagogengemeinde Adaß 'Jeschurun, des jüdischen Lehirerseminars und der Chewro Koßnas Aur? seine und deren Wünsche in herzlichen Worten zu beredtem Ausdruck-, während Herr Gemeinderabbiher Dr. K ob e r im Namen des jüdischen Lehrhauses seinen'Dank für die erfolgreiche Mitarbeit von Herrn Dr. Wo Ii und seine persönliche Verehrung aussprach. Herr Leo Münk, der .seit vielen Jahren in' i selbstloser Weise der Talmud Thora-Schule seine bewährte Kraft zur Verfügung, gestellt hat,-sprach 'im Namen des Lehrkörpers der Talmud Thora-Schule. Herr 'Dr.. A u e rbach, Recklinghausen als Vertreter des,dortige'n Be;- zirksrabbinates und des Vorstandes übermittelte deren Grüße und verlas eine Adresse der ihm unterstehenden Gemeinden, die insbesondere den Dank für die treue Fürsorge enthielt, die Herr Dr. Wolf ihnen, interimistisch 'in der Zeit zuteil werden ließ, als 'in Westfalen: kein Räbbirier war. 'Herr Jakbo Schnei Ii mg überbrachte die Grüße und Wünsche der Synagogengemeinde Köln. Für den Vorstand der Chewrah Talmud Thora sprach dann Herr Viktor Weil seine persönliche Verehrung für die mit ihm in. 35jähriger Freundschaft verbundene Familie Dr. Wolf.aus. '. .Herr , Dr. S t'e i n Köln, ' .der nach dem Weggang yqn , Herrn Dr.'Wolf die iBetreuunig d«r" diein' Vereiji -angeschlossenen Gemeinden' in Gem'einlscBaft mit Herrn Rabbiner Dr. W ey 1, Düsseldorf, iä dankenswerter Weise übernommen hat, überbrachte Gruße und Wünsche und den Dank der „Jawne", dereji Mitbegründer Herr Dr; Wolf (gewesen ist, sowie 'der •Agudas: Jisroel-Orts- und Jugetodgruppe/ Seine treff-;lichen, von, Herzen : zu Herzen gehenden Worte/ die tgrpßen Bejfail auslösten^ führten ihn Zugleich bei den.inwe^'ehdeii Mitgliedern des Vereins^aufs-Beste i; Vi.' t ■ ' «... w -v 'ein. . Herr Amtsgerichtsrat M a y, sprach im Namen der Zionistischen Organisation. In launiger Rede verstand es Herr Direktor Dr. Rothschild, Dinslaken, die großen Verdienste zu würdigen, die sich Herr Dr; Wolf nicht nur um den Verein, sondern auch um das Waisenhaus Dinslaken, dessen Kuratoriumsvörsitzender Herr Dr. Wolf ist, erworben hat. Herr Rabbiner Bayer überreichte im Namen der Gemeinde '> Euskirchen einen kostbaren Berchesteller mit* einer sinnigen Ansprache, während Frl. Dr. Behrent; vom Provinzialverband jüdischer Wohlfahrtspflege in der Rheinprovinz, die Herren Kottek und Alst er, letzterer für die Ostjuden, freundliche Worte des Abschiedes widmeten. Ferner richtete Herr Dr.. Ca ib. en vom jüdischen Arbeitsnachweis Köln einen Appell an -die Versammlung, jüdischen sabbathaltenden Angestellten Gelegenheit zur Arbeit zu geben. Nach Verlesung eines vom Herrn Gemeinderabbinsr Dr. Rosenthal übermittelten Schreibens, in dem er bedauert, aus Gesundheitsrücksichten an der Feier, nicht teilnehmen zu können und in dem er sich in herzlichen Worten von Herrn Dr. Wolf verabschiedet und nach Bekanntgabe weiter eingegangener Briefe und Telegramme nahm Herr Dr. Wolf unter J Rabbiner Dr. B. Wolf, Köln stürmischer Begrüßung der Versammlung nunmehr tiefbewegt und gerührt von den so zahlreichen Kundgebungen der Liebe, .Hochschätzung und Dankbarkeit das Wort,; um seinen Dank all denen auszusprechen, die'mit'ihm in langjährigem Zusammenwirken dem Verein und der Talmud Thora ihre Kräfte liehen. Bei Erwähnung der heimgeganigenen Mitbegründer des Vereins, erhob sich die Versammlung zu deren Ehren. In packenden, zu Herzen gehenden Ausführungen forderte er die Versammlung auf, alles zu ,tun, um die Gesetze unserer heiligen Thora, insbesondere /.Sabbat, die Reinheit der Ehe und die Speisegesetze aufe treueste'zu befolgen^ das würde ihm der schönste . Dank sein, den man ihm abstatten könnte. So verabschiedete er sich mit dem, Wunsche, alle seine ^Freunde bald auf geheiligtem Boden wiederzusehen. Ein Gesang, ausgeführt von den Schülern der Talmud Thora beschloß die eindrucksvolle, .und würdige Feier. Mögen alle Wünsche und Hoffnungen, die Herrn Dr. Wolf mit nach Erez Israel auf den Weg gegeben wurden, sich für ihn und seine Familie verwirklichen, möge es ihm vergönnt und beschieden sein, im Lande unserer Väter volles Glück und Befriedigung zu finden und denjrSegen zu verbreiten, den er hier in so reichem Maße gespendet hat. Vermischtes. Bremen, 27. Jan. Im Anschluß an den Delegiertentag der Agudas, Jisroel im Dezember 1935 fand eine Besprechung, führender Jung-Ägudisten statt, die der Zukunft 'lind der Arbeit der Agudas Jisroel-Jugend-Organisation (Sektion A. der 'Aguda-Juigerid) gewidmet war. Die Bundesleitung' wurde wie folgt rumgebildet: -Bundesleiter Gustav Rosemann, Bremen, Lahnstraße 29. Mitglieder der Bundesleitung Ernst Pleßner und Josef Wolf, Berlin. Sitz und Briefadresse ist Bremen. Die neue Bundesleitung betrachtet es als ihre Aufgabe, die Jugendgruppen — wo dies nötig ist — neu zu beleben und eine enge und ergänzende Zusammenarbeit zwischen den drei Sektionen der „Aguda-Jugend" (AJJO, Esra-Pirche Agudas Jisroel und Noar Agudati} sowohl in den Bundesleitungen wie in den einzelnen Grpupen herzustellen. Hierbei stehen der Bundesleitung als Rosche-Galil zur Seite: Fritz Weichselbaum, Berlin für Norddeutschland, Isi Goldberger, Nürnberg für Süddeutschland. Königsberg (Pr.), 20. Jan. Am 11. Januar fand im Gemeindehause ein jüdischer Liederabend von Max Poderowski statt. Wir hörten synagogale Gesänge von Sulzer, Weintraub und Badrian, die von Herzen zu Herzen gingen. Die jüdischen Volkslieder fanden großen Beifall. Ob es sich um ernste oder heitere Darbietungen handelte, stets fand Poderowski den richtigen Ton. Herr Poderowski verfügt über einen angenehmen lyrischen Tenor, der gute Schulung verrät. Der Begleiter, Herr Hans Levinsohn, nahm sich mit großer Liebe der Sache an. Das Publikum spendete dankbar Beifall und erzwang noch eine Zugabe. Landau, 15. Jan. Nach einem Bericht der Zeitung „Der Rheinpfälzer" in Landau (Pfalz) hatten sich zwei Angeklagte vor dem Amtsgericht wegen schwerer Körperverletzung, Bedrohung und groben Unfugs zu verantworten. Der eine von ihnen fuhr im August mit der Bahn von Neustadt nach Haßloch. Im gleichen Wagen saß ein jüdischer Viehhändler aus Haßloch, und der eine Angeklagte ließ sich hinreißen, durch Worte, wie Aufhängen, Hals abschneiden usw. den Juden zu bedrohen. Beim Aussteigen gab er ihm noch einen Fußtritt, so daß der Jude hinfiel. Am gleichen Abend gingen beide Angeklagte vor das Anwesen des Juden und dessen Schwiegervaters und schlugen dort Krach, so daß die Polizei einschreiten mußte. Der Staatsanwalt geißelte das Vorgehen des Hauptangeklagten schwer, weil er mit dem Juden in Geschäftsverbindung stand und noch immer finanzielle Verpflichtungen an ihn hat> besonders aber auch deshalb,;, weil ein solches Vorgehen eines Einzelnen nichts nütze. Das Urteil lautete gegen den einen Angeklagten auf drei Monate Gefängnis, die jedoch auf die verbüßte Schutzhaft nicht angerechnet wurden. Der andere Angeklagte wurde freigesprochen. Kowno, 28. Jan. Die ITA-Nachricht vom 9. Januar, wonach, eine Prüfungskommission unter Beteiligung von Oberrabbiner Schapiro gebildet wird, vor der sämtliche litauischen Rabbiner eine Prüfung in der Landessprache abzulegen .haben, ist dahin richtig zu stellen, daß es sich vorerst nur um den Vorschlag des Bildungsministeriums handelt. Eine Beteiligung von Oberrabbiner Schapiro kommt nicht in Betracht. Basel-Mulhouse, 8. Jan. Die Baseler J u n g a g u dis t e n haben sich mit ihren Mulhouser Gesinnungsfreunden über die heiligen Ziele, Ideale und Aufgaben der Agudas Jisroel ausgesprochen und unsere Freunde haben sich ' in einer eigenen Gruppe nunmehr fest organisiert und sieh damit als sicherer Wartturm im Elsaß in die Reihen der Bewegung und des Klall gestellt. Daß diese Bereitstellung für den Dienst an Tauroh und Jisroel eine freudige und ernstgemeinte ist, bewies die erste „reunion" der „Agudas Jisroel, groupement:. Mulhouss" Sonntag, den 5. Januar, an der das gewählte Komitee unter dem bewährten und zielsicheren Vorsitz von Mr. Andre Schwöb (weitere Mitglieder des Comitees les MM. G. Blum, N. Samuel, R. Schwöb;: J.-J. Rein; membres d'honneur les MM. rabbin Bloch et Dr. Meyerji bestätigt wurde und die schwebenden Fragen der Organisation und des Programms bereinigt wurden. Nach dem „Anbeißen" setzte sich diese Versammlung in einer gemütlichen Aussprache fort, wobei Mr. Schwöb herzliche und treffende Worte für die zukünftige Arbeit fand. Erich Hausmann überbrachte, wie bereits am Mittwoch, die Grüße und Glückwünsche der Basler Agudah, Mosi Herz, Luzern, die des Schweizerischen Landesverbandes der Agudas Jisroel. Mit allgemeinem Gesang schloß die Versammlung. Ein neues Freundschaftsband verbindet das jüdische Elsaß mit der Schweiz, speziell mit Basel, der Täuroh, der Agudah und dem Klall zu Ehren, und zum Segen! Rotterdam, 15. Jan. Ende 1935 fand in Ense h e d e das jährliche Weekend der Agudas : J i s r o e 1 - J u g e n d o r g a n i s a t i o n statt. Diesmal hatte die Jugendzusammenkunft ein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des Präsidenten der holländischen Agudoh, des> Herrn Oberrabbiner Hirsch aus Zwolle. Aus allen Teilen des Landes waren Teilnehmer , nach Ehschede gekommen', um diese stets eindrucitsvolle Zusammenkunft mit zu er-