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Der Israelit · 1936-01-30 · Heft 5 (30.1.1936) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 5 (30.1.1936)
Date
1936-01-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 5 Der Israelit 30. Januar 1936 1930, teilweise auch mit einem hebräischen Teil, erschienen ist, über irgend eine weltanschauliche, apologetische, politische, religionsgesetzliche Frage zu finden ist, bei dem genannten, wegen seines wissenschaftlichen Ernstes und religiösen Bemühens rühmlichbekannten Dr. Posner erfahren. .Auch sind alle im „Jeschurun" behandelten Bibel-, Talmud- und Midrasch-Stellen, sowie die besprochenen Bücher von ihm registriert. Es bedarf nicht der Betonung, daß ein solches Register eben so wenig wie der „Jeschurun" selbst eine Angelegenheit wissenschaftlichen Interesses ist. Wer die Bände des „Jeschurun" auch nur teilweise kennt, weiß, welches Maß von geistiger Aktualität in ihnen aufgespeichert liegt, wie schnell und sicher man sich hier über wichtige Fragen jüdischen Lebens und jüdischer Lehre orientieren kann. In dem geistigen Wirrwarr unserer Tage, der zu der Erschütteiung der Positionen des deutschen gesetzestreuen Judentums auch noch die Unsicherheit der Wegrichtung zu fügen droht, ist es doppelt wichtig, einen Wegweiser zu haben, der die frei von aller Politik, in reinem jüdischem Streben durchgeführte Linie der Thoratreue den Versprengten und Unsicheren zeigen kann. Der „Jeschurun" von Wohlgemuth ist einer der wichtigsten Zeugen für den Nachweis des besonderen Wesens der deutschen Orthodoxie für die Gesamtjudenheit. Wollen wir ihn 'erhalten, so muß — nicht zum Zwecke der Belobigung, wohl aber zur überaus nötigen Klarstellung im Interesse aller religiös strebsamen Juden — die nötige Besinnung auf das, was unser ist, ermöglicht werden. Wenn auch nicht jedem alle Bände des „Jeschurun" zugänglich sind, so steht er doch in Bibliotheken allenthalben zur Verfügung und kann für eigene und gemeinschaftliche Studien stets herangezogen werden. Dringend erwünscht wäre es aber, Herrn Dr. P o s n e r alsbald den durchaus nicht kostspieligen Druck des Registers zu ermöglichen. A. W. Kinderecke. Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel, Von Alice Oppenheimer. ' V. Die zehnte Plage.. Draußen in der Stadt in der Abenddämmerung, als langsam die Nacht kam, erschien auch der Mond und die Sterne. Der Mond zeigte sich als schmale Sichel, er stand am Anfang seines. Werdens. Es war Neumond, der 'erste Nissan. In dieser Stunde redete G'tt zu Moses und Ahron. „Jeder Jude nehme ein Lamm am zehnten dieses Monats in sein Haus. Dort soll er es halten und pflegen, vier Tage lang. Am 14. schlachtet die Lämmer! Wenn die Sonne amuntergehen ist. tue jeder von dem Blut des Tieres an die Oberschwelle seiner Türen. Das Fleisch aber bratet und esset es. Dieses Lammopfer heißt „Pesachopfer". Das Blut diene meinem Volk als Zeichen, daß ich ihrer gedenke und sie verschonen werde von der fürchterlichen Strafe, die ich über Aegypten bringe. Das Unglück Aegyptens wird so schrecklich sein, daß sie froh sein werden', Dich, Israel, mein Volk, loszuwerden. Sie werden Euch aus dem Lande jagen, daß Ihr keine Zeit findet, Euren Brotteig gehen zu lassen, daß er locker wird. Ihr werdet Eure Töpfe und Schüsseln mit allem Essen, das darauf ist, in Säcken über die Schulter laden müssen und eilen, daß Ihr von dannen kommt. Als die Nacht des 14. Nissan heraufkam und es Mitternacht wurde, zog G'tt hin über das Aegypterland, tötete jeden erstgeborenen Sohn. Nur Pharao, der auch ein Erstgeborener war, ließ G'tt am Leben. Er sollte das Unglück sehen, er sollte fühleny'was sein Volk durch seinen Trotz zu leiden ha'tte. Aber seinen Sohn, sein erstgeborenes Kind, mußte auch er hingeben in dieser Nacht. Keines Aegypter Haus blieb verschont. Die Eltern drückten ihren erstgeborenen Sohn ans Herz, um ihn zu schützen, aber er starb in den Armen seiner Eltern in dieser Nacht des großen Sterbens. Väter und Mütter schrieen verzweifelt um Hilfe, wehklagende Rufe erfüllten die Nacht. Die Angst- und Schrecliesnrufedrangen nach Goschen, aber kein Tod fand dort Einlaß. Tiorf 'blieb alles verschönt, keiner kam ,ums' Leiben.; Das- .war zuviel, f^ir. das Aegyptervolk und selbst .fürihren Kölnig. Pharao ließ Moses, rufen;!und. sprach: „Nur fori fort aus meinem Lande und Staltet Euch nicht auf." Damit nur ja die Juden gingen, kamen die Aegypter herbei, brachten den Juden Geschenke aus Gold, Silber, an Herden, an allen möglichen Dingen. Nur fort mit diesen Juden, war der einzige Gedanke, den die Aegypter noch fassen konnten. Das Volk Israel das trotz G'ttes. Weissagungen noch nicht fertig ge rüstet war zu seiner langen Reise> mußte so von dannen ziehen, wie G'tt es ihnen vorausgesagt hatte Sie nahmen da© Brot mit, ohne daß der Teig ge gangen war. Sie konnten nur noch Mazzoh daraus machen. „Mutter," ruft Ben, „sag Mutter, kommt daher noch das Pessachfest? Jetzt erst, Mutter, wird mir durch die Geschichte das Wunder G'ttes klar, Du staunst, Mutter, .daß ich erst heute anfange, das zu begreifen. Aber weißt iDu, wenn wir so lange " am Sedertisch sitzen, da werde ich immer müde und höre nur mit halbem Ohr zu. Aber von nun >an esse ich die Mazzoh noch einmal so gerne und freue mich auf den kommenden Pesach." „Dieses Pesachfest zu feiern, Ben, hat G'tt uns zum Gesetz gegeben.. Jahr für Jahr sitzen wir um den Tisch herum, vor uns die 'Sederschüssel mit aEem, was dazu gehört, die Hagodoh in der;Hand, die uns, falls wir was vergessen haben, immer wieder die Geschichte des Aus zuges aus Aegypten erzählt, um -uns klar -zu machen, daß über uns G'tt 'ist und daß G'ttes Hilfe unsi nie fehlt, wenn wir auf Ihn vertrauen." (Fortsetzung folgt.) Jerusal e m , Kerem -^wraham, ..- Owadjahstr; 28. >-•;.• '•". Seit Monaten werden die Spalten des „Israelit" für eine Debatte über die aschkenasische und die sephardische Aussprache des Hebräischen in Anspruch genommen. Kenner des Jischuw in Erez Israel — und nur um diesen handelt es sich doch — werden die ganze Debatte für überflüssig halten. Im täglichen Leben in ErezIsTael herrscht die. sefardische Aussprache. Wer an sie gewöhnt ist, derwird leicht irre, wenn er nun bei der Tefillah. die aschkenasische Aussprache .gebrauchen soll,. : Im alten Jischuw ist im täglichen Verkehr noch das Jiddische vqrherrsehenjd* Dieses deutsche Idiom in jüdischer Färbung wird sich aber auf die Dauer gegen das . Vordringen des Hebräischen nicht behaupten können. Wenn der alte Jischuw in seinen gedruckten Aeußeruhgen längst;; hebräisch geworden ist, so bedeutet diese Traisache schon das Beschreiten des Wege«, der zum mündlichen Gebrauch des Hebräischen führt, — und dieser geschieht in sefardischer. Aussprache.;-. ,- vj Das Bestreben des alten. Jischuw, dksi: Jiddische sich zum Schutz gegen 'fdie zerstörenden/ :;Einflüs:se des neuen Jischuw;" dem "das Hebräische';als:; Ersatz für-die ganze Thora -gilt, zu .erhalten, vejdi^nt-j Achtung~ und-S.ympdthie; Doch .dieses."'&ehdi^a^i&. hilft nur im beschränkten Umfang. Es ist langä£ dae Stunde gekommen, den Gefahren fest' ins" Auge zu stehen, denn ein immer größerer Teil der orthodoxen Jugend kann vor einem Zusammentreffen mit der Welt des neuen Jischuw nicht bewahrt werden, — und es gilt darum, die Jugend für ein solches Zusammentreffen und seine Gefährnisse vorzubereiten. Wenn unsere Orthodoxie keine anderen Sorgen hätte als die- Aussprache des Hebräischen, könnte sie glücklich sein. Wichtiger wäre es doch wohl gewesen, über die Ungeheuerlichkeit Lärm; ,zu; schlagen, daß die zionistischen Instanzen t a u s e n d J u g e n dli c h e von Deutschland nach Erez Israel hinübergeführt haben, um in Erez Israel neun Zehntel von ihnen als Atheisten erziehen zu lassen. Das Wichtigste ist aber die Arbeit zürn Aüfbaii eines Lebens nach den Idealen der Thora in all den Kreisen, die dafür in Frage kommen. Zwischen der bewußten Orthodoxie und der bewußten Neologie gibt es Schichten, die gewonnen werden können. Der alte Jischuw in Erez Israel zieht sich deshalb eine große Verantwortung zu, wenn er nicht seine beste Kraft anstrengt, diese Aufgabe zu lösen. Nur mit ihrer Lösung wird er auch seinen heutigen Besitzstand wahren können. Seit einigen Jahren ist — eine ungeahnte g'ttliche Fügung — das Wunder .geschehen, daß sich das Interesse ' der -ge^^ Galuth-Judenheit bis in ihre indifferentesten Schichten nach Erez" Israel hingelei- "tet hat. Eine du r cih g r eii e nd e"MP r üfun g und ■Neuorientierung seiner bisherigen Methodiken bedeutet heute' die heiligste und dringendste Pflicht des alten Jischuw in Erez Israel unter Assistenz seiner Gesinnungsgenossen im Galuth- Wenigstens aber müßte diese Hüffe finanziell geschehen, denn 'der Zibbur des alten Jischuw. ist finanziell sehr schwach und ihat schon aüä diesem Grunde manches Wollen dicht zur Tat bringen können." - ,;i ,• ,:u Saly G e i s. Bücherbesprechungen. . V'a «Tin» rata -nstsni nb^n;o'p>Vn 'Jt7 bbn -nnnvai» nao- ■K-a-ioa mnm bbsn an aueryp pyi "rate ^nKO^TJt D"n nvn ••aWiTpj?" nait£ nson riKian S»a Chiisinau. 193 5. Selbstverlag. Der als Präsident der Knessioth gedoloth in den. weitesten jüdischen Kreisen bekannte und beliebte greise Oberrabbiner Zirelsiohn in Kischinew er- - freut die Welt der jüdischen Gelehrsamkeit und darüber hinaus alle jüdisch interessierten Leser wiederum mit einer Frucht seines unermüdlichen Fleißes. Der erste Teil des Buches bringt zahlreiche n"iv aus den vier Gebieten des 9"V, die sich samt und sonders durch Reichtum des Wissens, klare, leicht verständliche Diktion und oft durch eine bemerkenswerte Kühnheit der Entscheidung sowohl tnnin^> als Ni>ip^ auszeichnen. Von 'allgemeinem Interesse ist das yom Verfasser, mit großem Nachdruck ausgesprochene Verbot, 'in jüdischen Zeitungen, soweit sie nach Art von Tageszeitungen, nicht .geheftet in Broschürenform, erscheinen min ■na'v in welcher Sprache auch immer, zu - veröffentlichen, weil solche Zeitungsblätter unvermeidlicher Weise weggeworfen oder zu unwürdigen Zwecken verwendet werden. Es «ist kaum anzunehmen, daß .diese Anschauung, .die beispielsweise jedes Thorawort im ^Israelit" unmöglich ma- chen würde, von einer igrößen . Zahl von - ntnin >ima geteilt ward. Sonst hätten nicht seit sieben Jahrzehnten, von Dr. M. Lehmann \>"M an, über Rabb^ Hirsch und Hildesheimer ^>''ST/ so viele VintP' 'broi ':ai an .diesen Veröffentlichungen direkt oder, indirekt mitgewirkt. Wohl aber sollte das Lesepublikuim sich dessen bewußt werden; daß der gewissenhafte Jehudi nun '*ia*i in jeder Sprache wie vip 'iao behandeln und eben -nicht wegwerfen darf; Blätter, die solche enthalten, können höchstens, falls kein Qtf ausgeschrieben ist, verbrannt werden. . Der zweite Teil des Werkes bringt eine Fülle von öffentlichen Reden und Ansprachen des Verfassers, die allesamt heiße Liebe zum jüdischen Volke atmen und meist in begeisterten Worten für Agudas- Jisroel, Keren hajischuw, Bes Jaakauw eintreten. Besonders -bemerkenswert ist eine in Jassy 5694 gehaltene längere Rede über Welsen und Taktik der „Agudas Jisroel",' die den Nachweis': führt für die historische Originalität des "Agudo-Gedärikens und mit dem Irrtum abröchnet, .als sei Agudas Jiisroel als Partei im jüdischen "Volke 1 zu beträchten. Mari darf dem Verfasser für seine literarischeGabe herzlich dankbar sein und. daran den Wunsch knüpfen, dafJ ihm'Jahrzehnte weiteren" gesegrieten Wirkens beschieden sein mögen. _ Palestine Caravan. By Moshe S rrii l ans k y. Translated froim the Hebrew by J.-: M. L >a$ k. L o nd o n. 19 3 5. M e t hue n" u. G o. 'L t d... Das ursprünglich in Iwritfi .erschienene Buch^ eine Sammlung, von Novellen meist'"au® dein Leben der Ealäsitinensischeh Araber, teilweise -, iatich "jüdisehen ,andbey.ölkerung in Erez Jisroel^;'wif;d. durch ein empfehlendes. Vorwort des derzeitig,eri High' Cbirimissioner, Arthur Wauchope, eiiij^eleitet.;'..'E®>'|ät'' attf "'alle Fälle bemerkenswert, daß ein Mann von höchstem wirtschaftlichem Betätigungsdrang wie Mosche Smilansiky Antwort und Fähigkeit in sich verspürt, das Leben um sich dichterisch zu gestalten und sich in das Seelenleberi der arabischen Nachbarn liebevoll zu vertiefen. Der Idealismus, der darin liegt, ehrt den Wirtschaftsführer und erhöht 'die Sympathie," die man ihm auch aus "anderen Gründen nicht versagen kann. Es war ein guter Gedanke, die Novellen ins Englische zu übersetzen, denn sie zeigen immerhin, wie man auf jüdischer Seite das allgemein Menschliche, das Arabeir. und Juden an die gemeinsame .palästinensische Heimat fesseln sollte und kÖhrite, nicht übersieht und es zu pflegen versucht. Hauptprobleme der Wertphilosophie. Von Aron Cohn. Wien. 19 3 4., Verlag. J a ho d a u. Si egel. . . .. . j Eine gut geschriebene, kleine ' aber durch' ihre vielen Literaturnachweise wertvolle Schrift über1 die Bedeutung der Wertpbilosophie, die er von der Metaphysik getrennt wissen möchte. Interessant besonders das letzte Kapitel, das jdie verschiedenen Bemühungen enthält, über den Sinn des Lebens zur Klarheit zu kommen. iNach dem" einen bestehe, er m diesem oder jenem ethischen Verhalten,' nach1' dem anderen in geis&ger'.Betätigung, nach drittel; im Leben selbst, ^nach vierten endlich an einer Entwicklung; zu einem letzten und höchsten Wert. Von der 'Wiederentdeckung des Wertproblem es hat diie Sinnfrage einen neuen Aufschwung1 bekommen, die bei William Stern, Rickert. tjnd B; Bauch zu yeraiphied,enen'.'Xö* ®un^sy,«^chen.''g^|u^ hatte. 1 Aiber das 'Ergebniis' is-t immer:;.j/die Wertph^jbsoj^üe ist nicht imstande,' den . Siam-.^es-.Le^^n«..^ ■entfatselri. Sife hat'ihre Mdsisäon erfüllt," wenn ' sie' TClärheit,1^ 'über, die ^Werte gebracht hat . . Auch wenn die letzten Frageria6JMri bleiben/'

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