Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1936)
- Date
- 1936-01-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 5 Der Israelit 30. Januar 1936 ten schildern. Wie eine düstere Wolke umhängt den Horizont des heiligen Landes. Wie sie sich entladen wird, weiß man nicht. Mangelhafte Einwanderungsquote, Parlamentsplan und nun neues Einwanderungsgesetz, dazu auch noch eine vorübergehende Geschäftskrise. Es ist viel auf einmal, doch darf man " hoffen, daß sich der Himmel bald wieder ganz auf- : klärt. Viele hochstehende Personen im Ausiwanderungsamt, so sein oberster Leiter selbst sollen sich gegen jede weitere Einschränkung der Einwanderung , ausgesprochen haben. Doch wirkt es beunruhigend, «- daß allen Gerüchten in der arabischen Press« kein ' /wirksames Dementi entgegengesetzt wird. ' ' Die Verhandlungen über die Zuteilung der Zertifikate an die Agudas Jisroel kamen zum vorläufigen Abschluß. Die Aguda forderte von der Jewish Agency zweierlei: Eine Vermehrung ihres Zertifikatenanteils nach dem Prozentsatz ihrer Chaluzim und eine Abtragung der von früher noch ausstehenden Schuld an Zertifikaten. Im ersteren Punkte verschanzte sich die Jewish Agency hinter die spärliche Quote, die letztere Forderung soll nach Möglichkeit in kurzer Zeit erfüllt werden. Die Sabbataktion der Charedim macht einige Fortschritte. Das orthodoxe Judentum wünscht bekanntlich die Aufnahme einer Bestimmung in das Gesetz über den Geschäftsschluß, wonach am Vorabend vom- Sabbat und Feiertagen die jüdischen Geschäfte rechtzeitig zu schließen haben. Grundsätzlich wurde die Forderung anerkannt, sofern sie nicht im Gegensatz zum Mandate stehe. Sowohl Bürgermeister Kaldei wie Vizebürgermeister Daniel Oster, die: Rabbi Mosche Blau in der Angelegenheit besuchte, versprachen ihre Zustimmung und Unterstützung, so daß man berechtigt ist, einem guten Ausgang entgegenzusehen. Unter 'den Gruppen innerhalb des orthodoxen Judentum*? und deit Aguda ist besonders der Kreis wn die Lehre von Rabb. S. R. Hirsch hervorzuheben. Ein anderer Zirkel sammelt sich um den Namen von Chatam Sofer. Dieser Tage bildete sich ein kleiner Kreis zum Andenken an de Haan, dien Märtyrer des1 Agudagedankens. Dieser letztere Kreis beschränkt sich auf Haifa, während erstere Gruppen Filialen fast im! ganzen Lande haben. Es wird ein Gedenkbuch zum zehnjährigen Todestage von Professor de Haan vorbereitet, an dem prominente Persönlichkeiten mitarbeiten werden. An einer Versammhing des Chug Chatam Sofer in Tel Awiw nahmen mehrere hundert Mitglieder Anteil. Es wurde bei der Gelegenheit auch ein Sijum auf Traktat Kidduschin gefeiert. Rabbi Mosche Blau kam eigens aus Jerusalem, um die Grüße der Charodimgemeinde, der Agudas Jisroel und von Oberrabbiner Duschinski zu überbringen. Seine Ansprache rief größte Begeisterung hervor. In der Chawurath Chofez Chajim der Aguda in Gederah weilte dieser Tage Rabbi Jonathan Horowitz, dessen Vorträge zur Stärkung des geistigen Lebens beitrugen. Besonders das eine Referat über das Leben und Wirken Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld's V"sr hinterließ großen, Eindruck, zeigte es doch das Vorbild eine« echten Erez Israel-Pioniers. Solche Veranstaltungen in Chawurath Chofez Cliajim sind von um so größerer Bedeutung, wenn man bedenkt, daß sich der Kibbuz zwischen zwei Gruppen befindet, die den Sabbat entweihen und alle Traditionen verpönen, ein Kibbuz des. Haschomer hazair und ein anderer der Allgemeinen Zionisten. Dazwischen wirkt Chawurath Chofez Chajim wie das mahnende Gewissen, und Veranstaltungen wie aus Anlaß dieses Besuches verfehlen ihre weittragende Wirkung nicht. Mn. G. P. Die Verfolgung der „illegalen" Einwanderer in Palästina. Jerusalem, 20. Jan. Vor dem Richter von Safed fanden mehrere Prozesse gegen illegale Einwanderer statt. Einige Araber standen unter der Beschuldigung der Mithilfe bei der illegalen Ueberschreitung der Grenze gleichfalls vor Gericht. Insgesamt waren 24 jüdische Männer, Frauen und Kinder, sowie einige Christen aus Rußland und Araber aus Syrien und im Libanon angeklagt. Unter den (jüdischen Angeklagten befand sich auch eine blinde Frau aus Buchara mit einem kleinen Kinde auf dem Arm. Sämtliche Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von verschiedener Dauer und Landesverweisung verurteilt. Der 18jährige au® Rußland illegal eingewanderte A. Urilowsky ist im Gefängnis an Typhus erkrankt und gestorben. Zehn Juden, die gefangen gehalten werden, ob wohl die über sie wegen illegaler Einwanderung verhängten Strafen bereits verbüßt sind, haben aus dem Gefängnis an die Jüdische Telegraphen-Agentur ein Schreiben gerichtet, in dem sie erklären, sie würden einen „Hungerstreik bis zum Tode" durchführen, falls sie nicht freigelassen werden. Sie beklagen sich auch über Mißhandlungen im Gefängnis. Keine eigenmächtige Verschärfung der Palästina- Einwanderungsvorschriften, Jerusalem, 22. . Jan. Von zuverlässiger Seite wird der ITA. mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung der Exekutive der Jewish Agency versprochen hat, sich mit ihr zu beraten, bevor der Entwurf der Einwanderungsverordnung betreffend die geplanten Einwände rungseinschränkungen veröffentlicht wird. Die Beratung soll sich insbesondere auf die Punkte beziehen, durch die die K a p italisten einwände rung berührt wird. Die ITA. erfährt weiter, daß der Regierungskommissar für Einwanderung und Statistik Eric Mills dagegen ist, daß drastische Einschränkungen vorgenommen werden. Die :Mitteilung, die Palästina-Regierung beabsichtige, das für Einwanderer der Kapitalistenkategorie vorgeschriebene Mindestkapital von 1Q00 auf 2000 Pfund zu erhöhen, wurde trotz offizieller Anfragen und einer lebhaften Diskussion in der Presse von der Palästina-Regierung bisher nicht dementiert. Zurückstellung des Legislative Council auf ein Jahr? — Eine aufsehenerregende Meldung der „El Liwaa". :f Jerusalem, 23. Jan. „El Liwaa", das . offizielle Organ der arabisch-palästinensischen Partei (Partei des Großmufti), veröffentlicht die aufsehenerregende Meldung,. daß die Einsetzung des Legislative Council für Palästina auf ein Jahr zurückgestellt wurde. Das Blatt behauptet, es habe seine Informationen aus Regierungskreisen erhalten. Daß die Einsetzung des Legislative Council aufgeschoben wurde, sei auf eine Verständigung zwischen dem Außenminister Anthony Eden und dem: Minister für nie Kolonien J. H. Thoraäsj zurückzu-; fuhren. i - s;; Verwandten-Zertifikate nur noch für Deutsch? land, Jemen und Rußland. . Jerusalem, 23. Jan.' Die Jewish Agency for Palestine gibt bekannt., daß sie vom 1, Februar an bis auf Weiteres keine Bewerbungen um Zertifikate für Angehörige in Palästina leibender Juden mehr entgegennimmt mit Ausnahme von Anforderungen Angehöriger aus Deutschland, dem Jemen und Rußland, Gleichzeitig wird bekannt gegeben, daß die Palästina-Regierung die Annahme von Gesuchen um'die Einwanderung von Familienangehörigen eingeschränkt hat. :Y< "---.:" - "f Das neue Budget der Stadt Tel-Awiw. Tel Awiw,. 24. Jan. . Vizebürgermeister Rokeach. hat dem Stadtrat v?n Tel Awiw den Haushaltsvoranschlag in der Höhe''von;: 539.172 Pfund vorgelegt. Die größten Ausgabepostein:.. sind die für Schulwesen (123.812 Pfund) und für (je- - sundheitswesen (139.170 Pfund)}. Das vorjährige Budget der Stadt Tel Awiw betrug 455.313 Pfund. Amerika. Amerika soll seine Tore für jüdische; ipin\vande,T rung aus Deutschland öffnen. New Yorlc!, 24. Jan. Der Senator William K. Ki n g aW?Ütah befaßte sich im amerikanischen Senat mit der ^äge der Juden in Deutschland und forderte, man .'solle diesem ,,Volke des Geistes*' nicht den Rücken, kehren, sondern Auswanderern aus Deut«ohl^d^'/d/fen..ye^inig-. ten Staaten eine Zuflucht gewähreiji. ''SenatorKing verlas mehrere Protokolle und jiratrfür eine entsprechende Abänderung der amerikanischen Einwanderungsbestimmungen ein. . J. Hilfsaktion in Amerika für die Juden, Polens.;. , Eine Million Dollar-Driye proklamier^ ^'..N.e-w York, 26. Jan., ' Unter dem Vorsitz des.,jfrüjieren amerikanischen Finanzministers Ogden LT.TMiijs. fand im 'Waldorf Astorda-Hotel in New York ein Bankett statt, bei dem ein Ein Millionen Dollar-Drive zugunsten der Juden ' Polens proklamiert wurde. Hauptredner war Ogdeh L, Mills, der u. a. erklärte,, man dürfe nicht, ruhig zusehen, wenn irgendwo zwei Millionen menschlicher Wesen hungern. Man müsse ihnen helfen. Er richtete an die Anwesenden den Appell, die jetzt eingeleitete Sammlung aufs kräftigste zu unterstützen. Der Direktor der Exekutive de® Verbandespolnischer Juden in Amerika, Selig Ty g el, entwickelte einen fünf Punkte umfassenden Hälfsplan. Der erste Punkt dieses Planes sieht eine .unmittelbare iNothilfsaktion vor, der zweite Kreditgewährung an Kleinkaufleute und Handwerker, der dritte befaßt sich mit dem Ausbau von Handwerkerschulen, der vierte mit der Hilfe für .diejenigen, .die .Palästina-Einwanderungszertifikate besitzen, und der fünfte mit-der Förderung der jüdischen landwktschaftlichen. Kooperativen. Weitere Ansprachen hielten der Präsident des Verbandes der polnischen Juden in Amerika, Benjamin Winter, der berühmte iNew Yorker Rechtsanwalt George, Gordon Battie und der bekannte Philosoph und Professor an dem College von New.York City,-Morris Cohen. Die Senatoren William Borafi, William H. King, Robert F. Wagner und Daniel O. Hastings, der Staatsgouverneur von New York, Herbert H. Lehman, der Staatsgouverneur von Illinois, Henry Hornef und andere hervorragende Persönlichkeiten hatten Begrüßungsschreiben gesandt. •'•'> Personalien. Luzern, 15. Jan. Auf. dein hiesigen Friedhofe wurde vorige Woche unter star&ej? Beteiligung der ganzen Gemeinde Herr OPinkäs'^eh mann ^*ST aus Fürth i, B.. zu Grabe .getragen, der auf einer kurzen Ferienreise nach Paris dort verstarb und letztwillig seine Bestattung in unsrem Kreise hier gewünscht hatte; An seiner Bahre sprachen unser Rabbiner iDr. Bröm und der Bruder, Herr David Lehmann aus Fürth warme Worte des Schmerzes . und der Würdigung, die starken Nachhall in den Herzen der Hörer fanden. Der Heimgegangene, von früher Jugendan durch seine in der Fürth er Gemeinde hochahigesehenen Eltern, „auf den Knieen der Thora" erzogen, hat während seinem ganzen Leben diesen religiösen Traditionen unverkürzte und niemals zu erschütternde Treue .gewahrt, im Geschäftsleben den Cttesnaimen geheiligt und endlich' in langen Jähren schweren5 körperlichen Leides, die Feuerprobe hoch-; sten G'ttvertrauens in wahrhaft jüdischer Lebensheiterkeit bis zum letzten Atemzuge bestanden. Ein Mann der Treue und der Wahrhaftigkeit, dürfte er in dem frohen Bewußtsein -scheiden, seine Lebens-» ideale in seinen Kindern fortleben zu sehen. Weit über den Kreis seiner Familie hinaus wird sein Andenken dauernd in hohen Ehren gehalten werden. n-nsj'n . Rabbiner M. Weiskopf, Paris, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Paris, 27... Jan. Rabbiner: Maurice W e!i s >k o p f ,;:der; weit über die Kreise der französischen Judenheit'bekannte orthodoxe Rabbiner zu Paris, wohl, .unter:, den . zeitgenössischen orthodoxen Rabb.inen der Aelteste,- feiert am 16. Februar ds. Js..seinen 1 0 0. Geburtstag. - Aus diesem" Anlaß würde er zum Ritter! ider-'Ehren- . legion ernannt.. . .-.-v... . . Rabbiner Weiskopf ist am 19. Februar 1836 zu Aub geboren, und ist seit 75 Jahren Rabbiner. Er war Professor an dem Rabbiner-Seminar zu Kolmar und später vereidigter Uebersetzer. Er ist noch heute amtierender Rabbiner der orthodoxen Gemeinde . in der Rue Cadet zu Paris. Trotz seines hohen Alters' "; erfreut sich der, Jubilar: einer seltenen geistigen und körperlichen Juigendfrische. Briefkästen. M, L. in'R. Es sind uns religiöse Bedenkenv da;, gegen niemals bekannt geworden. R. in B. Es ist uns•:leider, nicht :<möguch,: auchzur Jahrzeit noch einmal Nachrufe zu bringen.; :;• 7