Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1936)
- Date
- 1936-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450914--81868-2539769- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SSpspgjjää^Iws^^^Pj! 9<fi^>i^m^m^im]esf!«gs^i%m» r^^^^^^^^^^^^^^^^^SSjS^^I^S^^^r 31.JAN.1936 Frankfurt a« M. 30. Januar 1936 6. Schebat 5696 Nummer 5 Provisorische Regelung der Auswandererfürsorge in Genf. Genf, 25. Januar. Am 24. Januar wurden die Entschließungsan- -träge zur Verhandlung des Auswandererproblems angenommen. -Sie tragen provisorischen Charakter und gelten nur bis zum Zusammentritt der nächsten Völkerbundsversammlung. Aber immerhin untersteht jetzt das Hilfswerk für die Auswanderer aus Deutschland un mi 11 e 1 b är der "V ö 1 k e r b u n d> sauf sieht, was schon dadurch zum Ausdruck kommt, daß mit den beiden jetzt alllein noch für den Posten des Hochkommissars in Betracht kommenden Kandidaten, General Chat wo od und General Neil Malcolm, der Völkerbundsrat selbst durch seihen Präsidenten vfer.handelt,; und > ferner darin, daß die Kosten des Ob erkommi^s a r i a t s bis zur . en dgültig en Neuregelung durch d<i e Völker bu md s Versammlung g e t r a gen > wi rid.. Die Einberufung, einer zwischenstaatlichen Konferenz zur Regelung des Rechtsstatutes der Ausgewanderten wird die Lösung des gesamten Aüswandererproblems gleichfalls um einen bedeutenden Schritt weiter brhigens^pje, Arbeit der Privatorganisationen für bei all dem nicht zum Stillstand kommen dürfen. Der Beriohterstatter Z a 1 d u m p b i d e legte in seinen Vorbemerkungen nach einem UeberfoKck über die gesamten Verhandlungen u. ä. folgende Entschließungen vor,, die vom Rat e i nstimmig angenommen wurden: Der Völkerbundsrat bringt, nachdem er den Bericht der Kömmission für internationale Auswandererhilfe zur Kenntnis genommen hat, seine Genugtuung über die von dieser Kommission geleistete Arbeit zum Ausdruck. In dem Bestreben, in keiner Weisie den Entscheidungen vorzugreifen, die von der Völkerbundsversammlung selbs zu treffen sein werden, beschränkt er seine gegenwärtigen Entscheidungen auf Maßnahmen rein provisorischen Charakters. Er übergibt der Völkerbfundsversammlung den Bericht der Kommission für internationale Auswandererhilfe und insbesondere, diejenigen Teile des Berichtes, die die Bestimmungen über Maßnahmen dauernden Charakters enthalten. . Zum Präsidenten des Internationalen Nansenamtes für Flüchtlinge wird Herr Michael Hansson ernannt. Ueber die Aufgäben des Obenkommissars läßt* sich der Berichterstatter folgendermaßen aus; a) Im Einvernehmen mit dem Generalsekretär die Tagung einer zwischenstaatlichen Konferenz vorzubereiten und zu arrangieren mit dem Ziele der Aufstellung, eines Rechtsschutz-Systems für Auswanderer aus Deutschland. Zu dieser Konfetenz sollen im Einvernehmen mit dem Oberkommissar von dem Generalsekretär die Mitgliedsstaaten des Völkerbundes sowie die Vereinigten Staaten von Amerika und die Vereinigten Staaten von Brasilien eingeladen werden. b) In, geeignetster Form Beratungen mit den verschiedenen Regierungen betreffend die Möglichkeiten und Verhältnisse für die Beschaffung von Arbeit und Unterkunft für die Ausgewanderten zu pflegen. c) Die von ihm als wünschenswert erachteten Verbindungen mit den Privatorganisationen, die sich mit Hilfe an die Auswanderer,- Einwanderung und Arbeitsbeschaffung hefassen, in der ihm am geeignetsten scheinenden Weise herzustellen, da die Tätigkeit dieser Vereinigungen von dem Völkerbund als nützlich anerkannt werden. - Der Völkerbundsrat fordert ferner den Generalsekretär auf, der Völkerbunidsversammlung, außer dem Bericht der Kommission für internationale Aus wander erhilf e, auch das Rücktrittsschreiben James G. MacDonalds, den Bericht und die Resolutionen des Rates sowie die Be- (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Empfang der arabischen Führer durch den High Commissioner . Seite 2 Palästina am Tage der Beisetsung von König Georg V........Seite 2 Jüdische Auswanderungsschule . . . Seite 3 Die Auferstehung Arabiens.....Seite 4 Ecuador...............Seite 4 Der Roman der Kenessio Gedaulo . . Seite 4 (Von J. R.) Um die Konzession für jüdische Lokale Seite 7 Wirtschaftsbericht und Nachrichten aus Erez Israel......Seite 7 u. 9 Zur Rabbinerwahl in Lodz.....Seite 8 Beileidsschreiben der Weltorganisation der Agudas Jisroel an die Königin Witwe von England........... Seite 8 Zu den Parlamentswahlen in Griechenland Seite 9 treuen Rabbiner Von Dr. Joseph Carlebach. II- Dennoch ist es nicht zu leugnen, daß die grundlegende Aenderung in der Stellung und den Amtsbefugnissen . des Rabbiners allmählich schwere Schäden zeitigte. Das Jahrhundert jüdischer Emanzipation in den Ländern des' Westens hat das Wesen der rabbinischen Stellung von Grund auf geändert. Aus einem freien Boten und Künder einer höheren Lehre war ein bestallter und beamteter Diener der Gemeinden geworden, dessen Pflichtenkreis sich durch Gemeindeordnungen und Vorstandsbeschlüsse regelte. . Die Gemeinden, im Gefühl autonomer Kraft, betrachteten oft den Rabbiner nur als Berater und Gutachter, nicht mehr als inappellable Stimme des jüdischen geschichtlichen Gewissens. Die Autorität des Rabbiners beruhte nicht mehr allein in jüdischen Werten. Sie bedurfte zu ihrer Festigung einer akademischen Fundierung, einer gehobenen sozialen Stellung. Nur als Glied einer so betonten höheren Gesellschaftsschicht mit ihren vornehmen Umgangsformen, ihrer in der äußeren Erscheinung sich bekundenden Distinktion, in einem die Anrede verbrämenden akademischen Titel konnte sich noch die Besonderheit seines Ranges erhalten. Eine solche Stellung mit ihren äußeren Anforderungen machte den Rabbiner ergesetzesin Deutschland. weitgehendst materiell abhängig, schuf vor allem eine bedauerliche Kluft dem kleinen Mann gegenüber, in dessen Herzen das Religiöse am triebkräftigsten un dinnigsten lebt, verwies den Rabbiner mehr und mehr auf diejenigen Gebiete allgemeiner Kultur, die der besseren Gesellschaft zum Gegenstand ihrer Unterhaltung dienten, und ließ ihn sowohl in seiner Ausbildung, als in seiner späteren geistigen Erfüllung auf die eigentlichen Bezirke rabbinischen Wissens mehr und mehr verzichten. Dort, wo die Religion selbst, aus dem Zentrum des Lebens verdrängt, nicht mehr Gestalterin und Sinngeberin des Gemeindelebens war, ward auch der Rabbiner mehr und mehr ein vornehmer Luxus, einer Veredlung und Verfeinerung aller noch von der Religion nicht losgerissenen Lebensereignisse dienend. Seine Domäne wurde die feierliche Rede im G'ttesdienst oder bei Familienanlässen der Freude oder der Trauer. Im G es amtr ahmen seiner nunmehrigen Stellung durfte die Rede nicht dem Augenblick wirklich zur religiösen Erschütterung, zum ersten Anruf G'ttes, zur Verbindung des Menschen mit seiner höheren jüdischen Verpflichtung dienen, sondern lediglich der Erbauung und der erhöhten Stimmung, die sich genießerisch im Wort der Bibel und in Gedanken der Ewigkeit spiegeln. (Fortsetzung siehe Seite 3.)