Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1936)
- Date
- 1936-01-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 5 Der Israelit 30. Januar 1936, manche thematischen Einschläge begrüßen, die in die Haupthandlung verwoben sind .und die verraten, daß dem Dichter »manches, wenn auch nicht allzuviel von der tieferen Problematik des Thorajudentums in der Gegenwart aufgegangen ist. So die markante Stelle in Wolf Mohylewskijs erschütternder Erzählung der Jugendgeschichte seines abtrünnigen Bruders, an der von der Antwort des jugendlichen Czortkower Rabbi an den verzweifelten Vater berichtet wird, nachdem dieser dem Drängen »des Sohnes ins Gymnasium zuerst schärfsten Widerstand entgegengesetzt hatte. Der Rabbi schreibt zurück, er rate zum Nachgeben; man habe heute genügend Beispiele dafür, daß im Westen junge Menschen das Gymnasium besuchten und prinzipienfeste orthodoxe Juden geblieben seien. Das war, erzählt Wolf iMohylewski, des Rabbi Ansicht in jungen Jahren — inzwischen aber habe er das geflügelte Wort geprägt: ,,Mit dem Gymnasium fängt es an und mit der Schmad hört es auf." Alles in allem darf sich die agudistische Welt mit Morgensterns Roman der immerhin aus tiefster Ehrfurcht vor dem Regenerationswerk der thoratreuen Judenheüt, geborenist, aufrichtig freuen und ihm weiteste Verbreitung wünschen. Vielleicht werden weitere Studien dem Dichter die Kraft geben, in den weiteren Bänden, die er in Aussicht stellt, noch etwas tiefer einzudringen in Wesen und Werden des jüdischen Thoravolkes und von dem verwirrenden Reichtum seines geistigen und seelischen Lebens der Welt ein künstlerisch geklärtes und verklärtes Abbild zu gewähren, das Schönheit und Echtheit verbindet. ' J. R." unternehmen. Eines »Nachts klapperten die Scheiben der Synagoge und flogen bei vielen Juden 'die finster ein. Die drei "hatten sich deswegen vor 'dem . -Amtsgericht fCitaingen wegen teils gemeinschäctlicfcer, jteila einfacher Sachbeschädigung zu verantworten. sJeder der drei Burschen wurde zu einer Geldstrafe >on 60 Mark, für den Fall der Nichtembringlichkeit zu einer Gefängnisstrafe von 20 Tagen verurteilt. Der Staatsanwalt hatte die Freiheitsstrafen beantragt. Nur , dem Umstand, daß die Tat der jungen Burschen als ein unüberlegter Streich zu bewerten war, hatten sie es zu verdanken, daß sie mit einer, wenn-auch empfindlichen Geldstrafe, davonkamen. : £ Korrespondenzen. Deutsches Reich. Wegen Sachbeschädigung verurteilt. Frankfurt ia. M., 22. Jan. Die „Main-iFränkische Zeitung" in Würzburg meldet aus Pützlingen: Die Judenfrage ist gesetzlich, geregelt. Der Füll-* rer hat den klaren Befehl gegeben, daß Einzelaktionen gegen Juden zu unterbleiben haben. Trotzdem, glauben manche immer noch, auf eigene Faust losziehen zu dürfen. So faßten drei Burschen in Wie -;; senbronn den Entschluß, in ihrem Dorf etwas zu^. Reichsminister Dr. Frick über Rassepolitik. Berlin, 27. Jan, Im neuesten Heft der „Zeitschrift der Akademie für Deutsches Recht" macht Reichsinnenminister Dr, Frick Auaführungen zur Riassepolitik. Dr. Frick be-;,tont, daß von der iReinerhaltung der Rasse der-.-.-Beistand des Volkes» und des Staates und seine Kultur -abhängig sei. Jede Vermischung mit artfremdem Blut sei Rasseverderb und bedeute auf die Dauer gesehen ' den Untergang von Volk und Staat. Von diesem Standpunkt aus sei die Angliederung fremder Volksit.eile i nicht mehr, als eine Stärkung, sondern als' .eine Schwächung der Volkskraft zu betrachten. Dr. Frick ^betont sodann, daß diese von der Rasse ausgehende ' Auffassung kein Werturteil über die verschiedenen •'Völker der Erde und ihre Rassen bedeute. Es werde . * 1 vielmehr nur festgestellt, daß sie verschieden geartet seien. Und da sie so kraft des» g'ttlichen Schöpferwillens geartet seien, sei es nicht Menschensache, innerhalb der Weltordnung diese verschiedenen Ras»- Y sen gleichsam in eine Wertskala einzufügen. Dagegen i.sei es notwendig, .die Mischung nicht artverwandter Rassen zu verhindern. Gute und schlechte Menschen gäbe es in jeder reinen Rasse. Bei dauernder. Vermischung artfremder'Rassen lassen indessen die; güj ten Eigenschaften nach und >die schlechten begannen die. Vorherrschaft zu gewinnen. Es 's<ei ferner'>Srrig, von einer „deutschen" Rasse zu sprechen. Alleridings werde die nordische^ Rasse als stärkster und schöpferischster Teil des deutschen Volkstums .angesehen; deshalb wolle man das nordische Bliit, das heute im deutschen Volk noch »mit etwa'' 50 Prozent rein ^'vorhanden sei, erhalten und vermehren. . ,. . '-' ' ' 7' 7 -!"r.':: '{iN; Eine Statistik über Misctoänefc : ||?| B e r-lin ,- 27 $tn; Im „Völkischen »Beobachter" werden ini- Rpymen eines Aufsatzes über den Begriff der "Misüheh^statistische Angaben über die Zahl der Mischehen im 20. Jahrhundert gemacht. Im Jahre 1901 seien"; von tausend Eheschlüssen 1,40 Mischehen gewesen. Bis. 1910 sei der Anteil auf 2,01, 1915 auf 4,1 gestiegen.' . Auf hundert rein jüdische Ehen seien am: Jahre 1901: an Mischehen 16,9 gekommen, 1910 25,9; 1915' '104,2: das heißt, daß mehr jüdische Mischehen älsi-rein jüdische Ehen geschlossen Wiarden« "'• Voli«-lWSS-bisi 1920 sei der Anteil der-Mischehen langsam zurückgegangen. Er betrug 2,49 auf tausend Eheschließungen und- 29,4 auf hundert rein jüdische Ehen. Danach macht': siebtem neues Ansteigen ..geltend, ,so daß im Jahre 1924 3,52 Mischehen auf tausend Eheschließungen entfielen. Von da ab fällt »der Anteil langsam bis auf 2,69 von je tauseiid Eheschließungen im Jähre 1933.. Öffentliche Aufträge an jüdische Finnen. Berlin, 24. Jan. Wie „Der deutsche Unternehmer". meldet, weist: der Reichs- und Preußische .Wirtscbaftsminister;n. einem »Bescheide an die Auftragsstellen darauf hin, daß »die Frage, in welchem. Umfange jüdische Firmen öffentliche Aufträge erhalten können, demnächst neu geregelt werde. Vorläufig gelten die Richtlinien des Reichskabinetts vom 14. Juli 1933. Staatssekretär Dr. Freister über das Blutschützgesetz. Berlin, 24.. Jan. In einem Jahresrückblick und -ausblick auf das- Deutsche Rechtsleben in der „Deutschen Justiz" bespricht Staatssekretär Dr. Freister auch das Blutschutzgesetz und »das Ehegesundheitsge-setz, die der Ehe, wie er schreibt, „auch rechtlich die Grundlage gegeben und für ihre Zulassung die Begrenzung aufgestellt haben, die sie haben muß, wenn man sie als das betrachtet, was sie ist, als natürliche Grundlage des Volkslebens. Die beiden Gesetze beruhen auf" folgendem Grundgedanken:' Das Blutschutzgesetz will für die ' Zukunft die' Ehe zwischen Deutschen und. Juden verhindern, um eine weitere 'Rassenmischung mit Juden unmöglich :zu machen. Zu diesem Zweck stellt es einmal defi' Begriff des Juden fest- und bestimmt bezüglich -der-Mischlinge teils, daß und . wie weit sie zu den Deutschen geschlagen werden, teils in welcher 'Weise durch Mischlingsehen untereinander der bereits erreichte Grad der Rückbildung zum Deutschtum gesichert und gefördert wird, teils, daß durch bestimmte schlüssige Lebenshandlungen der Mischling zum Judentum optiert und fördert dadurch: erstens die Reinhaltung des deutschen Blutes, zweitens die Reinigung des Teils der Mischlinge zum Deutschtum hin, die diesem im Läufe von Generationen wieder uzgeführt werden sollen, und drittens die Auflösung einer Mischrasse, deren Entstehung und Festigung anderenfalls eine Gefahr darstellen würde. Dieses Gesetz ist in wahrhaftem Sirine ein Gesetz.von säkularer Bedeutung: Das Ehegesun»dheitsgesetz geht von dem Gedanken aus> daß jede Ehe leiters der Adaß Jisroel in Berlin, berichtet. In-' zwischen ist ein gleiches Werk auch für den raitr Vormittagsg'ttes'dienst entstanden, dessen erstmalige Verwendung in nächster Zeit bevorsteht. Der Chorsatz ist wieder für Männerstimmen; eine Bearbeitung »auch für Knabenchor ist natürlich nicht ausge-. schlössen. s Die Liturgie umfaßt n'in» und qoia;-sie setzt mit/f T^na ein und schließt mit .■•Wf&o-t'Kr .Das-Rezitativ^ des irrt ist fast durchgehend mitnqtiert., Dadurch wird& jene Einheitlichkeit bedingt, um die es» Dymont in<ij erster. Linie geht: der stillose Wechsel Lewandowski'-.ii scher, Sülzer'soher, Naumbourg'scher' ü. a. -Rezitative)|' den man bisweilen hört, wird vermieden;. Dymont^ wurzelt ganz im traditionellen nou; was er schreibt,»? ist gutes matn und auch die Melodik der Chöre steht — ein weiteres Moment »der Einheitlichkeit — in, engem Zusammenhäng mit dem nöu. Wenn »Dymorit in den Gesängen beim Ausheben etwa die ma»aa der mtri und ny/oon anklingen,,läßt, so steht er damit ifjjft doppelter Hinsicht in einer Tradition syna.gog^lerg Musik entwicklung: einmal mit der Einbeziehung .de*» niJ'JU in die Melodik J auch der Gebets weisen, wofü^f , etwa i, die ,-»Ttt . .te-Melo-dj.e (ein hervorragendes» Beispiel bildet, dann a'b-er auch mit der musikalischen^" Zusammenfassung liturgisch-fcasamm£hg'eh5rigef TeiljR>^ wie sie durch diese lnelodiisahe „Brücke".«- zwrächetjr^ Ausheben' und minn . lupip. hergestellt - wird. E&.; Nachteil ist aller-dings, daß im Ghorsatz nun gewinn sermaßen eine Harmonisierung einzelner rm'Sa '■■ eit-pj 'folgt,' was» stilistisch große Bedenken hat.'A^nli<£hg»t gilt für den an sich glücklichen Gedanken,;;dais. &W£ beim Ausheben wie »in der Mußaf-ntPTp aufdie Miw| lodie der mva beim .iDir-Blasen singen zu lasjse^g Die Harmonik unterscheidet sich von deqemgeiP" früherer Synagogenkomponiisten durch ihr wesentlich moderneres Gepräge, ihr herber Charakter, gibt;; dem Ganzen eine »strengere Haltung, die es gegenü^l der — auch religiös bedenklichen! — musikaliscEenlHiarm-: losigkeit und „Gemütlichkeit" vieler 'be»kahnte®Chorsätze gründlich abbebt. Hier liegt t .über^ipF? ein Ansatzpunkt, von dem aus . die Sorge um - Erneuerung unserer Synagogßnmusik ,-alsi dr^ugliq^ erü ' scheint: eine; musikalische: Interpretation,! d|fe; der Größe des Textes nicht entspricht, führt von i$M fort und widerspricht somitider eigentlichen j^ufgs^ des synagogalen -Gesanges.;, .:;;,;, |gr Die'Art, <in: der i Dymont den Chqr .ejnsetz^^erinnert 'an die »„Mesohorarim'';des Ostens;;/häüfife|^v--ijrkt der Chor gleichzeitig mit 'dem , ]Jn,.. indem .ei^ws^en Worte wiederholt oder mit sog. ^Brjunmsti'^iein'', d. h. summend, die harmonische Unterlage für das" Rezitativ herstellt. Zweifellos ist diese enge Verbindung zwischen Chor und "|tn .traditioneller und^weniger „konzerthaft" als die scharfe Trennung, bei der der Chor „seine" Stücke. .„vorzutragen" hat. . ■f'--. ::l .i-,k . H. Fr^fen. : m Die Klagemauer 4 Üi$x JDfteV-y< inet!; ------ifj ein!-• >■ ■ ' •' -• j i-ii:, ,r .- j : Die «Kothieli.maSarQWt aiefet jzu, P,e5^ach...un^^ä*lte Mengen'- zu sich. Der-vBesuch. gel4-|1'in. die T^^ah^K" seüde/-Unier-idenen, .-die »dien-, W«g zu ..ihrid»üi^i jdiö« interessiänten GSßcheQtider• Altstadt-f^den. 'siM«n|cht nur idjie^dife' äih: Sabbat o»d^r; Jornt^vw,; aücjft #ffFj ihre Schritte «buhui'•■äf^akennfßixSk-V^.^j^H211:1-- '^gen^4i^-:^Mräiicöieh.l ismi^hi^J-'S^0Afi^l^m fol^ le'n, 'sönderrr' äuehi> im Nua.cht /^ecjm^R> jdie':;igänz \F~vkiWi>Xi& 5zi48enc$o vBäai-j.^gin,§^rfl|n Ä^rtbin, sie empfinden so eine Volkswallfahrt lind die wogende frohe Menge,; die von und zu historischer Stätte strebt und-strömt, ist ihnen ein Abbild der feiernden Nation, die in Zion sich s»ammelte, wenn die Zeit ..der Feier nahte. Man soll daran nicht Anstoß nehmen und das nicht tadeln. Aber man wird doch dabei nachdenklich gestimmt: »der Stein, die Mauer, das Ueberbleibsiel aus!«- den. i Ruinen der ^erstörung{ sie k§niren,s anagn^Usf-he. ...l^räfte.. .au^u|>en, S>i<s bleiben an .ihrer Stätte, und, die Scharen strömen/hin'üüd!erleben ein -Stüclk ^schichte; ein Stück nationaler* Hoffnung und Zuversicht. Aber *däs Wort, »das» vou Zions_aiusging, der'Geist, der von diesem Orte in alle W;elt^getragen •.=wurde>; :ey hat .leider, v^on seiner ÄnOTehungskraft eingebüßt;;zu. ihm sollte vor »der rvuekkehr ins' Judenland äas''%^niyäxi '''zta^ötfckehr^fi?' ühid hoch härttl die Köthel' dir' 'Mefnge; die 'spriofit: ich»(freue mi'ch». iwenn man zu mir spricht, in das Haus des Ewigen wollen wir gehen. — a, — / Wochenkalender.; " ' " ..'!:.;»..>JWl!i 1:<n-Jff.' v Vo»^^,Tr i8..^bruar A9$6., / .1[oib 8.[- lp. Schebat 5696 Samstag. Sonntag;iMontag. , Dienstag , , Mittwoch., Donners|aj Ereitag;i ,j Samstag.. . Febr, .MjB; ::i;s>! -■».-■ >,i>,;>Jl,!iCj W 5|T rinnab!'-n3^ -i .,3 ■ , l3.. ''na fztiu'., « 03 .'• ff" iffRy' 15 rn. SD '.••r.vc-v;. <v . Ulli v/jiiJiüi,lm->myrav;-.rhvz "*i»y nwan :'i-!iji!'fl$i