Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1936)
- Date
- 1936-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 4 Der Israelit 23. Jamuiar 1936 Kein Jude darf nofleiden Die Jüdische Winterhilfe muß helfen! junge jüdische Rechtsgelehrte erkennen läßt, daß im alten jüdischen Rechte zum Teil auch die Wurzeln des modernen Rechtes ruhen. Das von Rabb. Dr. Eiie Münk, Ansbach, angeschnittene Problem des kabbalistischen Denkens wird ausgiebig behandelt. Zuerst werden einige Ausführungen aus dem in Frankfurt a. M. gehaltenen Munk'schen Referat wiedergegeben, sodann wird in einem größeren Artikel von Rabb. Ph. Fischer, Sarospatak, unter dem Titel „Neue Wege" (zum 27. Teweth) auf die Ideologie von Münk eingegangen. (dVw Iis Das Licht der Ewigkeit, Hermon-Verlag), um diese Gedanken im Lichte der Lehren von S. R. Hirsch zu zeigen. Verfasser schließt sich der Methode Is.aac Breuers an, daß „bei all diesen neuen oder altneuen Gedankenkomplexen Hirsch zur Grundlage genommen werden müsse, um Mißverständnissen und Mißbräuchen vorzubeugen." Daß sich zwischen diesen beiden Artikeln, die organisch verbunden sind, der Entwurf der a g u - d i st i sehen Poalim-Organisation einschiebt, kann vielleicht als ein Regiefehler empfunden werden, vielleicht auch nicht, denn dieser unseren Lesern bereits bekannte Entwurf ist nicht allein Organisationsplan, sondern darüber hinaus auch das greifbare Resultat einer jüdischen Ideologie, wie sie in den genannten Aufsätzen behandelt wird. Es folgen im reichhaltigen Hefte exegetische Beiträge von Salomon S p e i e r , Straßburg, Bemerkungen zur jüdischen Chronologie von Dr. Ph. Biber f e 1 d und Buchbesprechungen. Rabb. Dr. B r e slauer, Fürth, setzt seine Aufsatzreihe über „Geschichte de® G'ttesstaates" fort. Der hebräische Teil bringt eine erschöpfende Abhandlung über die Frage der aschkenasischen und s e p h a r d i - sehen Aussprache von Rabbiner Dr. Esra Münk, Berlin, die in der Hauptsache zum gleichen Resultate kommt, wie der in unserem Blatte jüngstihin veröffentlichte Aufsatz von Rabb. Dr. Jakobovits. Die Artikelserie nir^nn i^n von Rabb. Dr. E. Biberfeld wird in diesem Heft zu Ende geführt. Jerusalemer Mosaik« Mesusah oder Schmuck? Das: Gepräge des jüdischen Jerusalem wird nicht zuletzt merklich an der Mesusah, die man zumindest an den äußeren Türen der jüdischen Wohnurigsinhaber findet. Verschieden an Größe und im Material der äußeren Hülse, die meist aus dem berühmten Olivenholz hergestellt ist, oder auch gänzlich fehlt, vielfach unbeachtet, häufig mit Andacht berührt, zeigen sie ein Stück jüdischer Selbstverständlichkeit, die man nicht ohne Freude hinnimmt. Freilich, man weiß nicht, soll damit der Schein eines jüdischen Hauses erweckt werden, soll die Mesusah ©ine talismanähnliche Stelle vertreten, soll sie ein Schmuck nur sein? Man käme vielleicht gar nicht auf so sündige Gedanken, anderes als nur die Erfüllung der Mizwah zu vermuten, wenn einem nicht die Ueberfülle der Mesusoth an den Türen jüdischer Institutionen und. Büros auffallen müßte. Man kann sie fast nicht zählen, die Mesusoth an den unzähligen Türen der Gebäude des KKL und des Keren Hajessod, und was da schreibt, berät, verhandelt, empfängt, — nun wie wenig denkt es religiös, wie -wenig will es diese Räume religiöser Arbeit geweiht wissen wollen! Ob die Verbindung der Mesusah mit dem Nationalen schon gefunden ist, ist mir leider nicht bekannt. Aber, es muß doch wohl eine solche Synthese schon geschaffen sein, denn alle Lehrsäle, alle Verwaltungszimmer der hebräischen Universität : haben eine Mesusah, wiewohl darin oft genug das heiligste Wort ohne Kopfbedeckung, gelehrt, gesprochen, gehört wird? Oder man tut es mechanisch und denkt sich nichts dabei. Nur in den Büros in der Nähe der mitbach hapoalim ist eine Mesusah nicht zu sehen. Schein soll hier nicht gewahrt werden, Schutz braucht eine tätige Arbeiterhand nicht, sie ist eine Macht, und Schmuck kennt sie nicht. Sie fühlen sich jenseits der Mesusah ... Gibt es in Erez Israel ein Ich? Es gibt eine Ichheit, anochiuth, wie das neugeschaffene Wort für Egoismus lautet, aber sonst hat man sich bürokratisiert und seinen Verwaltungskörper nach europäischem Muster eingerichtet. Es gibt Kompetenzen und deren Grenzen, es gibt Zimmer mit Nummern, man kann Interessenten und Petenten so schön von Zimmer zu Zimmer schicken, man kann sich so schön auf seinen geringen Machtbezirk berufen — und man macht davon beim KKL und anderen informatorischen Zwecken gewidmeten Betrieben gern Gebrauch. Daß man sich in die Lage des einzelnen Menschen 'hineinversetzt, daß man neben schematischer auch etwas persönliche Arbeit leistet, das geschieht nicht, oder doch, es geschieht in dem.; einzigen Ausnahmefalle,' daß man den Zim mern;und den Institutionen., die dahinter stecken, Nutzen >zu bringen erwartet. Wer alsi Tourist ode zur Besichtigung kommt, der wird „empfangen", ge führt, der ist ein „Ich", von dessen Namen, Wohnung usw. man bestens Notiz nimmt. Aber was sage ich, man wird' „empfangen"; ist ja4 nicht wahr, man fährt ihm entgegen bis nach Haifa mindestens, man entschul digt sich bei den Petenten, um deretwillen man einen grünen Tisch hat, mit dieser höchst notwendigen Be grüßungsreüse, und man wind morgen ja im „Haarez' lesen> welche leitende Männer mit dieser wich tigen Aufgabe betarut wurden, gelegentlich auch Ich und Personen zu erkennen. — a — Lied. Aus einem Zyklus nüVin •>*>•>» („Lieder der Seele"|). Von Ben-Jamin. I. Ich habe das Können noch nicht, Doch hab' ich das Wollen, So weiß ich vom Weg. Ich habe die Rundung noch nicht, Doch hab' ich (die Regung, So weiß ich vom Gang. Ich habe das Feuer noch nicht, Doch hab' ich den Funken, So weiß ich vom Licht. Ich habe die Schwingung noch nicht, Doch hab' ich die Hebung, So weiß ich vom Tanz. Ich habe die Einung noch nicht, Doch hab' ich das Bangen, So weiß ich das Ziel. Fremder Feuer falsche Glut Ließ ich, fand im Brande Deiner Flamme Füllung für Die Schale bis zum Rande. Mein Gefäß ist schwach und kann Diesen Brand nicht hallten. Es muß springen, linderst du Nicht der Glut Gewalten. Doch nur eine Kühlung gibt Es für meine .Schmerzen, Daß die Glut noch höher schlägt, Nahe deinem Herzen. Springt dann meiner Schale Wand, Gießt sich Brand zum Herde, Meine Glut ist dann erlöst, Frei von aller Erde. Habe ich im ersten Kuß Letzte Glut getrunken, Dann ist keine Trennung mehr Zwischen Licht und Funken. Kinderecke, Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel. Von Alice Oppenheimer. IV. Die 10 Plagen« Es war am Morgen, als Pharao hingegangen war, sein tägliches Bad im Nil zu nehmen. Da gewahrte er Moses am Ufer des Flusses. „Was machst Du da?" rief der König. „Ich will," sprach Moses immer noch das Gleiche von Dir. Du sollst hinausziehen lassen das; Volk der Juden, hinaus in die Wüste, daß es G'tt seinem G'tt diene." Pharao schrie: „Laß mir doch endlich meine Ruhe «mit Deinen Narrheiten!" Moses erwiderte: „Da Du Dich noch immer, -weigerst, o König, "so wird G'tt Strafen über Dich und Dein Volk schicken, die so schlimm sein werden, daß Du endlich glücklich bist, das Volk Israel loszuwerden." Pharao rief erbost: „Höre doch endlich auf mit Deinem Geschwätz." Da streckte Moses seinen - Stäb aus, schlug auf das Wasser des Nils und das Wasser Postscheck - Konto: Firn. 66600 Jüdische Winterhilfe?? des Nils und aller anderen Flüsse im Lande Aegypten wandelte sich in Blut. Die Pfützen auf den Straßen waren blutig, .das Wasser in den Brunnen ward in Blut gewandelt. Kein Mensen, kein Tier fand einen Tropfen Wasser zum trinken, um seinen Durst zu löschen. Auch Pharao fand nichts zu trinken und als sein Durst schlimmer wurde, ließ er Moses kommen, bat ihn, die Plage hinwegzunehmen, dann wolle er Moses' Wunsch erfüllen. Kaum'war das Blut in •Wasser ge wandelt, dachte König Pharao: wie dumm war ich, ich denke ja gar nicht daran, das Volk wegzulassen. Da schlickte G'tt die zweite Plage: Morgens, als König Pharao aus. seinem Bett aufstehen wollte und sich so recht streckte und dehnte, hielt er auf einmal in der Hand etwas Nasses, Kaltes, etwas Quatisichiges und unter seinem Rücken spürte er das Gleiche. Er sprang aus dem Bett. Da saßen um seine Füße herum Tausende von Fröschen, die quakten. Und überall, wohin er ging, erscholl ain Quaken, ein unendliches Quaken. Wenn die Aegypter ihr Brot aufschnitten, sprang ein Frosch daraus hervor. Es erfaßte ein Ekel den König und sein Volk. Und sie baten Moses und Aron: „Schaffet die Strafe fort, wir wollen, alles tun, wie es Euch beliebt." Die Frösche verschwanden, aber Pharao ließ Israel nicht ziehen. Da schickte G'tt die dritte Plage. Es juckte die Menschen auf einmal überall. Die Leute konnten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Die Aegypter schrieen vor dem Schloßpalast des Königs: „0 König, laß' doch dieses Volk der Juden hin zu ihrem G'tt« ziehen, wir wollen die Strafen, die uns ihr G'tt auferlegt, nicht ferner tragen!" Da schickte Pharao zu Moses und bat ihn: „Nimm' die Plage von uns." Die Plagegeister verschwanden. Kaum waren sie fort, sagte der König: „Ich denke ja gar nicht daran., das Volk der Juden ziehen zu lassen, es geht mir. ja wieder gut. So kam die vierte Plage. Wilde Tiere drangen in der Aegypter Land; standen auf den Straßen, vor den Häusern, und wer an Mensch und Tier im Freien war, wurde von den Löwen und ^Tigern zerrissen. Auch diese Plage nahm G'tt auf die Bitte Pharaos fort, aber dennoch ließ Pharao das Volk nicht ziehen. Nun kam die fünfte Plage. Es erkrankten alle Tiere, und als auch, dieses nichts half, kam die sechste Plage. Die Menschen wurden befallen vpn fürchterlichen Ausschlägen. G'tt nahm auch diese Strafe hinweg, aber Pharao, kaum vom Bösen befreit, fühlte sich so übermütig gegen G'tt und das Volk Israel, daß er sie nicht von dannen ließ. Es kam die siebente Plage. Vom Himmel herab fielen Hagelkörner so groß und schwer, fast wie kleine Taubeneier.. Sie schlugen die Fensterscheiben entzwei, sie stürzten das Getreide, das bald geerntet werden sollte, um. Die Körner fielen aus den Halmen und waren ungenießbar. Und als aucli diese Plage nicht half, da schickte G'tt die - achte Plage, die Heuschrecken. Die Sonne, die am Himmel stand, wurde plötzlich verdunkelt. Es zog in der Luft ein riesengroßer Schwärm von Heuschrecken daher. Sie setzten sich auf Bäume und Sträucher, sie fräßen alle Blätter, alle kleinen Grashälmchen, alles Grün, das hervorschimmerte, 'auf. Die Bäume standen nackt und kahl, als ob es Winter wäre und die Menschen fanden keine Nahrung mehr, um sich zu sättigen. Da ließ Pharao Moses kommen und sprach: „Wenn Du mir noch einmal die Plage 'hinwegnimmst, dann lasse ich Euch bestimmt fort. Kaum hatte G'tt die Strafe hinweggenommen, da dachte Pharao: „Was bin ich doch ein dummer Kerl, so fleißige Arbeiter, wie dieses Judienivolk, finde ich so schnell nicht wieder. Ich habe es mir überlegt, ich lasse sie nicht weg." So schickte G'tt die neunte /Plage. Plötzlich, obwohl es Tag war, um die Mittagszeit, wollte die Sonne nicht mehr scheinen. Aber auch die Sterne kamen nicht. Esi lagerte eich über das Land Aegypten eine Finsternis, so stark, daß man die Hand nicht mehr vor den Augen sah. Das Eigenartige war, daß von allen Plagen, die G'tt geschickt hatte und noch schickte, die Juden nicht getroffen wurden. Bei den Juden blieb es hell und bei den Aegypten* nahm die Finsteirnis noch zu. Wenn einer vom Stuhl aufstehen wollte, stieß er sich am Schrank, wollte er Essen in der Küche holan, fand er den Weg nicht dorthin. Auf die Straßen gehen, war unmöglich, denn man fand sie nicht. Pharao fand es ungemütlich, so auf einem Fleck sitzen bleiben zu müssen. Gar zu gerne hätte er sich ein Licht geiholt, eine Kerze angesteckt, aber in der Dunkelheit konnte er weder vor noch zurück, die Finsternisi war undurchdringlich. Moses mußte kommen; >und das Verhängnis hinwegnehmeri. Kaum schien die Sonne wieder, kaum war es hell im Aegyptefland geworden, da wandelte sich das Denken Pharaos, und er, der noch vor wenigen Minuten versprochen hatte, das Volk Israel zienen au lassen, weigerte sich nun und hielt die Juden in seinem Lande fest. Da kam die zehnte Plage. Wohl ■die schwerste Strafe, die G'tt je /gesandt hatte. Von der zehnten Plage, erzähle ich Euch das nächs.temal. (Fortsetzung folgt.)