Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-01-30 · Heft 5 (30.1.1936) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 5 (30.1.1936)
Date
1936-01-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450914--81875-2539776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 8 Nr. 5 Der Israelit 30. Januar 1936 Schweiz. Völkerbund übernimmt die Finanzierung des Oberkommissariats für Auswandererfürsorge. Genf, 24. Jan. Die Arbeiten der aus den Vertretern Englands, Frankreichs, Italiens, der U'SSR., Polen, Dänemarks und Uruguays bestehenden Kommission, die die Resolutionen des Völkerbundsrats zur Regelung der Auswanderfürsorge aufstellen soll, gehen ihrem Abschluß entgegen. Voraussichtlich wird die Kommission noch dieser Tage in der Lage sein, dem Völkerbundsrat die Entschließungen vorzulegen. In den vertraulichen Verhandlungen der Kommission wurden bisher vor allem die Aufgaben und Befugnisse des anstelle von Prof. James G. MacDonald bis zur Völkerbundsversammlung im Herbst neu zu ernennenden Oberkommissars für die' Auswanderer aus Deutschland erörtert. Dagegen werden die Vorschläge bezüglich der Person des neuen Oberkommissars erst im letzten Augenblick erstattet werden. Es gilt bereits> als feststehend, daß die administrativen Kosten des Auswanderungs-Oberkommissariats aus dem Budget des Völkerbundes werden bestritten werden. Bezüglich der Aufgabe des High Commissioner macht sich die Kommission die in dem Bericht der Expertenkommission enthaltenen Vorschläge zu eigen. Andererseits gilt es als ebenso sicher, daß die Beschlüsse des Völkerbundsrates auf die von dem Oberkommissar James G. MacDonald in seinem Rücktrittsschreiben berührten politischen Fragen nicht eingehen werden. Die Erörterung dieser Fragen bleibt der Tagung der Völkerbundsiversammlung im Herbst 1936 vorbehalten. (Siehe Seite 2.) Polen. Schülerspeisungen an den jüdischen Schulen Polens aus Geldmangel eingestellt. — 20.000 Schulkinder betroffen. Warschau, 15. Jan. Die mit Hilfe der in England gesammelten und durch Direktor Schweitzer vom „Joint" überbrachten Gelder durchgeführte Aktion der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden TOZ mußte aus Mangel an Mitteln eingestellt werden. 20.000 Kinder in den Schulen der Verbände Tarbut, Jawne, Beth Jacob, Zischo und in den Talmud Thora-Schulen sind hiervon betroffen. In einer von TOZ einberufenen Sitzung der Vertreter dieser Schulorganisationen wurde beschlossen, das Londoner Komitee des United Appeal for Polish Jews dringend zu ersuchen, weitere Mittel zur Speisung der hungernden Schulkinder zur Verfügung zu stellen. (ITA.) Schutz für verlassene Frauen von Palästina- Auswanderern. Warschau, 17. Jan. Auf Grund einer längeren Korrespondenz ist es zu einer Verständigung zwischen dem Warschauer Ra'bbinat und dem Oberrabbinat von Palästina in der Frage der Palästina-Auswanderer gekommen, die Frauen und Kinder in Polen zurücklassen, ohne sich weiter um sie zu kümmern. Diese Verständigung ist von großer Bedeutung für die unglücklichen verlassenen Frauen. Im Einvernehmen mit der Jewish Agency und den englischen Landesbehörden werden von jetzt an Männer, die ihre Familien im Stich lassen, oder solche, die schwindelhaft Verlobungen eingegangen sind, als gemeine Verbrecher behandelt werden. Dank der Verständigung zwischen dem Warschauer Rabbinat und dem Oberrabbinat von Palästina ist es bereits gelungen, eine Reihe von Fällen, in denen Auswanderer ihre Angehörigen verlassen haben, zu regeln. Zur Rabbinerwahl in Lodz. Lodz, 27, Jan. Die Rabbinerwahl beschäftigt alle Gemüter, und man darf hoffen, daß bei der Energie der jetzigen Gemeindeväter, die sich zum größten Teil aus den Kreisen der Aguda rekrutieren, die Angelegenheit eine bessere Lösung bekommt, als in anderen Großstädten Polens, etwa in Warschau. Es hat sich in Warschau und anderswo bitter gerächt, daß man es auf das System der Dajanim abgestellt hat, d. h. daß man jedem Stadtbezirk einen ns-vn nvia gab. Das sind alle wohl Männer von großer Gelehrsamkeit und sittlicher Höhe, sie konnten aber kein Zusammenwirken hervorbringen, wodurch das Warschauer Rabbinat zersplittert und ohne Autorität dasteht. Lodz hat eine andere Tradition. Die ältere Generation erinnert sich noch an Rabbi Chajim Elije Meisel, der eine Thorakapazität von Weltruf war, und man darf hoffen, daß, nachdem jetzt die Rabbinerfrage in ein brennend akutes. Stadium geraten ist, man auf jene alte gute Lodzer Tradition zurückgreift. Es gibt heute noch im Osten und sogar in Polen Größen, die den Lodzer Rabbinatsposten mit oder ohne Oberrabbinertitel so ausfüllen könnten, daß sie die ganze Autorität ihrer Persönlichkeit dem Rabbinat und der Gemeinde leihen. Der geistige Führer für eine Gemeinde wie Lodz müßte natürlich heute auch profanes Wissen besitzen und um das politische Geschehen, soweit es die Juden betrifft — und alles politische Geschehen in Polen greift mehr oder weniger in die Schicksale der dreieinhalb Millionen Juden ein, — genau Bescheid wissen. Wie man hört, habe man in den orthodoxen Kreisen bereits einen Mann im Auge, der all diese Voraussetzungen bestens erfüllt und, so kann man nur hoffen, daß die Rabbinerfrage baldmöglichst eine Lösung bekommt, die nicht nur Lodz, sondern dem ganzen Polenlande zum Heile gereicht. Tschechoslovakei. Jüdische Gemeinde-Arbeit in der Tschechoslovakei. Prag, 22. Jan. In dem soeben veröffentlichten Bericht des Obersten Rates der jüdischen Kultusgemeinde-Verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien für das Jahr 1935 lesen wir u. v. a.: Der Gesetzentwurf über den Tierschutz zwang den Obersten Rat, sich wiederholt ausführlich mit der Frage der Sdhächtireiheit zu befassen. Es wurden Verhandlungen mit den Gemeindeorganisationen in der Slovakei und in Karpathorußland zwecks einheitlichen Vorgehens eingeleitet. Die orthodoxe Kanzlei der jüdischen Gemeinden in Karpathorußland und der Verband der neologen (religiös-liberalen) Gemeinden „Jeschurun" schlössen sich der Ansicht des Präsidiums sowohl in Bezug auf das Postulat als auch in Bezug auf den modus prozedendi an. Die orthodoxe Kanzlei in Bratislava (Preßburg, Slovakei) tat dies nicht. Der Rat hat APorschläge zur Auflassung lebensunfähiger Gemeinden und Angliedterung an andere Gemeinden gemacht. Für Böhmen wurde eine statistische Uebersicht der Gemeinden hergestellt; dasselbe soll für Mähren und Schlesien geschehen. Eine Kommission arbeitet für die Gemeinden Musterstatuten aus, die den allgemeinen jüdischen Verhältnissen und der demokratischen Staatsverfassung entsprechen sollen. Den sozialen Fragen wurde erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Unter dem Druck der Verhältnisse entwickelten die Kultusgemeinden, namentlich die in Groß-Prag, Brünn und Mährisch-Ostrau, eine ausgedehnte Tätigkeit. Sieben Prager Gemeinden haben sich dazu entschlossen, die organisatorische Lösung des sozialen Fürsorgeprobl-enxs In Groß-Prag herbeizuführen und insbesondere die Einrichtungen für konstruktive Arbeit aufzubauen. Kibbuz Ole Tschechoslovakia, Bratislava, 20. Jan. Die Erez Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel für die Slovakei und Podskarpatika Rus Bratislava versendet* einen Aufruf, in dem es nach Anführung der Notwendigkeit einer Zusammemfassiung aller Q'nnn zum Schlüsse heißt: „Aus diesem Grunde hat auch der Delegiertentag in Presov beschlossen, einen Kibbuz für t s c h echoslovakische Olim zu gründen, wo unseren Chawerim die Möglichkeit geboten werden soll, die hehren Ideale der Agudas Jisroel, verbunden mit ihrer religiösen Eigenart, auf geheiligtem Baden zu verwirklichen. Wir wollen dort Menschen ansiedeln, die als Pioniere des Taurohgeistes gerüstet und gewappnet dastehen sollen. Schon ist der Anfang geschehen. Wir haben bereits das zur Gründung notwendige Kapital nach Erez Jisroel überwiesen. Aber es ist dies, wie gesagt, nicht mehr als eben der Anfang. Die Opferwilligkeit, tatkräftige Förderung der, jüdischen Oeffentlichkeit wird entscheiden, ob sich dieser Kibbuz auch in diesem Maße wird entwickeln können, wie wir es alle wünschen möchten. Taurohvolk zeige, daß du weißt, wozu Dich Deine Vergangenheit, deine Ueberlieferung verpflichtet, was dir das jüdische Solidaritätsgefühl vorschreibt." Rumänien. „G'tt liebt die von Ihm Erwählten". — Ein Schreiben des Priesters Gala Gäiacüon an Oberrabbiner Dr. Niemirower. B u k a or est, 23. Jan. Von 'dem griechisch-orthodoxen Priester Gala Gala ction, der dadurch bekannt ist, daß er alle seine Einkünfte, die über das zur Deckung des notwendigen Lebensbedarfes Erforderliche hinausgehen, unter die Armen verteilt, hat Oberrabbiner Senator J. Niemirower das folgende bemerkenswerte Schreiben erhalten: „Eure Eminenz! Lieber Herr Doktor! Die Kriminaluntersuchung hat an den Tag gebracht, daß der nichtswürdige Attentäter Aurel Jonescu einer jener vielen — Würdigen .und Unwürdigen — ist, die sich an meine Mildtätigkeit herangedrängt haben. Ich bin verzweifelt darüber, daß sich unter denjenigen, mit denen ich mein bißchen Geld teile, auch ein Sohn der Finsternis gefunden hat. Ich warte darauf, vor die Diener der Gerechtigkeit gerufen zu werden, um auszusagen, was ich von diesem perversen oder von anderen, die perverser sind als er, pervertierten Menschen weiß. Ich freue mich aus ganzem Herzen, daß der liebe G'tt Sie beschützt und auf wunderbare Weise gezeigt hat, daß er seine Erwählten liebt, An einem der nächsten Tage werde ich Sie besuchen und Ihre Hand in immerwährender Freundschaft drücken. Eurer Eminenz Gala Galaction." England. Beileidsschreiben der Weltorganisation Agudas Jisroel an die Königin-Witwe von England. London, 23. Jan. Die Weltorganisation Agudas Jisroel hat an Ihre Majestät Königin Mary folgende Beileidskundgebung gerichtet: „Namens der Weltorganisation Agudas Jisroel und der orthodoxen jüdischen Gemeinden der Welt bringen wir ehrfürchtig unser Beileid zu dem unwiederbringlichen Verlust zum Ausdruck, den Eure Majestät und die britische Nation mit den Völkern des britischen Reiches und den Nationen der Welt betroffen hat. Wir betrauern den Hingang eines geliebten Herrschers, eines weisen Ratgebers und edlen Vaters seines Volkes. Möge unser Vater im Himmel Eurer Majestät in dieser Stunde des Leides Trost gewähren." Trauerg'ttesdienst in allen Synagogen Englands am Tage der Besetzung König Georgs V. London, 23. Jan. Der Chiefrabbi de® 'britischen Reiches, .Dr. J. H. Hertz, hat angeordnet, daß am Dienstag, den 28. Januar, dem Tage der Beisetzung König Georgs V. in allen Synagogen Englands um 6 Uhr nachmittags ein Trauerg'ttesdienst abgehalten wende, bei dem ein vom Chief-Rabbi verfaßtes besonderes Trauergebet gesprochen werden wird. Der Board of Deputies of British Jews, die offizielle Repräsentanz der englischen Judenheit, hält am Sonntag, den 26. Januar, eine außerordentliche Sitzung ab, in der Trauerkunidgebungen an König Eduard und Königin-Witwe Mary beschlossen werden sollen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.