Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1936)
- Date
- 1936-01-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 5 Der Israelit 30. Januar 1936 richte des Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Nansen amtes und des Oberkornmissars für die Auswanderer aus Deutschland vorzulegen. Zum Präsidenten des Internationalen Nansenamtes ward das norwegische Mitglied des Internationalen Gerichtshofs im Haag, Michael Hansson, ernannt. Die Ernennung des Oberkommissars für die Auswanderer aus Deutschland wird dem Präsidenten des Völkerbundsrates nach vorheriger Befragung der Ratsmitglieder überlassen. Als Verwaltungsbudget wurde dem Oberkommissar für die Auswanderer aus Deutschland bis September 1936 ein Betrag von 50.000 schweizer Franken bewilligt. In der Einleitung zur Resolution wird dem bisherigen Oberkommissar für die Auswanderer aus Deutschland, Prof. James G. MacDonald, der Dank für seine Tätigkeit ausgesprochen. Sein Rücktrittsschreiben mit den angeschlossenen Aufstellungen und ^Schlußfolgerungen soll der Völkerbundsversammlung zur Beratung unterbreitet werden. Weiterhin werden die bedeuten den wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten hervorgehoben, die in vielen Ländern infolge des starken Zustroms von Auswanderern ent standen sind. Empfang der arabischen Führer durch den High Commissioner. Jerusalem, 29. Januar. J habe, durch das Bodenverkäufer gezwungen werden sollen, das für ihre Existenz erforderliche Minimum an Grund und Boden nicht zu ver kaufen. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat am Mittwoch, den 29. Januar, die Führer der arabischen Parteien empfangen >und ihnen die Antwort des Ministeriums für die Kolonien auf das arabische Memorandum vom 26. November v. J. mitgeteilt. In der Antwort des Kolonienministeriums wird die Forderung nach Einstellung der jüdischen Einwanderung abgelehnt und die Erklärung abgegeben, daß für die Einwanderungspolitik der Regierung das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes auch weiterhin maßgebend sein werde. Weiter wird darauf hingewiesen, daß die Vorschläge über die Einsetzung eines Legislative Council die Antwort auf die Forderung nach Einführung einer demokratischen Selbstverwaltung darstelle. Gleichzeitig wird erklärt, daß die Regierung grundsätzlich ein Gesetz gutgeheißen Ueber die Unterredung des Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisa tion Dr. Weizmanti mit High Commissioner Sir Arthur Wauchope über das geplante Gesetz zur Einschränkung des Bodenverkaufs wird ergänzend mitgeteilt, daß Dr. Weizmann den High Commissioner darauf aufmerksam gemacht habe, daß die ganze von der Regierung in letzter Zeit befolgte politische Linie die Grundlagen des Jüdischen Nationalheims zu zerstören drohe. Es heißt, Dr. Weizmann habe hinzugefügt, die Jewish Agency würde sich genötigt sehen, den Internationalen Gerichtshof im Haag anzurufen, falls die Palästinaregierung bei ihrer gegenwärtigen Politik verharren sollte. Palästina am Tage der Beisetzung König Georg V. Jerusalem, 28. Januar. Obwohl der Tag der Beisetzamg König Georg V. nicht als offizieller Trauertag in Palästina proklamiert worden war, wurde er doch von der gesamten palästinensischen Judenheit in ehrfürchtigem Gedenken an den verstorbenen König begangen. Die Schulen und Aemter im ganzen Lande blieben geschlossen. Die Flaggen wehten auf Halbmast. In den Fabriken und sonstigen Arbeitsstätten wurde eine Trauerpause von zwei Minuten eingeschaltet, während der jegliche Arbeit ruhte und in tiefem Schweigen des Toten gedacht wurde. In sämtlichen Synagogen des Landes fanden Trauerg'ttesdienste statt. An der Klagemauer wurden besondere Gebete für König Georg V. gesprochen. Die Trauer Großbritanniens hat in der arabischen Oeff entlichkeit Palästinas wenig Widerhall gefunden. Die arabischen Zeitungen haben die Nachricht vom Tode des Königs nur kurz verzeichnet und den Eindruck geschildert, den der Todesfall auf die jüdische Bevölkerung gemacht hat. Nur vereinzelte arabische Führer haben dem High Commissioner oder der englischen Regierung .unmittelbar Beileidskuaidgebungen zugesandt. Dagegen befaßt sich die arabische Presse sehr eingehend mit den Ereignissen in Syrien und veröffentlicht Artikel, in denen sie der Sympathie und der Solidarität mit den syrischen Aufrührern Ausdruck gibt. Jüdische Gottesdienste während der Beisetzungsfeierlichkeiten für König Georg V. London, 28. Januar. Während der Beisetzungsfeierlichkeiten für König Georg V. wurden in allen Synagogen Englands G'ttesdienste abgehalten, bei denen ein vom Oberrabbiner des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, zu diesem Anlaß verfaßtes Gebet gesprochen wurde. Oberrabbiner Dr. Hertz leitete den G'ttesdienst, der um 3.30 Uhr in der Londoner Großen Synagoge stattfand. Besondere Gedenkg'ttesdienste wurden außerdem um 6 Uhr abends in allen Londoner Synagogen abgehalten. Vor dem Nachmittagsg'ttesdienst in der Großen Synagoge veranstaltete der Rat der United Synagogue im Ernest Sohiff-Gedächtnissaal der Großen Synagoge eine Trauerversammlung. (Siehe Korrespondenzenteil.) Uebereinstimmung zwischen der Samuel-Abordnung und den amerikanisch-jüdischen Führern. New York, 27. Januar. Anläßlich der am 26. Januar in St. Louis, Missouri, abgehaltenen Tagung des Rates der jüdischen Verbände und Wohlfahrtsfonds wurde bekannt gegeben, daß über die Pläne für die Auswanderung von Juden aus Deutschland volle Uebereinstimmung zwischen der aus Sir Herbert Samuel, Lord Bearsted und Simon Marks bestehenden Abordnung und den Führern der amerikanischen Judenheit erzielt worden sei. Diese Mitteilung wurde von Felix M. Warburg und dem Führer der englisch-jüdischen Delegation, Sir Herbert Samuel, gemeinsam nach dem Abschluß der ersten Beratungen zwischen den jüdischen Führern gemacht. Die Abordnung wird ihre Verhandlungen mit den Führern der amerikanischen Judenheit in New York fortsetzen. In seiner Ansprache an den Ratder jüdischen Verbände und Wöhlfahrtsfonds erklärte Felix M. Warburg, es sei Aufgabe der englischen und amerikanischen Juden, den größten Teil der Verantwortung für die Verpflanzung von hunderttausend Juden aus Deutschland zu übernehmen. Von den Auswanderern soll eine möglichst große Zahl in Palästina untergebracht werden. Warburg betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, die Anstrengungen für das American Jewish Joint Distribution Committee und für den United Palestine Appeal zu Yerstärken. Andererseits forderte Felix M. Warburg die Zioriisten auf, mit den Arabern und Christen in Palästina eine Zusammenarbeit anzustreben. Sir Herbert Samuel hielt eine Ansprache, in der er die Rolle hervorhob, die Palästina bei der Erlösung der durch die Lage in Deutschland bedingten Pi ablerne spielt. Endgültige Pläne für die Auswanderung von hunderttausend Juden aus Deutschland, so erklärte er, würden demnächst bekannt gegeben werden. Zu ihrer Durchführung sei ein Fonds von 15 Millionen Dollar erforderlich. Von diesem Fonds sollen 10 Millionen in Amerika und 5 Millionen in England aufgebracht werden. Voraussichtlich wurden diese Pläne auf der am 2, Februar in Washington stattfindenden Palästina-Reichs-Konferenz vorgelegt werden. Die Mittel würden den Auswanderern als Darlehen zur Verfügung gestellt werden und eventuell in einen allgemeinen Auswanderungsfonds zurückfließen. Der Rat faßte eine Resolution, in der die amerikanischen Juden verpflichtet werden, möglichst große Mittel für die Finanzierung der Auswanderung von Juden aus Deutschland aufzubringen. Sympathiestreik in Transjordanien für die syrischen Nationalisten. * Jerusalem, 29. Januar. In Transjordanien wurde ein Generalstreik als Zeichen der Sympathie für die syrischen Nationalisten ausgerufen. Es liegen Meldungen voi\ denen zufolge der als Rebell verbannte Drusensultan El Atrash nach Fühlungnahme mit den tr ans jordanischen Extremisten sich bereit erklärt haben soll, nach Syrien zurückzukehren, um die Führung des Aufstandes zu übernehmen. Aus Damaskus wird gemeldet, daß der Vorsitzende der syrischen Nationalistenpartei, Anton Saad, wegen antifranzösisoher Betätigung zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt worden ist. HICEM und die Auswanderung aus Deutschland, Paris, 19. Januar. Der Verband für Auswandererhilfe, HICEM (Hias-Ica Emigration Association) veröffentlicht über seine Tätigkeit zugunsten der Auswanderer aus Deutschland einen Bericht, in dem es zum Schlüsse heißt: ,,'Seit August 1935 wurden bei den Komitees in den Nachbarländern Deutschlands über 1000 Personen registriert, die infolge der Auswirkung der neuen gesetzgeberischen Maßnahmen ausgewandert sind. An eine Unterbringung dieser Menschen in den, Nachbarländern selbst ist schwer zu denken» Die Rechtslage dieser Neuankömmlinge ist längere Zeit ungeklärt; neu eintreffende Auswanderer werden von den Regierungen unter Aufsicht gestellt. Darum hat sick HICEM mit den zuständigen Stellen in Deutschland in Verbindung gesetzt, um gemeinsam mit ihnen für ads Jahr 1936 einen Plan der Wände-- rung aus Deutschland in die Ueberseelähder zu studieren und zu organisieren, damit unkontrollierte Massenauswänderung vermieden werde."'